Nach 'Content' der neue Roman von Elias Hirschl - 'Ein großer Ideenroman von einem der beglückendsten Autoren der Gegenwart.' Clemens J. Setz
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In Otto Mandl, einem genialen Mathematiker, findet die junge Franziska ihren Seelenverwandten. Sie lernt, sich mit Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden zu immunisieren. Die beiden entwickeln eine absolute Sprachbesessenheit und forschen fortan und bis an alle denkbaren Grenzen gemeinsam nach der perfekten Sprache.
'Schleifen' ist ein großer, ein kluger Roman über die Macht und den Einfluss von Sprache auf unser Leben, der richtig Spaß macht beim Lesen. Immer wieder stellt sich bei Elias Hirschl das schier Unglaubliche als wahr heraus, und der Rest ist extrem gut erfunden.
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Jedes Wort ein Symptom
galaxaura (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 09.02.2026
Bewertungsnummer: 3041200
Bewertet: eBook (ePUB)
Jedes Wort ein Symptom
„Schleifen“, der neue Roman von Elias Hirschl, erschienen 2026 im Paul Zsolnay Verlag, ist ein Buch, für das ich ganz sicher nicht die richtigen Worte finden werde – und irgendwie ist das sehr passend. Was für ein Autor! Wie konnte ich ihn bisher komplett übersehen? Ich muss jetzt unbedingt alles von ihm lesen. So viel sei direkt gesagt: „Schleifen“ ist kein Buch, dass man mal eben nebenher liest, hier liegt ein unglaublich intelligenter Roman vor, der mit jeder Seite noch intelligenter wird, ich würde schon sagen, es ist ein Intellektuellen-Roman, zumindest sollte die lesende Person sich darauf einlassen, eine ganz neue Liebe zur Linguistik zu entdecken – aber da Hirschl auch einen wirklich großartigen Humor hat, ist das Buch zu keinem Zeitpunkt anstrengend. Nur ohne Liebe zur Sprache und Bock auf Gedankenakrobatik geht es nicht.
Zum Inhalt – hahaha, nein, es tut mir leid, das ist wirklich nicht möglich, den Inhalt auch nur im Ansatz wiederzugeben, zu genial ist die Welt, die sich Elias Hirschl hier ausgedacht hat. Formal besteht das Buch aus drei Teilen, Schleifen (um die geht es viel), Wodot (oh ja, darum geht es auch viel) und Jim Blum (um diese Person geht es quasi unendlich viel). Innerhalb dieser Teile erleben wir wohl alle möglichen Textformen wie beispielsweise Brief, Essay, Vortrag, Reportage, Fußnoten, Roman – ja richtig gehört, natürlich schreibt Hirschl auch einen Roman im Roman, wie er auch eine kafkaeske Geschichte über Kafka schreibt, mit der er Kafka natürlich dekonstruiert, um ihn zeitgleich neu zu erschaffen, ach, ihr merkt schon.
Es geht um Sprache. Es geht um Mathematik. Es geht um die Frage, ob Sprache eigentlich mathematisch ist. Oder unendlich? Ist die Unendlichkeit endlich? Wenn wir sie doch nur mit Worten beschreiben können? Und was hat das alles mit einem Hamster zu tun?
Eigentlich geht es um Franziska Denk. Sie bekommt alle Krankheiten, mit denen sie sprachlich konfrontiert wird. Natürlich nicht wirklich, symptomatisch aber schon. Es geht um die Macht von Sprache und wie sie uns ermächtigt. Oder wie wir Macht über die Sprache erlangen können. Es geht um die Frage, wie sehr Sprache unsere Welt konturiert und gestaltet, während wir noch denken, dass sie nur das Abbild der Welt wäre. Es geht um Plansprachen, so ein spannendes Thema! Und ihre Unmöglichkeit. Es geht auch um die vielen großen Denker wie Gödel oder Wittgenstein, es geht um den Salon, es geht um Frauen in der Wissenschaft, es geht um Liebe und um Wahnsinn, immer wieder geht es um Babel, es geht irgendwie auch um die große Sehnsucht, mit der Sprache ein gemeinsames Wir zu formen auf der Welt, es geht um Identität. Es geht vielleicht ganz einfach um den Irrsinn, diese Welt begreifen und beschreiben zu wollen, auch wenn die Welt viel größer ist als der Mensch, weshalb der Versuch nur scheitern kann.
Das alles geschieht natürlich eingebettet in das Leben von Franziska Denk, die in Otto Mandl, dem Mathematiker, ihr scheinbares Gegenstück findet und eine Art Sekte gründet, die wie alle Sekten nichts Geringeres anstrebt als die Weltherrschaft – durch Sprache. Und es liest sich so unglaublich herrlich! Hirschl muss einen enormen Rechercheaufwand betrieben haben – oder er ist einfach einer dieser Menschen, die unfassbar viel wissen. Gekonnt mixt er durchweg historische mit fiktiven Persönlichkeiten und letztere stattet er so plausibel mit Vita aus, dass es kaum möglich ist, Fakten und Fiktion zu trennen. Dabei zieht auch sein Schreiben immer wildere Schleifen, die man einfach nicht mehr verlassen kann und selten habe ich bei einem Roman voller Wissenschaft so oft laut aufgelacht. Am Ende des Romans war ich mir nicht mehr sicher, ob ich jemals wieder einen Satz gerade rausbringen kann – aber sind wir nicht alle ein bisschen Jim Blum?
Ich gebe es jetzt auf, dieses Buch, das ein ganzer Kosmos ist, beschreiben zu wollen. IHR MÜSST DAS LESEN. An diesem Buch führt kein Weg vorbei. Möge es Preise regnen für Elias Hirschl.
Ein Meisterwerk über Sprache und Wahrnehmung
Bewertung am 09.02.2026
Bewertungsnummer: 3040476
Bewertet: eBook (ePUB)
Ich kannte Elias Hirschl vorher nicht und war anfangs mit dem Buch etwas überfordert. Man muss sich stark konzentrieren und manchmal recherchieren, um den komplexen Bezügen zu Mathematik, Philosophie und Wissenschaft zu folgen. Doch ab einem gewissen Punkt hat mich die Geschichte gefesselt.
Die Idee, dass Franziska Denk jede Krankheit körperlich spürt, von der sie hört, ist faszinierend und beklemmend zugleich. Zusammen mit Otto Mandl entwickelt sie eine eigene Sprache, um sich und die Welt zu ordnen. Hirschl verbindet historische Bezüge zum Wiener Kreis, Mathematik, Philosophie und utopische Sprachideen auf interessante Weise.
Der Roman ist anspruchsvoll, dicht erzählt und voller skurriler Anekdoten, Fußnoten und gedanklicher Experimente. Trotzdem bleibt er poetisch, witzig und emotional berührend. Schleifen ist kein leichtes Buch, aber wer sich darauf einlässt, erlebt ein außergewöhnliches Werk, das lange nachwirkt und sowohl intellektuell als auch emotional beeindruckt.
Meinung aus der Buchhandlung
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Zu den Fallen der Philosophie, aber auch zu denen der Literatur gehört die Annahme, dass die Sprache das Haus des Seins wäre. Elias Hirschl begibt sich in seinem neuen Roman „Schleifen“ in jenes Haus, das unsere Wirklichkeit sein soll, und spielt die These einer wirklichkeitserzeugenden Sprache durch. In diesem Haus, das wir als LeserInnen betreten, finden wir uns in ein Geflecht aus Mathematik, Philosophie, Medizin, Linguistik und Psychoanalyse wieder, in das wir uns verstrickt sehen. Diese Sprachvermessenheit erzeugt spielerische Verschwörungen und Dystopien. Es bleibt die Frage, ob wir in diese Falle gehen wollen, die sich unser Denken selbst stellt.
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Das Buch ist ein Geschenk - wegen der Idee, oder besser den unzähligen Ideen, den schrägen Figuren, überraschenden Konstellationen, ein wildes Hin und Her aus und über Sprache und Form, mit gefühlt hunderten Verweisen und eingeschobenen, miteinander verwobenen Geschichten, ein überkochendes Dahinphilosophieren; eine Handlung gibt es auch, ja, vielleicht, oder verebbt oder ist auch ein paar Seiten später nicht mehr wichtig, ein Buch in dem man gerne verlorengeht und sich wiederfindet irgendwo…wer das aushält ist hier gut aufgehoben.
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