Die siebzehnjährige Hana träumt von einer besseren Zukunft für sich und ihre Mutter, doch das Leben meint es nicht gut mit ihr. Es ist kurz vor der Jahrtausendwende, und in Japan ist die Wirtschaft ins Stocken geraten. Als die ältere Kimiko Hana unter ihre Fittiche nimmt, wird sie Teil einer neuen, selbst gewählten Familie: einer bunt zusammengewürfelten Gruppe von jungen Frauen, die am Rande der Gesellschaft leben. Unter der Führung von Kimiko übernehmen sie eine Bar, und zum ersten Mal in ihrem Leben fühlt Hana ein gewisses Maß an Freiheit und Sicherheit. Doch als das Geld zur Neige geht, sieht sie keine Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt ehrlich zu verdienen, und so rutscht Hana immer tiefer in eine kriminelle Parallelwelt, aus der es scheinbar kein Zurück mehr gibt. In ihrem neuen Roman erzählt Mieko Kawakami eindringlich von der Hoffnung, die eine Wahlfamilie verspricht, und widmet sich scharfsinnig der Illusion des freien Willens und der Frage nach menschlicher Würde.
¿Das gelbe Haus¿ erreichte Platz 5 beim SPIEGEL-Buchpreis 2025.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Nicoles Bücherwelt
4/5
29.08.2025
eBook (ePUB)
Ein bewegender Roman mit besonderer Tiefe
"Das Gelbe Haus" ist der neue Roman der japanischen Autorin Mieko Kawakami und erzählt die Geschichte von Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben.
Die Hauptfigur hier ist die damals siebzehnjährige Hana Ito, die auf ein besseres Leben hofft. Sie lebt mit ihrer oft abwesenden Mutter in einem heruntergekommenen Haus, ist oft allein und versucht, der Armut zu entkommen. Nach einer großen Enttäuschung verlässt sie ihre Mutter und kommt bei der erwachsenen Kimiko unter, die sich im Sommer vor zwei Jahren schon mal um Hana gekümmert hatte. Zusammen übernehmen die beiden eine Bar und mit zwei weiteren jungen Frauen werden sie zu einer Wohngemeinschaft. Doch als eines Tages Unvorhergesehenes passiert und Hana keinen Ausweg mehr sieht, um an ehrlich verdientes Geld zu kommen, nimmt sie einen Job an, der Folgen hat…
Der Roman startet mit einem Kapitel in der Gegenwart, in dem die erwachsene Hana durch einen Internetartikel zurück in die Vergangenheit katapultiert wird.
Danach geht es zurück in die Mitte der 1990er Jahre, wo Hana Kimiko zum ersten Mal begegnet. In der Ich-Perspektive aus der Sicht von Hana erfahren wir, wie ihr Leben verlaufen ist und vieles anders gekommen ist als von ihr geahnt.
Der Schreibstil ist detailreich und bringt die jeweilige Atmosphäre, die meist etwas bedrückend ist, sehr gut rüber. Wir lernen neben Hana auch Kimiko, die immer etwas geheimnisvoll wirkt, kennen und nach und nach auch weitere Nebencharaktere. Mal ruhiger und bewegend, manchmal auch flirrend-ruhelos mit kurzem Glück.
Gleichzeitig schwebt über allem aber die Angst und Sorge vor der Armut – auch die Macht des Geldes wird hier spürbar.
Die Handlung gibt einen umfassenden Einblick in das Leben von Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben – geschildert werden hier die dunklen Ecken Japans und kriminelle Netzwerke, mit der die gutgläubige Hana in Berührung kommt und immer tiefer in deren Fänge gerät.
Ob es verschiedenste Schauplätze und Einrichtungen der Gebäude sind oder auch japanische Gerichte und verschiedene Bezeichnungen – alles wird gut und detailreich beschrieben. Mit dem Alltag von Hana und Mimiko wir bekommen einen Einblick in ein Leben in Japan, abseits des Bekanntem und auch etwas beklemmend.
Sowohl die Haupt- und Nebencharaktere lernt man gut kennen, nur bei einzelnen wurde der Lebensweg etwas zu aus- und abschweifend beschrieben, sodass der rote Faden kurzzeitig etwas verloren geht. Sehr gut verfolgen lässt sich hier aber schleichende Veränderung der Charaktere – zwischen den Figuren verschiebt sich etwas und plötzlich steht neben Vertrauen auch Misstrauen im Raum. Zudem spielt die Farbe Gelb hier eine Rolle – insbesondere für Hana.
Im Laufe der Handlung tauchen immer wieder japanische Wörter, Begriffe, oder auch Begebenheiten auf, die mit einem Sternchen versehen sind. Diese sind hinten in einem hilfreichen Glossar zu finden, wo sie übersetzt oder erklärt werden.
Mein Fazit: Ein bewegender Roman, der atmosphärisch und detailreich vom Leben am Rande der Gesellschaft erzählt. Von einer starken Hauptfigur, die einige Veränderungen durchläuft und in kriminelle Kreise abrutscht, bis hin zu Hoffnung und Freundschaft. Aber auch Misstrauen und die Macht von Geld steht im Raum. Oft bedrückend und eher ruhig, aber gleichzeitig auch überraschend und spannend zu verfolgen. An einigen Stellen hätte es etwas gestraffter sein können, aber dennoch ist das Buch sehr lesenswert.
Bewertung
1/5
04.12.2025
eBook (ePUB)
Schade, nicht mein Buch
Der Klappentext hatte mich sehr neugierig gemacht und das Buch hat auch wirklich spannend angefangen.
Die heute ca. 40jährige Hana liest in der Zeitung, dass ihre frühere Mitbewohnerin vor Gericht steht und bekommt Angst, dass ihre gemeinsame Vergangenheit sie einholt.
Im weiteren Verlauf erfahren wir wie Hana und Kimiko sich kennenlernen und wie ihre gemeinsame Zeit am Rande der Gesellschaft verläuft.
Die Grundidee zu dieser Geschichte ist gut, aber leider schlecht umgesetzt. Für mich war es nur zäh und langatmig. Als ich bemerkte, dass ich die Seiten nur noch überfliege, habe ich das Buch bei knapp der Hälfte abgebrochen.
Christopher Bahn
Book Circle Community
5/5
01.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schlechte Symbiose
Eine spannende Geschichte und ein interessanter Einblick in die japanische Gesellschaft: Ein junges Mädchen lebt mit ihrer Mutter in schwierigen Verhältnissen und ist vollkommen isoliert in der Schule und im Leben, bis sie auf eine Frau stösst, die ihr Leben auf den Kopf stellt. Schnell gerät sie in einen Sog aus Abhängigkeit und Kriminalität, aus dem sie nur schwer wieder heraus kommt. Das Leben am Rande der Gesellschaft in Japan fand ich sehr eindrücklich, obwohl literarisch verfremdet. Spannender war jedoch die Geschichte über die Beziehung der beiden Frauen, die sehr psychologisch raffiniert dargestellt wird. Sehr empfehlenswert.
Bewertung
5/5
01.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindringlicher und sensibler Einblick in das Amüsier-Milieu Japans
Mieko Kawakami erzählt in “Das gelbe Haus” von Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Angesiedelt hat sie ihre Story im Japan der späten 1990er Jahre. Als die dortige Wirtschaft zu schwächeln begann und das Geld für viele Leute knapper wurde. Im Mittelpunkt steht die 17-jährige Ich-Erzählerin Hana, die in einem mittellosen Haushalt aufwächst und voller Energie und Lebenslust versucht, reich zu werden. Denn Geld bedeutet für sie vor allem eins: Sicherheit. Die Autorin geht in ihrem Roman besonders auf die Situation von Frauen ein, die ihr Geld in den zahlreichen Amüsier-Bars und Kneipen als Betreiberinnen, Thekenkräfte und Hostessen verdienen. Und die dort meist ohne irgendwelche Sicherheiten Gewalt und Erpressung ausgesetzt sind.
Damit gelingt Mieko Kawakami in “Das gelbe Haus” ein eindringlicher und sensibler Einblick in ein Milieu, in dem Frauen zwar oft im Mittelpunkt, aber dennoch am Rande der Gesellschaft stehen – und gleichwohl versuchen, ihren eigenen Weg zu gehen. Übrigens: Die Farbe Gelb symbolisiert in Japan Wohlstand und Erfolg, verkörpert z.B. durch den Goldregen-Baum.
Bewertung
Book Circle Community
4/5
05.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tokios unsichtbare Kinder
In „Das gelbe Haus“ zeichnet Mieko Kawakami ein meisterhaftes und zugleich beklemmendes Bild der japanischen Gesellschaft abseits der glitzernden Fassaden. Im Zentrum steht die junge Hana, die in einem gelben Haus versucht, mit der exzentrischen Kimiko und anderen jungen Frauen eine Wahlfamilie aufzubauen. Doch was als hoffnungsvoller Zufluchtsort beginnt, entwickelt sich schnell zu einer schonungslosen Milieustudie über die „Working Poor“ und den moralischen Verfall durch finanzielle Not.
Kawakami beschreibt mit fast protokollartiger Präzision, wie prekäre Lebensumstände und die Gier nach schnellem Geld durch illegale Machenschaften die menschliche Psyche korrodieren lassen. Die atmosphärische Dichte und die ungeschönte Härte der Erzählung machen das Buch zu einem eindringlichen Erlebnis. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt jedoch die Figur der Kimiko, die bis zuletzt rätselhaft und schwer greifbar wirkt, sowie das sehr offene Ende, das den Leser ohne klare Auflösung mit vielen Fragen zurücklässt. Dennoch ist es ein monumentales Werk über das Überleben am Rande der Gesellschaft.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
4/5
22.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein tiefgründiger Roman über Wahlfamilie, Würde und das Überleben
Mieko Kawakami erzählt in "Das gelbe Haus" eindringlich vom Leben am Rand der japanischen Gesellschaft. Die siebzehnjährige Hana wächst in Armut und Vernachlässigung auf, bis sie in der charismatischen Kimiko eine Art Ersatzfamilie findet. Gemeinsam eröffnen sie eine Bar – ein kurzer Traum von Freiheit, der jedoch im Strudel aus Geldnot, Abhängigkeit und moralischen Grauzonen zu zerbrechen droht.
Kawakami zeichnet ein sensibles, realitätsnahes Porträt über weibliche Solidarität, soziale Ungleichheit und die Illusion des freien Willens. Ihre Sprache ist klar und präzise, oft leise, aber voller Wucht. Die Symbolik der Farbe Gelb – als Zeichen für Hoffnung, Geld und Glück – durchzieht den Roman auf vielschichtige Weise.
Zwar verlangt die Erzählung Geduld, da sie stellenweise ruhig und detailreich verläuft, doch sie belohnt mit Tiefe, Atmosphäre und glaubwürdigen Figuren. "Das gelbe Haus" ist eine berührende, nachdenkliche Geschichte über Würde, Überleben und die Suche nach einem Platz in einer Welt, die nur wenigen Chancen bietet.
“Das gelbe Haus” nimmt uns mit auf eine Reise in das zwielichtige Shibuya der späten 1990er Jahre. Dabei begleiten wir die (zu Beginn) 15jährige Protagonistin Hana, welche von ihrer Mutter vernachlässigt wird und für ihre Zukunft wenig Perspektiven sieht. Als sie eines Tages Kimiko, eine Freundin ihrer Mutter, trifft, ändert sich ihr Leben schlagartig.
Mieko Kawakami beschreibt in diesem Roman auf eine eindringliche Art und Weise, wie das Leben von sozial-schwächeren Menschen (in Japan) aussehen kann und in welcher Parallelwelt sich diese bewegen. Die Erzählung war phasenweise wirklich bedrückend, das Setting hätte von mir aus auch gerne noch düsterer sein können, so hat es mich sehr an einen Film Noir erinnert. Auch interessant, das Buch wurde in Japan ursprünglich in einer Zeitung veröffentlicht. Das tut der Story natürlich keinen Abbruch, erklärt aber, warum der Roman stellenweise etwas langatmig wirkt.
Alles in allem ist Mieko Kawakami hier ein solider Roman gelungen, für Fans japanischer Literatur ist das Buch ein Muss!
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.