Am 19. Juli 1936 besteigt General Francisco Franco ein Flugzeug in Richtung Tetuán, um sich einem Aufstand gegen die spanische Republik anzuschließen. Spontan brechen mutige Freiwillige aus mehr als fünfzig Ländern auf, um Spanien gegen den faschistischen Umsturz zu verteidigen. Ernest Hemingway, Robert Capa, George Orwell, Simone Weil, Willy Brandt und viele andere schließen sich ihnen an. Der große Spanienkenner Paul Ingendaay erzählt von ihren Kämpfen mit Waffe, Stift und Fotoapparat – eine packende Geschichte von Mut und Verblendung, auf die schon der Schatten des Zweiten Weltkriegs fällt.
Sommer 1936: In Madrid kühlen Anwohner das heiße Straßenpflaster mit Wasser, während wenige Häuser weiter im Parlament eine Pistole gezogen wird. Auf den Wagner-Festspielen in Bayreuth erhält Hitler einen Brief: Ein gewisser General Franco bittet ihn um militärische Unterstützung bei einem Putsch gegen die spanische Regierung. Sechs Tage später macht sich eine deutsche Fliegereinheit in Zivil unter dem Codenamen «Unternehmen Feuerzauber» bereit für den Einsatz. Es ist die Zeit der großen Entscheidungen in Europa – und auch die der Zufälle, des Verrats und der tragischen Ironie. Spontan beschließen Zehntausende Freiwillige aus aller Welt, Spanien im heraufziehenden Bürgerkrieg beizustehen. Es sind Künstler, Reporterinnen, Intellektuelle und Verfolgte, es sind Helfer und Krankenschwestern, Idealistinnen und Abenteurer. Vor dem Hintergrund des Spanischen Bürgerkriegs lässt Paul Ingendaay jene Spaltung lebendig werden, die sich durch Familien, Dörfer und Nationen zog – und die die Frontlinien des 20. Jahrhunderts bestimmen sollte.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Lesenswege
5/5
11.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Anekdotenreich und literarisch
Ich wurde auf dieses Buch aufmerksam, weil es sich scheinbar einreiht in eine Anzahl jüngst erschienener erzählender Sachbücher, die Zeitgeschichte mit Literatur und ihren Literaten verknüpfen. Doch diese Annahme erweist sich nur bedingt als richtig, denn um Literatur geht es hier nur sehr peripher. Bei den anderen Büchern sind die Autoren bzw Künstler vor dem Hintergrund ihrer Zeit das Thema, doch hier ist das Thema der Spanische Bürgerkrieg, in den Autoren und andere Künstler als kämpfende Beteiligte oder Kriegsberichterstatter involviert waren. Das ist mE eine vollkommen andere Prämisse.
Ingendaay hat sein Werk in vier Teile gegliedert, von denen sich jeder einem Jahr des Krieges widmet, der 1936 im Sommer beginnt und im Frühjahr 1939 zu Ende geht. Diese Teile sind in überwiegend datierte kurze, teilweise sehr kurze Kapitel strukturiert. Vor allem im ersten Teil, der mit 142 von 315 Seiten der umfangreichste ist, ist die Vorgeschichte eingeflochten, ebenso der Werdegang Francos und einiger anderer maßgeblicher Akteure dieses Krieges. Auf der Seite der Republik stehen die Internationalen Brigaden, zu deren Kämpfern Männer und Frauen aus 60 Ländern gehören. Hier kommen die Literaten ins Spiel, denn in den Reihen der Internationalen Brigaden sind viele Künstler, Schriftsteller, Journalisten, Fotografen, Philosophen etc. Robert Capa und Gerda Taro (die im Juli 1937 in Spanien stirbt) machen ikonografische Fotos, Hemingway, Orwell, Arthur Koestler, Willy Brandt, Martha Gellhorn und andere sind Kriegsberichterstatter und verarbeiten ihre Erlebnisse später literarisch, in Romanen, Kurzgeschichten, in ihren Lebenserinnerungen und in Essays. Picasso erschafft mit „Guernica“ ein gigantisches Ölgemälde als Reaktion auf die Auslöschung der gleichnamigen baskischen Stadt durch die Legion Condor am 26. April 1937, das, zunächst ohne nennenswerte Resonanz erstmals gezeigt bei der Pariser Weltausstellung 1938, zum berühmtesten Gemälde des 20. Jahrhunderts werden wird. Viele Szenen, Schlachten und persönliche Erlebnisse der Beteiligten schildert Ingendaay sehr detailliert und bildhaft, so dass man eine Vorstellung sowohl von der Komplexität als auch von der unfassbaren Grausamkeit dieses Krieges bekommt.
Durch den häufigen Perspektivwechsel und Formulierungen, die zum Einrahmen schön sind, ist dieses Buch nicht nur sehr informativ, sondern, trotz all der geschilderten Grausamkeiten, gleichzeitig auch sehr unterhaltsam zu lesen. Und es stellt sehr viele Referenzen her zu Literatur, die im Nachgang entstanden ist und macht große Lust, einige dieser Werke zu lesen.
Den Untertitel „Der große Kampf der Literatur“ finde ich nicht nur aus den eingangs genannten Gründen etwas irreführend. Nicht die Literatur hat gekämpft. Es waren Menschen.
Bellis-Perennis
aus Wien
5/5
01.05.2026
eBook (PDF)
Eine klare Leseempfehlung!
Der Beginn des Spanischen Bürgerkrieg am 17. Juli 1936 jährt heuer zum 90. Mal und ist kein Grund zum Feiern, sondern eher einer zum Innehalten, zumal diese blutigen Jahre und ihre nachfolgende Geschichte noch nicht zur Gänze aufgearbeitet worden sind. Nach wie vor gibt es Familien, die nicht wissen, in welchem der noch unbekannten Massengräbern ihre Liebsten verscharrt oder wohin ihre Kinder verschleppt worden sind.
Mir ist zwar einiges über den Spanischen Bürgerkrieg bekannt, sei es aus Sachbüchern (Uwe Wittstock, Florian Illies et al.) oder sei es aus Biografien (Carlos Collado Seidel) oder historischen Romanen (Arturo Pérez-Reverte) doch dieses Buch von Paul Ingendaay erweitert mein Wissen beträchtlich.
Nach Vorspann und Prolog gliedert Paul Ingendaay sein Buch wie folgt in vier Kapitel, die den vier Kriegsjahren entsprechen und noch in weitere Unterkapitel unterteilt sind, die einzelne Ereignisse örtlich und zeitlich genau auflisten. Dabei werden Gräueltaten auf beiden Seiten nicht ausgespart.
Eins - 1936
Zwei - 1937
Drei - 1938
Vier - 1939
Das Buch endet mit einem Epilog, der sich mit Picassos monumentalem Bild „Guernica“ beschäftigt sowie einem Abspann, der die weiteren Lebensdaten zahlreichen Beteiligten auf beiden Seiten aufzählt. Ergänzt wird dieses umfassende Werk zum Spanischen Bürgerkrieg mit zahlreichen Fotos und Landkarten.
Der Autor verschweigt weder die abwartende Haltung Frankreichs und Großbritanniens noch Hitlers und Mussolinis Rollen bei der Unterstützung der Faschisten, die ihnen als Blaupause für den Zweiten Weltkrieg dient, den Hitler am 1. September 1939 beginnt.
Den Titel „Entscheidung in Spanien“ finde ich recht gut gewählt, den Untertitel „Der große Kampf der Literatur 1936 - 1939“ weniger. Ja, es haben zahlreiche Schriftsteller wie die Manns (mit Texten von der sicheren Schweiz aus) oder vor Ort mit Waffen, Ernest Hemingway, George Orwell, OrsonWells oder Simone Weil in den internationalen Brigaden gekämpft, doch auch Journalisten und Fotografen wie Robert Capa & Gerda Taro und Martha Gellhorn haben ihren Anteil.
Das Cover gefällt mir nicht wirklich, da es auf mich viel zu friedlich wirkt und der Tragödie keine Rechnung trägt. Hier hätte ich einen blutroten Hintergrund und eine zerbombte Stadt und/oder Flugzeuge besser gefunden. Ich denke, das wurde im Verlag diskutiert.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem interessanten Buch, das den Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939, das ganz unüblich aus der Sicht der Verlierer betrachtet, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Bewertung
aus Quickborn
5/5
20.03.2026
eBook (PDF)
Der zerstörte Glaube an Gerechtigkeit
Warum habe ich gerade zu diesem Buch gegriffen? Der Name des Autors? Er ist mir bekannt, weil ich regelmäßig die Feuilletonseiten der FAZ lese. Aber das war nicht der Grund, auch der Titel „Entscheidung in Spanien“ war es nicht, erst beim Untertitel bin ich stehengeblieben. Es kamen mir gleich mehrere Bücher, die ich vor Kurzem über Literatur vor und im Zweiten Weltkrieg gelesen habe, in den Sinn: Uwe Wittstock mit „Februar 33“ und „Marseille 1940“, Uwe Neumahrs „Die Buchhandlung der Exilanten“, das große Nachschlagewerk von Helmut Kiesel „Schreiben in finsteren Zeiten“ und auch Florian Illies‘ „Wenn die Sonne untergeht“. Immer sind es solche Sachbücher, die die Verknüpfung von Geschichte und Literatur/Literaten bezeugen, die mich besonders interessieren. Nun also der Spanische Bürgerkrieg. „Der große Kampf der Literatur 1936-1939“. Ich war gespannt.
Paul Ingendaay ist ein absoluter Kenner Spaniens, seiner Geschichte und seiner Literatur, das bezeugen auch unzählige Artikel zu Schriftstellern, Büchern oder Ereignissen, die er kommentiert hat. Ein Beitrag brachte mich zum Schmunzeln, er erwähnte im Zusammenhang mit Francos 50. Todestag auch einige wichtige Biografien, insbesondere die „monumentale“ von Paul Preston, der er bescheinigte, dass sie „wohl nur Spezialisten von vorn bis hinten durchlesen.“ (FAZ, 18.11.25) Nach der Lektüre von „Entscheidung in Spanien“ bin ich davon überzeugt, dass Ingendaay wohl einer dieser Spezialisten ist. Sein durch Quellen aus Dokumenten und Büchern belegtes Wissen, an dem er mich als Leser teilhaben ließ, hat mich geradezu überwältigt. Aber nicht erschlagen! Das möchte ich betonen, denn Ingendaay ist es gelungen, eine „Erzählung“ (siehe FAZ.net-Podcast „Jakobsweg und Bürgerkrieg“ vom Dez. 2025) zu gestalten, die trotz der vielen Details gut lesbar und verständlich bleibt. Dass er als berufstätiger Autor dieses Werkes auch wirkliches Durchhaltevermögen bewiesen hat, wird einem als Leser spätestens dann klar, wenn man Anmerkungen, Literaturverzeichnis und Personenregister studiert hat. Aber wer den Jakobsweg schafft, schafft auch dies. Meine Hochachtung vor beidem!
Zum Inhalt: Der Spanische Bürgerkrieg wurde mir in der Schule als ein Kampf der Kommunisten für ein freies Spanien erklärt, wir lernten das Lied „Spaniens Himmel…“ und wir schauten den Film „Hans Beimler – Kamerad“, da war ich gerade 15 Jahre alt und sehr beeindruckt. Dass dieser Krieg ein guter Übungsschauplatz für Hitlers und Mussolinis Soldaten, besonders die Flieger, und für die Technik war, wird allgemein als Wissen vorausgesetzt. Jetzt, 2026, jährt sich der Beginn des Spanischen Bürgerkriegs zum 90. Mal, ich empfinde es als guten Anlass, dieses Buch sehr gründlich zu lesen. Denn es enthält sehr viel mehr als mein damaliges Schulwissen und die bruchstückweise Beschäftigung mit dem Thema in den letzten Jahren (z. B. der Gerda-Taro-Roman „Der Blick einer Frau“, der Film „Liebe am Werk – Gerda Taro & Robert Capa“ oder die Arte-Doku „Der Spanische Bürgerkrieg - Ein langer Weg zur Versöhnung“). Dass es auf Seiten der Republikaner nicht nur Kommunisten waren, die für die Republik kämpften, das wird in diesem Buch überdeutlich, die Rolle der Anarchisten wird herausgehoben, aber auch der Einfluss Moskaus auf die Kriegführung, die die Strategie und Taktik dieses Krieges massiv beeinflusste. Dass es am Ende auch die Übermacht deutscher und italienischer Kampfverbände, insbesondere der deutschen Luftwaffe, war, die den Ausgang des Krieges herbeiführten, wird überdeutlich. Aber dass dieser Krieg dermaßen brutal und blutig auf beiden Seiten geführt wurde, ohne Pardon, das musste ich erst einmal verarbeiten.
Die in diesem Buch – nachdem die Ausgangslage kurz und anschaulich geschildert wurde – nach und nach auftauchenden Schriftsteller, die teilweise auch auf Seiten der Internationalen Brigaden kämpften, aber teilweise auch „nur schauen“ wollten, was in Spanien passiert, haben große Namen: Ernest Hemingway, Orson Wells, Erika und Klaus Mann, ich will sie hier nicht weiter aufzählen, hinzu kamen Fotografen und andere. Dass diese Intellektuellen schreiben, fotografieren und natürlich auch Geld verdienen wollten, liegt in der Natur der Sache. Interessant fand ich die eingestreuten Gedanken und Gefühle von Thomas Mann, der zwar aus der Ferne, aber mit sehr wachem Geist den Ereignissen, soweit er sie verfolgen konnte, seine Aufmerksamkeit widmete. Dass er nicht immer ein empathischer Zuhörer war, selbst wenn der Gast Artur Koestler hieß, verwundert nicht, wenn man seine „Marotten“ kennt. Koestler jedenfalls hat seine klinische Angstneurose das Leben gerettet. Man sollte also auch den Faktor Angst in einem Krieg nicht unterschätzen. An den „Mann“ konnte er diese Erkenntnis nicht so recht bringen.
Den Internationalen Brigaden widmet Ingendaay breiten Raum, aber er betrachtet sie auch mit kritischem Blick. Zitat: „Aber einen Vorteil hat die Republik von Anfang an: Die Kulturwelt – Literaten, Künstler, Musiker, Intellektuelle – ist mehrheitlich auf ihrer Seite. Die kommunistischen Parteien Europas rufen zur Unterstützung der Republik auf, schreiben flammende Artikel und sammeln Geld.“ Sie war aber nicht in der Lage, diesen Vorteil tatsächlich auszunutzen. Dass es maßgeblich an den Kommunisten lag, dass die Spanische Republik nach drei Jahren verlosch und sich der Hass und die grausame Abrechnung der Francisten Bahn brechen konnten, sollte niemand vergessen. Ich denke an die Leichtigkeit, mit der heute nicht genehme politische Gegner von den Linken zu „Faschisten“ degradiert werden. Und dann denke ich daran, wohin dieser ungezügelte Hass führen kann.
Mit dem Kapitel VIER, 1939, endet ein blutiger Krieg, die Opfer sind bis heute nicht alle gefunden, die Narben bis heute nicht alle verheilt. Nach dem Lesen dieses Buches sehe ich Spanien vor mir als eine zerrissene Landkarte, der nördliche Teil geht in blutroten Flammen auf, der südliche erstickt in Blutlachen, der Riss quer durchs Land ist gefüllt mit Toten, verbrannten Büchern, zerstörten Kirchen, zerbombten Städten, hungernden Kindern und trauernden Hinterbliebenen. Vielleicht hätte mich dieses grausame Bild auf dem Buchumschlag eher angezogen als die heile Stadtlandschaft es getan hat.
Fazit: Dieses Geschichtssachbuch liest sich flüssig wie ein Roman, spannend wie ein Krimi und birgt so viele interessante Details, dass ich es gleich noch einmal lesen möchte. Der Spanische Bürgerkrieg ist mir erstmals wirklich nahe gekommen mit all seiner Tragik und mit der (wiederholten) Erkenntnis, dass Kriege immer nur Verlierer hervorbringen, auch wenn sie meinen gewonnen zu haben. Unbedingte Leseempfehlung. Fünf Sterne sind eigentlich nicht ausreichend für die Bewertung.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Buchbesprechung
aus Bad Kissingen
4/5
03.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Nicht nur literaturhistorisch interessant
REZENSION – Aus einem ungewöhnlichen, dafür literaturhistorisch umso interessanteren Blickwinkel betrachtet der Literaturwissenschaftler Paul Ingendaay (65) in seinem im März beim Verlag C. H. Beck veröffentlichten Buch „Entscheidung in Spanien“ den „großen Kampf der Literatur“ in den Jahren des spanischen Bürgerkriegs von 1936 bis 1939. Als gelernter Journalist liefert er eine Reportage des Kriegsverlaufs aus Sicht von Schriftstellern, Künstlern und Intellektuellen, verbindet biografische Episoden mit den historischen Ereignissen und zeigt, wie sehr politische Überzeugungen durch persönliche Erlebnisse und Schicksale enttäuscht werden und ins moralische Dilemma führen können.
Chronologisch und regional klar gegliedert, schildert der Autor den Fortgang des Bürgerkriegs zwischen den republikanisch-demokratischen Regierungstruppen und den militärisch gut ausgerüsteten konservativ-faschistischen Truppen, deren alleiniges Kommando erst später General Francisco Franco (1892 bis 1975) übernimmt, unterstützt von einer unter dem Codenamen „Unternehmen Feuerzauber“ verdeckt operierenden deutschen Fliegereinheit und faschistischen Einheiten Italiens. Dieser Aufstand gegen die demokratische Regierung Spaniens ist kein landesinterner Bürgerkrieg, sondern der Beginn des im folgenden Jahrzehnt andauernden Kampfes der Demokratie gegen den sich in Europa ausbreitenden Faschismus.
In dieser Erkenntnis machen sich tausende Freiwillige aus 50 Ländern nach Spanien auf, um der bedrängten Republik im Bürgerkrieg beizustehen – unter ihnen auch politisch links stehende oder kommunistisch geleitete Reporter und Schriftsteller wie Ernest Hemingway, Robert Capa, George Orwell, Simone Weil, Willy Brandt und viele andere. Ihnen setzt Paul Ingendaay, der 15 Jahre als Kulturkorrespondent für die FAZ aus Spanien berichtete, ein literarisches Denkmal und erzählt von ihren Kämpfen mit Waffe, Stift und Fotoapparat.
„Schriftsteller und Künstler stecken in einem Dilemma“, schreibt er in seinem Buch. „Kümmern sie sich um ihre Kunst und nichts anderes, wirft man ihnen vor, sie versteckten sich im Elfenbeinturm. Kommen sie aus dem Turm heraus und erheben die Stimme für ein politisches Anliegen, heißt es schnell, sie produzierten nur leeres Gerede.“ An den unterschiedlichen Biografien ausgewählter ausländischer und spanischer Literaten zeigt Ingendaay, wer sich aus jugendlicher Abenteuerlust oder aus politischer Überzeugung auf republikanischer Seite aktiv beteiligt, sei es in Todesgefahr Seite an Seite mit den Soldaten an vorderster Front kämpfend oder eher nur schreibend als Beobachter rückwärtig in der Etappe. Eine besondere Rolle nimmt dabei der spanische Dichter Federico García Lorca (1898 bis 1936) ein, der schon zu Beginn des Krieges von faschistischen Kämpfern verhaftet und kurz darauf erschossen wurde. Der Bürgerkrieg wurde für ihn wie für alle anderen zum intellektuellen und moralischen Prüfstein.
Ingendaay macht in seinem Buch deutlich, wie stark der Krieg die Literatur geprägt hat. Werke wie Orwells „Mein Katalonien“, Hemingsways „Wem die Stunde schlägt“ oder das Buch "Ein spanisches Testament" von Arthur Koestler, der von Franquisten gefangen genommen und als angeblicher Spion standrechtlich zum Tod verurteilt wurde, entstanden aus unmittelbarer Erfahrung. Ihre eigenen Beobachtungen bringen die Französin Simone Weil zu einer Erkenntnis, die wie eine Vorhersage für die nachfolgende Brutalität der Nazi-Dikatur klingt: „Wenn man weiß, dass man töten kann, ohne eine Strafe oder einen Vorwurf zu riskieren, tötet man; oder man lächelt zumindest denen, die töten, aufmunternd zu.“
„Entscheidung in Spanien“ ist gewiss keine einfache Lektüre. Die Vielzahl von Namen, literarischen Bezügen und Details des Kriegsgeschehens wirken überladen und stellenweise vermisst man den roten Faden. Dennoch fasziniert die kenntnisreiche und vielschichtige Abhandlung sicher nicht nur literaturhistorisch interessierte Leser als eine Reflexion über Bedeutung und Wirkung der Literatur in Zeiten politischer Extreme, verbunden mit der Frage, wie weit Schriftsteller und Reporter für ihre eigene politische Entscheidung gehen oder kämpfen sollen.
Bewertung
aus Bad Münstereifel
4/5
31.03.2026
eBook (PDF)
Ein gutes Buch über den blutigen Bürgerkrieg in Spanien
Kaum nachvollziehbar aber leider wahr. In Spanien gab es im letzten Jahrtausend einen Bürgerkrieg, der viele Todesopfer forderte. Hier kämpften Brüder gegeneinander und Familien wurden durch unterschiedliche Ansichten getrennt. So viele Dörfer und Städte waren Orte der Verwüstung. Faschisten wollten die Macht an sich reißen und es gelang ihnen. Zu ihren Helfern gehörten auch die Waffen der Deutschen. Deren Flugzeuge zerbombten unter anderem das Dorf Guernica. Es war ein Luftkrieg gegen die wehrlose Zivilbevölkerung.
Auch damals gab es Journalisten und Kriegsreporter, die von der Front berichteten. Sie verdrängten dabei jede Gefahr für Leib und Leben. Zu ihnen zählte neben Martha Gelhorn auch ihr Lebensgefährte und spätere Ehemann Ernest Hemingway. Dass der Name Willy Brandt ebenfalls in dem Buch „Entscheidung in Spanien“ genannt wird, erstaunte mich. Er kämpfte damals bereits gegen den Faschismus und für Demokratie.
Eigentlich unglaublich, dass es innerhalb Europas einen so blutigen Bürgerkrieg gab. Dass sogar Herr Hitler um Mithilfe gebeten wurde, nicht wirklich überraschend. War doch Franco für einige Zeit einer seiner engen Verbündeten innerhalb Europas. Das Buch überzeugt durch detaillierte Darstellungen des Krieges. Der Fokus liegt dabei nicht auf die Erfolge der kriegsführenden Parteien. Es ist das Leid der Unschuldigen, das zu Herzen geht. Für mich ein ganz wichtiges Buch, das zeigt, wie grausam Menschen sein können. Sind es nicht Frauen und Kinder, die am meisten unter den Kämpfen der Mächtigen leiden?
Der Spanische Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 ist eine Art Generalprobe des Zweiten Weltkriegs, dieser begann nur wenige Monate nach Kriegsende in Spanien. In diesem mit extremer Brutalität geführten Krieg begingen beide Seiten Massaker und andere Kriegsverbrechen, wie der Autor hier objektiv beschreibt. Einem Nichteinmischungskomitee des Völkerbundes zum Trotz erhielten die Kriegsparteien internationale Unterstützung. Nach dem Sieg der Nationalisten unter General Francisco Franco regierte dieser das Land diktatorisch bis zu seinem Tod im Jahr 1975, danach begann der lange Prozess der Demokratisierung Spaniens. Viele bekannte Kunst- und Kulturschaffende unterstützten die republikanische Seite, ihnen und ihren Erlebnissen widmet sich Paul Ingendaay in seinem lesenswerten Buch. (Siehe auch: Orwell, Homage to Catalonia)
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