Henry Meadows wird zwölf, als die Erde stirbt. Mit seinem Vater und seinen Geschwistern reist er nach Perm, einem urzeitlichen Mond in einem fernen Sonnensystem. Henrys Mutter ist mit einem anderen Raumschiff geflogen. Sie wird von der Familie sehnsüchtig erwartet. Doch plötzlich mehren sich die Zeichen: Sie ist schon hier gewesen, vor langer Zeit. Und sie hat eine Warnung hinterlassen. Mit Hightech trotzt die erste und einzige Kolonie der Menschheit der Natur des Mondes Perm, die faszinierend und bedrohlich zugleich ist. Hier gibt es Berge, die in den Weltraum ragen, zwei Arten von Nächten und eine gefährliche, unsichtbare Tierwelt. Als Henry ankommt, ist die neue Heimat noch nicht "fertig": Die Atmosphäre ist giftig und enthält zu wenig Sauerstoff, ohne Schutz ist ein Aufenthalt im Freien tödlich. Irgendetwas hat das Terraforming Perms verhindert. Henrys Mutter Mildred kennt den Grund. Die Wissenschaftlerin hat sich entschieden, nicht mit ihren Kindern zu fliegen, sondern einen neuen Antrieb abzuwarten, mit dem sie ihre Familie um Jahrtausende überholt. Sie will für die bestmögliche aller Welten sorgen. Dazu legt sie sich mit dem mächtigen Leiter des Unternehmens an, der ein anderes Ziel verfolgt. Ein Kampf entbrennt, der über das Leben von Henry und seiner Familie entscheiden wird – viele tausend Jahre später.
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Tiefgründig, faszinierend und bildreich
Bella aus Weinstadt am 29.11.2025
Bewertungsnummer: 2665878
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Die Erde ist unbewohnbar geworden. In einer letzten, verzweifelten Anstrengung schickt das Telekommunikationsunternehmen Rayser die verbliebenen Menschen in Raumschiffen zum Mond Perm. Unter den Passagieren befindet sich der zwölfjährige Henry, begleitet von seinen beiden Geschwistern und seinem Vater. Seine Mutter Mildred, eine brillante Wissenschaftlerin, ist bereits mit der Impulsmission vorausgereist, um beim Terraforming zu helfen und Perm für die Menschheit bewohnbar zu machen.
Doch als Henry und seine Familie endlich ihr Ziel erreichen, ist Perm noch immer eine unwirtliche Welt, und von Mildred fehlt jede Spur. Während sie versuchen, sich in dieser neuen, feindseligen Umgebung zurechtzufinden, stoßen die Kinder auf immer mehr Ungereimtheiten und Lügen, die das wahre Schicksal ihrer Mutter und die Zukunft der Menschheit in Frage stellen.
Der Autor Nils Westerboer hat mit "Lyneham" eine bildgewaltige, atemberaubende und gänzlich neue Welt erschaffen, die mich von der ersten Seite an restlos fasziniert und in ihren Bann gezogen hat. Er entführt den Leser in ein Leben, das auf völlig anderen Grundlagen fußt und sich von allem Bekannten unterscheidet. Perms Lebewesen sind befremdlich, erschreckend und gleichzeitig faszinierend und wunderschön. Die Beschreibungen sind derart eindringlich und lebendig, dass ich beim Lesen vollkommen in diese Welt eigetaucht konnte.
Die Charaktere sind meiner Meinung nach sehr gut beschrieben. Vor allem die beiden Protagonisten Henry und seine Mutter Mildred, aus deren Blickwindel die Geschichte abwechselnd erzählt wird, sind vielschichtig, aber auch widersprüchlich. Die Geschichte enthüllt eindringlich das Paradox, dass selbst die edelsten Absichten auf dem Weg ihrer Verwirklichung zu ethisch fragwürdigen Entscheidungen führen können.
Die Erzählung ist durchzogen von tiefgreifenden moralischen Konflikten, die immer wieder in den Mittelpunkt rücken. Sie wirft drängende Fragen auf: Dürfen wir unser Überleben über das anderer Lebewesen stellen? Und wie weit ist ein Eingriff in eine fremde Welt überhaupt vertretbar, wenn wir deren komplexe Zusammenhänge nicht erfassen und die weitreichenden Konsequenzen unseres Handelns nicht absehen können? Haben wir aus der Zerstörung der Erde überhaupt gelernt? Sind wir tatsächlich bereit für einen echten Neuanfang? Mildreds prägnante Aussage fasst diese Dilemmata zusammen: "Instinkte sind dumm, wenn du auf etwas stößt, das du nicht verstehst."
Lediglich die wissenschaftlichen Erklärungen stellten an einigen Stellen eine kleine Herausforderung dar und waren für mich nicht immer leicht zu erfassen. Doch die fesselnde Spannung und erzählerische Tiefe des Buches wiegt dieses kleine Manko mühelos auf.
Fazit: Ein absolut empfehlenswertes Werk, das nachhaltig beeindruckt und lange in Erinnerung bleibt.
Science-Fiction nicht nur Unterhaltung, sondern auch mit Tiefgang und Hinterfragen!
Rajets Fantastische Leseseite aus Grünberg am 20.07.2025
Bewertungsnummer: 2544341
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der Roman beginnt mit der Landung der Familie Meadows, oder wenigsten allen bis auf die Mutter Mildred. Vater Charles, Henry ist 12 Jahre alt, sein Bruder Chester ist älter und seine Schwester Loy jünger. Henry übernimmt die Rolle des Berichterstatters, er gibt die Eindrücke wieder, die wachsenden Zweifel an den Erzählungen seines Vaters. Besonders Loy, mit ihrer unerschütterlichen Logik und der Beharrlichkeit die Wahrheit zu wissen fordert Charles heraus. Auf die Kinder warten als Lehrer und Medizinische Geräte, Wesen, die ursprünglich Elektrogeräte waren. Aber anderes wie die Sauerstoff-, Wasser- und Wärmeversorgung sind nicht an den menschlichen Körper angepasst. Ob ein Leben und damit die Fortpflanzung der Menschen möglich ist, ein Thema, das kaum zum Tragen kommt – es steht das Überleben an erster Stelle. Unter der Fuchtel von Mechthilds Chef Noah herrscht auf Perm offensichtlich ein totalitäres System, dem niemand entgehen kann und auf das bereits Kinder eingeschworen werden. Besonders Henry gerät unter Druck, als er darauf beharrt, endlich zu erfahren, wo seine Mutter geblieben ist.
Mildred Meadows lernen wir durch Aufzeichnungen in den Zwischenkapiteln kennen, man ahnt damit das es unterschiedliche Zeitabläufe und Handlungsstränge gibt (erklärt sich im Roman). Als Wissenschaftlerin stand Mildred in ihrer Zeit unter Druck, Verbesserung der Lebensbedingungen auf Perm, denn eine weiter Versorgung durch Güter von der Erde sind nicht zu erwarten und es gibt auch kein zurück – die Siedler, den nichts anderes sind die Menschen auf Perm sind auf sich selbst angewiesen.
Duch den Wechsler der Handlungs- und Erzählstränge von Mutter und Sohn wird auch ein ethisches Problem von Mechthild deutlich. Der Forschung und Abhängigkeit von Noah, sie muss um den Platz für ihre Familie kämpfen und ihr wird auch klar welchen Preis sie und ihre Familie zahlen müssen für ein Leben auf Perm. Denn der Mond birgt noch ein Geheimnis, mit dem die Siedler, auch Noah nicht, gerechnet haben – Leben!
Ich konnte den Roman nicht aus den Händen legen, gut, dass es Wochenende war und Lesezeit. Der Spannungsbogen steigt kontinuierlich an, man will erfahren welche Geheimnisse Charles und Mechthild, Noah und auch Perm verbergen. Auch fand ich die Rolle der „Strom“ (Lehrerin) und „Ronny“ (die künstliche Niere), die Intelligenz und die Vermittlung auf der einen Seite, aber auch ihre Loyalität gegenüber ihren Besitzern bemerkenswert.
Dann ist eine Familie an sich schon eine eher ungewöhnliche Protagonisten Besetzung in einem Science-Fiction Roman, aber nach meiner Ansicht überaus gelungen. Loy war die Top Protagonistin für mich mit ihrer unabkömmlichen Logik, dem ständigen Hinterfragen und ihrer gnadenlosen Beharrlichkeit (ja, ich habe mich in ihr gesehen). Aber auch Henry, der doch in ein äußerst Herausfordern Lage in seinen jungen Jahren landet und wie er damit umgeht – bemerkenswert.
Ein Roman der tiefer geht, was für einen Preis wären Siedler auf einer fremden Welt zu zahlen bereit? Demut und Respekt, oder gnadenloses Terraforming ohne Rücksicht auf vorhandene sich schon entwickelte Flora und Fauna – Leben? Haben wir Menschen eine zweite Chance verdient oder sind wir ein Auslaufmodell was sich nicht bewährt hat? Muss sich ein fremder Planet dem menschlichen Willen unterwerfen? Fragen die unangenehm sind aber angebracht.
Der Roman verbindet aktuelle Themen wie Klimakrise und das Ende der Erde, gekonnt mit wissenschaftlichen Aspekten (verständlich) zusammen mit emotionaler Tiefe (der Frage nach der „Ethik“, muss man alles machen, was man kann!). Der Schreibstil ist trotz alledem verständlich und ansprechend, aber auch ein wenig anspruchsvoll. Die Protagonisten/innen sind glaubhaft und real dargestellt, durch den Familienverband auch ansprechend gehalten. Man kann ihre Gefühle gut nachvollziehen, ihren Ängsten und Sorgen.
Ein „deutschsprachiger“ Science-Fiction Roman der mehr als nur Unterhalten will, sondern auch Fragen aufwirft deren Beantwortung jeder für sich mal andenken kann – die unbequem sind und unserer Gesellschaft (Menschen) einen Spiegel vorhält – die dunkle Seite der menschlichen Natur und ihr absoluter Egoismus allem gegenüber. Anstatt als Eroberer einen Planeten bevölkern zu wollen – vielleicht Demut, Dankbarkeit und ein Miteinander mit vorhandenem Anzustreben (ein Gedanke von Mildred Meadows).
Für mich ein rundum und überraschender Science-Fiction Roman er erhält den diesjährigen Phantastik Preis der Stadt Wetzlar (Überreichung am 19.September in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar) und wäre meiner Meinung nach ein Roman, der in den Schulunterricht gehört, vor alten Standardwerken die eigentlich keiner mag oder auch überholt sind.
Von mir erhält 5 Sterne und ein klare Leseempfehlung)
Meinung aus der Buchhandlung
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"Lyneham" ist ein Sci-Fi-Roman mit dystopischen Elementen; authentisch, fesselnd sowie sprachlich versiert erzählt. Wir folgen der Geschichte auf zwei Zeitebenen und Unbekanntes erschließt sich somit während der Lektüre. Ein kleines Glossar am Ende des Buches schafft Abhilfe, falls der ein oder andere Begriff noch unklar sein sollte.
Besonders hervorheben möchte ich, dass der wissenschaftliche Aspekt berücksichtigt wurde. So bekommt man ganz nebenbei eine Wissensauffrischung in Thermodynamik.
Für mich ein rundum stimmiges und gelungenes Sci-Fi-Abenteuer, das mir sowohl großartige Unterhaltung geboten hat sowie Anstoß gegeben hat, dieses "Gedankenexperiment" weiterzuspinnen.
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