»Ilona Hartmann ist wahrscheinlich die coolste Schriftstellerin Deutschlands. Und sie hat ein neues literarisches Genre erfunden: Happysad.« Dirk von Lowtzow, TocotronicSieben Tage hat sie Zeit. Sieben Tage zwischen einer beunruhigenden Diagnose und dem klärenden Arzttermin, der alles verändern könnte. Sieben Tage, um nicht nachzudenken – oder endlich aufzuräumen. Statt in den Urlaub zu fahren oder sich ablenken zu lassen, steigt sie hinab in ihr Kellerabteil, ausgestattet mit Stirnlampe, Müsliriegeln und dem festen Vorsatz, sich von allem zu trennen, was sie nicht mehr braucht und freizulassen, was ohne sie besser dran ist.Doch zwischen Umzugskartons und Erinnerungskisten, XXL-Plüschteddys und 20 Jahre alten Zahnbürsten beginnt eine unerwartete Expedition: durch Chaos und Ordnung, Konsum und Identität, durch die Geschichte ihrer Dinge und eine Meditation über Schrott. Begleitet von ihrer minimalistischen Schwester, einer pragmatischen Gebrauchtwarenhändlerin und den Fabelwesen, die im Keller rascheln, stellt sie fest: Wegwerfen ist Trennung ohne Hintertür.Ein Roman über eine junge Frau, die ihren Keller aufräumt und dabei herausfindet, worauf es im Leben eigentlich ankommt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
5/5
27.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein so tolles Buch!
Was für ein großartiges Buch! Ich habe „Junk“ von Ilona Hartmann innerhalb von zwei Tagen gelesen, weil ich nicht mehr aufhören konnte. Die Geschichte ist so berührend. Es geht um eine junge Frau, die in sieben Tagen eine noch nicht einschätzbare Diagnose erhält. Was soll sie mit diesen sieben Tagen anfangen? Urlaub? Nein, sie geht in den Keller und mistet aus. Zwischen Kartons, alten Fotos und einem XXL-Plüschteddy fragt sie sich: Wieso habe ich eigentlich so viel Zeug? Wieso fühle ich mich gut, wenn ich Dinge konsumiere? Ist das wirklich notwendig? Die Geschichte ist sehr realistisch und unglaublich liebenswert. Das Ende lässt einen atemlos zurück. Durch die zum Teil auch wahnsinnig lustigen Geschichten und die präzise Darstellung der Hauptfigur habe ich in diesem Roman gelebt.
Besonders hervorheben möchte ich die Sprache der Autorin. Ilona Hartmann malt förmlich mit Sprache. Sie findet Worte für Gefühle, die eigentlich immer zwischen den Zeilen stehen und nicht ausgesprochen werden. Beim Lesen habe ich gelacht, geweint, mitgefiebert. Die sprachlichen Bilder sind passgenau. Ich habe unglaublich viel aus der Geschichte für mein eigenes Leben mitgenommen. Das Cover ist mit Sicherheit das ungewöhnlichste Cover in diesem Jahr und passt perfekt zur Geschichte.
Ich lege diesen Roman wirklich jedem ans Herz! Jahreshighlight 2026!
frauke_liest
4/5
21.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Decluttering mal persönlich
In „Junk“ nutzt die namenlose Protagonistin die sieben Tage bis zu einer potentiell fatalen medizinischen Diagnose, um ihr Kellerabteil aufzuräumen. Nur ist das offenbar so voll, dass das einfacher gesagt als getan ist. Beim Durchsortieren der Gegenstände macht sie sich zum Entrümpeln an sich Gedanken, aber lässt auch ihr Leben Revue passieren. Und letztendlich passiert nicht viel, aber ein bisschen Selbsterkenntnis und ein bisschen menschliche Nähe ergeben sich aus dem Projekt dann doch.
„Junk“ kann man schnell weglesen und es hat mich dabei gut unterhalten, auch wenn ich es stellenweise etwas sehr bemüht witzig fand. Mich hat irgendwie ein bisschen gestört, dass die Charaktere weitestgehend namenlos blieben. Denn klar - so ist’s viel allgemeingültiger, aber die hatten dann doch so viel Charakter, dass ich ihre Namen gern gekannt hätte.
Wer also ein schnelles Lesehäppchen für zwischendurch sucht - und vielleicht etwas Motivation zum Ausmisten - der sollte „Junk“ lesen.
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5/5
29.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Junk - Was wir im Keller verstecken
Gratulation, wenn Du es geschafft hast, an DIESEM Cover vorbeizugehen. Ich hab es tatsächlich nicht geschafft, das Buch ist mir nicht nur in den Schoß gefallen, sondern quasi in die Arme gesprungen. Und das ist schon die halbe Miete. Dazu kommt, dass es handliche 192 Seiten hat - wer könnte da nein sagen, wenn der Klappentext vielversprechend ist? Und das ist er. Er verrät genau genug, um das Interesse zu wecken und dann, spätestens ab Seite 10, muss man einfach wissen: was hat sie denn? Und wird sie den Schluss des Buches überleben?
Sie ist die sympathische Protagonistin dieses Romans, der man auf alle Fälle wünscht, dass sie nicht zum Ende das Zeitliche segnen muss. Denn schließlich hat sie ein Kellerabteil fertig auszuräumen.
Was anfangs einfach anmutet, fühlt sich schon an Tag 3 an wie ein unüberwindbarer Berg. Jeder, der ein Kellerabteil oder auch nur eine Abstellkammer - oder Gott behüte, einen Dachboden - sein eigen nennt, weiß was gemeint ist. Man nimmt eine Schachtel raus, ist vollgepackt mit guten Vorsätzen, und am Ende hat man mehr als man dachte zu haben, es ist viel Zeit vergangen ohne dass irgendetwas passiert ist und man fragt sich zu Recht: wofür hat man das aufghoben? Warum hat man es überhaupt gekauft? Man kann sich vage erinnern, dass es einmal wichtig war, irgendwann, vor langer Zeit, aber jetzt vermüllt es einfach nur Platz, den man benötigt oder - wie in diesem Fall - den man leeren möchte, weil man die Dinge regeln möchte, bevor man unter Umständen viel zu früh ins Gras beißt.
Als Gastgeber eines inneren Schweinehundes bekämpft man nicht nur das ganze Sammelsurium an manifestierten Erinnerungen, sondern auch den Drang, alles in Müllsäcke zu packen und wegzuwerfen. Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema, aber wäre es nicht nachhaltiger gewesen, gar nicht erst zu kaufen? Stattdessen müht man sich Jahre später damit ab, Dinge auf ebay oder am Flohmarkt loszuwerden - ein Grund mehr, die Dinge einfach stehen zu lassen, denn das kostet Zeit und Zeit ist bekanntlich Geld. Geld wiederum braucht man für viele Dinge, die man sich kaufen muss, und die dann wieder im Keller veschwinden, wenn sie ihre Schuldigkeit getan haben.
Ein großartiger Roman über innere Leere, erlernte Muster, Konsum als Ersatzbefriedigung und ein ungelebtes Leben. Was zählt wirklich, was brauchen wir und was glauben wir zu brauchen?
Ilona Hartmann schafft es, einen ganzen Roman über diese Komplexität zu schreiben, ohne ein einziges Mal den Zeigefinger zu erheben. Hut ab vor allen, die sich nicht mindestens bei einer Passage dieses Buches insgeheim ertappt fühlen.
Die Geschichte mit dem Teddybären vom Cover ist übrigens höchst unterhaltsam, wie so viele Anekdoten in diesem Büchlein. Sie sind so farbenfroh beschrieben, dass man fast vergessen möchte, dass dieser Roman reine Fiktion ist.
Was brauchen wir wirklich im Leben und wie viel davon haben wir?
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