Jago Trevarno war vierzig Minuten lang klinisch tot. Nun ist sein Leben ein anderes. Sein Kopf funktioniert nicht mehr so wie vorher, er ist schnell überfordert, wenn zu viele Dinge gleichzeitig passieren, lebt maximal im Augenblick, weil es nicht anders geht. Auf dem Hof seines Onkels Jacob an der Küste in Cornwall versucht er, die Teile seines Lebens wieder zusammenzusetzen. Hier gibt es keinen Strom, sondern Öllampen, die Butter wird im Fass gestoßen, auf dem Ofen steht eine große Kupferwanne. In dieser Umgebung findet Jago langsam zur Ruhe. Seine Tage sind bestimmt vom Rhythmus der Natur und der Arbeit. Er melkt die Kühe, repariert Zäune, reitet zum Meer aus und hilft sogar dabei, ein Fohlen zur Welt zu bringen. Alles könnte gut sein, zumindest für den Moment, wenn da nicht der Schurke Bill Sligo wäre, der Jago und seinem Onkel Jacob Ärger macht. Jago muss ihn stoppen, um zu bewahren, was er hat: einen Ort, an dem er weiterleben kann. Patrick Charnleys Roman erzählt anrührend und dabei unsentimental von einem Neuanfang im eigenen Tempo. Der Autor teilt das Schicksal seines Protagonisten - dieses Buch hat er dem Leben abgetrotzt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Karouchi
5/5
15.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein leiser Roman über einen zweiten Anfang
"Weiterleben" erzählt die Geschichte von Jago, der nach einem Herzstillstand vierzig Minuten lang klinisch tot war. Er überlebt, aber danach ist nichts mehr wie vorher. Sein Kopf funktioniert anders, zu viele Eindrücke überfordern ihn und er muss erst lernen, mit seinem neuen Leben zurechtzukommen.
Jago zieht auf den abgelegenen Hof seines Onkels Jacob in Cornwall. Dort ist das Leben einfach und langsam. Es gibt kaum moderne Technik, dafür Tiere, körperliche Arbeit und einen Alltag, der sich nach der Natur richtet. Gerade diese Atmosphäre mochte ich sehr gerne. Beim Lesen merkt man richtig, wie Jago dort nach und nach wieder zur Ruhe kommt.
Besonders berührt hat mich, dass der Autor selbst einen Herzstillstand überlebt hat. Dadurch bekommt die Geschichte noch einmal eine ganz andere Bedeutung und Jagos Erfahrungen wirken sehr authentisch. Gleichzeitig wird das Thema nicht unnötig dramatisch erzählt.
Die Handlung ist insgesamt eher ruhig und man muss sich auf dieses langsame Tempo einlassen. Für mich hat es aber gut zur Geschichte gepasst. Der Konflikt mit Bill Sligo bringt später außerdem noch etwas mehr Spannung hinein.
Für mich ein berührendes Buch über einen Neuanfang, die kleinen Dinge im Leben und darüber, dass Weiterleben manchmal auch bedeutet, ein völlig neues Leben akzeptieren zu müssen.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
13.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Buchperle
Weiterleben will Jago. Der Herzstillstand hat ihn kurz ausgebremst und die Schädigungen seines Gehirns scheinen ihm anfangs schwer zuzusetzen. Aber als sein Rückzugsort bei seinem Onkel in Bedrängnis gerät, kann er nicht still sitzen. Er will sich wehren. Er will nicht klein beigeben.
Weiterleben bedeutet auch weitermachen. Bedeutet sich aufrappeln und zurecht kommen, mit dem, was das Leben bereit hält.
Wunderschön ist die Sprache in diesem Buch. Eindringlich, sanft und Bilder malend. Die Menschen und die Landschaft geben Jago Halt. Sie machen ihn stark genug, sein Schicksal nicht nur anzunehmen sondern über sich hinauszuwachsen.
Mich hat dieses Buch wahnsinnig glücklich gemacht. Es hat einen Ton, der in mir nachhallt. Das Cover passt hervorragend dazu. Scheinbar still und ruhig aber doch voller Leben. Wie schön, dass ich diese Perle entdecken durfte
Wortschätzchen
aus Kreis HD
5/5
11.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sanft, leise, zärtlich und doch so gewaltig!
Seit Jago Trevarno einen Herzstillstand überlebte, bei dem er vierzig Minuten lang klinisch tot war, ist sein Leben komplett anders. Er hat mit den Folgeschäden zu kämpfen, die ihn langsam machen, alles überfordert ihn schnell. Sein Onkel Jacob nimmt ihn auf seinem Hof auf, auf dem die Zeit stillgestanden zu haben scheint. Kein Strom, keine Verbindung zur Außenwelt, alles wie im vorletzten Jahrhundert. Hier könnte sich Jago in seinem eigenen Tempo erholen, doch Bill Sligo hat Pläne, die er um jeden Preis durchsetzen möchte und Jago muss ihn stoppen, um Jacob und sich zu retten.
Das Buch ist sanft, still und leise, es ist aber vielleicht auch gerade deshalb so eindringlich und mächtig. Die Geschichte erdet, sie fokussiert auf den Moment und das, was wirklich zählt. Gerade in unserer über-technologisierten Welt ist das heilsam und wichtig. Jago entschleunigt den Leser mit seiner Art ungemein. Selbst die dramatischen, hochspannenden Momente erfahren eine Art Zeitlupe und können so noch deutlicher betrachtet, analysiert und gelöst werden. Für mich ist das große Kunst! Jacob sorgt zwischendurch sogar dafür, dass Jago sein Tempo nicht steigert, sondern Geduld an den Tag legt, egal was kommt.
Man muss Jacob und Jago einfach lieben, ebenso ein paar der anderen Figuren. Stückchenweise erfährt man, wie Jago vor seiner Erkrankung war und lebte. Dadurch wird noch klarer, wie sehr seine Einschränkungen auch für ihn schwer zu ertragen sind. Das wird unterstrichen durch das große Ausholen, den großen Anlauf, den Jago bei seiner Erzählung nimmt. Ganz seiner Komfortzone entsprechend, im Hier und Jetzt zu sein, erzählt er seine Geschichte auch in der Gegenwartsform. So erlebt und spürt man die Story quasi in Echtzeit und besonders intensiv.
Auch wenn das Ende weniger realistisch scheint, finde ich es stimmig und bin damit mehr als zufrieden. Wer weiß, vielleicht passiert ähnliches ja doch viel öfter, als wir je erfahren werden. Wichtig ist mir hier sowieso viel mehr, wie die Menschen in Cornwall zusammenhalten, wenn es nötig ist. Ohne darüber zu sprechen. Wie Jakob sich um seinen Neffen kümmert, obwohl er selbst nicht mehr der Jüngste ist und mit sich selbst und seiner Farm mehr als genug um die Ohren hat. Wie Granny Carne alles sieht, hört und versteht.
Für mich war dieses Buch eine Umarmung, in der man heilt, sicher ist und mit der man gestärkt weitergeht. Fünf Sterne.
Bewertung
5/5
10.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ganz besonders
„Weiterleben“ von Patrick Charnley ist ein ungewöhnlicher und sehr ruhiger Roman, der sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie es sich anfühlt, wenn das eigene Leben plötzlich eine völlig andere Richtung nimmt. Jago hat einen Herzstillstand überlebt und muss danach mit gesundheitlichen Einschränkungen zurechtkommen. Als er nach dem Tod seiner Mutter zu seinem Onkel Jacob nach Cornwall zieht, beginnt für ihn ein neuer Abschnitt.
Besonders gut gefallen hat mir die Beziehung zwischen Jago und seinem Onkel. Jacob ist ein sehr warmherziger und geduldiger Mensch, der seinen Neffen nicht unter Druck setzt. Stattdessen gibt er ihm die Möglichkeit, langsam wieder Vertrauen in sich selbst und seinen Alltag zu entwickeln. Gerade diese kleinen Schritte machen Jagos Geschichte glaubwürdig und berührend.
Auch die Atmosphäre des Romans hat mir sehr gefallen. Der Hof, die Tiere und die Landschaft Cornwalls bilden einen schönen Rahmen für die Handlung und vermitteln eine angenehme Ruhe. Das Erzähltempo ist bewusst langsam und passt dadurch sehr gut zu Jagos Situation. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass die Geschichte langweilig wird. Eine zusätzliche Ebene entsteht durch eine eher zurückhaltende Krimihandlung, in der Jago auf ungewöhnliche Vorgänge aufmerksam wird.
Erzählt wird aus Jagos Perspektive, wodurch seine Gedanken, Unsicherheiten und Fortschritte besonders greifbar werden. An einigen Stellen hätte ich mir zwar etwas mehr Tiefe und ausführlichere Entwicklungen gewünscht, insgesamt war die Lektüre für mich aber eine besondere Erfahrung. Ein stilles Buch, das zum Nachdenken über zweite Chancen, Lebensentwürfe und das eigene Glück anregt.
Bewertung
5/5
10.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartig
Der Roman „Weiterleben“ von Patrick Charnley umfasst 288 Seiten und erzählt die bewegende Geschichte des zwanzigjährigen Jago Trevarno, dessen Leben sich nach einem schweren Herzstillstand und einer dadurch verursachten Hirnverletzung völlig verändert. Nach seiner Genesung zieht Jago zu seinem Onkel Jacob auf einen abgelegenen Hof an der Küste Cornwalls, wo er versucht, mit seinem neuen Leben zurechtzukommen. Jago ist dabei ein ungewöhnlicher und sehr glaubwürdiger Hauptprotagonist. Er kann sich nicht mehr so schnell konzentrieren wie früher, ist leicht überfordert und muss viele Dinge langsamer angehen. Gerade dadurch nimmt er seine Umgebung besonders intensiv wahr. Die Beziehung zu seinem fürsorglichen Onkel Jacob spielt eine wichtige Rolle, denn Jacob gibt Jago Sicherheit, ohne ihn zu bevormunden.
Besonders beeindruckend ist die Beschreibung der Landschaft Cornwalls. Der Hof liegt an der Küste in der Nähe von St Ives, zwischen Meer, Klippen, Feldern und kleinen Wegen. Die raue, gleichzeitig wunderschöne Landschaft wird sehr bildhaft beschrieben und vermittelt dem Leser das Gefühl von Weite, Ruhe und Abgeschiedenheit. Sie passt hervorragend zu Jagos Entwicklung, denn auch er braucht nach seinem schweren Schicksal Zeit und Ruhe, um wieder Vertrauen in das Leben zu finden. Die Natur wird dadurch fast zu einem weiteren wichtigen Bestandteil der Handlung.
Sprachlich ist der Roman auffallend ruhig, klar und bildhaft. Charnley verwendet eher kurze und einfache Sätze und erzählt aus Jagos persönlicher Perspektive. Dadurch bekommt man einen unmittelbaren Einblick in seine Gedanken und seine veränderte Wahrnehmung. Gleichzeitig gelingt es dem Autor, mit wenigen Worten starke Bilder der Landschaft und des einfachen Lebens auf dem Hof zu erzeugen. Neben der ruhigen und gefühlvollen Handlung entsteht durch den Konflikt mit dem zwielichtigen Bill Sligo auch Spannung. Insgesamt verbindet „Weiterleben“ eine Geschichte über Krankheit, Verlust und Neuanfang mit einer spannenden Handlung und einer eindrucksvollen Landschaft. Besonders gelungen ist, dass der Roman trotz seines ernsten Themas nicht bedrückend wirkt, sondern Hoffnung, Ruhe und Lebensmut vermittelt. Für mich ist „Weiterleben“ deshalb ein berührender Roman über die Frage, wie man nach einem einschneidenden Erlebnis lernen kann, sein Leben neu anzunehmen.
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4/5
29.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Weiterleben - eine Ode an die Einfachheit
In "Weiterleben" verarbeitet der britische Autor Patrick Charnley einen Teil seiner medizinischen Geschichte - wie auch beim Protagonisten seines Buches, dem 20jährige Jago, ist das Herz des Autors 40 Minuten lang stillgestanden, bevor er wiederbelebt werden konnte.
Jago zieht sich nach dem Tod seiner Mutter und nach seinem Herzstillstand zurück auf die abgelegene Farm seines Onkels Jakob. Dort versucht er, mit den Gegebenheiten zurechtzukommen, die das Schicksal ihm auferlegt hat.
Bei einfachen Tätigkeiten, umgeben von Pferden und Kühen, ohne Strom und fließendes Wasser, tankt der junge Kornier Kraft und löst auf eigene Faust ein Geheimnis, von dem er besser die Finger gelassen hätte.
Spannend, aber gleichzeitig sehr entschleunigend und ermutigend. "Weiterleben" ist ein sehr starker Roman, in dem Akzeptanz der Gegebenheiten, Einfachheit und Naturverbundenheit die Hauptrollen spielen.
Das Ende habe ich tatsächlich erst richtig gut verstanden, nachdem ich mir zwei Interviews mit Patrick Charnley angesehen habe. Es war auch vorher ok, aber danach hat es richtig Sinn gemacht. In jedem Fall kann man beim Lesen des Romans auch sehr viel erfahren über die Folgen, die entstehen können, wenn das Herz für so lange Zeit aufhört zu schlagen.
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