Von der Kritik gefeiert, von Lesern leidenschaftlich diskutiert, erzählt Tony Tulathimutte so brillant wie zum Totcringen komisch von Millennials, Misfits und Masturbauteurs: Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen Spirale, als ein One-Night-Stand nicht zur erhofften Beziehung führt. Ein schwuler Thai-Amerikaner bringt es nicht über sich, seinem Freund seinen ultranischigen Fetisch zu gestehen.
Wie die Facetten eines Kaleidoskops zeigen ihre Geschichten die monströs schillernden Formen, die die Sehnsucht nach echter Nähe in einer Welt zwischen Dating-Apps und Doomscrolling annimmt. Fiasko gräbt sich tief in die Zwänge und Miseren unserer Gegenwart.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Bewertung
5/5
19.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Echokammer des Schreckens
Absolut messerscharfe Analysen, die uns alle den Spiegel voller Selbstgerechtigkeiten vorhalten. Hier kommt keine Figur gut weg und vor allem zeigt das Buch die Fehlentwicklung der sogenannten sozialen Medien. Gefangen in Echokammern füttern wir unser Ego bis zur toxischen Selbstgerechtigkeit - likes werden zur Währung und höher bewertet als das gesprochene Wort. Psychosen wachsen - jeder Widerstand wird weggeblockt. Selbstschutz bis zur Unmenschlichkeit. Fantastisches Werk!
MarieOn
5/5
19.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Verstörend
Der Feminist
Er war einer von fünf Jungen an einer progressiven Privatschule, die sonst nur Mädchen unterrichtete. Obwohl ihm später von Seiten junger Männer attestiert wurde, ein Glückspilz gewesen zu sein, hatte er keins von den Mädchen geküsst. Das gehe erst auf dem College los, hatte er sich getröstet. Aber auch später möchte keine mit ihm ausgehen. Er hört zu, versteht, tröstet und alle halten ihn für einen tollen Typen, der es einfach verdient hätte, auch mal eine Freundin zu haben. Jahrzehnte vergehen, in denen er seiner QPOC-Freundy immer wieder seinen Frust erzählt. Am Tag der Abrechnung rastet QPOC-Freundy verbal aus, dass dey die Faxen hat. Dass dey das Gejammer der weißen hetero-cis-Männers nicht mehr hören kann. Ab da verkriecht er sich schimpfend in seiner Wohnung und gleitet in diverse Netzwerke, wo er im Genöle über die ganzen Schlampen, die da … aufgeht.
Pics
Alisons Highschool Freund hatte sich nach drei Jahren Beziehung als schwul geoutet. Nach seinem Coming-out hat er Alison überall schlecht geredet. Jetzt traut sie Beziehungen nicht mehr. Ihr einziger guter Freund Neil hat sie von ihrer Essstörung befreit. Am Wochenende schneidet sie seine Haare und dann schauen sie noch Netflix. An einem Samstag dann Knickknack. Danach will sie mehr, aber er bremst aus. Im Frauenchat lässt sie sich so richtig über ihn aus und bekommt jede Bestätigung, die sie braucht, um ihrer beginnenden Obsession zu frönen. Am Ende hat sie eine ziemlich blöde Idee.
Unsere Zukunft wird Dope
Alison hat einen Loverboy, der richtig Gas gibt. Er führt sie aus, schickt ihr Blumen und Pralinen. Er hat einige Start-ups gegründet und bewegt sich auf der Sonnenseite des Lebens. Alison zieht zu ihm und der Selbstoptimierer beginnt Alison zu perfektionieren. Sein Traum von einer Familie mit Alison als Trade-Wife, die viele blonde blauäugige Kinderchen austrägt, die wiederum viele blonde, blauäugige Kinderchen bekommen und das Familienunternehmen komplettieren, zuerst Florida und danach die ganze Welt, findet ein jähes Ende.
Fazit: Der vielfach ausgezeichnete amerikanische Autor Tony Tulathimutte, der im gleichen Atemzug mit Clemens J. Setz und Dennis Cooper genannt wird, schreibt transgressive Literatur. In diesem Erzählband erschafft er fünf äußerst exponierte Charaktere, denen allen gemein ist, dass sie Zurückweisung erfahren. In der ersten Story wird ein selbsterklärter Feminist zum Incel. Danach lerne ich Alison kennen, die sich nach einem One-Night-Stand in eine Obsession verrent. Ich lerne Kant kennen, der seine sexuellen Fantasien unterdrückt und zum Ejakulator wird. Der erfolgreiche Yessira plant ein Familienunternehmen und erfährt ein Bashing. Ich treffe QPOC-Freundy als asia-amerikanische, queere Person wieder, die in die WG integriert werden soll, das aber nicht möchte, weil sie auf das weiße gefakte Mitgefühl, das alle raushängen lassen, um sich besser zu fühlen kackt. Am Ende erfährt der Autor selbst Zurückweisung durch ein fiktives Ablehnungsschreiben für dieses Buch. Der Autor cringt, er forciert mein Mitgefühl, bis ich nicht mehr mitgehen kann und mich fremdschäme. Am Ende jeder Geschichte überkommt mich gönnerhafte Häme. Ich erlebe also ein Wechselbad der Gefühle. Was allen Geschichten gemein ist, ist nicht nur die Zurückweisung, sondern auch die Selbstüberhöhung inform von Größenwahn. Der Selbstwert leidet also wird das Selbst überhöht. Der Autor bringt alles auf den Tisch, was internetfähig und viel diskutiert ist. Verschwörungsmythen, Radikalisierung im Netz und auch meinen Hang, politisch korrekt zu sprechen, zu gendern, auf antirassistische Formulierungen zu achten, damit ich mich gut fühlen kann und so erfahre auch ich am Ende meine Zurückweisung. Die Sprache ist modern und dadurch liest sich das Buch locker flockig weg. Das ganze gute Stück ist eine Herausforderung an die Leser*innen. Es ist pervers, witzig, zwanghaft, brutal, traurig, verstörend und so unendlich klug. Hab ich schon gesagt, wie beeindruckt ich bin?
Bewertung
5/5
29.08.2026
eBook (ePUB)
Witzig
Fiasko ist definitiv kein Buch, bei dem man sich entspannt zurücklehnt. Die Beschreibung trifft es eigentlich ziemlich gut: Es ist gnadenlos, absurd und gleichzeitig erschreckend komisch.
Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl: Nein. Nein, bitte nicht. Warum macht diese Person das jetzt auch noch? Man möchte teilweise fast gar nicht weiterlesen, weil die Situationen so unangenehm und verstörend sind – und genau darin liegt gleichzeitig die Stärke des Buches.
Die Figuren sind natürlich stark überzeichnet und teilweise wirklich schwer auszuhalten. Trotzdem versteht man, was der Autor damit erreichen möchte. Gerade diese Übertreibungen machen die Absurditäten unserer heutigen Dating-, Internet- und Beziehungskultur sichtbar. Das Buch hält einem gewissermaßen einen völlig verzerrten Spiegel vor.
Ein Buch, das ich nicht unbedingt jedem empfehlen würde, das aber definitiv im Kopf bleibt.
Bewertung
5/5
28.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Top
Tolles Buch, selten so gelacht wie bei diesem. Man sollte es schon mit etwas Humor sehen und es beschreibt einfach sehr gut die heutige Zeit.
Jeder der es schlecht bewertet hat meiner Meinung nach nicht den Kontext oder das Buch richtig verstanden.
Bewertung
5/5
25.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eines der Bücher des Jahres.
Der Autor beweist viel Feingefühl beim schwingen des Vorschlaghammers.
Nie war die Einsamkeit, die Isolation so spürbar beschrieben Wunderbar geschrieben. Zwischen Humor, Verzweiflung, Ekel, Resignation und Zerstörung springend. Aufrichtig und mit Liebe für Figuren an denen man eigentlich wenig zu lieben finden kann. Es bleibt wenig übrig von den Menschen mit ihren Erwartungen die einfach zu konkret sind. Diese Buch ist mit Sicherheit nicht für jeden etwas. Es sei empfohlen sich vorher ordentlich zu informieren.
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