Wien, 1880er-Jahre. In einer Zeit des Aufbruchs versetzt der verheerende Brand des Ringtheaters die Stadt in Schockstarre. Aus den Flammen wird die Schauspielerin Lolo von Trotta gerettet. Ihre Karriere ist zerstört, ihr Ruf bereits seit einem skandalumwitterten Treffen mit dem hawaiianischen König im Prater ruiniert. Wenige Monate später stirbt eine Tänzerin aus dem Gefolge der Schwester des Königs während einer Vorstellung. Besteht eine Verbindung zu Lolo?
Kaiserin Sisi lässt ihre Kammerdienerin Liesel und den Hoffotografen Viktor Angerer diskret ermitteln. Ihre Nachforschungen führen von den Salons Wiens bis in die dunklen Ecken des höfischen Lebens - und tief in die Schatten der Belle Époque.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bellis-Perennis
aus Wien
5/5
22.06.2026
eBook (ePUB 3)
Hier ist wenig, wie es scheint
Der zweite Fall für Kaiserin Elisabeths Kammerdienerin Liesel und dem Hoffotografen Viktor Angerer spielt kurz nach dem verheerenden Brand des Wiener Ringtheaters 1881, bei dem Hunderte Menschen getötet worden sind und nur wenige gerettet worden sind. Weil man der Gasbeleuchtung einen großen Anteil an dem Brand zumisst, wird versucht, die Beleuchtung auf elektrischen Strom umzustellen, was naturgemäß der Gaslobby, die vor allem aus Kohlegrubenbesitzern besteht, die um ihre Gewinne fürchten, nicht gefällt.
Wie man weiß, ist Kaiser Franz Joseph Neuerungen ziemlich abhold, weshalb er von den „Funken einer neuen Zeit“ rein gar nichts hält. Das wiederum setzt seine Gemahlin Kaiserin Elisabeth in Marsch, ihm durch mehr oder weniger subtile Interventionen, versucht, das „neumodische Teufelszeug“ schmackhaft zu machen.
Doch zurück zum Buch!
Während einer Veranstaltung kommt die junge Tänzerin Noelani, Mitglied der Reisegruppe des hawaiianischen Königs, der gerade in Wien weilt, ums Leben. Schnell stellt sich heraus, dass Noelani sowohl männlich als auch weibliche Geschlechtsmerkmale aufweist, was man in Hawaii zu schätzen weiß, in Wien aber als Kuriosität gilt. Ist nun auch Lili, die Schwester des Königs in Gefahr?
Kaiserin Elisabeth beauftragt ihre pfiffige Kammerdienerin Liesel und Viktor Angerer den Mord aufzuklären. Instinktiv will Liesel eigentlich Wien nicht verlassen. Doch kann man der Kaiserin von Österreich widersprechen?
Widerwillig begeben sich Liesel und Angerer zunächst einmal nach Brünn, um wenig später nach Prag reisen zu müssen und dort einen weiteren Auftrag der Kaiserin zu erfüllen.
Meine Meinung:
Tom Sacher, hinter diesem Namen verbirgt sich niemand anderer als Krimi-Autor Michael Seitz, hat uns hier einen interessanten Krimi, in dem er reale Personen mit fiktiven Charakteren geschickt mischt, beschert. So lässt der Herr Autor den realen und an technischen Neuerungen interessierten Dichter Ludwig Ganghofer (1855-1920), der im Herbst 1881 tatsächlich als Dramaturg, des im Dezember des gleichen Jahres abgebrannten im Ringtheaters beschäftigt gewesen ist, die fiktive Schauspielerin Lolo aus der brennenden Künstlergarderobe retten. Dabei trägt sie schwere Verbrennungen davon und muss ihre Karriere nicht nur deswegen beenden.
Auch der Aufenthalt des hawaiianischen Königs samt Entourage in Wien, der mir schon bekannt gewesen ist, trägt dazu bei, die Story farbenprächtig und lebendig zu gestalten. Gleichzeitig erhalten wir Einblick in die Abgründe wie mit der die feine Wiener Gesellschaft Andersartigkeit begegnen. Der Standesdünkel, mit dem der alte (oft verarmte) Adel auf den (Geld)Adel verächtlich herabsieht, ist schwer zu ertragen. Ebenso sind Antisemitismus, Verschwörungstheorien rund um die Freimaurerei und verbotene Duelle geschickt in den historischen Krimi verwoben.
Gut gefällt mir, wie die technischen Details der Stromerzeugung sowie die lebensgefährlichen Zusammenhänge von Wasser und Elektrizität, so quasi im Vorbeigehen, erklärt werden. Die neugierige Liesel ist hier perfekt in Szene gesetzt. Obwohl sie Analphabetin ist, ist ihr eine schnelle Auffassungsgabe in die Wiege gelegt. Ich denke, dass sie endlich lesen und schrieben lernen sollte, egal ob die Kaiserin das goutiert oder nicht. Das absichtliche „dumm halten“ von Untertanen ist mir immer wieder ein Gräuel. Bayern hin oder her, herrscht nicht auch dort die Schulpflicht? Angerer oder Ganghofer böten sich hier als heimliche Lehrer an.
Schmunzeln musste ich über den Auftritt des „Amerikaners“ William Cody Johnson. Hier hat der Autor Anleihen beim echten Varieté-Star William Frederick Cody (1846-1917), genannt Buffalo Bill, genommen, der mit seiner Wild-West-Show mehrere Jahre durch Europa gereist und im Mai 1890 auch im Wiener Prater aufgetreten ist. Auch ein Onkel von Albert Einstein hat einen kurzen Auftritt, bei dem er sich um die Sprachlosigkeit und den Geisteszustand des kleinen Albert sorgt.
Die Darstellung der Kaiserin Elisabeth lässt sie in einem differenzierten Licht sehen. So wählt sie ihre Hofdamen nicht (nur) unter dem Aspekt der Genealogie aus, sondern wegen deren „gesunden Füßen“. Wenn man sich die Schuhe der damaligen Zeit ansieht und die Gepflogenheiten Elisabeths, flotten Schrittes über Stock und Stein zu eilen, eigentlich durchaus vernünftig. Trotzdem kommt sie nicht umhin, Speichelleckerinnen wie Gräfin von Tolna, die eifersüchtig auf Liesel herabsieht, um sich zu dulden.
Für diejenigen, die sich am realen Wiener Hof nicht so gut auskennen, gibt es ein Personenverzeichnis. Natürlich darf auch Luziwuzi, das Enfant Terrible der Habsburger, Erzherzog Ludwig Viktor, der jüngste Bruder des Kaiser, der schwul ist und immer wieder in Frauenkleidern anzutreffen ist, nicht fehlen. Zudem gibt es im Nachwort Hinweise auf die Entstehungsgeschichte dieses historischen Krimis sowie was Fakt und was Fiktion ist.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem zweiten Fall für das ungleiche Ermittlerpaar Liesel und Viktor, der im historischen Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts spielt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
AmberStClair
aus Dorsten
5/5
02.07.2026
Buch (Taschenbuch)
Der Fotograf der Kaiserin - Funke einer neuen Zeit
Meine Meinung:
Die Lieselliesel geht mir einfach nicht aus meinem Kopf. Ein patentes Frauenzimmer, die pfiffig und mutig ist. Mit dem Hoffotografen Viktor Angerer ermittelt sie eine verzwickten Kriminalfall.
Dieser spannende historische Krimi war einfach hervorragend. Der flüssige Schreibstil unterstrich das ganze noch so das man leicht und locker das Buch lesen konnte. Die Charaktere kamen gut herüber und man konnte sie sich gut vorstellen. Auch Kaiserin Sissi wurde hier gut dargestellt und man lernte die rebellische, melancholische und exzentrischen Frau ein wenig kennen.
Ein vielfälltige und abwechslungsreiche Geschichte mit existierende Personen und sowie frei erfundene Handlungen und Personen. Diese Mischung war ein gutes Gesamtbild und fügte sich gut miteinander zusammen. Sympathische Hauptpersonen und beeindruckende Momente die den Leser fesselten.
Eine klare Leseempfehlung!
clematis
5/5
27.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Unter Strom
Erst zerstört ein Flammenmeer das Wiener Ringtheater und damit auch hunderte Menschenleben, dann stirbt eine Tänzerin. Kurz darauf erteilt Kaiserin Sisi ihrer Kammerdienerin Liesel und dem Hoffotografen Angerer eigennützige Aufträge, um im Hintergrund die Fäden zu ziehen. Während der hawaiianische König David Kalākaua und seine Schwester Lili auf ihrer Weltreise Wien besuchen, geht es also turbulent zu, alles steht förmlich unter Strom. Kann es sein, dass es hier Zusammenhänge gibt, welche nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind?
Auch der zweite Band rund um Liesel und Angerer führt uns ins kaiserliche Wien in den 1880er-Jahren, wo gerade ein Streit darüber entbrennt, ob man an den bewährten Gaslampen festhalten oder doch Edisons neuartige Glühbirnen installieren solle. Selbstverständlich stehen Kaiser Franz Joseph und Sisi – wieder einmal – auf unterschiedlichen Seiten, wenn das Wort Strom fällt. Mit vielen Details zum Thema Elektrizität, zu hawaiianischen Traditionen und natürlich zu den unterschiedlichsten Gefolgsleuten am Wiener Hofe unterhält uns Schriftsteller Tom Sacher in diesem Krimi, denn Leichen gibt es ebenfalls. Eine Prise Humor darf nicht fehlen, genauso wie tierische Verstärkung, diesmal in Form eines Elefanten, um welchen sich Lieserl mit ihrer Erfahrung als einstige Ziegenhirtin und naturgegebenem Menschenverstand kümmern muss. Obwohl sie nie lesen und schreiben gelernt hat, kombiniert sie blitzschnell, nur der gewitzten Kaiserin hinkt sie gedanklich immer einen Schritt hinterher. Dennoch gelingt die Lösung nach einiger Aufregung und wir statten noch kurz einen Gegenbesuch in Hawaii ab.
Auf bemerkenswerte Weise lässt Sacher reale Ereignisse nahtlos in seine fiktive Geschichte einfließen, erzählt viel Interessantes ohne belehrend zu wirken. Historisch verbürgte Personen erleben spannende Auftritte im Geschehen und geben dem Ganzen dadurch seine spürbare Lebendigkeit.
Was bleibt am Ende? Ein genialer Kriminalroman, entstanden aus genauer Recherche und blühender Phantasie, welcher uns Leser für einige Stunden eintauchen lässt in die funkensprühende Zeit von Kaiserin Sisi. Lesenswert!
Bewertung
aus Schönebeck
5/5
26.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Der Fotograf der Kaiserin - Funke einer neuen Zeit
Ich liebe historische Romane, die echte Ereignisse mit einer spannenden Krimihandlung verbinden – und genau das ist diesem Buch hervorragend gelungen. Schon nach den ersten Seiten war ich vollkommen in das Wien der Belle Époque eingetaucht. Die prachtvolle Kulisse steht dabei in faszinierendem Kontrast zu den dunklen Geheimnissen, die nach und nach ans Licht kommen.
Besonders gut gefallen hat mir, wie historische Persönlichkeiten und fiktive Figuren miteinander verwoben werden. Die Ermittlungen von Liesel und Viktor sind klug aufgebaut und führen durch die unterschiedlichsten Facetten des damaligen Wiens – von glanzvollen Salons bis hinter die Mauern des Kaiserhofs. Dabei bleibt die Spannung durchgehend hoch, weil sich immer neue Fragen und Verdächtige ergeben.
Auch Lolo von Trotta ist eine unglaublich interessante Figur. Ihr Schicksal hat mich berührt, und ich wollte unbedingt erfahren, welche Rolle sie tatsächlich in den rätselhaften Ereignissen spielt. Die Mischung aus historischen Details, Geheimnissen, Intrigen und einer Prise Gesellschaftskritik macht den Roman zu etwas Besonderem.
Der Schreibstil liest sich angenehm flüssig und schafft es, die Atmosphäre der Zeit lebendig werden zu lassen, ohne den Lesefluss zu bremsen. Das Ende hat mich überrascht und rundet die Geschichte überzeugend ab.
Ein atmosphärischer historischer Spannungsroman mit viel Liebe zum Detail, starken Figuren und einer fesselnden Handlung. Für mich ein echtes Lesehighlight und eine klare Empfehlung für alle, die Geschichte und Spannung gleichermaßen mögen.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
23.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Liesel will es wissen
„…Täuschte er sich oder lag da neben dem gewohnten Qualm noch ein anderer Gestank in der Luft, der von draußen durch das Fenster dran?…“
Ganghofer täuschte sich nicht. Wir schreiben den 18. Dezember 1881 und in Wien brennt gerade das Burgtheater ab. Ganghofer gelingt es, Lolo, eine böhmische Baronesse, zu retten. Doch der Brand hat bei ihr Spuren hinterlassen.
Der Autor hat einen spannenden und humorvollen historischen Krimi geschrieben. Der Schriftstil ist gut ausgearbeitet. Er lässt sich leicht lesen und bindet geschickt den Wiener Dialekt mit ein. Im Mittelpunkt stehen Liesel, die Kammerzofe der Kaiserin, und Viktor Angerer, der Hoffotograf. Die Fäden allerdings zieht Sisi, die Kaiserin von Österreich.
Nach dem Prolog wechselt die Geschichte nach Brünn ins Jahr 1883. Das dortige Theater wurde gerade mit elektrischem Licht bestückt. Zu Gast ist Lili, eine Prinzessin aus Hawaii. Bei einem Tanz läuft Wasser über die Bühne, dann kommt es zur Explosion. Unter den Tänzerin war auch Liesel. Sie wollte Sisi mit ihrer Teilnahme am Tanz eine Freude machen, doch das ging nach hinten los. Gräfin Tolna ist erweist sich als Anklägerin.
„…Was fällt der Lieselliesel nur ein? Was für eine ordinäre Person sie nur ist!…“
Der Autor hat gekonnt historische Fakten in die Geschichte eingebunden. Das betrifft unter anderem das Verhalten der Kaiserin. Auch andere wichtige Personen des Herrscherhauses bekommen ihren Auftritt. Nicht zuletzt wird der Besuch des Königs von Hawaii in Wien thematisiert.
Dann aber wird eine Begleiterin der Prinzessin tot aufgefunden. Liesel will ermitteln, wird aber mit Angerer nach Prag geschickt. Dort kommt es zu rasanten Handlungsabläufen.
Die Stadt wird sehr gut beschrieben. Gleichzeitig wird Liesel bei einem Besuch erklärt, wie Elektrizität funktioniert. Das geschieht allgemeinverständlich und nachvollziehbar. Erste Geräte werden vorgeführt.
Natürlich gibt es weitere Informationen zum Tod der Hawaiianerin. Doch vieles bleibt noch offen. Kann es sein, dass die Prinzessin selbst in Gefahr ist? Und warum spielt immer wieder die Elektrizität eine Rolle, wenn es zu Unfällen kommt?
Spannend finde ich die Person des David Einstein, der gern von seinem vierjährigen Neffen Albert spricht.
Zurück in Wien wartet der große Hofball. Auch er wird erstmalig unter elektrischen Licht stattfinden. Gibt es eine Möglichkeit, die Prinzessin vor eine Anschlag zu schützen?
Es gibt viele humorvolle Szenen. In den meisten ist Liesel vertreten. Die junge Frau weiß, was sie will. In ihrer harten Kindheit hat sie gelernt, sich durchzusetzen. Das kommt ihr nun zugute. Obwohl sie sehr spärliche Bildung genossen hat, zeigt sie sich gegenüber Neuem aufgeschlossen und wissbegierig. Es ist ihr zu verdanken, dass am Ende alles gut ausgeht.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es ist eine gekonnte Mischung aus Fakten und Fiktion.
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