Nach dem Tod von Mahsa Jina Amini im September 2022, der landesweite Proteste auslöste, geht auch Nila auf die Straße. Die Angst ist der ständige Begleiter der Frauen, die gemeinsam für ihre Rechte kämpfen - bedroht und eingeschüchtert von der berüchtigten Sittenpolizei, die wahllos verhaftet, foltert und tötet.Eindringlich und bewegend schildert Nila ihre persönlichen Erfahrungen als Aktivistin auf den Straßen Teherans und setzt diese in den Kontext einer langen Geschichte weiblicher Stärke in Iran.Ein mutiges Zeugnis, das einen tiefen Einblick in die gegenwärtigen Proteste und die anhaltende Unterdrückung in Iran bietet.
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Eternal-Hope
aus Österreich
5/5
27.07.2026
eBook (ePUB)
Von den mutigen Freiheitskämpferinnen Irans
"Auf den Straßen Teherans" von Nila ist ein kurzes Werk, nur 144 Seiten in der Printausgabe und eingeteilt in kurze Kapitel, die meist nicht mehr als ein bis höchstens zwei Seiten umfassen. Man hat es schnell durchgelesen. Doch das schwächt die Wirkung nicht ab, im Gegenteil, diese wird gerade durch diese Prägnanz verstärkt:
"Schreiben heißt, ein Zeugnis abzulegen; zu exhumieren, tiefe Gräben auszuheben." (S. 63)
Ich habe das Gefühl, dem Kern des Protestes der mutigen Iranerinnen und Iraner gegen dieses unterdrückerische Regime nahe gekommen zu sein und, auch nach Lektüre einiger anderer Bücher zum Thema, diesen noch einmal mehr verstehen und nachfühlen zu können.
Es geht immer wieder um die ganz jungen, oft noch nicht einmal volljährigen Menschen, die sich mutig dem Regime mit Protesten auf der Straße entgegen stellen und dafür angegriffen, inhaftiert und oft auch ermordet werden. Um eine Bewegung, die trotzdem weiterkämpft und sich nicht unterdrücken lässt. Immer mehr Frauen, die ohne Kopftuch auf die Straße gehen, Protestierende, die Mullahs, die als Symbol und Vertreter des Regimes gesehen werden, ihre Turbane von den Köpfen schleudern, trauernde Mütter und Väter, die nicht aufhören, ihre Stimmen zu erheben, bis sie hoffentlich irgendwann das Regime besiegt haben werden:
"In den sozialen Medien verbreiten Theatergruppen Videos von regimekritischen Aufführungen. Wir werfen Eimer mit Farbe auf offiziell genehmigte Wandmalereien, meist Bilder von Männern des Militärs. Wir hängen Plakate mit Namen geliebter Menschen, die vom Regime ermordet wurden, von Fußgängerbrücken. Wir färben das Wasser in öffentlichen Teichen und Brunnen blutrot. Wir möchten, dass jede:r aufwacht und sieht, was geschieht. Es ist, als würden wir versuchen, den Bewohner:innen der Erde telegrafische Botschaften von einem anderen Planeten zu senden." (S. 75)
Erwähnt werden jedoch auch jene Menschen aus der Generation der Eltern der jetzt Protestierenden, die nach über 46 Jahren Unterdrückung seit 1979 ihr Leben lang so eingeschüchtert waren, dass sie sich kaum mehr trauen, das Wort gegen das Regime zu erheben und mit Erstaunen auf die mutigen Proteste ihrer Kinder blicken.
Außerdem gibt es immer wieder kurze Einblicke in die Geschichte des Irans, in ein Volk, das auch nach der Islamisierung die eigene Sprache und Kultur nicht aufgegeben hat. Es geht um mutige Vorkämpferinnen schon vor Jahrhunderten, die auch damals schon ihr Leben dafür lassen mussten, um Poeten und Dichter, um blutige Kämpfe um die religiöse und weltanschauliche Deutungshoheit, die seit Jahrhunderten das Land prägen, um die Hintergründe der Revolution im Jahr 1979, um die Einflüsse des Westens auf den Iran und den Glauben oder Unglauben daran, sich selbst befreien zu können, und um vieles mehr.
Es ist ein mutiges, kraftvolles Buch, das ich allen, die sich neu für die aktuellen Freiheitskämpfe im Iran interessieren, aber auch jenen, die schon viel darüber wissen, nur wärmstens empfehlen kann, auf dass sich die Botschaft der Autorin verbreiten möge:
"Leben kann passiv sein. Etwas zu bezeugen ist nicht passiv. Dies sind die Worte, die ich in die Zukunft senden möchte, nachdem ich durch Blut gegangen bin. Für diejenigen, die nach uns kommen und im Strudel unserer Geschichte nach uns suchen werden. Falls sie nach uns suchen werden." (S. 113)
Bewertung
5/5
03.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Frau auf den Straßen Teherans
Seit Mahsa Jina Amini 2022 an den Folgen der Schläge durch die Sippenpolizei verstorben ist gehen die Frauen im Iran auf die Straße. So auch Nila. In ständiger Angst, erschossen zu werden. Mit Mut im Herzen. Mit dem Wunsch, der verzweifelten Sehnsucht nach Veränderung. Nila beschreibt die Situation, ihr Leben mit einer Kraft es fühlt sich an, als könnte ich die Spannung beim Lesen körperlich spüren. Sie geht nicht nur darauf ein, was passiert sondern auch darauf, warum gerade jetzt. Wer auf die Straße geht, wer nicht und warum.
Gleichzeitig setzt Nila die Situation heute in den historischen Kontext. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Tahereh, eine Dichterin aus dem 19. Jahrhundert. Ihr Schicksal scheint das aller Frauen im Iran zu sein.
Und während das kraftvoll geschriebene Buch zu Ende geht nimmt Nila plötzlich lose Fäden vom Anfang auf.
Dieses Buch hat mich umgehauen, ermattet zurück gelassen und meine Rezension kann der Energie des Buches nicht gerecht werden.
Bewertung
aus Recklinghausen
5/5
09.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bitte lest es
Was für ein starkes Buch welches mir direkt unter die Haut geht. Der Schreibstil ist so klar und doch poetisch.
Hier geht es um die starken Frauen im Iran, die gegen jeden Widerstand auf die Straße gehen und jeden Tag eine Hölle durchleben.
Ich kann das Buch nur empfehlen, es ist zwar sehr unbequem und voller Emotionen.
Es war schwierig mir alldas durchzulesen aber ich habe das Privileg, das Buch kurz zu pausieren. Die Frauen die jeden Tag auf die Straße haben dies nicht und das hat mir immer wieder die Tränen in die Augen getrieben.
Ein Buch was noch lange in mir arbeiten wird.
Bewertung
5/5
01.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Starke Frauen
Dieses Buch ist weit mehr als ein bloßer Bericht – es ist ein kraftvolles literarisches Zeugnis. Ohne sich in einer linearen Erzählweise zu verlieren, entfaltet sich eine dichte, atmosphärische Momentaufnahme eines Landes im Ausnahmezustand. Dabei gelingt es der Autorin, persönliche Erfahrungen mit historischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen zu verweben, sodass ein vielschichtiges Bild entsteht.
Besonders eindrucksvoll ist die Perspektive der Frauen, deren Alltag und Widerstand im Zentrum stehen. Ihre Stimmen sind geprägt von Angst, Wut, Hoffnung und unerschütterlichem Stolz. Gerade diese emotionale Tiefe verleiht dem Buch seine besondere Intensität. Es wird spürbar, wie sehr politische Unterdrückung in das Innere der Menschen hineinwirkt – und gleichzeitig, welche Kraft daraus entstehen kann.
Der Schreibstil bewegt sich zwischen poetischer Verdichtung und analytischer Klarheit. Diese Kombination macht das Werk nicht nur literarisch anspruchsvoll, sondern auch hochaktuell und relevant. Es fordert dazu auf, hinzusehen, zuzuhören und das Erzählte weiterzutragen.
Ein wichtiges, aufrüttelndes Buch, das unter die Haut geht und lange im Gedächtnis bleibt – nicht zuletzt, weil es den Mut sichtbar macht, der oft im Verborgenen bleibt.
mima
5/5
01.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindringlich und authentisch
Ein kurzer, fragmentarischer Einblick in die (Gedanken-)Welt einer anonymen Bewohnerin Teherans macht ihre Wut, ihre Angst, und, vielleicht überraschend, vor allem ihre Hoffnung und Zuversicht eindrücklich spürbar. Man bekommt einen guten Eindruck ihres Lebens mit diesen gegensätzlichen Emotionen. Sie besitzt ein tiefes Verständnis dafür wie Regime wirken, über die Kraft, aber auch der Begrenzung die selbst eine „erfolgreiche“ Revolution besitzt. Trotz des Bewusstseins darum, wie langsam Veränderungen in Gesellschaft und Politik greifen, und trotz der sehr realen Gefahr für ihr Leben ist ihr absoluter Wille und ihre Stärke unverrückbar. Ich habe nichts als Respekt für sie und ihre Mitkämpfer:innen.
Auf den wenigen Seiten vermittelt das Text außerdem einiges an Hintergrundwissen zu iranischer Geschichte und Kultur.
In Hinblick auf die Tatsache, dass das Buch bereits 2023 veröffentlich wurde wünschte ich mir, es gäbe eine aktualisierte Version, ein Update, um zu erfahren wie sich ihre Welt, und sie selber, seitdem verändert hat.
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5/5
06.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Frauen. Leben. Freiheit kämpft für die Rechte aller Menschen"
Ich bin auf dieses Buch durch die aktuelle Lage im Iran aufmerksam geworden. Es ist ein absolut eindringliches Buch über die Protestbewegung und Unterdrückung des Mullah-Regimes. Nila, die anonym bleibt, gibt bewegende und mutige Einblicke in den Alltag der Menschen im Iran - trotz der Schwere ein Buch voller Stärke.
Besonders in Anbetracht der aktuellen politischen Lage kann ich dieses Buch nur jeder Person empfehlen, die mehr über den Iran und die mutigen Menschen, die sich entschieden gegen das Regime stellen, lesen möchte.
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