Der Band "Gott, der Tod und die Zeit" enthält die beiden letzten Vorlesungen von Emmanuel Lévinas an der Sorbonne, seinen konzentrierten Durchgang durch das thematische Feld von Gott, Tod und Zeit. In der ersten Vorlesung – über Tod und Zeit – geht Lévinas in einer nuancierten Heidegger-Lektüre, unterbrochen durch Exkurse über Kant, Hegel, Bergson, Bloch, der verschlungenen Beziehung zwischen Tod und Zeit nach, entwickelt er die Vorstellung eines Todes, der sich in die Zeit einschreibt: „Den Tod ausgehend von der Zeit denken und nicht mehr die Zeit ausgehend vom Tod“. Ebenso versucht die zweite Vorlesung – über Gott – zentrale Gedanken Heideggerscher Diagnostik zu wenden. Weil die Philosophie, von ihrem Ursprung an, Gott und das Sein vermischt habe, sei nicht so sehr das Sein vergessen worden als vielmehr Gott. Die Metaphysik unter der Herrschaft der Onto-Theologie habe Gott zum Verschwinden gebracht. Nach Lévinas gilt es nun, Gott aus der Macht dieser philosophisch-theologischen Konzeptionen zu lösen.
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Es ist außerordentlich erfreulich, dass der Passagen Verlag sich dazu entschloss hat, die letzten beiden Vorlesungen, die Emmanuel Levinas zwischen dem 7. November 1975 und dem 21. Mai 1976 an der Sorbonne hielt, wiederholt in einer deutscher Übersetzung zu veröffentlichen. Die eine Vorlesung trug den Titel "Der Tod und die Zeit", die andere Vorlesung, die Levinas parallel zu ihr abhielt, lautete: "Gott und die Onto-Theo-Logie".
Die meisten Leser und Leserinnen werden jene Bücher von Levinas kennen, in denen er die Philosophie als eine Ethik darstellte. Hierzu gehören die Bücher "Die Spur des Anderen", "Jenseits des Seins oder anders als Sein geschieht", "Wenn Gott ins Denken einfällt" und "Totalität und Unendlichkeit". Wenige andere Leser und Leserinnen werden noch seine Talmud-Lesungen verfolgt haben. Mit dieser Vorlesung wird man nun mit einer weiteren Seite seines Schaffens, mit seiner Lehrtätigkeit, konfrontiert werden.
In beiden Vorlesungen setzte sich Levinas gleich zu Beginn mit Heidegger auseinander; Auseinandersetzungen, die immer wieder unterbrochen werden von Einschüben, Umwegen und letztlich von Fragen, die Levinas an andere Philosophen weiterreicht, z.B. an Kant, Hegel, Kierkegaard, Bergson, Buber, Rosenzweig, Aristoteles, Platon und Husserl. So wohnen wir mit den Vorlesungen von Levinas nicht nur einem Denken der Befragung bei, sondern vernehmen Levinas als einen versierten Lehrer der Philosophiegeschichte.
Dass die Frage nach dem Tod, in Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg, spannende Diskussionen auslöste, wissen wir aus den Lektüren von Sartre, Kojève, Bataille, Leiris, Blanchot, Jankélévitch, Derrida, Nancy und anderen. Diese Frage nach dem Tod war stets auch ein Gespräch, ein Dialog, das Frankreichs Philosophen mit der deutschen Philosophie, vor allem mit den Philosophen Hegel und Heidegger, führte. So ist auch der Rekurs, den Levinas führte, ein Rekurs, der ihn noch einmal dazu brachte, die Argumente eines Aristoteles, Hegel und Heidegger über die Beziehungen zwischen Sein, Tod und Nichts darzustellen und zu diskutieren.
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