Eine der aufregendsten neuen Stimmen aus Schweden: 'Sanna Samuelssons zärtliche Geschichte über Zugehörigkeit - was für ein Debüt.' Svenska Dagbladet
Als ihre Freundin Diana sich von ihr trennt, setzt Ellen sich kurzerhand ins Auto und fährt raus aus der Stadt, auf den Hof, auf dem sie aufgewachsen ist. Es ist Sommer, die neuen Besitzer scheinen verreist, doch der Schlüssel ist im selben Versteck wie früher. Ellen verschafft sich Zutritt zum Haus, streift umher, legt sich in ihr altes Zimmer - und bleibt. Wer sagt eigentlich, dass dieser Ort nicht mehr ihr gehört? Die Kühe sind verkauft, aber sie schmeckt die Milch wie damals, der Mistgeruch hängt ihr in der Nase, sie spürt die Wärme der Tierkörper. Dann taucht Max auf, der Freund aus Kindertagen, der nie weggezogen ist. Das Debüt einer der aufregendsten neuen Stimmen aus Schweden: Wer ist man, wenn es die Welt, aus der man kommt, nicht mehr gibt?
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Sehr besonders
Bewertung am 06.04.2026
Bewertungsnummer: 3101260
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Im Buch geht es um Hauptprotagonistin Ellen, die zurück in ihre Heimat am Land geht, nachdem sich ihre Freundin Diana von ihr trennt. Was mir von Anfang an gut gefallen hat, war, dass auch als die Zeit in der Stadt oder allgemein die Gedanken von Ellen letzen Endes meistens auf ihre Kindheit auf dem Bauerhof zurückgeführt wurden. Dadurch schafft es die Autorin, die Leserinnen und Leser direkt in den Kopf der Hauptcharakterin zu bringen, geprägt von Spuren ihrer Vergangenheit in der Natur.
Ich mochte das Buch, wenngleich es definitiv keine gewöhnliche Literatur ist und man sich erst einfinden muss. Es ist sehr persönlich und man kann sich auf jeden Fall leichter einfinden, wenn man ähnlich aufgewachsen ist.
Ich kann die Geschichte an jede/n weiterempfehlen, der offen für eine neue Welt ist, aber vorallem an die Menschen, die am Land aufgewachsen sind, die vielleicht ein Stück Heimat und Geborgenheit darin finden!
Alles auf Anfang
Katrin aus Kiel am 03.04.2026
Bewertungsnummer: 3098962
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Nach der Trennung von ihrer Freundin Diana flieht Ellen aus der Großstadt zurück aufs Land, direkt nach der Arbeit fährt sie los und landet auf dem ehemaligen Hof ihrer Eltern. Die neuen Besitzer:innen sind im Urlaub, der Schlüssel liegt noch dort, wo er immer lag. Ohne Nachzudenken zieht sie in ihr ehemaliges Kinderzimmer und wird gedanklich in ihre Kindheit zurückgeworfen. Dann taucht auch noch Max auf, der Nachbarsohn, der im Gegensatz zu ihr geblieben ist. In Erinnerungsfragmenten und sachlichen Einschüben erzählt die Autorin vom Aufwachsen auf dem Land, vom Gefühl, nie richtig zu sein, vom Niedergang der Kleinbauern und den klimatischen Veränderungen, die von Menschen aus städtischen Umgebungen leichter ignoriert werden können. Es ist ein poetischer Text, der es mithilfe einer sinnlichen Sprache schafft, uns Lesenden das Gefühl zu geben, mit dabei zu sein. Die beschriebene Natur wirkt wie ein weiterer Charakter, sie flimmert, atmet und drückt auf eine Weise, die im Gedächtnis bleibt. Es ist auch ein sehr körperlicher Roman, der das Landleben und die Spuren, die es hinterlässt, wie unter dem Brennglas betrachtet und gleichzeitig fragt, wer man sein kann, wenn man aus einer untergegangenen Welt stammt. Sanna Samuelssons Debüt hat mich ganz unerwartet überrascht und begeistert.
Meinung aus der Buchhandlung
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Ellen trennt sich von Diana. Daraufhin versucht Diana Zuflicht und Halt in ihrem alten Familienhaus zu finden – doch was passiert, wenn es Diana zurück in einen Strudel der heteronormativen Welt am Land zieht, in der sie aufgewachsen ist. Kann sie sich selbst festpflanzen? Wird dann alles einfacher? Und wo genau, was genau, ist dieses Zuhause, in dem sie Halt zu finden versucht?
In Sanna Samuelssons Debütroman „Melken”, der von Stefan Pluschkat aus dem Schwedischen für den Hanser Verlag ins Deutsche übersetzt wurde, geht es genau um diese Fragen. Poetisch wie klar schafft die Autorin Bilder und Kulissen der Landschaft, schreibt schlicht und schafft genau mit diesem ihrem eigenen Ton eine solche Schicht an Erzähltem. Auf knapp 150 Seiten wirft dieser Roman Fragen und Überlegungen auf, die weit darüber hinausgehen und lange in Erinnerung bleiben.
„Niemand wusste etwas, niemand konnte etwas wissen, alles war bedeutungslos, eigentlich.“
Bereits das Cover lädt ein, genauer hinzusehen. Es zeigt einen Ausschnitt einer Person, doch nicht sie selbst, wird von blinden Flecken bedeckt, hinter die es nicht zu schauen gilt. Wie der Titel schon vermerkt, arbeitet Samuelsson in ihrem Buch um die Sphären von Landwirtschaft, den Begrifflichkeiten von „Nutz“tieren und Kühen, zieht mit diesen Parallelen zum Kapitalismus und Heteronormativität. Diana fährt also zurück zu ihrem Familienhaus, in dem sie geboren wurde, aufwuchs. Ein Haus mit Hof, ein Familienbetrieb mit Landwirtschaft, mit Milchproduktion war hier einst Vorort. Nun aber sind ihre Eltern längst woanders, ein neues Paar lebt darin, ist auf Urlaub und Diana findet den Ersatzschlüssel genau an der gleichen Stelle wie schon damals. Sie nistet sich ein in einem Heim, dass fremder nicht sein kann und doch hofft sie, nun ja, was eigentlich? Sie musste raus aus der Stadt, weg von Ellen und folgte ihrem Drang, ihrem Gefühl. Angekommen muss sie sich nun mit sich selbst und dem Zuhause, welches dieser Ort einst war, auseinandersetzten.
„Nach einigen Stunden gab die Kuh auf. Das tun sie immer. Sie trotten zurück zu den andern, verschwand in der Herde. Kühe sind grausam, weil sie vergessen. Vielleicht verstummen sie auch nur.“
Samuelsson beschäftigt sich mit der Norm der Heterosexualität, ihren Platz als Frau, wie dieses ihr Aufwachsen prägte und der Ton von damals noch immer Laut zu hören ist. Der Klang, Scham. Als der Nachbarsjunge von früher, Max, bei ihr Auftaucht, scheint vieles in Diana ins Wanken zu kommen. Auch schreibt sie über das Arbeiten auf einer Landwirtschaft, was dieses Menschen alles abverlangt und kaum etwas davon überbleibt, außer Müdigkeit, Finanznot und die ständige, allumfassende Care-Arbeit, die diese mit sich bringt. Mit Bedacht und Sanftheit wird sich um Tiere gekümmert, hier dürfen Emotionen gezeigt werden, hier ist Intimität erlaubt.
„Wo damals Leben pulsiert hatte, war jetzt alles still. Eines Tages wird hier ein Wald sein. Aus dem Unkraut wird Buschwerk wachsen, dann Bäume, die Bäume werden einen Wald bilden, der sich über den gesamten Kontinent ausbreitet.“
Ein umwerfendes Debüt, dass über Grenzen hinausgeht und Sprache einen neuen Raum bietet. Ich kann „Melken“ nur empfehlen; besonders, wenn nach poetischer, literarischer Fiktion gefragt wird und auch queeren (und vegan lebenden) Menschen, die abseits der Stadt aufgewachsen sind, kann dieses Werk sicher viel geben.
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"Melken" von Sanna Samuelsson, übersetzt von Stefan Pluschkat, ist ein wirklich interessanter Roman, der sich viel mit Landwirtschaft auseinandersetzt. Als Diana sich von Ellen trennt, kracht für sie eine Welt zusammen. Kurzerhand setzt sie sich ins Auto und fährt zu dem Hof ihrer Eltern, den sie leer vorfindet. Keiner da und für Ellen beginnt eine Zeit der Aufarbeitung. Man bekommt Einblick in das harte Leben eines Bauern/einer Bäuerin. Kein Urlaub, keine Rast, nur Arbeit. Die junge Frau beginnt, ihre gescheiterte Beziehung zu hinterfragen, und auch als sie ihren alten Kindheitsfreund und Verbündeten Max trifft, lässt sie ihr Leben Revue passieren.
Vor allem sprachlich hat mir der Roman sehr gut gefallen. Er war sehr poetisch auf eine nicht zu hochgestochene Art, die ich als sehr angenehm wahrgenommen habe. Mein Herz hat immer ein wenig geblutet, als es um die Kühe und die Milchindustrie ging.
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