Ein zweifelhafter Hinweis genügt und schon wird die zehnjährige Lucy des Mordes an einer jüngeren Spielgefährtin
verdächtigt. Der Fall spaltet die Gesellschaft. Denn während das Opfer aus gutem Hause kam, lebt Lucy Anfang der 1990er-Jahre mit ihrer jungen irischen Mutter Carmel in einer Südlondoner Sozialsiedlung. Lucy ist schon häufiger auffällig geworden, und Carmel
ist vor allem Männern ein Dorn im Auge. Sie ist schön, aber abweisend, gebrochen und unerreichbar. Als ein Journalist versucht, Carmels Vertrauen zu gewinnen, bahnt sich eine mediale Hetzjagd an, angefeuert von Fremdenhass und Misogynie. Und Carmel und Lucy blicken erneut in die Abgründe, die sie aus Irland hierhergeführt haben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
15 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Was, wenn die Mörderin ein Kind ist?
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 06.06.2026
Bewertungsnummer: 3160098
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Besonders beeindruckt hat mich, wie scharfsinnig die Mechanismen von Vorverurteilung und Klassismus offengelegt werden. Der Roman zeigt, wie schnell Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Lebensumstände oder ihres sozialen Status abgestempelt werden. Erschreckend fand ich, dass selbst ein Kind nicht vor Vorurteilen geschützt ist und wie schnell ihm aufgrund seiner Herkunft und seiner Lebensumstände ein schlechter Charakter zugeschrieben wird. Es werden unbequeme Fragen über Schuld, Verantwortung und die Art gestellt, wie wir Menschen beurteilen. Sehr eindrcklich fand ich, dass Armut und schwierige familiäre Verhältnisse oft wie ein gefundenes Fressen für Vorurteile wirken. Der Roman macht sichtbar, wie schnell Menschen aufgrund ihrer sozialen Situation als verdächtig, unfähig oder minderwertig wahrgenommen werden, ohne dass man sich die Mühe macht, hinter die Fassade zu blicken.
Auch die Darstellung von Mutterschaft und der schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung fand ich sehr beeindruckend. Der Roman zeigt, dass sich nicht jede Frau automatisch über eine Schwangerschaft freut und auch nicht jede Frau leicht in eine Mutterrolle findet. Mir hat dieser differenzierte Blick sehr gut gefallen, weil die Rolle der Frau als Mutter oft überidealisiert wird. Der Roman zeigt Beziehungen nicht geschönt, sondern in all ihrer Komplexität, geprägt von Verletzungen, Erwartungen und ungelösten Konflikten.
Am meisten liebe ich Bücher, die mich nicht nur berühren, sondern auch zum Nachdenken bringen. Geschichten, die mir neue Perspektiven eröffnen, meine eigenen Gedanken hinterfragen und mich etwas über mich selbst lernen lassen. „Kleine Schwächen“ war genau so ein Buch für mich. Es hat mich immer wieder dazu gebracht, meine eigenen Urteile, Vorverurteilungen, Annahmen und Reaktionen zu beobachten. Für mich liegt darin die besondere Stärke dieses Romans.
Für mich war dieses Buch sehr stark! Ich möchte es LeserInnen empfehlen, die wie ich, Bücher lieben, die nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen und den Blick auf sich selbst und andere Menschen erweitern.
Wie beschreibt man unsere Gesellschaft?
ReadingFoxy aus Leipzig am 24.04.2026
Bewertungsnummer: 3118951
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie beschreibt man unsere Gesellschaft?
Ein Buch so intensiv, dass man eine Zeit benötigt, um es zu verarbeiten.
Es geht um Lucy. Die Zehnjährige gerät unter Mordverdacht, nachdem eine jüngere Freundin stirbt. Der Fall sorgt für große gesellschaftliche Spannungen, verstärkt durch Klassenunterschiede und Vorurteile gegenüber Lucy und ihrer Mutter Carmel. Während Medien und Öffentlichkeit eine Hetzjagd starten, werden Themen wie Fremdenhass, Misogynie und die belastete Vergangenheit der beiden sichtbar.
Mit einem Kind in einem ähnlichen Alter musste ich des Öfteren Pausen einlegen und habe daher etwas länger für das Buch gebraucht. Aber es ist dennoch ein wichtiges Buch. Denn das Buch beschreibt nicht nur Klassenunterschiede, sondern schafft es, sie richtig spürbar zu machen. Es regt zum Nachdenken darüber an, wie selbstverständlich unsere Privilegien oft wahrgenommen werden und wie schwer es ist, ihnen zu entkommen.
Der Schreibstil ist intensiv, schonungslos und schönt absolut nichts. Aber das ist hier bei dieser Geschichte wichtig, um nicht wieder etwas zu romantisieren, bei dem es nichts zu romantisieren gibt. Es muss vor Augen geführt werden, wie Menschen mit Menschen umgehen. Vor allem wenn sie “anders” sind als man selbst. Die Geschichte beleuchtet eindringlich Schuld, Trauma und die Frage nach Täterschaft bei einem Kind.
Ein Buch, auf das man sich einlassen muss und sicher nicht für jede Situation geeignet ist, aber dennoch sollte es gelesen werden.
ISBN: 978-3910372634
Autorin: Megan Nolan
Verlag: Kjona
ET: 17.02.26
Umfang: 256 Seiten
Meinung aus der Buchhandlung
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
Dieser Roman schält Klassismus und Schuld wie hauchdünne Häute ab, legt die zerbrechlichen Fäden mütterlicher Bindungen bloß, die unter Vorurteilen wie Fremdenfeindlichkeit, Misogynie und der hastigen Verdammnis der Armen erzittern.
Diese vielstimmige Erzählung verwebt Perspektiven und Zeiten zu einem Sog, der „binge-tauglich“ fesselt, doch klar und ohne Sozialroman-Klischees bleibt. Figuren schimmern als vielschichtige Schatten, ihre Abhängigkeiten und verborgenen Gifte enthüllen sich schleichend. Ein ruhiger, analytischer Ton webt die Themen zu einem leisen Lehrstück über Machtgefüge, das nachhallt.
So entfaltet sich ein Werk von feiner, nachklingender Kraft, das die verborgenen Risse der Gesellschaft streift und den Leser in seine eigenen Tiefen lockt.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.