Ein Befreiungsschlag, ein Aufbruch in ein neues Leben – mit unglaublicher Sprachgewalt erzählt der junge französische Autor Édouard Louis die Geschichte einer geglückten Flucht aus einer unerträglichen Kindheit: inspiriert von seiner eigenen. ›Das Ende von Eddy‹ ist sein Debütroman, der zu einem großen Erfolg und einer der meistdiskutierten Veröffentlichungen des Jahres wurde.
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bewegend
Bewertung aus Thun im Kanton Bern am 23.03.2025
Bewertungsnummer: 2446583
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Das ist ein Buch der Sozialkritik, „bewegend“ und eindrücklich; es bearbeitet die Jugenderinnerungen von Eddy, der in einer sehr armen Familie im Norden Frankreichs aufwächst. Vater, Mutter, Geschwister - alle tragen Stigmas von Benachteiligten: Alkohol, Arbeitslosigkeit oder Arbeit mit niederem Salär, schwache Bildung, Kampf gegen Krankheit, Hygiene und vieles mehr. In diesem Klima wächst der junge Eddy auf, der schwul ist, dies aber nicht zu erkennen geben darf und es so stark verbirgt, dass er sich selber immer wieder fragt, ob er denn wirklich schwul ist. - Es ist ein bewegendes und ergreifendes Buch. Für mich ist überraschend, dass sich die Geschichte in den neunziger und nullen Jahren abspielt. Ich hätte gedacht, dass die Szenen in diesem Buch deutlich älter sind, etwa aus den fünfziger oder sechziger Jahren. Literarisch handelt es sich bei diesem Buch um eine Autobiographie, die mit Sorgfalt, grösster Ehrlichkeit und kruder Direktheit erzählt wird. Bravo!
Außenseitererfahrungen
Bewertung am 02.09.2023
Bewertungsnummer: 2013078
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Völlig unverblühmt und mit sprachlicher Wucht schildert Édouard Louis was es bedeutet als schwuler junger Mann im ruralen Frankfreich aufzuwachsen: Klar verteilte Geschlechterrollen, radikale Homophobie und ein junger Mann der mit herzzerreißender Entschlossenheit seinen Platz im Leben sucht.
Meinung aus der Buchhandlung
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Ohne zu verharmlosen erzählt der Autor aus der Ich-Perspektive von seiner Kindheit in Armut und Ausgrenzung.
Ein verdammt ehrlicher Roman über das Erwachsenwerden in der nordfranzösischen Provinz.
Zwar nichts für schwache Nerven, aber trotzdem ein Muss!
Als kleiner und schmächtiger Junge wächst Eddy in einem kleinen Dorf in der Picardie auf. Hier arbeiten die Männer alle in derselben Fabrik und die Frauen irgendwo an der Kassa, wenn sie sich nicht gerade um die zahlreichen Kinder kümmern müssen. In der Schule wird er wegen seines Namens und seiner femininen und sensiblen Art gehänselt und gequält. Die Grausamkeit ist ein fester Bestandteil des Alltags und die rauen Sitten im Dorf machen ihm zusätzlich zu schaffen.
Im Fundus der jährlichen Neuerscheinungen den Überblick zu behalten ist nicht immer leicht. Immer wieder geraten Bücher mehr aus Zufall in meine Hände, als nach einem bestimmten Plan. Mein Intuition als Buchhändler lässt mich da ganz selten in Stich, selbst wenn mir, so wie bei Das Ende von Eddy, der Titel und der Einband nur wenig gefallen haben. Hier bewahrheitet sich für mich wieder der Spruch: Man soll nicht immer vom Aussehen, auf das Innere schließen.
Mit Gelassenheit und Distanz, erzählt der geniale Schriftsteller die Geschichte aus der Sicht seines Hauptprotagonisten Eddy. Er verleiht ihr, gerade weil sie von seiner eigenen Kindheit inspiriert ist, eine ganz eigene und große beschwörende Kraft. Interessant an dieser Stelle ist, dass er seinem Hauptprotagonisten seinen realen Namen gegeben hat. Èdouard Louis ist nur sein Pseudonym. Was in diesem außergewöhnlichen Werk biographisch und was Fiktion ist, bleibt dem Leser nicht wirklich erschließbar und schenkt man diversen französischen Medien Glauben, war die Familie über die Veröffentlichung und seine Darstellung von Gewalt, Homophobie und Rassismus mehr als geschockt und haben die vermeintlichen Vorwürfe brüsk abgewiesen. Man könnte nun mit dem Schriftsteller hart ins Gericht gehen und ihm eine überspitzte Karikatur des Alltages im Dorf Hallencourt, in der Picardie wo er aufgewachsen ist, vorwerfen. Das wäre allerdings ein wenig vorschnell, ist doch dieser Roman eigentlich eine Darstellung der Empfindungen eines jungen Geistes und dessen subjektiven Erfahrungen.
Ich war ganz hin und hergerissen beim Lesen. Einerseits hegte ich, alleine nur wegen der vielen unerbittlichen Gewalt der er ausgesetzt ist, natürlich Mitgefühl mit dem Hauptprotagonisten, und andererseits hatte ich auch immer ein wenig das Gefühl, hier eine persönliche und schreckliche Lebensgeschichte auf dem Präsentierteller serviert zu bekommen. Die Szenen sind von Elend und Leid durchwachsen und mit der Entdeckung von Emotionen und den ersten Annäherungsversuchen Pubertierender, spiegelt sich der geneigte Leser ein Stück weit in Eddy wieder. Schließlich ist es auch ein Teil der Kindheit, sich selbst isoliert von den anderen zu erfahren, und auch Zeiten des Ausgeschlossenseins oder der Einsamkeit zu erleben. Hier nun nicht auch von Voyeurismus zu sprechen wäre nicht richtig, denn unweigerlich ist mir dieses Gefühl immer wieder in den Sinn gekommen.
Von Èdouard Louis Sprachvirtuosität bin ich ganz angetan und bedenkt man das junge Alter des Schriftstellers, mit nur 19 Jahren hat er die erste Fassung von Das Ende von Eddy geschrieben, kann man sich kaum vorstellen was er in zu Papier bringen wird, wenn er etwas älter und reifer ist. Derweil studiert er Soziologie und ich kann nur hoffen, dass er der Literatur nicht gänzlich abschwört. Auch wenn ich diese Rezension im Februar schreibe, kann ich mit Recht und Fug behaupten, dass dieser Roman für mich mein persönlicher Favorit dieses Jahres ist. An dieser Stelle wünsche ich mir mehr! Ich wünsche mir mehr von Édouard Louis zu lesen.
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