Kommissar Staves dritter Fall
Hamburg: Bei einem Routineeinsatz wird Oberinspektor Frank Stave niedergeschossen. Er kommt davon, aber wechselt von der Mordkommission zum Chefamt S, das den Schwarzmarkt bekämpft. Dort wird Stave gleich mit einem rätselhaften Fall konfrontiert: Trümmerfrauen haben in den Ruinen eines Kontorhauses Kunstwerke aus der Weimarer Zeit gefunden – gleich neben einer Leiche, deren Identität der Kollege von der Mordkommission offenbar gar nicht aufklären will. Kurz darauf vertraut ihm Lieutenant MacDonald ein weiteres Problem an: Auf dem Schwarzmarkt sind rätselhafte Geldscheine aufgetaucht, deren Existenz die geheimen Pläne der Alliierten stört. Der Oberinspektor entdeckt bald seltsame Parallelen zwischen den beiden Fällen. Als der Tag X gekommen ist – die Einführung einer neuen Währung, über die schon seit Wochen in der Stadt gemunkelt wird –, scheint Stave kurz vor der Lösung zu stehen. Doch die Wahrheit ist gefährlich, und nicht nur für ihn allein
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Oberinspektor Staves 3. Fall
NiWa am 13.05.2017
Bewertungsnummer: 1019510
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Hamburg 1948. Die Nachkriegswehen erstrecken sich weiterhin über das Land. Die Menschen sind ausgezehrt, die braunen Flecken machen zu schaffen und der Schwarzmarkt ist oft die einzige Möglichkeit, um einigermaßen durchs Leben zu kommen. Inmitten dieser Tristesse lässt sich Oberinspektor Stave von der Mordkommission ins Chefamt S versetzen, wo er ab sofort Schmuggelware im Visier hat. Allerdings haben Trümmerfrauen in einer Ruine nicht nur herrenlose Kunstwerke sondern auch eine Leiche entdeckt
Es handelt sich hierbei um den dritten Fall von Oberinspektor Frank Stave, der im gebeutelten Nachkriegsdeutschland seine Ermittlungen in Hamburg angeht. Weniger die kriminalistischen Züge sondern eher die eindrucksvolle Kulisse von Hamburg nach dem 2. Weltkrieg zeichnet nicht nur diesen Band, sondern die gesamte Reihe aus.
Bei Staves 3. Fall geht es um Kunstwerke und eine Leiche, die in den Trümmern einer Brandruine gefunden werden. Gewissenhaft geht der erprobte Inspektor die Ermittlungen an, kümmert sich um kleinste Hinweise und Widersprüche, und trotzt manch rauem Wind, der ihm in den eigenen Reihen entgegen schlägt.
Der Fall an sich ist sehr bescheiden angelegt und die Ermittlungen empfand ich als eingestreut, damit doch noch von einem Krimi die Rede sein kann.
Eindrucksvoll erlebt man mit Frank Stave wie sich Deutschland langsam aus den Trümmern hebt. Bald soll neues Geld eingeführt werden, wodurch sich Hoffnung und Angst gleichermaßen ausbreiten. Die Menschen sind an Entbehrungen gewöhnt, wissen sich im Alltag dennoch zu helfen und holen trotzdem noch immer das Beste aus ihren Möglichkeiten, weil es irgendwie weitergehen muss.
Ich mag den Blick, den Cay Rademacher dem Leser auf diese Zeit schenkt. Bei allen Teilen der Reihe hatte ich das Gefühl, aus erster Hand von diesen entbehrungsreichen Zeiten erzählt zu bekommen, von Zeitzeugen zu erfahren, wie sie sich aus den Trümmern ihrer Stadt, des Krieges und einer Gesellschaft erheben, dabei ängstlich und hoffnungsvoll zugleich einer ungewissen Zukunft entgegen blicken.
Frank Stave ist ein außerordentlich sympathischer Charakter. Er ist ein ruhiger Mann, der sich auf seinen Beruf versteht, gleichzeitig mit seiner eigenen Rolle im Dritten Reich zu kämpfen hat und sich gerade deshalb hartnäckig an seine Ermittlungstätigkeit hält.
Durch ihn erlebt man die Sorgen und Nöte dieser Zeit, hat den Geschmack von Ersatzkaffee im Mund, fragt sich, wie man an neue Schuhe kommen soll, oder spaziert quer durch die Stadt, weil es kein anderes Beförderungsmittel gibt.
Gleichzeitig sind bei Der Fälscher der Abschied vom Grauen und der Anfang einer neuen Ära absehbar. Man merkt, dass die Stadt langsam auf die Beine kommt und sich die Alliierten zurückziehen. Dabei wird auf gesellschaftliche Veränderungen und neue Sichtweisen eingegangen. Es zeigt, wie sich die Menschen letztendlich von Deutschland wie es war verabschieden und die Verbrechen verarbeiten, die sie begangen haben.
Obwohl die ersten beiden Teile unabhängig voneinander gelesen werden können, sollte man bei diesem Band doch die Vorgänger kennen, weil man ansonsten die Entwicklungen zwischen den Figuren nicht ganz versteht.
Ich habe Der Fälscher als schwächsten Teil der Reihe empfunden, weil der Fall an sich eher beiläufig abgehandelt wird. Meiner Meinung nach handelt es sich dennoch um einen guten historischen Roman, der authentisch wirkt und lesenswert ist.
Bisher erschienen:
1) Der Trümmermörder
2) Der Schieber
3) Der Fälscher
»Trümmerfrauen haben den…
Igelmanu aus Mülheim am 22.07.2018
Bewertungsnummer: 2713588
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
»Trümmerfrauen haben den Schlamassel entdeckt. Sie haben am Haus gearbeitet, als eine Windböe eine Mauer umgeworfen hat. Können von Glück sagen, dass sie nicht erschlagen worden sind. Als sich der Staub legte, haben sie ein Skelett entdeckt. Und dann noch ein Kunstwerk.« Hamburg, im Juni 1948. Oberinspektor Frank Stave ist gerade noch einmal mit dem Leben davongekommen. Während eines Einsatzes war er niedergeschossen worden, hatte im Krankenhaus viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Zurück im Dienst lässt er sich von der Mordkommission zum Chefamt S versetzen, das den Schwarzmarkt bekämpft. Als in den Trümmern eines Kontorhauses Kunstwerke gefunden werden, soll er sich eigentlich nur um deren Herkunft kümmern. Und nicht um die Ermittlungen zu dem Skelett, das gleich daneben gefunden wurde. Aber Stave kann nicht aus seiner Haut, zumal ihm auffällt, dass der Kollege aus der Mordkommission gar nicht daran denkt, den Todesfall zu untersuchen. Damit nicht genug, Staves Freund, Lieutenant MacDonald, bittet ihn um Hilfe in einem speziellen Fall. Der Tag X naht, die Einführung der neuen Währung. Bislang herrscht größte Geheimhaltung, doch trotzdem tauchen auf dem Schwarzmarkt eigenartige Geldscheine auf, was die Alliierten sehr beunruhigt. Mit diesem Krimi unternimmt der Leser wieder eine Zeitreise. Cay Rademacher schildert so intensiv, dass man meint, um sich herum die Trümmer zu sehen. Stave muss nicht nur in seinen Fällen ermitteln, sondern auch privat zusehen, wie er sein Überleben sichert. Schließlich sind auch für ihn die Geschäfte leer und die Erlebnisse aus dem Krieg ein Trauma, das bewältigt werden will. Die herrschende Armut, die gesamten Lebensumstände und der Wirbel rund um die Einführung der D-Mark prägen das Buch. Ebenfalls im Fokus steht die Vergangenheitsbewältigung, auch im Hinblick auf den Umgang mit Nazis und NS-Verbrechern. Viele kamen bekanntlich ungeschoren davon, das wird hier angeprangert. Mittendrin findet sich die Krimihandlung, die aus heutiger Sicht ungewöhnlich wirkt, aber perfekt in den zeitlichen Rahmen passt. Dies war nach „Der Trümmermörder“ und „Der Schieber“ der dritte und letzte Fall für Frank Stave. Man kann jeden Band unabhängig voneinander lesen. Fazit: Großartiger Krimi mit ganz viel Zeitgeschichte. Schade, dass diese Reihe nur aus drei Bänden besteht!
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