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Navid Kermani

1. Sommer 24

Sommer 24

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5
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Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

Verkaufsrang

1767

Gesprochen von

Jens Harzer

Spieldauer

4 Stunden und 36 Minuten

Abo-Fähigkeit

Ja

Erscheinungsdatum

17.02.2026

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

89

Verlag

Argon

Sprache

Deutsch

EAN

9783732486656

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Verkaufsrang

1767

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Jens Harzer

Spieldauer

4 Stunden und 36 Minuten

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Ja

Erscheinungsdatum

17.02.2026

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

89

Verlag

Argon

Sprache

Deutsch

EAN

9783732486656

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Mensch sein in dieser Zeit

Eternal-Hope aus Österreich am 17.02.2026

Bewertungsnummer: 3049468

Bewertet: Hörbuch-Download

Ich habe dieses Buch als Hörbuch gehört, gesprochen von Jens Harzer, also nicht vom Autor selbst. Am Anfang musste ich mich an die Stimme und Vorleseweise erst ein bisschen gewöhnen, wirkte sie für mich doch ziemlich melancholisch und ernst. Doch je länger ich zuhörte und mich mit dem Inhalt des Buches befasste, umso passender fand ich diesen Sprecher für genau dieses Buch. Denn es geht um sehr ernste Themen. Um die Verfassung der Welt im Sommer 2024, und das persönliche Leben und die Freundschaften, Begegnungen, Beziehungen, Herausforderungen und Konflikte des Schriftstellers Navid Kermani, die in diesen Rahmen eingebettet sind. Es ist kein Roman, sondern eher eine persönliche Reflexion, und doch sehr spannend erzählt. Es geht um eine Zeit, die geprägt ist vom Ukraine-Krieg und vom Überfall auf Israel und dem darauffolgenden Gaza-Krieg, dem Wiedererstarken autoritärer Kräfte in vielen Bereichen der Welt, aber gleichzeitig auch von den Nachwirkungen der Pandemie, von der MeToo-Bewegung, von dem Kampf um Freiheit in Iran, von dem amerikanischen Wahlkampf und von vielem mehr. Einen großen Teil des Buches nimmt der innere Nachruf von Navid Kermani auf seinen verstorbenen Freund Rudolf ein. Rudolf war der in Deutschland lebende Sohn zweier jüdischer Holocaust-Überlebender und hat sich ein Leben lang an diesem Schicksal abgearbeitet. Nach dem 7. Oktober 2023 verhärtete sich seine Position zum Gaza-Krieg, darüber kam es zur Entfremdung der beiden Freunde, und zu einem letzten Treffen am Abend vor Rudolfs Freitod wegen schwerer Erkrankung. Differenziert denkt Navid Kermani über die Freundschaft und das Leben des Freundes nach, über das, was diesen geprägt hat, versucht, sich in diesen einzufühlen und bezieht doch auch eindeutig Stellung in Bezug auf das Leid der Menschen in Gaza. Sein Werk werde stark von den Geschichten der Menschen geprägt, von dem, was ihm erzählt werde und davon, dass er einfühlsam zuhöre, so führt es der Autor aus. Doch mindestens einmal hat ihn dieses Thema auch in ein großes Dilemma geführt: vor 25 Jahren begegnete er in einer Kneipe der jungen Frau "Julia", die beiden tranken miteinander, nahmen auch Drogen, und sie erzählte ihm von der Vergewaltigung, die sie vor kurzem überlebt hatte - nicht wissend, dass er ein Schriftsteller sei und ihre Geschichte, verfremdet, aber doch ohne ihre Zustimmung, in einem seiner Romane verwenden würde. Für diese Geschichte bekam der Autor erst einmal viel Lob, denn sie sei so überraschend authentisch erzählt, und das von einem Mann, doch viele Jahre später kam sie auch "Julia" unter, sie fühlte sich erkannt, und, wie sie in einem Brief an ihn schrieb, wie ein zweites Mal vergewaltigt. Dieser Brief erreicht den Autor aus einer psychiatrischen Klinik, in der sich die Frau zu diesem Zeitpunkt befindet. Der Autor fühlt sich erschüttert und angegriffen, kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie "Julia" seine Geschichte über sie mit einem physischen Übergriff gleichsetzen könne, hat Angst vor Verleumdung und Konsequenzen für seine schriftstellerische Karriere, will wissen, ob ihm diesbezüglich juristisch etwas droht, und sucht "Julia" in der Klinik auf. Diesen Teil habe ich als ambivalent empfunden und aus weiblicher Sicht lange nicht verstehen können, wie diesem sonst durchaus einfühlsamen Mann erst so spät, und nach einem Gespräch mit einer weiteren Frau, dämmert, wie übergriffig sein Verhalten gegenüber einem Vergewaltigungsopfer war. Hier zeigt sich der Autor also nicht nur als Sympathieträger, doch genau das macht ihn mir wiederum sympathisch, denn es ist ehrlich, echt und reflektiert, und im Laufe der Geschichte wird klar, dass er schon ernsthaft verstehen und mitfühlen möchte. Das macht überhaupt für mich die herausragende Qualität dieses Buches aus: wie sich der Autor darin als ganzer Mensch mit all seinen Facetten zeigt: mit seiner Persönlichkeit, seinen Eitelkeiten und Verwundbarkeiten, auch mit seiner eigenen Geschichte als Sohn persischer Migranten (auch deren Nähe zu Ayatollah Khomeini ist ein Thema, das er beleuchtet und kritisch hinterfragt). Diese Ehrlichkeit, sich so offen als Mensch in der Öffentlichkeit zu zeigen, nötigt mir tiefen Respekt ab, denn das erfordert sicher viel Mut. Entstanden ist dadurch ein sehr intelligentes, kritisch hinterfragendes und zu vielfältigenden Themen der aktuellen Zeit, von denen ich in dieser Rezension nur ein paar exemplarisch erwähnt habe, zum Nachdenken anregendes Buch, das ich allen an Politik, Geschichte, Psychologie und Zeitgeschehen interessierten Menschen nur wärmstens empfehlen kann, auch in der Hörbuchausgabe des Argon Verlags. Viele der darin geäußerten klugen Gedanken werden mich sicherlich noch länger begleiten.

Mensch sein in dieser Zeit

Eternal-Hope aus Österreich am 17.02.2026
Bewertungsnummer: 3049468
Bewertet: Hörbuch-Download

Ich habe dieses Buch als Hörbuch gehört, gesprochen von Jens Harzer, also nicht vom Autor selbst. Am Anfang musste ich mich an die Stimme und Vorleseweise erst ein bisschen gewöhnen, wirkte sie für mich doch ziemlich melancholisch und ernst. Doch je länger ich zuhörte und mich mit dem Inhalt des Buches befasste, umso passender fand ich diesen Sprecher für genau dieses Buch. Denn es geht um sehr ernste Themen. Um die Verfassung der Welt im Sommer 2024, und das persönliche Leben und die Freundschaften, Begegnungen, Beziehungen, Herausforderungen und Konflikte des Schriftstellers Navid Kermani, die in diesen Rahmen eingebettet sind. Es ist kein Roman, sondern eher eine persönliche Reflexion, und doch sehr spannend erzählt. Es geht um eine Zeit, die geprägt ist vom Ukraine-Krieg und vom Überfall auf Israel und dem darauffolgenden Gaza-Krieg, dem Wiedererstarken autoritärer Kräfte in vielen Bereichen der Welt, aber gleichzeitig auch von den Nachwirkungen der Pandemie, von der MeToo-Bewegung, von dem Kampf um Freiheit in Iran, von dem amerikanischen Wahlkampf und von vielem mehr. Einen großen Teil des Buches nimmt der innere Nachruf von Navid Kermani auf seinen verstorbenen Freund Rudolf ein. Rudolf war der in Deutschland lebende Sohn zweier jüdischer Holocaust-Überlebender und hat sich ein Leben lang an diesem Schicksal abgearbeitet. Nach dem 7. Oktober 2023 verhärtete sich seine Position zum Gaza-Krieg, darüber kam es zur Entfremdung der beiden Freunde, und zu einem letzten Treffen am Abend vor Rudolfs Freitod wegen schwerer Erkrankung. Differenziert denkt Navid Kermani über die Freundschaft und das Leben des Freundes nach, über das, was diesen geprägt hat, versucht, sich in diesen einzufühlen und bezieht doch auch eindeutig Stellung in Bezug auf das Leid der Menschen in Gaza. Sein Werk werde stark von den Geschichten der Menschen geprägt, von dem, was ihm erzählt werde und davon, dass er einfühlsam zuhöre, so führt es der Autor aus. Doch mindestens einmal hat ihn dieses Thema auch in ein großes Dilemma geführt: vor 25 Jahren begegnete er in einer Kneipe der jungen Frau "Julia", die beiden tranken miteinander, nahmen auch Drogen, und sie erzählte ihm von der Vergewaltigung, die sie vor kurzem überlebt hatte - nicht wissend, dass er ein Schriftsteller sei und ihre Geschichte, verfremdet, aber doch ohne ihre Zustimmung, in einem seiner Romane verwenden würde. Für diese Geschichte bekam der Autor erst einmal viel Lob, denn sie sei so überraschend authentisch erzählt, und das von einem Mann, doch viele Jahre später kam sie auch "Julia" unter, sie fühlte sich erkannt, und, wie sie in einem Brief an ihn schrieb, wie ein zweites Mal vergewaltigt. Dieser Brief erreicht den Autor aus einer psychiatrischen Klinik, in der sich die Frau zu diesem Zeitpunkt befindet. Der Autor fühlt sich erschüttert und angegriffen, kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie "Julia" seine Geschichte über sie mit einem physischen Übergriff gleichsetzen könne, hat Angst vor Verleumdung und Konsequenzen für seine schriftstellerische Karriere, will wissen, ob ihm diesbezüglich juristisch etwas droht, und sucht "Julia" in der Klinik auf. Diesen Teil habe ich als ambivalent empfunden und aus weiblicher Sicht lange nicht verstehen können, wie diesem sonst durchaus einfühlsamen Mann erst so spät, und nach einem Gespräch mit einer weiteren Frau, dämmert, wie übergriffig sein Verhalten gegenüber einem Vergewaltigungsopfer war. Hier zeigt sich der Autor also nicht nur als Sympathieträger, doch genau das macht ihn mir wiederum sympathisch, denn es ist ehrlich, echt und reflektiert, und im Laufe der Geschichte wird klar, dass er schon ernsthaft verstehen und mitfühlen möchte. Das macht überhaupt für mich die herausragende Qualität dieses Buches aus: wie sich der Autor darin als ganzer Mensch mit all seinen Facetten zeigt: mit seiner Persönlichkeit, seinen Eitelkeiten und Verwundbarkeiten, auch mit seiner eigenen Geschichte als Sohn persischer Migranten (auch deren Nähe zu Ayatollah Khomeini ist ein Thema, das er beleuchtet und kritisch hinterfragt). Diese Ehrlichkeit, sich so offen als Mensch in der Öffentlichkeit zu zeigen, nötigt mir tiefen Respekt ab, denn das erfordert sicher viel Mut. Entstanden ist dadurch ein sehr intelligentes, kritisch hinterfragendes und zu vielfältigenden Themen der aktuellen Zeit, von denen ich in dieser Rezension nur ein paar exemplarisch erwähnt habe, zum Nachdenken anregendes Buch, das ich allen an Politik, Geschichte, Psychologie und Zeitgeschehen interessierten Menschen nur wärmstens empfehlen kann, auch in der Hörbuchausgabe des Argon Verlags. Viele der darin geäußerten klugen Gedanken werden mich sicherlich noch länger begleiten.

Ein Statement für politische Haltung

Eva am 17.03.2026

Bewertungsnummer: 3079917

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Wolfgang Schäuble ruft dem Publizisten hinterher: Das war gut! Ich bin nicht mit allem einverstanden, aber das war gut! Der Publizist hatte im Bundestag als Ehrengast eine Rede gehalten und war auf Ablehnung gestoßen. Er, der Verwandte im Iran hat. Ich bin nicht mit allem einverstanden, was in Sommer 24 steht. Aber es ist richtig gut. Es katapultuiert meinen Debattierwillen in höchste Höhen, ich will reden. Über die Kriege im Iran, in der Ukraine, im Sudan. Über das von ihm mit dem Vormarsch der populären, bild-erzeugenden Kräfte prophezeite Ende der liberalen Demokratie. Über die manchmal verschrobenen konservativen Statements, die er im nächsten Nebensatz selbstkritisch entlarvt. Über das ß, das im Text altmodisch anmutet. Wenn ein Text vor Relevanz platzen könnte, dann läuft Sommer 24 Gefahr, genau das zu tun. Er birst vor Aktualität und hält den Finger auf die himmelschreienden Widersprüche und Dramen des Zeitgeschehens. Dabei geht es nicht nur um den Schrecken der Kriege und die Demontage der Demokratie. Dieses Buch ist ein literarischer Spagat. Wie in Ludovico Settembrini und Leo Naphta stehen sich das erzählende Ich, das Kermani sein kann aber nicht muss und sein Antagonist Rudolf gegenüber, der den Freitod wählte und nun auf dem Sterbebett liegt. Der 7. Oktober ist Leitmotiv ebenso wie das Zitat Nichts ist ganzer als ein zerbrochenes Herz. Im stillen Streitgespräch beginnt die Reflexion über den Sommer 24 und flicht einen Kosmos aus Leid, Demut, menschlicher Reife, dem Kleinen, Eigenen und dem Globalen. Es erinnert an die großen Tagebücher von Kempowski, Rühmkorf oder Klemperer, die weit über die private Dokumentation hinausgehen, und vielmehr Zeugnisse ihrer Zeit sind. Immer politisch, immer persönlich. Brillant arbeitet der Autor heraus, dass das Politische unausweichlich und immer privat ist, und was das bedeutet, besonders für Menschen, die schon durch ihre Geburt in den politischen Kontext fielen, erkundet er im Sommer 24. Selbstreflexiv, weltanschaulich. Er, der Schriftsteller, der sich nicht vor der Kontroverse scheut. Ich wünschte, dass jede*r dieses Buch liest. Es gibt kein unpolitisches Leben. Es ist ein Statement.

Ein Statement für politische Haltung

Eva am 17.03.2026
Bewertungsnummer: 3079917
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Wolfgang Schäuble ruft dem Publizisten hinterher: Das war gut! Ich bin nicht mit allem einverstanden, aber das war gut! Der Publizist hatte im Bundestag als Ehrengast eine Rede gehalten und war auf Ablehnung gestoßen. Er, der Verwandte im Iran hat. Ich bin nicht mit allem einverstanden, was in Sommer 24 steht. Aber es ist richtig gut. Es katapultuiert meinen Debattierwillen in höchste Höhen, ich will reden. Über die Kriege im Iran, in der Ukraine, im Sudan. Über das von ihm mit dem Vormarsch der populären, bild-erzeugenden Kräfte prophezeite Ende der liberalen Demokratie. Über die manchmal verschrobenen konservativen Statements, die er im nächsten Nebensatz selbstkritisch entlarvt. Über das ß, das im Text altmodisch anmutet. Wenn ein Text vor Relevanz platzen könnte, dann läuft Sommer 24 Gefahr, genau das zu tun. Er birst vor Aktualität und hält den Finger auf die himmelschreienden Widersprüche und Dramen des Zeitgeschehens. Dabei geht es nicht nur um den Schrecken der Kriege und die Demontage der Demokratie. Dieses Buch ist ein literarischer Spagat. Wie in Ludovico Settembrini und Leo Naphta stehen sich das erzählende Ich, das Kermani sein kann aber nicht muss und sein Antagonist Rudolf gegenüber, der den Freitod wählte und nun auf dem Sterbebett liegt. Der 7. Oktober ist Leitmotiv ebenso wie das Zitat Nichts ist ganzer als ein zerbrochenes Herz. Im stillen Streitgespräch beginnt die Reflexion über den Sommer 24 und flicht einen Kosmos aus Leid, Demut, menschlicher Reife, dem Kleinen, Eigenen und dem Globalen. Es erinnert an die großen Tagebücher von Kempowski, Rühmkorf oder Klemperer, die weit über die private Dokumentation hinausgehen, und vielmehr Zeugnisse ihrer Zeit sind. Immer politisch, immer persönlich. Brillant arbeitet der Autor heraus, dass das Politische unausweichlich und immer privat ist, und was das bedeutet, besonders für Menschen, die schon durch ihre Geburt in den politischen Kontext fielen, erkundet er im Sommer 24. Selbstreflexiv, weltanschaulich. Er, der Schriftsteller, der sich nicht vor der Kontroverse scheut. Ich wünschte, dass jede*r dieses Buch liest. Es gibt kein unpolitisches Leben. Es ist ein Statement.

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