Aus einer abgelegenen Villa in Vermont, USA, wird ein Safe gestohlen, der dummerweise der Russenmafia gehört. Sheriff Wing will das Verbrechen aufklären, bevor die Russen den Dieb erwischen. Das bedeutet eine harte Probe für seine oberste Regel: Im Wettlauf gegen die Zeit ist die wichtigste Fähigkeit Geduld. Deputy Keen, der an Wings Stelle Sheriff werden will, sieht das völlig anders und verspricht, hart durchzugreifen. Erneut zeigt sich Castle Freeman als Meister des Dialogs, des trockenen Humors und der Inszenierung knorriger Provinzcharaktere. In seinem neuen Thriller verbindet er Spannung mit Menschenkenntnis und überzeugender Lebensklugheit.
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Sprachlich ein wahrer Genuss
Bewertung am 21.06.2023
Bewertungsnummer: 1965123
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist der Auftakt der Sheriff-Lucian-Wing-Reihe und das erste Buch, das ich von Freeman gelesen habe – aber bestimmt nicht das letzte.
Wing ist Sheriff über 17 kleine Ortschaften im ländlichen Vermont. In einer Villa, die den Russen gehört, wurde ein Safe gestohlen und Wing muss den Dieb finden, bevor die Russen es tun. Doch Wing hat seine eigene Vorstellung vom Sheriffsein und dazu gehört, sich aus dem Lauf der Dinge rauszuhalten und hinterher aufzuräumen. Wing hat einen unerschütterlichen Glauben daran, dass Menschen nach kleinen Ausrutschern von selbst auf den rechten Weg zurückfinden.
»Sheriffsein ist ungefähr so, als wäre man Rausschmeißer beim Wohltätigkeitsball: Wenn alles normal läuft, hat man nicht viel zu tun.« S.25
Sheriffsein bedeutet, dass seine Waffe in der Sockenschublade liegt, er keine Uniform besitzt und lieber seinen alten Pick-Up fährt, um dem County ein paar Dollar für den Dienstwagen zu sparen. Was ihn auszeichnet, sind Geduld, Fingerspitzengefühl und Toleranz.
Sein Deputy ist da anderer Ansicht und will lieber schnell eingreifen und Duke, einen Kleinkriminellen, verhaften. Doch das ist nicht Wings einziges Problem. Nach einem »kleinen Sparringsmatch«, wie er es nennt, zeigt ihm seine Frau Clemmie mal wieder ihren »Morgenrücken«, was für ihn eine Nacht auf der Couch bedeutet. Wing schläft viel auf der Couch und dort hat er Zeit, über alles nachzudenken.
Und so lässt Freeman seinen Sheriff erzählen. Über sich, die Menschen und über den Ort, in dem manchmal etwas Staub aufgewirbelt wird, der sich dann aber wieder legt. Take it easy. Denn nicht mal ein nackter, an einen Baum gefesselter Russe bringt Wing aus der Ruhe. Sein lakonischer, selbstironischer, trockener Humor und seine Sicht auf die Welt ließen mich oft schmunzeln, ich konnte gar nicht anders, als ihn in mein Herz zu schließen.
Freeman kurzer Roman (186 Seiten) lebt von seien spröde Charakteren, seinen trockenen Dialogen und den vielen, präzise formulierten Details, die zeigen, welch scharfe Beobachtungsgabe der Autor hat. Zum Beispiel erfahren wir Wings Meinung über seinen Schwiegervater, einem Kleinstadtanwalt, dem er nicht gutgenug ist.
»Addison ist das, was an eine Stütze der Gesellschaft nennt – allerdings eine Stütze, deren Außenseite ein bisschen schöner zurechtgemacht ist als die Innenseite.« S.43
Oder ein anderes treffendes Bild, das mich schmunzel ließ, ist seine Unfruchtbarkeit:
»Das Problem war ich. Wie sich herausstellte, hatten meine Spermien viel mit den ausgemergelten Vermonter Farmern meiner Kindheit gemein: Sie waren wenige, kamen kaum über die Runden und hatten nie schwimmen gelernt.« S.103
Wie schön bitte können Bilder sein?!
Ich denke, mehr muss ich nicht sagen. Es war ein Genuss, das Buch zu lesen, das gern 400 Seiten hätte haben dürfen, kurzweilig, sprachlich top und mit Sicherheit unvergesslich.
Bewertung am 06.10.2021
Bewertungsnummer: 1582527
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn ein Sheriff in einem Kriminalfall anders handelt als seine eigene Gemeinde es von ihm erwartet, wird es spannend! Als Sheriff Wing bei einem Einbruch in die Villa der Russenmafia nicht eingriff, wird sein eigener Mitarbeiter hektisch. Ein moderner Western mit einem sympathischen Helden, der mir gezeigt hat: In der Ruhe liegt die Kraft. Ein schöner Lesegenuss mit tollem Humor.
Meinung aus der Buchhandlung
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Sean Duke, genannt Superboy, hat sich diesmal mit den Falschen angelegt. Sheriff Wing ist ein Mann der alten Schule und bearbeitet den Fall auf seine Art - unaufgeregt, geduldig und super-cool. Beste Unterhaltung für Freunde des gepflegten Western.
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77 Prozent des Staates Vermont sind von Laubwäldern bedeckt, idyllische Berglandschaften bestimmen die Szenerie und der wohl prominenteste Bodenschatz ist Ahornsirup sprich: eine Idylle par excellence.
Und so hätte es nach Meinung von Sheriff Wing auch bleiben können, wenn da nicht plötzlich an einen jener Bäume ein nackter, aggressionsbereiter Russe gefesselt und aus einer nahegelegenen, ominösen Villa ein Safe entwendet worden wäre.
Wie schon in seinem 2016 auf Deutsch erschienenen Roman Männer mit Erfahrung wählt Castle Freeman ein im besten Sinne hinterwäldlerisches Setting und stellt charakterstarke bis kauzige Figuren in den Mittelpunkt seines dialoggetriebenen Romans. Wo hard-boiled Krimi und moderner Western dem Buch unzweifelhaft Geschmacksnoten verleihen, machen sie jedoch nicht den Wesen des Buches aus. Denn das Um und Auf des Textes ist Sheriff Wings Konfrontation mit einer Herausforderung, die ihn als Menschen und seine Lebensphilosophie an die Grenzen bringen könnte: Auf die sanfte Tour ist nicht nur Titel, sondern auch persönliches wie berufliches Mantra des in die Jahre gekommenen Protagonisten. Denn er will auch gegen die unablässigen Einwände seines jungen Deputies nicht einsehen, dass eine mit sich zu führende Waffe und ein unnachgiebiger Umgang mit den Kriminellen seines Bezirks zum Benehmen dieses Jahrzehnts gehören sollen.
Ob der Sheriff sich gegen eine ebenso wortkarge wie brutale Mafia, seinen aufbegehrenden Assistenten und private Niederschläge durchsetzen und den allseits gesuchten Safe (ein McGuffin in bester Hitchcockscher Tradition) finden wird, steht lange in den Sternen. Und wer auf diesem Weg brillante Dialoge, charismatische Figuren und eine eng gewobenene Handlung genießen will, dem sein nur empfohlen, Sheriff Wing zu begleiten.
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