Heliogabal
MSB Paperback Band 14

Heliogabal

Oder der Anarchist auf dem Thron

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Beschreibung

»Im überaus reichen Repertoire schauerlicher, lasterhafter und prunkvoller Wechselfälle aus der dekadenten römischen Spätzeit ist das Leben des Heliogabal ein Grenzfall: Gottkaiser mit vierzehn Jahren, umgebracht und in eine Kloake geworfen mit achtzehn, Priester und Wüstling, bewusster Verwalter von Zerfall und Anarchie inmitten der grandiosesten politischen Ordnung, die die klassische Welt hervorgebracht hat, und alles, was wir von seinem Leben wissen, steht bereits per se im Zeichen der Zuspitzung aller Kontraste, es ist eine Biografie, die nur aus Exzessen besteht.« Roberto Calasso

In dieser Romanbiografie gibt Antonin Artaud zu Beginn der Dreißigerjahre alles an Wut und Verzweiflung hinein, die er selbst gegen die Welt seiner Zeit hegt, in einer wuchtigen Sprache voller Gewalt und Übertreibung revoltiert er damit gegen die Gesellschaft, indem er sich in Heliogabal spiegelt.

Antonin Artaud (1896–1948), Schriftsteller, Schauspieler und Theatertheoretiker, beeinflusste mit seiner Konzeption eines Theaters der Grausamkeit die Entwicklung des modernen Theaters entscheidend. Ausgelöst durch eine Erkrankung in der Kindheit war er zeitlebens in psychiatrischer Behandlung.
Antonin Marie Joseph Artaud wird am 4. September 1896 in Marseille geboren. Sein Großvater, ein Großschifffahrtkapitän, hatte in Marseille eine kleine Schifffahrtgesellschaft gegründet. Artauds Vater war ebenfalls Kapitän geworden und übernahm das Familiengeschäft. Von den insgesamt neun Geschwistern überleben nur drei.Mit fünf Jahren erkrankt Antonin Artaud schwer an Meningitis. Er übersteht die Krankheit zwar, bleibt aber lebenslang Patient. Um seine Schmerzen zu erleichtern, werden ihm als Kind die Medikamente in die Speisen gemischt. Außerdem wird er mit einem damals populären neuen Gerät behandelt, einem Ozon sowie Gleichstrom erzeugenden Apparat, der an die Kopfhaut angeschlossen wird.Mit 14 Jahren gibt Artaud gemeinsam mit Schulkameraden eine Zeitschrift heraus, in der er unter dem Pseudonym Louis de Attides erste Gedichte veröffentlicht. Das erste erhaltene Gedicht schreibt er im Alter von 17 (Le navire mystique). Kurz vor seinem Schulabschluss verschlechtert sich Artauds Gesundheitszustand so sehr, dass er sich für einige Monate in ein Sanatorium begeben muss. Ab diesem Zeitpunkt kann er nicht mehr ohne Opium leben. Bis Anfang 1920 hält er sich in verschiedenen psychiatrischen Kliniken auf, unterbrochen durch den Militärdienst, den er dank Intervention seines Vaters nach neun Monaten abbrechen kann. Nach mehreren Kur- und Klinikaufenthalten, in denen er auch dichtet, zeichnet und malt, zieht er Ende 1920 nach Paris, wo er fortan ambulant behandelt wird.In den folgenden Jahren spielt er über zwanzig kleine Theaterrollen und in etlichen Filmrollen, bleibt allerdings als Schauspieler ohne durchschlagenden Erfolg. Als Mitglied der Theatergruppe Théâtre de l′Atelier von Charles Dullin entwickelt er eine große Theaterbegeisterung, lässt sich aber kaum in die Gruppe einbinden. Im Herbst 1924 schließt sich Artaud, trotz stetiger Skepsis, der surrealistischen Gruppe um André Breton an. Bereits zwei Jahre später wird er, im Zuge der Krise vor der revolutionären Neuausrichtung des 2. Manifestes, offiziell wieder ausgeschlossen. Artaud hatte gemeinsam mit dem antikonformistischen Schriftsteller Roger Vitrac und dem Historiker Robert Aron das Théâtre Alfred Jarry gegründet und sich mit der surrealistischen Bewegung nicht im Sinne der anderen Vertreter identifiziert. Im Juni 1927 wird das Théâtre Alfred Jarry ohne festes Haus mit Inszenierungen von Artaud und Vitrac eröffnet. Geprägt von finanziellen Problemen, inhaltlichen Differenzen mit den Surrealisten und wechselnder Motivation der Beteiligten musste es trotz massiver finanzieller Unterstützung durch private Gönner schon zwei Jahre später wieder schließen. Während dieser Zeit ist Artaud außerdem mit wechselndem Erfolg als Schauspiellehrer, Mitarbeiter an Filmen und Publizist tätig. Anfang der 1930er-Jahre verfasst Artaud, inzwischen Mitte 30, seine wichtigsten theoretischen Aufsätze über das Theater. So entsteht 1931 Das balinesische Theater, 1932 das auf dem balinesischen Theater gründende, von ihm entwickelte Theater der Grausamkeit, sowie 1933 Das Theater und die Pest und Schluss mit den Meisterwerken. 1935 wird das von ihm geschriebene und gespielte Stück Les Cenci uraufgeführt. Es wird ein Misserfolg, woraufhin Artaud eine Reise nach Mexiko antritt. Er hält sich, von Mexiko City enttäuscht, einige Wochen bei den Tarahuma-Indianern in der Sierra Madre auf und beschäftigt sich mit altmexikanischer Kultur und deren Magie. 1937 schifft er sich ein paar Monate nach der Rückkehr aus Mexiko nach Irland ein. Dort widmet er sich mystischen Studien und der Astrologie. Unter dramatischen Umständen endet der Irland-Aufenthalt. Artaud wird in geistig verwirrtem Zustand für eine kurze Zeit inhaftiert und daraufhin ohne Geld aber im Glauben an die baldige Apokalypse nach Paris zurückgebrach

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

03.06.2020

Verlag

Matthes & Seitz

Seitenzahl

197

Maße (L/B/H)

18/10,6/2,7 cm

Gewicht

140 g

Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

03.06.2020

Verlag

Matthes & Seitz

Seitenzahl

197

Maße (L/B/H)

18/10,6/2,7 cm

Gewicht

140 g

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

Héliogabale

Übersetzer

Brigitte Weidmann

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-95757-811-2

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Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Zum Glück finden sich vereinzelte Verlage immer wieder bereit, sogenannte „Klassiker“ der Literatur erneut aufzulegen bzw. zu übersetzen. Obwohl diese „Klassiker“ zum Teil immensen Einfluss auf ihre Leser und Leserinnen hatten, verschwinden sie ständig aus den Verlagsprogrammen wie aus den Regalen der Buchhandlungen. Ein Verlag, der sich – neben einigen anderen – bemüht, dem entgegenzuwirken, ist der Matthes & Seitz Verlag. Stets erstaunt er aufs Neue mit seinen Grabungen in der Literaturgeschichte. Diesmal ist es Antonin Artaud, dem er sich widmet, dessen Buch „Heliogabal oder der Anarchist auf dem Thron“ nun nach 40 Jahren wieder publiziert wird. Mit seinen theoretischen Schriften zum Theater (Stichworte: Theater der Grausamkeit, Theater und sein Double, Mimesis, Atem, Schrei, Inszenierung) gewann Antonin Artaud beträchtlichen Einfluss auf die Theater- und Filmpraxis, aber auch auf die Literatur und Philosophie. Zu seinen bekannten Lesern und Leserinnen gehörten Paulhan, Gide, Dubuffet, Barrault, Balthus, Derrida, Deleuze, Guattari, Foucault, Fassbinder, Kane, Sontag, Brook, Shepard, Rihm, Zorn u.a. Vielleicht kann sich der eine oder die andere noch an die Artaud-Ausstellung im Mumok im Jahr 2002 in Wien erinnern. Das Buch „Heliogabal oder der Anarchist auf dem Thron“ handelt vom römischen Kaiser Heliogabal (auch: Elagabal), dessen Hang zum sexuellen Laster, zur Dekadenz und Brutalität in die Geschichtsbücher einging. Seine Herrschaft war geprägt von Korruption, Intrigen und politischen Morden. Als ein weiterer Skandal seiner Herrschaft galt seine Religionspolitik, die orientalische Kulte und Bräuche in Rom zu etablieren versuchte. Letztlich fiel er selbst einem politischen Komplott zum Opfer, wurde ermordet, geschändet und in den Tiber geworfen. In seinem essayistischen Roman stellte Antonin Artaud die abgründigen Grausamkeiten in den Mittelpunkt seiner Ausführungen, die sich um den römischen Kaiser ranken: samt den sexuellen „Perversionen“ und politischen Brutalitäten. Jean Paulhan bemerkt zum Buch: „Ob es nun wahr ist oder nicht was hat […] das zu interessieren, wenn es denn schön ist und in diesem Buch die Vorstellung eines Wahren und eines Höheren Wirklichen zu finden sind – die Daten sind wahr, alle geschichtlichen Ereignisse, deren Ausgangspunkt wahr ist, sind interpretiert, viele Einzelheiten erfunden; […] es gibt Überspitzungen und Übertreibungen in den Bildern, maßlose Behauptungen; aber so kommt es zu einer Atmosphäre panischer Verwirrung, die dem Rationalen den Boden unter den Füßen wegzieht, in welcher der Geist aber in voller Montur vorankommt.“
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Zum Glück finden sich vereinzelte Verlage immer wieder bereit, sogenannte „Klassiker“ der Literatur erneut aufzulegen bzw. zu übersetzen. Obwohl diese „Klassiker“ zum Teil immensen Einfluss auf ihre Leser und Leserinnen hatten, verschwinden sie ständig aus den Verlagsprogrammen wie aus den Regalen der Buchhandlungen. Ein Verlag, der sich – neben einigen anderen – bemüht, dem entgegenzuwirken, ist der Matthes & Seitz Verlag. Stets erstaunt er aufs Neue mit seinen Grabungen in der Literaturgeschichte. Diesmal ist es Antonin Artaud, dem er sich widmet, dessen Buch „Heliogabal oder der Anarchist auf dem Thron“ nun nach 40 Jahren wieder publiziert wird. Mit seinen theoretischen Schriften zum Theater (Stichworte: Theater der Grausamkeit, Theater und sein Double, Mimesis, Atem, Schrei, Inszenierung) gewann Antonin Artaud beträchtlichen Einfluss auf die Theater- und Filmpraxis, aber auch auf die Literatur und Philosophie. Zu seinen bekannten Lesern und Leserinnen gehörten Paulhan, Gide, Dubuffet, Barrault, Balthus, Derrida, Deleuze, Guattari, Foucault, Fassbinder, Kane, Sontag, Brook, Shepard, Rihm, Zorn u.a. Vielleicht kann sich der eine oder die andere noch an die Artaud-Ausstellung im Mumok im Jahr 2002 in Wien erinnern. Das Buch „Heliogabal oder der Anarchist auf dem Thron“ handelt vom römischen Kaiser Heliogabal (auch: Elagabal), dessen Hang zum sexuellen Laster, zur Dekadenz und Brutalität in die Geschichtsbücher einging. Seine Herrschaft war geprägt von Korruption, Intrigen und politischen Morden. Als ein weiterer Skandal seiner Herrschaft galt seine Religionspolitik, die orientalische Kulte und Bräuche in Rom zu etablieren versuchte. Letztlich fiel er selbst einem politischen Komplott zum Opfer, wurde ermordet, geschändet und in den Tiber geworfen. In seinem essayistischen Roman stellte Antonin Artaud die abgründigen Grausamkeiten in den Mittelpunkt seiner Ausführungen, die sich um den römischen Kaiser ranken: samt den sexuellen „Perversionen“ und politischen Brutalitäten. Jean Paulhan bemerkt zum Buch: „Ob es nun wahr ist oder nicht was hat […] das zu interessieren, wenn es denn schön ist und in diesem Buch die Vorstellung eines Wahren und eines Höheren Wirklichen zu finden sind – die Daten sind wahr, alle geschichtlichen Ereignisse, deren Ausgangspunkt wahr ist, sind interpretiert, viele Einzelheiten erfunden; […] es gibt Überspitzungen und Übertreibungen in den Bildern, maßlose Behauptungen; aber so kommt es zu einer Atmosphäre panischer Verwirrung, die dem Rationalen den Boden unter den Füßen wegzieht, in welcher der Geist aber in voller Montur vorankommt.“

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