Poetisch und parabelhaft: Wie totalitäre Herrschaft in den Alltag dringtNoah ist vierzehn Jahre alt und Taubenzüchter. Eines Tages flattern seine geliebten Tiere unruhig durch die Lüfte, über der Stadt kreisen die Helikopter des Kalifats. Noah erlebt einen Sommer voller Umbrüche: Für seinen Vater muss er Frauenkörper auf Produktfotos schwärzen, sein älterer Bruder steigt zum Leiter einer Sicherheitsbehörde auf, seine Mutter und seine Schwester dürfen nicht mehr allein aus dem Haus – und bald schon steht das Leben seiner Tauben auf dem Spiel. Mit großer Zartheit und feinem Humor erzählt »Der letzte Sommer der Tauben« vom Verlust der Kindheit und vom Erwachsensein in einer von Willkür und Gewalt bestimmten Gesellschaft. Eine mitreißende Geschichte voller eindringlicher Bilder – von Abbas Khider, der als Junge selbst Taubenzüchter war.Empathisch und aufrüttelnd gelesen von Sprecher Pascal Houdus.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Glückliche
aus Sachsen
5/5
27.01.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Berührend und verstörend zugleich
Den Roman „Der letzte Sommer der Tauben“ von Abbas Khider empfand ich als berührend und erschreckend zugleich. Ich erlebte ihn als Hörbuch, wunderbar und eindrucksvoll gesprochen von Pascal Houdus.
Der Roman beschreibt die drastischen Veränderungen in der Heimat von Noah, einem aufgeweckten Vierzehnjährigen, der als Hobby Tauben züchtet. Er liebt seine Tauben und kümmert sich mit Sorgfalt und Hingabe um sie. Jeden Tag lässt er sie fliegen.
Das geregelte und friedliche Zusammenleben der Menschen ändert sich, als die Machtverhältnisse sich ändern und totalitäre Gewalt die die Macht und die Kontrolle über das öffentliche Leben übernehmen.
Alles, was gestern noch normal und erlaubt war, ist jetzt verboten und steht unter Strafe; das Tanzen, Singen, Rauchen, Kartenspielen usw. Die Frauen müssen sich verhüllen und dürfen nicht mehr allein auf die Straße gehen. Auch dürfen sie keiner Arbeit mehr nachgehen.
Es tut weh, mitzuerleben, wie die Unsicherheit und Angst immer mehr um sich greifen. Dennoch hält die Familie zusammen und ist bemüht, sich von den furchtbaren Umständen nicht beeinflussen zu lassen.
Dann kommt der Tag, an dem die Tauben nicht mehr fliegen dürfen. Es wird einfach verboten und Zuwiderhandlungen werden unter Strafe gestellt.
Also muss Noah seinen Tauben die Flügel stutzen, eine furchtbare Maßnahme. Ein schreckliches Bild.
In all dieser Unsicherheit regt sich aber auch Widerstand und es lebt die Hoffnung, dass die Welt eines Tages wieder besser wird.
Die Tauben mit ihrem Schwarmleben, ohne Konkurrenz- und Machtdenken sind ein wunderbares Symbol dafür.
Daniela
4/5
29.03.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Ein Flügelschlag voll Hoffnung
Abbas Khider erzählt die Geschichte des vierzehnjährigen Noah mit einer Ruhe, die mich beim Lesen immer wieder innehalten ließ, während sich gleichzeitig ein beklemmendes Gefühl aufgebaut hat, das bis zum Ende nicht mehr verschwandt.
Noah ist Taubenzüchter im Irak – und genau diese scheinbar harmlose Leidenschaft wird zum stillen Gegenpol zu einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät. Gleich zu Beginn liegt eine spürbare Unruhe in der Luft: Seine Tauben geraten in Aufruhr, während über der Stadt die Helikopter des Kalifats kreisen. Dieser Moment setzt den Ton für einen Sommer, der alles verändert.
Besonders eindrücklich fand ich, wie Khider zeigt, wie totalitäre Herrschaft schleichend in den Alltag einsickert. Es sind nicht nur die großen, offensichtlichen Umbrüche, sondern die vielen kleinen Eingriffe: Noah muss seinem Vater dabei helfen, Frauenkörper auf Produktfotos zu schwärzen, der Bruder steigt innerhalb des Systems auf und wird Teil der Machtstruktur, während Mutter und Schwester Suad immer stärker in ihrer Freiheit eingeschränkt werden. Diese Entwicklungen passieren fast beiläufig – und genau das macht sie so erschreckend. Noah findet in Onkel Ali einen Verbündeten der diese Entwicklungen kritisch sieht und sich in seinem Rahmen gegen das System auf lehnt und Noah an die Taubenzucht herangeführt hat.
Als Leser*in versteht man die Tragweite vieler Situationen schneller als er selbst, was eine ganz eigene Spannung erzeugt. Gleichzeitig schwingt in allem eine leise Zartheit mit, die immer wieder durch feinen, fast vorsichtigen Humor aufgebrochen wird.
Die Tauben sind dabei weit mehr als nur ein Hobby: Für mich wurden sie zu einem starken Symbol für Freiheit, Unschuld und letztlich auch für deren Bedrohung. Dass schließlich sogar ihr Leben auf dem Spiel steht, fühlt sich wie der endgültige Verlust von Sicherheit und Kindheit an.
Was mir besonders im Kopf geblieben ist, ist diese klare, fast distanzierte Sprache. Es wird nichts ausgeschmückt, nichts dramatisiert – und genau dadurch entfaltet der Roman seine volle Wirkung.
Es ist ein stilles Buch, das noch im Kopf bleibt. Keine leichte Kost – und vielleicht gerade deswegen so eindrücklich.
Der Sprecher ist gut gewählt, er schafft es den distanzierten Schreibstil eine passende Stimme zu geben.
Bewertung
5/5
15.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die erste deutsch lektüre die man lesen kann.
Tatsächlich die erste Schul-Deutschlektüre die mir als schüler gefallen hatte! Ein fesselnd geschriebenes Buch mit emotionaler tiefe und einer verständlichen Geschichte ist eine schöne Abwechslung zu der wirren Texten von Leuten die selbst für den damaligen Standart weggespert gehörten.
Ich hoffe es wird ein Standart Schulbuch und dass meine Schule nicht die einzige ist die dieses Buch lesen wird.
seitenmusik
5/5
09.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Sommer, der den Himmel verändert
„Dieser Sommer hat den Himmel gestohlen.” (Seite 211, E-Book)
„Der letzte Sommer der Tauben“ von Abbas Khider ist am 27.01.2026 bei Hanser Verlag erschienen und umfasst 216 Seiten. Der Roman erzählt von Noah, einem vierzehnjährigen Jungen und leidenschaftlichen Taubenzüchter, dessen Alltag sich radikal verändert, als ein islamistisches Kalifat die Kontrolle über seine Heimat übernimmt. Während über der Stadt Hubschrauber kreisen und neue Regeln das Leben bestimmen, versucht Noah, an den kleinen Freiheiten seiner Kindheit festzuhalten – allen voran an seinen Tauben.
Meine Meinung
Wow. Dieses Buch hat mich wirklich kalt erwischt. Abbas Khider schafft es, eine Geschichte zu erzählen, die gleichzeitig leise und brutal ist. Der Schauplatz bleibt unbenannt, wirkt aber wie ein Spiegel vieler autoritärer Systeme und genau das macht den Roman so universell und erschreckend aktuell. Die Mischung aus poetischer Sprache, feinem Humor und einer allgegenwärtigen Bedrohung, die sich langsam in jede Alltagsszene einschleicht fand ich wirklich gelungen.
Die Tauben sind dabei weit mehr als nur ein Hobby des Protagonisten. Sie werden zum Symbol für Freiheit, Gemeinschaft und Hoffnung. Einer meiner liebsten Sätze war deshalb: „Was vergangen ist, lässt sich nicht zurückholen. Nur die Tauben finden immer wieder heim. Sie sind mein Erbe“ (S. 37)
Khider beschreibt erschütternde Entwicklungen mit einer beinahe nüchternen Klarheit, die umso mehr unter die Haut geht. Besonders die Szenen rund um die zunehmende Radikalisierung junger Menschen fand ich schwer erträglich: „Die Mudschahedin verstehen es, junge Menschen für sich einzunehmen. Sie bieten Gemeinschaft, klare Rollen, viele können dem nicht widerstehen.“ (S. 159)
Bei all dem Grauen verliert das Buch nie seine Menschlichkeit. Zwischen all der Gewalt gibt es immer wieder Momente voller Wärme, Freundschaft und Sehnsucht nach Freiheit. Und auch die Figuren sind sehr warmherzig gezeichnet, sodass man voll in die Geschichte eintauchen und mitfühlen kann.
Was mich besonders begeistert hat, ist Khiders Fähigkeit, politische Gewalt nicht als etwas Abstraktes, sondern über persönliche Verluste spürbar zu machen. Der Roman zeigt, wie ein totalitäres System langsam Familien, Freundschaften und Träume verändert. Gleichzeitig bleibt Noahs Perspektive erstaunlich sensibel und beobachtend.
Fazit
„Der letzte Sommer der Tauben“ ist ein intensiver, kluger und sprachlich wunderschöner Roman über Freiheit, Macht und Menschlichkeit. Für alle, die literarische Gegenwartsliteratur mit politischer Tiefe mögen, starke Bilder lieben und Geschichten schätzen, die weh tun, ohne hoffnungslos zu werden. Nichts für Leser:innen, die eine schnelle oder leichte Handlung erwarten. Vielen Dank an den Hanser Verlag & netgalley.de für das digitale Rezensionsexemplar! TW: Das Buch enthält Darstellungen von Gewaltszenen.
Aleyna
aus München
5/5
30.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn selbst der Himmel verboten wird
Aus der Sicht des 14-jährigen Noah erlebt man, wie sich sein Alltag schleichend verändert. Anfangs wirkt noch vieles normal: seine Tauben, der Blick in den Himmel, ein Gefühl von Freiheit. Doch nach und nach greifen neue Regeln immer tiefer ins Leben ein. Musik verschwindet, Dinge werden verboten, Menschen verändern sich. Dieses langsame Kippen fand ich besonders eindrücklich.
Der Stil ist ruhig und schlicht, fast nüchtern. Gerade weil Noah vieles nicht vollständig versteht, wirken die Ereignisse umso stärker. Ohne große Dramatik entsteht eine beklemmende Atmosphäre, die sich immer weiter verdichtet.
Die Tauben sind dabei mehr als nur ein Hobby. Sie stehen für Freiheit. Umso härter trifft es, als selbst dieser letzte Rückzugsort bedroht wird.
Mich hat vor allem dieser Fokus auf den Übergang berührt: wie Freiheit nicht plötzlich, sondern ganz leise verschwindet. Ein stilles, eindringliches Buch, das nachwirkt.
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