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Der letzte Sommer der Tauben Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

27.01.2026

Verlag

Carl Hanser

Seitenzahl

216

Maße (L/B/H)

20,6/13,2/2,1 cm

Gewicht

304 g

Farbe

Khaki

Auflage

2

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-446-28222-3

Beschreibung

Rezension

»Herausragend gut! Das ist große Kunst.« Mona Ameziane, Zwei Seiten - Der Podcast über Bücher, WDR, 27.01.26
»Khider benötigt nur wenige, prägnante Sätze, um sogleich eine Atmosphäre, eine psychologische Konstellation sichtbar zu machen. Was für eine Geschichte, was für ein Roman.« Marko Martin, Welt am Sonntag, 08.02.26
»Während Gewalt die Welt enger werden lässt, hält Khider eine fragile Hoffnung auf den Flügeln der Tauben lebendig. Eine Parabel über Verlust und Erwachsenwerden, über Sinnsuche und stillen Widerstand.« Barbara Seidl-Reutz, Buchkultur, 13.02.26
»Ein großer Roman. Gerade in seiner Einfachheit, dem Knappen, Unpathetischen liegt das Herzzerreißende.« Carsten Hueck, Deutschlandfunk, Büchermarkt, 10.02.26
»Die kurzen Kapitel zeigen Khiders poetische, und vor allem leichte, humorvolle, witzige Seite, die sein Schreiben auszeichnet. Eine poetische Verteidigungsschrift der Freiheit gegen den Terror.« Terry Albrecht, WDR, Westart, 28.01.26
»Khiders Romane lebten immer schon von seiner Fabulierkunst und seinem Humor. Ohne Ironie, subversive Antihelden und sprachliche Verspieltheit kommt auch dieser erneut beeindruckende Khider-Roman nicht aus.« Katrin Krämer, NDR, Neue Bücher, 26.01.26
»Abbas Khider macht Tauben zum Symbol für die Freiheit und zum Trost für Menschen in einer Zwangsherrschaft. Packend und schockierend.« Die Presse am Sonntag, 08.02.26
»Ein wunderbares Buch, das von einer leider universalen Erfahrung erzählt: Wie geht man damit um, wenn die Freiheiten weniger werden?« Anne-Dore Krohn, rbb, 27.01.26
»Satirisch und melancholisch beschreibt Abbas Khider eine Gesellschaft mit begrenzter Freiheit. Er porträtiert sorgfältig die Menschen, deren Mut wächst, wenn sie Gleichgesinnte finden.« Cornelia Geissler, Berliner Zeitung, 24.01.26

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Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

27.01.2026

Verlag

Carl Hanser

Seitenzahl

216

Maße (L/B/H)

20,6/13,2/2,1 cm

Gewicht

304 g

Farbe

Khaki

Auflage

2

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-446-28222-3

Herstelleradresse

Carl Hanser Verlag
Vilshofener Straße 10
81679 München
DE

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  • seitenmusik

    5/5

    09.05.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein Sommer, der den Himmel verändert

    „Dieser Sommer hat den Himmel gestohlen.” (Seite 211, E-Book) „Der letzte Sommer der Tauben“ von Abbas Khider ist am 27.01.2026 bei Hanser Verlag erschienen und umfasst 216 Seiten. Der Roman erzählt von Noah, einem vierzehnjährigen Jungen und leidenschaftlichen Taubenzüchter, dessen Alltag sich radikal verändert, als ein islamistisches Kalifat die Kontrolle über seine Heimat übernimmt. Während über der Stadt Hubschrauber kreisen und neue Regeln das Leben bestimmen, versucht Noah, an den kleinen Freiheiten seiner Kindheit festzuhalten – allen voran an seinen Tauben. Meine Meinung Wow. Dieses Buch hat mich wirklich kalt erwischt. Abbas Khider schafft es, eine Geschichte zu erzählen, die gleichzeitig leise und brutal ist. Der Schauplatz bleibt unbenannt, wirkt aber wie ein Spiegel vieler autoritärer Systeme und genau das macht den Roman so universell und erschreckend aktuell. Die Mischung aus poetischer Sprache, feinem Humor und einer allgegenwärtigen Bedrohung, die sich langsam in jede Alltagsszene einschleicht fand ich wirklich gelungen. Die Tauben sind dabei weit mehr als nur ein Hobby des Protagonisten. Sie werden zum Symbol für Freiheit, Gemeinschaft und Hoffnung. Einer meiner liebsten Sätze war deshalb: „Was vergangen ist, lässt sich nicht zurückholen. Nur die Tauben finden immer wieder heim. Sie sind mein Erbe“ (S. 37) Khider beschreibt erschütternde Entwicklungen mit einer beinahe nüchternen Klarheit, die umso mehr unter die Haut geht. Besonders die Szenen rund um die zunehmende Radikalisierung junger Menschen fand ich schwer erträglich: „Die Mudschahedin verstehen es, junge Menschen für sich einzunehmen. Sie bieten Gemeinschaft, klare Rollen, viele können dem nicht widerstehen.“ (S. 159) Bei all dem Grauen verliert das Buch nie seine Menschlichkeit. Zwischen all der Gewalt gibt es immer wieder Momente voller Wärme, Freundschaft und Sehnsucht nach Freiheit. Und auch die Figuren sind sehr warmherzig gezeichnet, sodass man voll in die Geschichte eintauchen und mitfühlen kann. Was mich besonders begeistert hat, ist Khiders Fähigkeit, politische Gewalt nicht als etwas Abstraktes, sondern über persönliche Verluste spürbar zu machen. Der Roman zeigt, wie ein totalitäres System langsam Familien, Freundschaften und Träume verändert. Gleichzeitig bleibt Noahs Perspektive erstaunlich sensibel und beobachtend. Fazit „Der letzte Sommer der Tauben“ ist ein intensiver, kluger und sprachlich wunderschöner Roman über Freiheit, Macht und Menschlichkeit. Für alle, die literarische Gegenwartsliteratur mit politischer Tiefe mögen, starke Bilder lieben und Geschichten schätzen, die weh tun, ohne hoffnungslos zu werden. Nichts für Leser:innen, die eine schnelle oder leichte Handlung erwarten. Vielen Dank an den Hanser Verlag & netgalley.de für das digitale Rezensionsexemplar! TW: Das Buch enthält Darstellungen von Gewaltszenen.

  • Aleyna

    aus München

    5/5

    30.04.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wenn selbst der Himmel verboten wird

    Aus der Sicht des 14-jährigen Noah erlebt man, wie sich sein Alltag schleichend verändert. Anfangs wirkt noch vieles normal: seine Tauben, der Blick in den Himmel, ein Gefühl von Freiheit. Doch nach und nach greifen neue Regeln immer tiefer ins Leben ein. Musik verschwindet, Dinge werden verboten, Menschen verändern sich. Dieses langsame Kippen fand ich besonders eindrücklich. Der Stil ist ruhig und schlicht, fast nüchtern. Gerade weil Noah vieles nicht vollständig versteht, wirken die Ereignisse umso stärker. Ohne große Dramatik entsteht eine beklemmende Atmosphäre, die sich immer weiter verdichtet. Die Tauben sind dabei mehr als nur ein Hobby. Sie stehen für Freiheit. Umso härter trifft es, als selbst dieser letzte Rückzugsort bedroht wird. Mich hat vor allem dieser Fokus auf den Übergang berührt: wie Freiheit nicht plötzlich, sondern ganz leise verschwindet. Ein stilles, eindringliches Buch, das nachwirkt.

  • Bewertung

    5/5

    27.04.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Spürbarer Umbruch

    Noah ist vierzehn Jahre alt und züchtet gemeinsam mit seinem Onkel Ali Tauben auf dem Dach. Voller Vergnügen verfolgt Noah, wie sie am Himmel kreisen und in den Schlag zurückkehren. Die Unbeschwertheit gerät ins Kippen, als das Kalifat ausgerufen wird, Helikopter über die Stadt kreisen und das Bild der freien Tauben am Himmel stören. Es folgen neue Regeln: Noahs Vater muss in seinem Bekleidungsgeschäft das Sortiment anpassen, Frauenkörper auf den Produktfotos müssen geschwärzt werden, sein älterer Bruder leitet eine Sicherheitsbehörde und Noahs Mutter und Schwester dürfen ohne männliche Begleitung nicht mehr aus dem Haus. Und dann folgen auch noch Einschränkungen bezüglich der Tauben… Abbas Khider verortet die Geschehnisse in keiner Zeit und an keinem Ort. Doch durch die gewählte Perspektive des 14-jährigen Noahs sind die Veränderungen spürbar, werden aus einer gewissen kindlichen Naivität geschildert und wirken dadurch auf eine besondere Art. Während zunächst fast noch eine Neugier durchscheint, kommen immer mehr Sorge und Unsicherheit, bis hin zu Furcht, zum Tragen. Die Einschränkungen nehmen zu und vor allem die Tauben, die die Symbolik von Freiheit und Unbeschwertheit in sich haben, markieren die deutlichen Einschnitte und die markanten Veränderungen der Familien. Ein bewegender Roman, der die Herrschaftsverhältnisse und die damit einhergehende Gewalt, die herrscht, sehr bewegend und eindringlich erzählt.

  • bookloving

    5/5

    25.04.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wenn Freiheit verboten wird - Eine beklemmende Parabel

    In seinem beeindruckenden neuen Roman Der letzte Sommer der Tauben erzählt Abbas Khider von einer Gesellschaft, die sich unter der sich allmählich ausbreitenden Terrorherrschaft eines islamistischen Kalifats immer weiter verdüstert. Im Mittelpunkt der bedrückenden Geschichte steht der vierzehnjährige Ich Erzähler Noah, der mit seiner Familie in einer Stadt lebt, deren Namen bewusst unerwähnt bleibt. Khider verzichtet bewusst auf konkrete geografische und zeitliche Verortung, wodurch der Roman eine beklemmende Allgemeingültigkeit erhält. Die schleichende Veränderung des Alltags ist nicht auf einen Ort beschränkt, sondern ist universell und könnte in vielen totalitären Diktaturen und fundamentalistischen Regimen geschehen. Noahs größter Stolz ist seine Taubenzucht hoch über den Dächern seiner Stadt. Von diesem kleinen Rückzugsort aus beobachtet er ihren Flug und verbindet mit ihnen ein Gefühl von Schönheit, Ruhe und Weite, symbolisieren diese wunderschönen Vögel doch Freiheit und vertrauensvolle Bindung. Als die neuen islamistischen Machthaber jedoch zunehmend das öffentliche und private Leben streng zu kontrollieren beginnen, gerät seine fragile Welt zunehmend unter Druck und das vertraute Umfeld verwandelt sich in ein System aus Verboten, Angst und wachsender Gewalt. In kurzen, Schlaglicht-artigen Kapiteln werden wir Zeugen eines schleichend um sich greifenden Ausnahmezustands. Jedes für sich genommen eher unspektakulär, entfalten sie dennoch in ihrer Abfolge eine beklemmende Wucht. Khider versteht es hervorragend, die tief in den Alltag eingreifende Ideologie und Veränderungen äußerst anschaulich und nuanciert zu beschreiben. Ob nun das Verschwinden der Musik aus den Cafés, das Verhüllen der Frauen, Schwärzen von Bildern oder das Konfiszieren und Verbrennen von verbotenen Gegenständen - die rigiden Maßnahmen und religiösen Vorschriften dringen Schritt für Schritt bis in die kleinsten Bereiche des Alltagslebens vor. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, werden plötzlich verdächtig oder verboten, so dass sich immer deutlicher die umfassende Umstrukturierung des Lebens offenbart. In eindrücklichen Szenen, in denen das Banale bisweilen ins Groteske kippt, wird die Absurdität der Ideologie ebenso greifbar wie ihre zerstörerische Konsequenz. Um die Brutalität des Systems sichtbar zu machen verzichtet Khider in seiner eindringlich erzählten Geschichte bewusst auf Pathos und dramatische Überhöhung. Der schlichte, prägnant gehaltene Sprachstil passt hervorragend zu der Perspektive des jugendlichen Ich-Erzählers, der vieles zunächst nur bruchstückhaft versteht und viele Vorgänge mit Staunen, Angst und Unverständnis wahrnimmt. Gerade Noahs scheinbare Naivität legt die Widersprüche, Grausamkeiten und Absurditäten der neuen Gegebenheiten umso schonungsloser frei. Gekonnt lässt Khider zudem eine leise, oft bittere Ironie einfließen, die sich vor allem in beiläufigen Bemerkungen und im familiären Miteinander zeigt. Zu den stärksten Charakteren gehört die Figur des widerständigen Onkels Ali, der trotz der Verbote heimlich raucht, trinkt und schreibt. Als ein stiller, ironischer und weiser Gegenpol zu den sich die immer weiter zuspitzenden Verhältnissen erklärt er Noah die politischen Hintergründe und eröffnet ihm durch seine stille oppositionelle Art einen Raum des Denkens und Zweifelns. In ihm verdichtet sich ein widerständiger Rest von Eigenständigkeit in dieser trostlosen Zeit.Khider versteht es, die wachsende Bedrohung nicht über spektakuläre Zuspitzungen, sondern über Verdichtung zu verdeutlichen. Gekonnt zeichnet er ein bedrückendes, aber auch sehr bewegendes Bild davon, was religiöser Fanatismus im Alltag anrichtet. Der Raum, in dem sich Noah bewegen kann, wird Schritt für Schritt enger, das Misstrauen wächst, Beziehungen zerbrechen oder werden von Angst unterwandert. Öffentliche Gewalt wie Verhaftungen, Misshandlungen oder sogar Steinigungen ist keine Ausnahme, sondern logische Konsequenz eines Systems auf, das sich über absolute Deutungshoheit definiert. Geschickt hat der Autor die Tauben als zentrales Motiv seines Romans gewählt. Sie stehen nicht nur für Noahs Leidenschaft, sondern symbolisieren zudem eine Idee von Freiheit, die sich dem Zugriff der Macht und Kontrolle zunächst entziehen kann. Als sogar das Taubenzüchten schließlich verboten wird und der Himmel selbst zum verdächtigen Raum deklariert wird, fällt schließlich auch der letzte Rückzugsort. Eindrucksvoll führt Khider uns hierbei vor Augen, dass eine Herrschaft, die den freien Flug fürchtet, letztlich jede Form von Autonomie fürchtet und unterdrücken will. Ein beklemmender Ausklang angesichts von Noahs fatalen, unwiederbringlichen Verlusts und seiner äußerst ungewissen Zukunft, aber auch ein kleiner hoffnungsvoller Ausblick, dass sich ein kleiner Rest Widerstand gegen eine vollständige Unterwerfung regt. FAZIT Ein beeindruckender, leiser Roman, der mit großer Eindringlichkeit vom Alltag unter religiösem Fanatismus und schwindender Freiheit erzählt.. Es ist ein ebenso beklemmender wie berührender Roman, der lange nachwirkt! Sehr lesenswert!

  • Bewertung

    aus Hamburg

    5/5

    25.04.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Die Freiheit der Tauben

    Auf dem Dach züchtet der vierzehnjährige Noah Tauben. Gemeinsam mit seinem Onkel Ali kümmert er sich um den Schlag, und jede der Tauben trägt einen Namen: Regenbogen, Tänzer oder Schneeweiß. Noch kreisen sie ruhig über der Stadt – bis der Lärm der Helikopter die Idylle zerschneidet. So beginnt Abbas Khiders neuer Roman. Mit der Ausrufung des Kalifats gerät Noahs Welt aus den Fugen. Für seine Familie hat das unmittelbare Folgen: Die bunten Kleider aus dem Geschäft seines Vaters müssen Niqabs weichen, auf Verpackungen werden weibliche Figuren geschwärzt und schließlich werden die nicht mehr tolerierten modischen Kleidungsstücke öffentlich verbrannt. Noch stärker treffen die neuen Regeln die Frauen. Sie müssen sich vollständig verhüllen, dürfen ihre Berufe – mit wenigen Ausnahmen – nicht mehr ausüben und das Haus nur noch in Begleitung verlassen. Mädchen werden zwangsverheiratet und über allem wachen die neuen Machthaber. Mit dem vierzehnjährigen Noah hat Abbas Khider eine sehr passende Erzählerfigur gewählt. Noah ist jung genug, um noch nicht von festen Überzeugungen geprägt zu sein, aber alt genug, um die Veränderungen um ihn herum wahrzunehmen und zu hinterfragen. Als Junge kann er sich trotz aller Einschränkungen noch vergleichsweise frei bewegen – und wird so zum stillen Beobachter der Veränderungen. Gerade dieser Blick von der Schwelle zum Erwachsenwerden funktioniert hier besonders gut. Innerhalb der Familie zeigen sich unterschiedliche Reaktionen auf das zunehmend totalitäre Regime – Anpassung, leiser Widerstand oder Resignation –, ohne dass der Roman diese Haltungen ausdrücklich bewertet. Im Laufe der Handlung verliert Noah nach und nach seine kindliche Naivität. Besonders eindrücklich wird das in Szenen wie der, in der er ein Manuskript seines Onkels versteckt, oder später, als ihn sein Vater zwingt, einen Meineid auf den Koran abzulegen. In solchen Momenten wird deutlich, wie Noah den wenigen Handlungsspielraum nutzt und eigene Entscheidungen trifft. Der Stil passt gut zu dieser Perspektive. Die vielen kurzen Kapitel wirken fast wie Tagebucheinträge oder Momentaufnahmen einzelner Tage. Gleichzeitig ist Khiders Sprache sehr poetisch und stark bildhaft. Besonders in den Passagen über die Tauben entstehen ruhige, fast lyrische Bilder, die einen starken Kontrast zur zunehmenden Brutalität des Regimes bilden. Gerade dieser Gegensatz verstärkt die Wirkung vieler Szenen. Auffällig ist außerdem, dass der Schauplatz bewusst unbestimmt bleibt. Es geht weniger um ein konkretes Land als um die Mechanismen eines religiös legitimierten totalitären Regimes. Auf gut 200 Seiten zeigt Khider, wie eine solche Herrschaft Familien, Nachbarschaften und schließlich ganze Gesellschaften verändern und zerstören kann. Der Ton bleibt dabei meist nüchtern und beobachtend – wodurch die Gewalt der Ereignisse umso eindringlicher wirkt. Bis zu einem gewissen Punkt – vor allem in den Szenen mit Onkel Ali – wirkt der Ton sogar etwas leichter und stellenweise humorvoll. Spätestens bei den öffentlichen Bestrafungsszenen kippt die Stimmung jedoch deutlich. Sehr gelungen ist das offene Ende. Es bleibt unklar, ob Noah einfach an einer Hoffnung festhält oder ob sich tatsächlich eine Veränderung abzeichnet. Beides bleibt möglich – und gerade diese Ambivalenz macht den Schluss so überzeugend.

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