Murakamis Opus Magnum: eine Welt neben der unseren!
1984. Aomame hat zwei verschieden große Ohren. Beim Rendezvous mit einem reichen Ölhändler zückt sie eine Nadel und ersticht ihn - ein Auftragsmord, um altes Unrecht zu sühnen. Tengo ist Hobby-Schriftsteller. Er soll einen Roman der exzentrischen 17-jährigen Fukaeri überarbeiten, damit sie einen Literaturpreis bekommt. Der Text ist äußerst originell, aber schlecht geschrieben - ein riskanter Auftrag. Aomame wundert sich, warum die Nachrichten ihren Mord nicht melden. Ist sie in eine Parallelwelt geraten? Um diese Sphäre vom gewöhnlichen Leben im Jahr 1984 zu unterscheiden, gibt Aomame der neuen, unheimlichen Welt den Namen 1Q84.
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Utopisches Märchen über das Ende der Welt ein Puzzle, das man unbedingt lösen möchte!
Mirjam Berle aus Hagen am 07.04.2021
Bewertungsnummer: 696645
Bewertet: eBook (ePUB)
Murakami zu beschreiben, die Stimmung seiner Bücher in richtige Worte zu fassen, ist nicht einfach. Er hat eine Art zu schreiben, die mich gefangen nimmt wenngleich es mir schwer fällt, den Finger genau auf das zu legen, was seine Faszination für mich ausmacht.
Bei 1Q84 geht es mir genauso. Der Roman zog mich immer tiefer in seine düster apokalyptische Welt. Anfangs kam diese vermeintlich leichtfüßig daher, gab jedoch nach und nach so viele Rätsel auf, dass ich mich, getrieben von der Suche nach Antworten, beharrlich durch die 1000 Seiten fraß. Wie ein Puzzle aus 1000 Teilchen fügt sich der Roman sukzessive zusammen. Ein Puzzleteilchen nach dem anderen fällt beim Lesen an seinen Platz und nach und nach entsteht das Bild der apokalyptischen Welt, die Murakami zeichnet, sowie die Rolle, die seine Figuren darin spielen. Großartig ist, dass er es schafft, einem immer genau das fehlende Teilchen zu geben, welches man benötigt, um den Faden nicht zu verlieren. Die Lust, nach dem nächsten zu suchen, trägt einen so mühelos durch diesen dicken Wälzer.
Der erste Band erzählt die ersten beiden Teile der Geschichte natürlich ist das Ende offen... Der dritte Teil erscheint im nächsten Jahr und ich kann es kaum erwarten, die restlichen Puzzleteilchen ins Bild einzufügen!
Grandios
Bewertung am 26.10.2020
Bewertungsnummer: 331791
Bewertet: eBook (ePUB)
Es fällt schwer die Bücher von Murakami zu beschreiben, doch mit den ersten Seiten betritt man eine Welt die man nie wieder verlassen möchte.
Meinung aus der Buchhandlung
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"Was für ein wilder Ritt", das war meine erster Gedanke nach Beenden des Romans. Das Buch ist sehr einzigartig und besonders. Die erste Hälfte der Geschichte hat mir persönlich besser gefallen. Ich mochte vor allem die Verknüpfungen, die sich nach und nach gezeigt haben. In der zweiten Hälfte hat mich das Buch dann ein bisschen verloren. Was ich hervorheben muss, ist Murakamis Schreibstil. Obwohl das Buch knapp 1000 Seiten umfasst, war ich in wenigen Tagen durch. Es lässt sich super schnell und flüssig lesen. Zum Einstieg würde ich es nicht empfehlen, aber als Murakami-Fan ist es fast ein Muss es gelesen zu haben! :)
Es ist das Jahr 1984 und Aomame ist in einem Taxi, zu einem wichtigen Termin unterwegs. Sie steht im Stau und wird dadurch höchstwahrscheinlich zu spät kommen. Sie befolgt den Tipp des Taxifahrers und versucht über eine Notfalltreppe zu einem anderen öffentlichen Verkehrsmittel zu gelangen.
Tengo bekommt einen eigenartigen Auftrag. Er soll den Roman der eher ungewöhnlichen 17-jährigen Fukaeri überarbeiten, alles streng geheim versteht sich, damit jene mit ihrem Roman einen bestimmten Literaturpreis verliehen bekommt. Der Inhalt des zu überarbeitenden Romans ist sehr originell, es geht unter anderem darin um die mysteriösen Little People. Allerdings ist er eher schlecht verfasst.
Wenn sich zwei Sprachen so sehr unterscheiden, wie es die deutsche und die japanische Sprache tun, ist es eine wahrlich meisterliche Anstrengung, ein über eintausend Seiten langes Werk zu übersetzen. Zwei Meister haben sich hier, literarisch wohl angemerkt getroffen. Ursula Gräfe ist die deutsche Stimme Murakamis und in einem Interview meinte sie zu ihrer Arbeit, dass man sehr wohl aufpassen müsste, um keinen Unsinn zu machen. In diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass Gefährliche Geliebte, von ihr direkt aus dem japanischen neu übersetzt wurde (=Südlich der Grenze, westlich der Sonne), und ich wäre ja gespannt, ob denn nicht das eine oder andere „alte“ Werk Murakamis auch wert wäre neuübersetzt zu werden. Auch wenn ich finde, dass man den Übersetzern zu wenig Tribut zollt, möchte ich mich zu diesem Thema kurzhalten und auf Murakami und 1Q84 zurückkommen.
Er ist einer meiner liebsten japanischen Schriftsteller und auch mit 1Q84 hat er bei mir, was seine Werke angeht, voll ins Schwarze getroffen. Erzählt wird die Geschichte von Aomame, die schnell erkennt, dass sie in einer Art parallelen Welt gestrandet ist. Sie nennt diese Welt 1Q84. Der Titel ist ein Wortspiel, dessen Erklärung der Leser im Roman findet und nicht nur ein Bezug zu George Orwells wohl bekanntestem Werk ist. Abwechselnd wird aber auch aus Tengos Sicht erzählt, wobei sich nicht sofort erschließt, in welchen Kontext die Beiden zu einander stehen. Altbekannte Verdächtige sind auch wieder mit von der Partie. Sei es nun der übliche Cutty Sark der getrunken wird, die surreale Welt, mit der sich die Hauptprotagonisten auseinandersetzen, oder die Sexualität und Anziehungskraft der Großstadtmenschen der sie sich stellen müssen. Hier liegt auch wieder eine Besonderheit verborgen, die man ebenfalls in seinen anderen Werken wiederfindet: Die Charaktere die er so überaus gelungen in Szene setzt, könnten Großstadtmenschen von überall auf dieser Welt sein. Man kann sich jetzt fragen ob die Entwicklung in den Städten überall gleich ist, oder ob Murakamis Beschreibungen zu Allgemeint gehalten sind. Ich tendiere noch immer ersteres zu glauben. Diese wirklich wunderbar gelungene Mischung und sein Erzählstil(=das Zusammenspiel wie er Zeiten und Perspektive wechselt ist wirklich einmalig) ist für mich ausschlaggebend, um seine Werke immer wieder zu lesen. Die ersten beiden japanischen Bände, sind im deutschen als ein Roman erschienen, was auch die ungewöhnliche Länge des Romans erklärt. Ich bin schon sehr auf den eigentlich dritten und abschließenden Roman gespannt. Jene Leser, die nun Haruki Murakami gar nicht kennen, könnten nun nach der Lektüre des Romans, dem großen Maestro Langatmigkeit und Textwiederholungen vorwerfen und der Anhänger Murakamis weiß es zu schätzen, dass er nirgends in unziemliche Hast verfällt. Mit der ihm zustehenden Aufmerksamkeit und Geduld sollte 1Q84 gelesen werden, erst dann wird man seinen Stil und seine Erzählweise zu schätzen wissen und auch anerkennen können. Schließlich ist die Abwechslung die Würze des Lebens und so kann ich guten Gewissens auf eine japanisch-amerikanische Autorin verweisen, die mich mit ihrer Erzählkunst mindestens genauso verzaubert hat wie Murakami. Ruht Ozeki hat mit "Geschichte für den Augenblick" ihr deutsches Debüt gegeben und ist wie ich finde, eine wirklich wunderbare Schriftstellerin die wärmstens weiterempfehlt werden kann.
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