Giorgio Agamben zählt zu den bedeutendsten Denkern der Gegenwart. Jurist und Philosoph, sein Werk bewegt sich zwischen Philosophie, Recht und Politik und ist in viele Sprachen übersetzt. Die breite und bis heute anhaltende Rezeption seines Denkens im deutschsprachigen Raum geht auf das Erscheinen ab 2002 der ersten Ausgaben des mehrbändigen Projekts »Homo Sacer« zurück. Giorgio Agamben lehrt heute Ästhetik an der Universität IUAV in Venedig, an der European Graduate School in Saas-Fee und am Collège International de Philosophie in Paris.
Federica Romanini, Studium der Philosophie in Triest, ist Übersetzerin in Wien.
Agambens Buch ›Die kommende Gemeinschaft‹, 1990 bei Giulio Einaudi erschienen, war der Versuch, mittels einer Retraktation seiner bisherigen Schriften auf die die trägen 1980er Jahre abrupt beendenden »Ereignisse« vom Tiananmen zu reagieren.
Exakt dreißig Jahre und neun Homo-sacer-Bände später erschien im Jahr 2020 mit ›Quando la casa brucia‹ eine zweite, ebenso hochverdichtete Summe seines Denkens. Auf vier Abschnitte verteilt handeln knapp hundert Denkstücke – ob als lose Aphorismen, ob dem Muster der Tenebrae-Lamentationen folgend oder zu kurzen Kapiteln sich gruppierend – von dem, was der Untertitel benennt: dem Dialekt des Denkens.