Das erste Mal hat Yrsa nicht die Absicht zu töten. Aber der Cambridge-Professor, der ihr gegenübersitzt, hat die Forschungsergebnisse ihrer Freundin gestohlen. Als sie die Biene in seine Sanpellegrino-Flasche schnippt, denkt sie, dass er einen schmerzhaften Stich abbekommen wird. Dann ist er tot. Und Yrsa, die - seien wir ehrlich - schon seit einiger Zeit gelangweilt ist, fühlt sich endlich wieder lebendig.
Der aufregende Debütroman von Imani Thompson verbindet Campusroman mit Thriller-Elementen und Humor. Eine unterhaltsame und wunderbar ins Absurde getriebene Geschichte über feministische Wut, Ungerechtigkeit, Begierde und Rache. Und über das Schwarzsein in einer sehr, sehr weißen Welt.
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
Jessica
2/5
14.07.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Anstrengende Killer-Protagonistin
Zunächst muss ich sagen, dass ich erst die Leseprobe gelesen habe und diese richtig witzig und spannend fand.
Der Schreibstil hat mir blendend gefallen und ich bin gut reingekommen.
Leider wurde es dann meines Erachtens immer schwächer. Ab der Hälfte des Buches hat mich Yrsa nur noch genervt. Anfangs hatte sie noch Werte, die sie vertreten hat, die ich auch überzeugend fand. Diese sind dann aber immer mehr weggefallen oder es wurde mit Zwang versucht, etwas Problematisches am Opfer zu finden. Ein Glück ist dann Ilysha in ihr Leben getreten. Da wurde es wieder besser. Das hielt aber nur kurz an. Yrsa ist so negativ bzw. wurde immer negativer und hat in allen Menschen nur das Schlechte gesehen. Sie hat förmlich einen Grund gesucht, um jemanden zu töten.
Auch das Ende hat mir überhaupt nicht gefallen.
Einziger Lichtblick war die Sprecherin. Sie hat das echt gut und spannend rübergebracht.
Mein Fazit: anfangs stark, dann stark nachgelassen und anstrengend. Ich wollte es so gern lieben.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
21.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Honey
Das Cover:
Es verrät erstmal rein gar nichts über das Buch an sich, aber trotzdem fand ich es gelungen, es Bericht durch seine Schichtheit.
Meine Meinung:
Imani Thompson war mir bisher kein Begriff, aber Honey hat das sehr schnell geändert. Ein Campusroman, ein Thriller, ein feministisches Manifest und gleichzeitig tiefschwarze Komödie? Das ist eine Kombination, die auf dem Papier verrückt klingt und die ich unbedingt lesen musste.
Yrsa ist Doktorandin in Cambridge, klug, brillant und gründlich gelangweilt von einem akademischen System, das Frauen wie sie regelmäßig übersieht, unterschätzt und benutzt. Als ihr Kommilitone die Forschungsergebnisse ihrer Freundin klaut, tötet Yrsa ihn! Ja. Einfach so. Und ziemlich früh….
Nicht aus Panik, nicht aus Verzweiflung, sondern fast beiläufig, mit einer Selbstverständlichkeit, die einen sofort aufhorchen lässt. Und dann tut sie es wieder. Und wieder. “Böse Männer”, die es ihrer Meinung nach verdient haben. Sie ist eine Protagonistin, die das Ganze als akademische Methode, als Feminismus in Aktion versteht. Oder sich zumindest einredet, dass es das ist.
Yrsa ist einer der faszinierendsten und beunruhigendsten Charaktere, die ich seit langem gelesen habe. Sie ist witzig, charmant und mit einer Energie ausgestattet, die einen nicht loslässt und gleichzeitig wird im Laufe der Geschichte immer klarer, dass ihr Antrieb weniger feministische Wut als noch andere Motive sind, die nach und nach aufgedeckt werden.
Die Autorin lässt keinen Zweifel daran, dass Yrsa keine Heldin ist und trotzdem, oder genau deswegen (?) kann man nicht aufhören, ihr zuzusehen. Das ist die eigentliche Meisterleistung des Buches.
Was Honey wirklich besonders macht, ist dieser scharfe gesellschaftliche Kommentar, der sich durch alles zieht. Über Rassismus im Akademikerumfeld, über Misogynie, über Klasse und die Art, wie Institutionen Frauen wie Yrsa systematisch unsichtbar machen. Das ist nie schwerfällig oder belehrend, sondern immer in Bewegung, immer eingebettet in Yrsas zynischen Blick auf die Welt. Der Schreibstil ist elektrisierend, rhythmisch und mit einem Witz, der einem manchmal mitten im Erschrecken ein Lachen entlockt.
Eine gelungene Mischung, die mich mehr als einmal überrascht hat, bei der ich nicht weiß, ob ich es feier oder beängstigend realistisch finde.
Mein Fazit:
Ein Debüt, das man so schnell nicht vergisst. Yrsa ist die Antihelden-Energie, die man nicht kommen sah und jetzt nicht mehr missen möchte. Dunkel, klug, verstörend komisch und irgendwie beängstigend nachvollziehbar.
Bewertung
5/5
20.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schockierend, faszinierend & interessant
Ich habe ich den Debütroman „Honey“ von Imani Thompson in nur drei Tagen durchgelesen und kann das Buch sehr empfehlen.
Die Geschichte handelt von Yrsa, einer Dozentin an der Cambridge Universität, die gerade ihre Doktorarbeit über „Afropessimismus und den Befreiungsdiskurs Schwarzer Frauen“ schreibt. Was nicht ganz unwichtig für die Handlung ist. Ihre Thesen, Abhandlungen und Ausschnitte aus Literatur, die sie für ihre Arbeit liest, verweben sich mit der Story und lehren auch uns als Leser:innen etwas über die Thematik. Yrsa versucht, diese Thesen über Gewalt, Rassismus und Sexismus mit Situationen aus dem eigenen Leben zu vergleichen und zu „beweisen“. Diese Einschübe haben mir ausgesprochen gut gefallen. Ich hatte das Gefühl, etwas dazuzulernen und konnte mich dadurch besser in Yrsa hineinversetzen.
Die Thematik des Romans ist unglaublich vielschichtig, gesellschaftskritisch und lässt sich kaum auf wenige Worte reduzieren. Würde ich den Plot sehr vereinfacht beschreiben, geht es um eine junge Frau, die aufgrund ihrer persönlichen und strukturellen Erfahrungen beginnt, Männer zu ermorden, die es ihrer Ansicht nach verdient haben. Erst zufällig, dann geplant.
Anfänglich empfand ich Yrsas empathielose Art amüsant. Je mehr wir jedoch über sie erfahren, erkennen wir, dass ihre Traumata viel tiefer sitzen, was sie geprägt hat, und welche (für mich kaum nachvollziehbaren) schmerzhaften Handlungen sie daraus entwickelte. Es geht auch um generationsübergreifendes Trauma. Das ihrer Mutter und ihrer Großmutter, der sie sehr nahe stand, wird auf Yrsa übertragen.
Der Schreibstil ist außergewöhnlich und faszinierend. Teilweise sehr kurzweilig und rasant erzählt, an anderen Stellen fast poetisch, und in Metaphern erzählend und durch kurze wissenschaftliche Abschnitte geprägt.
Mit der Zeit wird die Handlung immer absurder, Yrsas Pläne geraten völlig außer Kontrolle und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Das Ende ist schockierend. Im ersten Moment war ich nicht ganz damit zufrieden, hätte mir aber auch irgendwie kein anderes Ende vorstellen können. Daher war es für mich nach kurzer Atempause passend.
Alles in allem ist das ein wilder, intensiver Roman und ein wirklich beeindruckendes Debüt, das ich allen empfehlen kann, die sich auf anspruchsvolle Literatur einlassen möchten und keinen leichten Roman erwarten. Einige explizite Szenen fand ich fast ein wenig verstörend.
knightlyart
aus Hamburg
5/5
20.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bissig, klug, kompromisslos
„Sie hat also eindeutig zwei Möglichkeiten: es sein lassen und sich eingestehen, dass es leichter gesagt als getan ist, Leute zu ermorden, und dies nicht der beste Weg ist, Wissenschaft zu betreiben. Oder noch eins draufsetzen.“ (Seite 162)
Selten hat ein Roman seinen Ton so treffend in einem einzigen Zitat eingefangen. Zwischen bitterbösem Humor, akademischer Satire und moralischem Abgrund bewegt sich Honey mit beeindruckender Sicherheit.
Yrsa promoviert in Cambridge, doch ihre Forschung stagniert, Motivation und Perspektive scheinen ihr gleichermaßen zu fehlen. Erst als sie eher unbeabsichtigt in den Tod eines Professors verwickelt wird, beginnt sich plötzlich ein Weg vor ihr abzuzeichnen – wenn auch ein denkbar fragwürdiger. In einer akademischen Welt, die von weißen Männern dominiert wird und in der sie als Schwarze Frau immer wieder an unsichtbare Grenzen stößt, geraten schnell weitere Menschen in ihren Fokus, die ihre Machtposition bislang schamlos ausgenutzt haben.
Honey verbindet Campusroman und Thriller zu einer ebenso unterhaltsamen wie klugen Geschichte. Dabei wechseln sich bissiger Humor, unterschwellige Wut und eine gehörige Portion zwischenmenschlicher Dysfunktion gekonnt ab.
Yrsa ist dabei alles andere als eine klassische Heldin. Sympathisch wirkt sie meist nur dann, wenn sie es bewusst darauf anlegt. Sie bleibt sperrig, widersprüchlich und oft schwer zu durchschauen. Viele Facetten ihrer Persönlichkeit hält sie konsequent unter Verschluss – auch vor uns Leser:innen. Gerade das macht sie zu einer faszinierenden Figur, die sich einfachen Urteilen entzieht.
Rassismus, Feminismus, Intersektionalität und Female Rage ziehen sich als zentrale Themen durch den Roman, ohne jemals belehrend zu wirken. Stattdessen regt Honey zum Nachdenken an und hält der akademischen Welt ebenso wie gesellschaftlichen Machtstrukturen einen scharf geschliffenen Spiegel vor. Für mich war dieses kluge und ungewöhnliche Buch eine echte Bereicherung.
darkola77
Thalia Book Circle Community
5/5
19.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein feministischer Befreiungsschlag
Versklavung, Unterdrückung und die Wut, die glüht und brennt und bleibt. Und über Generationen hinwegreicht. Für Yrsa ist das nicht nur Theorie. Selbst Wissenschaftlerin und Doktorandin in Cambridge widmet sie ihre Forschung und Lehre den Denkansätzen des Afropessimismus, taucht tief ein in dessen Thesen und Modelle, erkennt sich in diesen wieder. Und das, was immer einer kritischen Auseinandersetzung bedarf, wird zunehmend unreflektiert übernommen. Und nur zu gern zu einer Entschuldigung. Für das, was folgt.
Und das ist so einiges. Denn Yrsa verschiebt nach und nach ihre eigenen Grenzen. Gibt ihren eigenen Traumatisierungen, Verletzungen und Enttäuschungen ein Ventil. Wenn ganz zu Beginn eher zufällig. Oder aus dem Affekt heraus. Denn dass die Biene in der Wasserflasche tatsächlich zum schnellen, grausamen Tod führt, überrascht sie selbst. Und bringt sie auf den Geschmack. Warum nicht vermeintlich Gleiches mit Gleichem vergelten?
Und so schreitet Yrsa zur Tat. Und die Leser*innen schauen atemlos zu. Und werden Zeug*innen eines ganz eigenen Rachefeldzugs für das Gute und Gerechte. Oder das, was Yrsa dazu macht. Und dass gerade Männer dabei sehr schlecht wegkommen, ist natürlich kein Zufall. Sondern Teil von Yrsas ganz persönlicher Befreiung. Und Rechtfertigung.
Dem Sog, den unsere Protagonistin spürt, bin auch ich beim Lesen erlegen. Allerdings auf die ganz harmlose Art. Und die sehr schöne! Denn das Buch konnte ich schon nach wenigen Seiten nicht mehr aus der Hand legen. Und meinem Mann ging es ähnlich, dem ich den Roman auf Englisch geschenkt hatte. Kurz ein schlechtes Gewissen bekam. Und dann sah, dass auch er begeistert war. Und so gar nicht verschreckt.
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