1984. Aomame hat zwei verschieden große Ohren. Beim Rendezvous mit einem reichen Ölhändler zückt sie eine Nadel und ersticht ihn – ein Auftragsmord, um altes Unrecht zu sühnen. Tengo ist Hobby-Schriftsteller. Er soll einen Roman der exzentrischen 17-jährigen Fukaeri überarbeiten, damit sie einen Literaturpreis bekommt. Der Text ist äußerst originell, aber schlecht geschrieben – ein riskanter Auftrag. Aomame wundert sich, warum die Nachrichten ihren Mord nicht melden. Ist sie in eine Parallelwelt geraten? Um diese Sphäre vom gewöhnlichen Leben im Jahr 1984 zu unterscheiden, gibt Aomame der neuen, unheimlichen Welt den Namen 1Q84.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
5/5
10.09.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Murakami entführt die Leser und...
Murakami entführt die Leser und die beiden Protagonisten in eine geheimnisvolle Paralellwelt, welche sich auf den ersten Blick gar nicht so sehr von unserer "normalen" Welt unterscheidet. Der Schreibstil ist wieder typisch für Murakami.
Bewertung
5/5
09.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Meisterwerk
Eines der wenigen Bücher, die dauerhaft einen Platz in meinem Schrank gefunden haben. Werde ich sicher nicht das letzte Mal gelesen haben!
Bewertung
5/5
18.10.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Und wenn die zwei Monde am Himmel stehen
Es sind zwei Monde, oben am tiefblauen Himmel.
Zwei Monde, die daraufhin weisen, dass es nicht das Jahr 1984 ist, in dem wir uns befinden.
Zumindest nicht das "normale" 1984.
Das 1984, das wir kennen.
Wir sind falsch abgebogen, in einen falschen Zug gestiegen, bei dessen Schienen eine Weiche umgestellt wurde, so dass wir jetzt woanders sind, in einer anderen Welt.
In 1Q84.
Doch wir sind nicht alleine. Wir sind nicht die einzigen, deren Welt, deren Leben, sich in einem einzigen Moment völlig verändert.
Auch Tengo findet sich in 1Q84 wieder. Tengo, Mathematiklehrer und aufstrebender Autor, der sich dazu bereit erklärt hat, das Manuskript der 17-jähiren Fukaeri so zu überarbeiten, dass der Jury gar nichts anderes übrig bleibt, als ihr den begehrten Literaturpreis eines renommierten Magazins zu verleihen.
Und auch Aomame muss sich mit dem Leben in 1Q84 arrangieren. Eigentlich ist sie Fitnesstrainerin, doch nebenbei empfiehlt sie sich als Auftragskillerin, die die Männer misshandelter Frauen für ihre begangenen Taten bestraft. Ihr nächster Auftrag wird dabei auch ihr Letzter sein, denn die Gefahr, in die sie sich dafür begibt, kann größer kaum sein.
Weder Tengo, noch Aomame ahnen, welche gravierenden Folgen ihre Entscheidungen und Handlungen in 1Q84 nach sich ziehen und in welchem unglaublichen Kosmos sie sich befinden. Denn nicht nur die veränderte Realität stellt eine Herausforderung für die beiden dar, sondern eine Reihe weiterer Gefahren wartet auf sie. Bereit zuzuschlagen.
Da sind die Vorreiter, eine anfangs politische Gruppe, die sich, völlig radikalisiert, zu einer fanatischen religiösen Sekte entwickelt hat.
Da ist ein alt eingesessener Professor, der insgeheim seine eigenen Ziele verfolgt.
Und da sind die „Little People“, eine unbekannte Macht, kraftvoll und undurchsichtig, die scheinbar überall ihre Fäden zieht und mysteriöse Puppen aus Luft spinnt.
Es ist schwer in Worte zu fassen, dieses 1Q84, dieses unglaubliche Universum, in das Murakami den Leser rückhaltlos zieht.
Dabei handelt es sich bei 1Q84, anders als vielerorts vermutet, nicht etwa um eine Parallelwelt zu der unseren, sondern schlichtweg um eine Veränderung der Realität, einer Weiche, die umgestellt wurde. Die Frage, welche Entscheidungen und Handlungen zu der Umstellung der Weiche führen, ist eine der spannendsten des gesamten Romans.
Ist eine Art Strafe für moralische Vergehen, ganz im Sinne von Kafka’s Prozess?
Ist es purer Zufall, dass sowohl Tengo, als auch Aomame in dieser Welt gelandet sind ?
Oder ist es vielmehr ihre Liebe, die die beiden, obwohl sie sich Jahre lang nicht mehr gesehen haben, gemeinsam hineinwirft in diese gefährliche, undurchsichtige Welt?
Die Sprache ist typisch Murakami – bildhaft, metaphorisch, geladen.
In alt üblicher Manier schildert der Autor diese Welt so detailreich, so fantastisch, dass man gar nicht in der Lage ist, die Existenz von Dingen wie den „Little People“ in Frage zu stellen.
Dass man niemals anzweifeln würde, dass durch das Spinnen einer Puppe aus Luft eine gewaltige Explosion entstehen kann.
Dabei spannt Murakami den Bogen weit über aktuelle Themen wie Politik, Religion, die Rolle von Sekten, Literatur und Musik – alles taucht auf im Kosmos von 1Q84. Da wird sich auf von Wittgenstein berufen, auf Jung, Platon und Aristoteles. Es wird Proust gelesen und Schallplatten der 50er gehört. Und es wird Orwell zitiert. Immer wieder rückt dessen Dystopie "1984" in den Fokus, so dass die Parallelen unvermeidbar werden. Der "Big Brother" und die "Little People" - beide kontrollieren sie, beide bewachen sie. Doch im Gegensatz zu dem "Big Brother", der alles von oben in seinem alles überschauenden Blick hat, agieren die "Little People" in kleineren Dimensionen, bewachen von innen, direkt aus der Gesellschaft heraus.
Es ist keine Frage: 1Q84 ist ein unglaubliches, ein mitreißendes Buch. Es ist eine Art Dystopie und gleichzeitig eine Geschichte über Mut, Freundschaft und bedingungsloses Vertrauen.
Und es ist eine Geschichte über Liebe.
Über grenzenlose, Jahre überdauernde Liebe. Über zwei Menschen, die sich durch nur einen einzigen Moment ein Leben lang verbunden fühlen und einander nicht aufgeben.
Zugegeben, Sie müssen sich darauf einlassen, auf die Reise in die Welt von 1Q84. Doch haben Sie dies getan, werden Sie dieser Welt nicht mehr so schnell entfliehen können. Die gut 1000 Seiten lesen sich dabei wie im Flug und der unglaubliche (unglaublich böse) Cliffhänger am Ende von Buch 2 wird sie direkt zu Buch 3 greifen lassen.
Neben "Hard boiled wonderland und das Ende der Welt" für mich der beste Murakami!
Dietmar Behneke
aus Wildau
5/5
10.07.2011
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unglaublich GUT!
Alles beginnt in einem Taxi, mit dem Aomame in schickem Businessoutfit zu ihrem Auftragsmord fahren will. Wäre da nicht ein undurchdringlicher Stau. Der Taxifahrer ergeht sich in seltsamen Andeutungen und verweist auf eine Nottreppe, die Aomame von der Autobahn runter in die Nähe eines Bahnhofs bringen kann. Von dort aus könnte sie es pünktlich zu ihrem Termin schaffen. Doch der Fahrer warnt sie: Wenn sie das tut, könnte die Welt nie mehr dieselbe sein. Und sie ist es tatsächlich nicht. Die Veränderungen schleichen sich regelrecht in die Geschichte ein, doch sie sind unumkehrbar. Währenddessen widmet der junge Lehrer Tengo sich der Überarbeitung von Die Puppe aus Luft, der Geschichte der siebzehnjährigen Fukaeri, die Fragen ohne jegliche Intonation stellt und nur die beantwortet, die einer Antwort würdig sind. Der Roman ist extrem kreativ, ihre sprachlichen Fähigkeiten allerdings schlecht. Und Tengo ahnt zu Beginn nicht, dass Die Puppe aus Luft mehr ist, als die erfundene Geschichte eines jungen Mädchens
Murakami versteht sich bestens darauf, verschiedene Zeitebenen so miteinander zu verweben, dass es bei aufmerksamem Lesen keine Verständnisprobleme gibt. Auch verrät er niemals zu früh gewisse Umstände, lässt dem Leser Zeit für eigene Ideen, die er dann beinahe sanft wieder umwirft. Darüber hinaus enthält der Roman viele Nebengeschichten, die sich nahtlos in das Geschehen einfügen.
Fazit
1Q84 ist ein phantastisches Drama, das mit Tabus bricht und stellenweise hart an Grenzen stößt. Murakamis gleichermaßen schlichte wie kunstvolle Sprache stellt dabei die perfekte Untermalung für die komplexe, extrem gut durchdachte Geschichte dar. Ein Werk voller Gegensätze und kreativer Einfälle!
Katharina Pfeiffer
aus Wuppertal
5/5
09.07.2011
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fabelhaft!
Ein Roman dessen Thema und Inhalt sich kaum mit ein paar Worten erfassen läßt. Deshalb sei an dieser Stelle nur so viel gesagt: Auf den 1024 Seiten habe ich mich nicht eine Sekunde gelangweilt. Keine Seite, kein Satz, kein Wort sind überflüssig. Murakami schafft eine großartige Welt zwischen Realität und Fantasie. Er fesselt durch Originalität der Ideen wie kaum ein anderer. Ein wirklick großartiges Buch!
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3/5
08.02.2026
eBook (ePUB)
Wild
"Was für ein wilder Ritt", das war meine erster Gedanke nach Beenden des Romans. Das Buch ist sehr einzigartig und besonders. Die erste Hälfte der Geschichte hat mir persönlich besser gefallen. Ich mochte vor allem die Verknüpfungen, die sich nach und nach gezeigt haben. In der zweiten Hälfte hat mich das Buch dann ein bisschen verloren. Was ich hervorheben muss, ist Murakamis Schreibstil. Obwohl das Buch knapp 1000 Seiten umfasst, war ich in wenigen Tagen durch. Es lässt sich super schnell und flüssig lesen. Zum Einstieg würde ich es nicht empfehlen, aber als Murakami-Fan ist es fast ein Muss es gelesen zu haben! :)
Es ist das Jahr 1984 und Aomame ist in einem Taxi, zu einem wichtigen Termin unterwegs. Sie steht im Stau und wird dadurch höchstwahrscheinlich zu spät kommen. Sie befolgt den Tipp des Taxifahrers und versucht über eine Notfalltreppe zu einem anderen öffentlichen Verkehrsmittel zu gelangen.
Tengo bekommt einen eigenartigen Auftrag. Er soll den Roman der eher ungewöhnlichen 17-jährigen Fukaeri überarbeiten, alles streng geheim versteht sich, damit jene mit ihrem Roman einen bestimmten Literaturpreis verliehen bekommt. Der Inhalt des zu überarbeitenden Romans ist sehr originell, es geht unter anderem darin um die mysteriösen Little People. Allerdings ist er eher schlecht verfasst.
Wenn sich zwei Sprachen so sehr unterscheiden, wie es die deutsche und die japanische Sprache tun, ist es eine wahrlich meisterliche Anstrengung, ein über eintausend Seiten langes Werk zu übersetzen. Zwei Meister haben sich hier, literarisch wohl angemerkt getroffen. Ursula Gräfe ist die deutsche Stimme Murakamis und in einem Interview meinte sie zu ihrer Arbeit, dass man sehr wohl aufpassen müsste, um keinen Unsinn zu machen. In diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass Gefährliche Geliebte, von ihr direkt aus dem japanischen neu übersetzt wurde (=Südlich der Grenze, westlich der Sonne), und ich wäre ja gespannt, ob denn nicht das eine oder andere „alte“ Werk Murakamis auch wert wäre neuübersetzt zu werden. Auch wenn ich finde, dass man den Übersetzern zu wenig Tribut zollt, möchte ich mich zu diesem Thema kurzhalten und auf Murakami und 1Q84 zurückkommen.
Er ist einer meiner liebsten japanischen Schriftsteller und auch mit 1Q84 hat er bei mir, was seine Werke angeht, voll ins Schwarze getroffen. Erzählt wird die Geschichte von Aomame, die schnell erkennt, dass sie in einer Art parallelen Welt gestrandet ist. Sie nennt diese Welt 1Q84. Der Titel ist ein Wortspiel, dessen Erklärung der Leser im Roman findet und nicht nur ein Bezug zu George Orwells wohl bekanntestem Werk ist. Abwechselnd wird aber auch aus Tengos Sicht erzählt, wobei sich nicht sofort erschließt, in welchen Kontext die Beiden zu einander stehen. Altbekannte Verdächtige sind auch wieder mit von der Partie. Sei es nun der übliche Cutty Sark der getrunken wird, die surreale Welt, mit der sich die Hauptprotagonisten auseinandersetzen, oder die Sexualität und Anziehungskraft der Großstadtmenschen der sie sich stellen müssen. Hier liegt auch wieder eine Besonderheit verborgen, die man ebenfalls in seinen anderen Werken wiederfindet: Die Charaktere die er so überaus gelungen in Szene setzt, könnten Großstadtmenschen von überall auf dieser Welt sein. Man kann sich jetzt fragen ob die Entwicklung in den Städten überall gleich ist, oder ob Murakamis Beschreibungen zu Allgemeint gehalten sind. Ich tendiere noch immer ersteres zu glauben. Diese wirklich wunderbar gelungene Mischung und sein Erzählstil(=das Zusammenspiel wie er Zeiten und Perspektive wechselt ist wirklich einmalig) ist für mich ausschlaggebend, um seine Werke immer wieder zu lesen. Die ersten beiden japanischen Bände, sind im deutschen als ein Roman erschienen, was auch die ungewöhnliche Länge des Romans erklärt. Ich bin schon sehr auf den eigentlich dritten und abschließenden Roman gespannt. Jene Leser, die nun Haruki Murakami gar nicht kennen, könnten nun nach der Lektüre des Romans, dem großen Maestro Langatmigkeit und Textwiederholungen vorwerfen und der Anhänger Murakamis weiß es zu schätzen, dass er nirgends in unziemliche Hast verfällt. Mit der ihm zustehenden Aufmerksamkeit und Geduld sollte 1Q84 gelesen werden, erst dann wird man seinen Stil und seine Erzählweise zu schätzen wissen und auch anerkennen können. Schließlich ist die Abwechslung die Würze des Lebens und so kann ich guten Gewissens auf eine japanisch-amerikanische Autorin verweisen, die mich mit ihrer Erzählkunst mindestens genauso verzaubert hat wie Murakami. Ruht Ozeki hat mit "Geschichte für den Augenblick" ihr deutsches Debüt gegeben und ist wie ich finde, eine wirklich wunderbare Schriftstellerin die wärmstens weiterempfehlt werden kann.
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