Die nach Kartoffeln müffelnde Verkäuferin, der stechende Geruch einer frischen Dauerwelle. Kittelschürzen und Kopftücher. Sauerampfer und Rotz im Schädel. Schier endlose Sommer voller Abenteuer und Monotonie. Und die Erwachsenen: so alt, sonderbar, unergründlich. Es sind sinnliche Schnappschüsse großer und kleiner Momente, die sich in unserer Erinnerung zu einem Bild unserer Kindheit fügen.Wild, witzig und ohne Nostalgie blickt Nadia Budde in SUCH DIR WAS AUS, ABER BEEIL DICH! zurück auf die eigene Kindheit zwischen Land- und Stadtleben und schafft überdies eine tiefsinnige und ganz universell gültige Reflexion übers Kindsein.Für ihr Buch wurde Nadia Budde u. a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem Max und Moritz-Preis und dem LUCHS ausgezeichnet.
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25.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zeitreise in die eigene Kindheit
"Such dir was aus, aber beeil dich!“ von Nadia Budde, erschienen im wunderbaren Reprodukt Verlag, hat mich gestern emotional voll erwischt. Ich habe mir den Comic auf der Leipziger Buchmesse gekauft und nun endlich gelesen – in einem Rutsch!
Der Untertitel des Comics verrät ein wenig über den Inhalt: „Kindsein in zehn Kapiteln“
Ich bin gestern mit Nadia Budde in ihre und meine Kindheit zurückgereist. Es hat mich voll erwischt. Von Lachen bis Tränen war alles dabei. Es geht nämlich um Kindheit und Kindsein in der DDR. Dieses Land gibt es nicht mehr. Ich bin ehrlich sehr froh über die Wiedervereinigung, aber vieles, mit dem wir groß geworden sind, ist verschwunden. Zum Beispiel Geschmäcker und Gerüche. Die gibt es so nie mehr.
„Such dir was aus, aber beeil dich“ ist bereits 2009 zum ersten Mal erschienen. Was bin ich froh, dass der Reprodukt Verlag das Werk neu aufgelegt hat, es wäre sonst völlig an mir vorbei gegangen, da ich erst seit ein paar Jahren Comics lese, dafür nun aber auch sehr liebe. Nadia Budde ist sehr verdient für ihren Comic ausgezeichnet worden mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem Max und Moritz-Preis und dem LUCHS.
Nadia Budde erkennt man sofort an ihrem Zeichenstil. Sie erzählt in ihrem Comic, wie sehr sie ihre Großeltern vermisst. Oma mit Dederonschürze, Kopftuch und Dauerwelle, Opa Traktorist, Leben auf dem Land mit Plumpsklo, Hühnern und Katzen, die immer Mauz hießen (bei uns war es Schnurri), oft wurden sie auf der Dorfstraße überfahren: „Übrigens, Mauz ist schon wieder tot.“ (S. 11) Wir Kinder auf dem Land sind damals noch mit Hackklotz und blutigem Beil auf dem Hühnerhof groß geworden, geharkten Mustern an den Gräbern auf dem Friedhof, dem ekligen Geruch vom Absengen der Federstoppeln bei den Enten, Schlachtetag, wenn die Schweine soweit waren.
Ich teile so unglaublich viele Erinnerungen mit Nadia Budde. Zum Teil halfen mir ihre Illustrationen wieder lachend an die Eigenheiten von damals zu denken. Vor allem aber war ich emotional beim Lesen sehr dabei, wurde fast schon melancholisch. Ich habe mich mit Nadia Budde an den Geruch des Brottaschenleders erinnert, von den Brottaschen, die man für den Kindergarten hatte! Ich habe meine damals zu Ostern bekommen und war sooo stolz darauf, dass ich nur noch damit herumlief. Aber auch an allgemeingültige Erlebnisse habe ich mich erinnert, die wohl so ziemlich jede Kindheit definieren. Wie Zahn ausschlagen, Läuse haben, im Kaufhaus verloren gehen, Muttervaterkind spielen, Schorf abkratzen.
Was waren das für Zeiten, als die Sommerferien endlos waren, wir im Herbst im Wald Pilze sammelten, mit Korb und Messer und Spinngewebe im Gesicht. Die Kindheitshelden im Fernsehen zu sehen. Oder das sich Verhören, wenn Erwachsene über etwas redeten, das man nicht kannte.
Ihr wollt euch an eure Kindheit erinnern oder mit euren Kindern über Kindheit sprechen? Wie war es damals, wie ist es heute?
Ich wünschte den Kindern heute soo sehr eine Kindheit ohne Smartphone und Tablet. Spielplätze und Trampoline in Gärten, die nicht verweist herumstehen. Buden bauen, Verstecke spielen, aufgeschlagene Knie. Langeweile, Klingelstreiche mit anderen Kindern, Schnecken retten.
„Such dir was aus, aber beeil dich! – Kindsein in zehn Kapiteln“ ist eines meiner neuen liebsten Comics. Ich bin sehr stolz, dass mein Exemplar sogar von Nadia Budde signiert ist.
Ich empfehle euch den Comic von Herzen!
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