Das gelbe Haus
»Mieko Kawakami revolutioniert gerade die japanische Literatur.« DIE WELT — Roman | »Mieko Kawakami revolutioniert gerade die japanische Literatur.« DIE WELT
Die siebzehnjährige Hana träumt von einer besseren Zukunft für sich und ihre Mutter, doch das Leben meint es nicht gut mit ihr. Es ist kurz vor der Jahrtausendwende, und in Japan ist die Wirtschaft ins Stocken geraten. Als die ältere Kimiko Hana unter ihre Fittiche nimmt, wird sie Teil einer neuen, selbst gewählten Familie: einer bunt zusammengewürfelten Gruppe von jungen Frauen, die am Rande der Gesellschaft leben. Unter der Führung von Kimiko übernehmen sie eine Bar, und zum ersten Mal in ihrem Leben fühlt Hana ein gewisses Maß an Freiheit und Sicherheit. Doch als das Geld zur Neige geht, sieht sie keine Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt ehrlich zu verdienen, und so rutscht Hana immer tiefer in eine kriminelle Parallelwelt, aus der es scheinbar kein Zurück mehr gibt. In ihrem neuen Roman erzählt Mieko Kawakami eindringlich von der Hoffnung, die eine Wahlfamilie verspricht, und widmet sich scharfsinnig der Illusion des freien Willens und der Frage nach menschlicher Würde. ›Das gelbe Haus‹ erreichte Platz 5 beim SPIEGEL-Buchpreis 2025.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Christopher Bahn
Book Circle Community
5/5
01.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schlechte Symbiose
Eine spannende Geschichte und ein interessanter Einblick in die japanische Gesellschaft: Ein junges Mädchen lebt mit ihrer Mutter in schwierigen Verhältnissen und ist vollkommen isoliert in der Schule und im Leben, bis sie auf eine Frau stösst, die ihr Leben auf den Kopf stellt. Schnell gerät sie in einen Sog aus Abhängigkeit und Kriminalität, aus dem sie nur schwer wieder heraus kommt. Das Leben am Rande der Gesellschaft in Japan fand ich sehr eindrücklich, obwohl literarisch verfremdet. Spannender war jedoch die Geschichte über die Beziehung der beiden Frauen, die sehr psychologisch raffiniert dargestellt wird. Sehr empfehlenswert.
Bewertung
5/5
01.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindringlicher und sensibler Einblick in das Amüsier-Milieu Japans
Mieko Kawakami erzählt in “Das gelbe Haus” von Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Angesiedelt hat sie ihre Story im Japan der späten 1990er Jahre. Als die dortige Wirtschaft zu schwächeln begann und das Geld für viele Leute knapper wurde. Im Mittelpunkt steht die 17-jährige Ich-Erzählerin Hana, die in einem mittellosen Haushalt aufwächst und voller Energie und Lebenslust versucht, reich zu werden. Denn Geld bedeutet für sie vor allem eins: Sicherheit. Die Autorin geht in ihrem Roman besonders auf die Situation von Frauen ein, die ihr Geld in den zahlreichen Amüsier-Bars und Kneipen als Betreiberinnen, Thekenkräfte und Hostessen verdienen. Und die dort meist ohne irgendwelche Sicherheiten Gewalt und Erpressung ausgesetzt sind.
Damit gelingt Mieko Kawakami in “Das gelbe Haus” ein eindringlicher und sensibler Einblick in ein Milieu, in dem Frauen zwar oft im Mittelpunkt, aber dennoch am Rande der Gesellschaft stehen – und gleichwohl versuchen, ihren eigenen Weg zu gehen. Übrigens: Die Farbe Gelb symbolisiert in Japan Wohlstand und Erfolg, verkörpert z.B. durch den Goldregen-Baum.
Bewertung
Book Circle Community
4/5
05.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tokios unsichtbare Kinder
In „Das gelbe Haus“ zeichnet Mieko Kawakami ein meisterhaftes und zugleich beklemmendes Bild der japanischen Gesellschaft abseits der glitzernden Fassaden. Im Zentrum steht die junge Hana, die in einem gelben Haus versucht, mit der exzentrischen Kimiko und anderen jungen Frauen eine Wahlfamilie aufzubauen. Doch was als hoffnungsvoller Zufluchtsort beginnt, entwickelt sich schnell zu einer schonungslosen Milieustudie über die „Working Poor“ und den moralischen Verfall durch finanzielle Not.
Kawakami beschreibt mit fast protokollartiger Präzision, wie prekäre Lebensumstände und die Gier nach schnellem Geld durch illegale Machenschaften die menschliche Psyche korrodieren lassen. Die atmosphärische Dichte und die ungeschönte Härte der Erzählung machen das Buch zu einem eindringlichen Erlebnis. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt jedoch die Figur der Kimiko, die bis zuletzt rätselhaft und schwer greifbar wirkt, sowie das sehr offene Ende, das den Leser ohne klare Auflösung mit vielen Fragen zurücklässt. Dennoch ist es ein monumentales Werk über das Überleben am Rande der Gesellschaft.
Eternal-Hope
aus Österreich
4/5
19.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bedrückend
Ich bin auf dieses Buch gestoßen, weil mir "Brüste und Eier" von derselben Autorin sehr gut gefallen hat. In jenem ging es um japanische Frauen rund um das Thema Fruchtbarkeit und Kinder-Kriegen. Auch dort waren die Beziehungen zwischen den Figuren schon eher distanziert, wie es vielleicht auch für diesen Kulturkreis typisch ist.
Hier geht es nun um sozial benachteiligte junge Menschen in einem schwierigen Milieu. Wirklich warm geworden bin ich mit den Figuren nicht und auch die Handlung hat sich immer wieder hingezogen.
Andererseits gibt es insgesamt auch durchaus interessante Einblicke in die Lebenssituation von Menschen, die keine Ausbildung haben, sich im kriminellen Milieu durchschlagen müssen und von anderen Menschen manipuliert werden.
Es ist jedenfalls ein trostloses Milieu, auf das man sich gerade einlassen können muss, und insgesamt ein ungewöhnliches Buch, das man in dieser Weise nicht oft zu lesen bekommt.
Kaffeeelse
Thalia Book Circle Community
4/5
21.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einblicke in die Ränder der japanischen Gesellschaft
„Das gelbe Haus“. Mit diesem Buch hat es mir Mieko Kawakami nicht ganz so leicht gemacht. Dabei kenne ich die Autorin schon von ihren Büchern „Brüste und Eier“ und „All die Liebenden der Nacht“. Und beide Bücher habe ich anders, viel intensiver wahrgenommen. Dies hat aber sicher Gründe, die nicht nur in dem Buch zu suchen sind, denn in der Zeit der Lektüre hat es in meiner Familie einen krankheitsbedingten Notfall gegeben, was mich natürlich triggerte und diesem Buch wahrscheinlich nicht den ihm gebührenden Raum gegeben hat.
Dennoch haben es die Hauptcharaktere des Buches nicht in mein Herz geschafft, ich empfand sie eher als etwas nervig, bzw. auch nicht völlig nachvollziehbar in ihrem Handeln. Nun muss man dazu sagen, dass Hana, Ran und Momoko als Figuren in dem Buch recht jung sind und sich in ihrer Findung befinden. Und wenn man sich an die jugendliche Zeit erinnert, wird man feststellen, dass man damals vielleicht auch nicht immer völlig nachvollziehbar für Andere in seinem Handeln war. Also macht dies dann wieder Sinn. „Das gelbe Haus“ verstehe ich als eine Milieustudie über sozial schwach gestellte Mitglieder der japanischen Gesellschaft, die ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Einen Platz, den wir wohl alle in unseren Gesellschaften suchen und finden. Nun haben es sozial schwächer gestellte Mitglieder der Gesellschaften nun einmal deutlich schwerer, da hier ja auch oft noch andere Dinge mitschwimmen. Denn sozial schwächer gestellt bedeutet oft auch, dass noch andere Probleme bei den Betreffenden mitschwingen, oft im psychologischen Rahmen angesiedelt. Mieko Kawakami versucht hier Charaktere zu zeichnen, die Suchende sind und für ihren vermeintlichen Platz in der Gesellschaft bereit sind Grenzen zu überschreiten. Dinge zu tun, die sich über der Grenze des Legalen befinden. Doch wenn man dem bisher fehlenden Geld und einer Stellung hinterherjagt, was ist man bereit zu tun in Gesellschaften, die den Mammon als Gott anbeten. Eine Frage, die man sich selbst beantworten kann. Und eine Frage, die Betrachtung einfordert, wenn man mit offenen Augen und Ohren unser Zeitgeschehen verfolgt. Was ist den wichtiger, ermordete Menschen, oder Öl und Uran?!?! In unseren jungen Jahren gibt es oft hehre Ziele oder eben die Suche nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft. Und später. In späteren Jahren schauen manche von uns mit viel Bedauern auf ihr Tun. Doch Vergangenheiten können wiederkehren. Wie dies in dem Buch ja geschieht.
Unter den Gesichtspunkten auf dieses Buch zu schauen und damit auch die Wichtigkeit des Buches zu verstehen, ermöglicht im Nachhinein meine Vier-Sterne-Bewertung. Denn vom informatorischen Aspekt ist dieses Buch sehr gut. Als Milieustudie ist es ein sehr gutes Buch. Dass mir die Charaktere nicht so zugesagt haben, möchte ich mal eher als eine persönliche Bewertung verstehen, die sicher auch mit meiner persönlichen Situation während der Lektüre zu tun hatte. Vielleicht war meine Gefühlswelt anderweitig gebunden, so dass nicht mehr so viel Gefühl für die Charaktere übrig blieb.
Auch die eher kühl gehaltene Erzählung verleitet mich nicht wirklich zu einem Brennen für das Buch, für die Charaktere. Aber muss man denn immer Brennen? Wahrscheinlich nicht. Manchmal reicht es auch in eine Welt mitgenommen zu werden, die fremd und unnahbar erscheint, die aber dennoch so einiges aussagt über diese Welt. Eine Welt, in der ich kein Teil sein möchte. Es aber ja dennoch bin. Eine Welt, in der ich meinen eigenen Platz, meine eigene Stellung erschaffen kann. Mit meinen eigenen Möglichkeiten. Wie jeder von uns. Und wenn mir so eine Hana, so eine Ran, so eine Momoko, so eine Kimiko, so eine Kotomi begegnet, vielleicht kann ich deren Weg etwas ebnen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Nennt mich pathetisch. Aber genau deswegen arbeite ich in einer Psychiatrie. Und Romane betrachte ich als Lernstoff. Und dieses Buch hier ist der perfekte Lernstoff für Mitarbeiter in der Psychiatrie.
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4/5
22.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein tiefgründiger Roman über Wahlfamilie, Würde und das Überleben
Mieko Kawakami erzählt in "Das gelbe Haus" eindringlich vom Leben am Rand der japanischen Gesellschaft. Die siebzehnjährige Hana wächst in Armut und Vernachlässigung auf, bis sie in der charismatischen Kimiko eine Art Ersatzfamilie findet. Gemeinsam eröffnen sie eine Bar – ein kurzer Traum von Freiheit, der jedoch im Strudel aus Geldnot, Abhängigkeit und moralischen Grauzonen zu zerbrechen droht.
Kawakami zeichnet ein sensibles, realitätsnahes Porträt über weibliche Solidarität, soziale Ungleichheit und die Illusion des freien Willens. Ihre Sprache ist klar und präzise, oft leise, aber voller Wucht. Die Symbolik der Farbe Gelb – als Zeichen für Hoffnung, Geld und Glück – durchzieht den Roman auf vielschichtige Weise.
Zwar verlangt die Erzählung Geduld, da sie stellenweise ruhig und detailreich verläuft, doch sie belohnt mit Tiefe, Atmosphäre und glaubwürdigen Figuren. "Das gelbe Haus" ist eine berührende, nachdenkliche Geschichte über Würde, Überleben und die Suche nach einem Platz in einer Welt, die nur wenigen Chancen bietet.
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