Produktbild: Öffentlicher Nahverkehr

Öffentlicher Nahverkehr Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB 3

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Verkaufsrang

40253

Erscheinungsdatum

05.08.2026

Verlag

Wallstein Erfolgstitel - Belletristik und Sachbuch

Seitenzahl

228 (Printausgabe)

Dateigröße

751 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783835394094

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ePUB 3

eBooks im ePUB 3-Format erlauben eine dynamische Anpassung des Inhalts an die jeweilige Display-Größe des Lesegeräts. Das Format eignet sich daher besonders für das Lesen auf mobilen Geräten, wie z.B. Ihrem tolino, Tablets oder Smartphones.

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Verkaufsrang

40253

Erscheinungsdatum

05.08.2026

Verlag

Wallstein Erfolgstitel - Belletristik und Sachbuch

Seitenzahl

228 (Printausgabe)

Dateigröße

751 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783835394094

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  • Alrik Gerlach

    Thalia Book Circle Community

    5/5

    31.08.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wenn der Bus zum letzten sicheren Ort wird

    Manchmal ist ein Bus einfach nur ein Bus. Und manchmal wird er zum letzten Ort, an dem man sich noch halbwegs sicher fühlt. Genau dort setzt Öffentlicher Nahverkehr an und trifft einen mit einer Wucht, bei der einem das Lachen gelegentlich im Hals stecken bleibt. Eine junge Frau verliert durch digitale sexualisierte Gewalt nicht nur ihre Privatsphäre, sondern Stück für Stück auch ihr bisheriges Leben. Statt irgendwo groß und dramatisch davonzurennen, fährt sie Bus. Im Kreis. Beobachtet Menschen. Erfindet Geschichten über sie. Und während draußen Haltestellen kommen und gehen, versucht sie selbst irgendwie nicht komplett unterzugehen. Thea Mengeler schreibt unbequem nah an der Realität. Scham, Wut, Angst und diese verdammte Hilflosigkeit stehen hier nicht geschniegelt in der Ecke, sondern sitzen direkt mit im Bus. Besonders stark fand ich, wie alltäglich die Grausamkeiten wirken. Ein Blick, ein Kommentar, eine Nachricht und plötzlich denkt man sich: Verdammt, genau deshalb fühlt sich das alles so erschreckend echt an. Kein leichter Roman, den man mit einem fröhlichen Ach, war nett wieder ins Regal stellt. Aber ein intensiver, kluger und emotionaler, der nachhallt. Und während der Bus am Ende vielleicht weiterfährt, bleibt man selbst gedanklich erst mal an der Haltestelle stehen.

  • MarieOn

    5/5

    21.08.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Weiblicher Befreiungsschlag

    Zur Sternwarte Sie sitzt in der Ringlinie 100, vorletzte Reihe, Zweierbank, keine Vierer. Sie will nicht gesehen werden, sie will beobachten. Charlottenstraße Sie überwindet das schwierige Schloss ihrer Wohnungstür, ruckelt ein bisschen, bis es nachgibt. Sie tritt ein und wird von Stille umfangen. Keine Geräusche aus den Nachbarwohnungen, wie auf einer einsamen Insel, dort strandet man ebenso unfreiwillig. In den Schränken befindet sich nur das Nötigste, alles andere hat sie eingelagert. Ihr ganzes Leben eingelagert. Brückengasse Jeden Tag entfolgt ihr ihr bis zur totalen Bedeutungslosigkeit. Sie könnte einen neuen Account anlegen, ihn Öffentlicher Nahverkehr nennen, ein paar kleine Anekdoten erzählen. Könnte die Stadtverkehrsbetriebe für Kooperationen anfragen. Ein schnelles Make-up auf den letzten Drücker zeigen, Brotboxen bewerben und Kaffeebecher. Man kann alles monetarisieren. Sie da vorne, fünfte Reihe @rapunzel könnte ihr Haar für uns herunterlassen, es flechten und hochstecken. Könnte uns ihre priorisierten Haarpflegeprodukte vorstellen. Charlottenstraße Ihre ersten Fotos mit dem Selbstauslöser ihrer Handykamera stimmte sie unzufrieden. Sie fotografierte diese Unzufriedenheit, fand das Bild stark, postete es aber nicht. Sie nahm ein Gefälligeres, entschied, wie sie sich in die Welt beamte. Sie inszenierte, optimierte, kuratierte und badete in unseren Herzen. Was gefiel, das machte sie öfter. Ihr Körper wurde Werbekörper, bis er sie öffentlich entblößte und die Öffentlichkeit sie zerriss. Fazit: Die Autorin Thea Mengeler, Hotlistgewinnerin 2024, hat sich in diesem Buch einem weiblichen Befreiungsschlag gewidmet. Ihre Protagonistin wählt unfreiwillig die Anonymität einer fremden Stadt. Sie verletzte die Eitelkeit ihres Ex-Partners, der sich an ihr rächte und ihr erfolgreiches Influencerinnen-Dasein sprengte. Jeden Tag fährt sie Bus und resümiert die vergangene Beziehung. Gleichzeitig beobachtet sie ihre Mitmenschen und interpretiert, wer sie sein könnten, was sie ausmacht. Sie bewertet, wie sie selbst bewertet wurde. Allmählich erfahre ich, was ihr im moralfreien Raum des Internets zugestoßen ist, wie sie durch die Verurteilung wildfremder Menschen niedergeknüppelt und bedroht wurde. Sie definiert von Männern gemachte weibliche Scham, Angst und Schmerz. Die Autorin zeigt mit knackiger, kreativer Sprache, wie stark uns das Patriarchat noch immer deckelt und begrenzt. Wie sehr wir weibliche Rollenbilder internalisiert haben und als selbstverständlich erachten. Und wie die Gesellschaft mit Frauen umgeht, die nicht die normativen Erwartungen erfüllen. Für mich ist dieses Buch eine Offenbarung. Nach dem Lesen fühle ich mich befreiter, weil Thea Mengeler das ausspricht, was mich umtreibt. Ganz anders hat Jürgen Deppe (u. a. NDR) das Buch gelesen und regelrecht verrissen. Eines seiner Argumente gegen dieses Buch war, dass es zu einfach, zu plakativ erzählt sei. Feministische Floskeln als Antwort?, fragt er weiter. Dass Thea Mengelers Roman nicht das Buch der Stunde ist, das es hätte werden können, liegt nicht nur daran, dass die Geschichten von Collien Fernandes, Gisèle Pelicot und Claudia Wuttke mittlerweile öffentlich geworden und breit diskutiert worden sind. Jürgen Deppe Ihm scheint die Diskussion hinlänglich auserzählt. Genug damit, auf zum nächsten Tagesordnungspunkt. Ich finde, dass man gar nicht genug darauf herumreiten kann, wie Männer ticken können. Das sehen die Leser*innen, die das Buch feiern ganz genauso, wie ihre Fünf-Sterne-Bewertungen zeigen. Ein Buch, das für mich eine regelrechte Offenbarung ist, das ich deswegen gerne auf der Hotlist oder beim Deutschen Buchpreis gesehen hätte, damit es möglichst viele Leser*innen findet. Es ärgert mich, dass der Mann das Buch nicht verstanden hat und sein Einfluss eine Nominierung verhinderte. Damit macht er sich für mich zum Teil des Problems, das Thea Mengeler aufgearbeitet hat.

  • Buch_im_Koffer

    aus Münster

    5/5

    20.08.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Erst Körper. Dann Mensch.

    Eine junge Frau sitzt im Bus, fährt die Ringlinie. Stunde um Stunde, Tag um Tag sucht sie die Anonymität, um zu vergessen und vergessen zu werden. Sie ist eine bekannte Influencerin und ihr Exfreund hat nach ihrer Trennung ein Sexvideo von ihnen ins Netz gestellt. Ein Klick, alles ist zerstört: ihre Beziehung, ihr (Be)Ruf, ihre Lebensgrundlage. Viel schlimmer: Das tiefe Gefühl von Vertrauen ist Scham, Ekel, Angst, Panik gewichen. Sie sitzt im Bus, ist diejenige in der Anonymität. Sie spricht mit den Mitfahrenden. In Gedanken, in # und @ - und lässt sie zu Projektionsflächen ihrer eigenen Vorstellung und Imagination werden. Sie schreibt ihnen Leben und Eigenschaften auf den Leib und setzt sich so mit den Facetten des Frau-Seins in der Gesellschaft, in Familie und Beziehung auseinander. 'Wir sind erst Körper, dann Mensch.' Es sind Sätze wie diese, wenige Worte, die Thea Mengeler ihrer Protagonistin zuschreibt, die mit ihren Gedanken nicht nur die eigene schmerzhafte Erfahrung analysiert. Es ist vielmehr eine messerscharfe Analyse all dessen, was das Bild der Frau von der Antike bis heute durch das Patriachat, durch die Dominanz und VerHerrLichung des männlichen Geschlechts geprägt haben. Alles Weibliche, das über die Jahrhunderte als schwach, gefährlich, verführerisch, zu unterdrückend, unbedeutend, schlecht, dem Manne nicht ebenbürtig abgetan wurde. Und so analysiert unsere junge Frau auch nicht allein den Übergriff, der ihr widerfahren ist, sondern im Grunde all das Unrecht, das jeder Frau überall angetan wurde, durch Reduzierung auf eben diese Attribute. Gerade der Wechsel innerhalb der Erzählung zwischen dem Erleben der Busfahrt einerseits und den Überlegungen unserer Protagonistin zum Frau-Sein andererseits verleihen dem Roman und seiner Hauptfigur eine unglaubliche Stärke und Tiefe. Ihre Überlegungen sind so präzise und scharf, dass es schmerzt. Wie etwa die Gedanken zu Daphne und Medusa, aber auch zur ständigen Angst in banalsten Alltagssituationen, zu Sex, Scham und Schmerz. 'Es wird nicht geschützt. Es wird höchstens gestraft, wenn es bereits zu spät ist.' Dieser Roman ist so viel mehr als eine Geschichte über digitalen Missbrauch, über eine vermeintlich kurze Zeitspanne, in der es mediale Aufmerksamkeit, Mitleid, Verständnis gibt. Er hält uns allen den Spiegel vor; ist tiefgründig, schmerzhaft, aufrüttelnd. Er zeigt, dass wir bei allen Errungenschaften als Gesellschaft noch immer einen weiten Weg vor uns haben.

  • Bewertung

    aus Buchen

    5/5

    05.08.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Von Haltestelle zu Haltestelle

    Thea Mengeler hatte viel Aufmerksamkeit für ihren ungewöhnlichen Roman Nach den Fähren bekommen und auch ihr neuer Roman hat eine besondere Energie. Man begleitet die Protagonistin auf ihren zahlreichen Busfahrten und ihren Gedanken über andere Passagiere. Da sie oft die selben Leute sieht, bekommen diese auch eine Identität. Sie ist offensichtlich in einer seelischen Krisensituation, da sie als ehemals erfolgreiche Influencerin sich jetzt nicht mehr in der Welt der Social Media befindet. Ein Vorfall mit ihrem Ex-Partner, der ein Video von ihr verbreitete, schickte sie in soziale Abseits. Erschreckend, wie alleine sie ist. Sie hat ihre Beziehung verloren und außer ein paar Anrufe bei ihrer Mutter anscheinend keine Kontakte mehr. Das ändert sich erst durch die Begegnung mit der älteren Rosa im Bus. Thea Mengeler schafft es, mit den intensiven Innensichten ihrer Protagonistin deren Situation zu vermitteln. Keine kleine Leistung! Applaus für diesen Roman!

  • Bewertung

    Thalia Book Circle Community

    5/5

    05.08.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wem gebt ihr eure Scham zurück?

    In Thea Mengelers Roman „Öffentlicher Nahverkehr“ geht es um eine ehemals erfolgreiche Influencerin, deren Exfreund gegen ihren Willen ein intimes Video ins Netz stellte. Während es für ihn keine Folgen hatte, musste sie mit Hasskommentaren und Drohungen fertig werden. Also flieht sie in eine neue Stadt, ohne Smartphone, ohne Internet; ihre Social Media Accounts schließt sie. Um Einsamkeit, Scham und Angst zu entgehen, flüchtet sie sich in die öffentlichen Verkehrsmittel, der Bus mit der Ringlinie 100 wird ihr Zufluchtsort. Während sie täglich im Kreis fährt, beobachtet sie ihre Mitmenschen, erfindet Namen für sie und stellt sich deren mögliche Leben vor: „Ich sehe euch. Ich stelle Vermutungen über euch an. Ich bewerte euch nach dem flüchtigen Eindruck, den ich von euch bekomme in der kurzen Zeit zwischen zwei Orten. Ich gebe euch Namen […] Habt ihr ein Problem damit? Sorry, die Kommentarfunktion ist bei diesem Beitrag deaktiviert.“   Ihre Mutter weiß bisher nicht, was passiert ist – als sie es dann erfährt, war das eine Szene, die mich unheimlich mitgenommen hat: „‘Warum hast du uns nichts gesagt?’ Ich muss nicht fragen, was sie meint. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie es erfahren musste. […] ‘Warum gibt es überhaupt so ein Video von dir?’, fragt sie. Ich antworte nicht. ‘Damit muss man doch rechnen. Das weiß man doch.’“   Nach und nach setzt sich die Geschichte zusammen. Und man fühlt mit der Protagonistin mit, die alles verloren hat, unfreiwillig alles hinter sich lassen musste und nun ein Leben führen soll, das sie so nicht wollte. Erst als sie eine ältere Frau kennenlernt, findet sie den Mut, sich ihr Leben zurückzuholen …   „@everyone, ich bin zurück. Nicht für euch, sondern für mich. Ich weigere mich, zu akzeptieren, dass es Räume gibt, die ich nicht mehr betreten kann. Die meisten von euch wissen, warum ich verschwunden bin. Für alle, die es nicht wissen: Es wurde ein intimes Video von mir veröffentlicht. Shoutout an alle, die es geschaut und mich dafür geshamed haben. Und ich war beschämt. Ich war so beschämt, dass ich verschwunden bin. Aber mir ist klar geworden, dass die Scham bei mir nicht an der richtigen Stelle ist. Es ist Zeit, das richtigzustellen. Es ist Zeit, die Scham umzuverteilen.“   Der Schreibstil von Thea Mengeler ist einzigartig, ebenso der Aufbau des Buchs: In einer Art inneren Monolos spricht die Protagonistin in Gedanken mit ihren Mitreisenden. Das hat mich emotional tief berührt. Die Autorin verwebt auf außergewöhnliche Weise eine beeindruckende Themenvielfalt: digitale Gewalt und die Mechanismen der sozialen Medien, Hass, Scham, Frausein, Schönheitsideale, sexistische Rollenbilder, alltäglicher Sexismus, Angst, Trauma, Sprachlosigkeit und die Macht der Worte; aber auch Familienstrukturen und Sozialisierungen, mit denen wir aufwachsen - dieses Buch ist so tiefgründig und vielschichtig, dass es mich absolut sprachlos zurücklässt.   „Man erzieht uns zur Scham. Wer sich schämt, macht sich klein, wer sich schämt, bleibt leise. Mit unserer Scham kontrolliert ihr uns. Die Scham lebt davon, dass sie im Verborgenen bleibt. Sie wird größer, je weniger man über sie spricht. Aber wir können uns der Scham verweigern. Wir tun es, indem wir über sie sprechen.“   „Öffentlicher Nahverkehr“ ist ein sehr vielschichtiger, intensiver, bewegender Roman, der noch sehr lange in mir nachhallen wird. - Absolutes Jahres-Highlight !!!   Vielen Dank an den Wallstein Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!

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