Iris ist Schriftstellerin, sie ist viel auf Reisen, in Europa und darüber hinaus. Es sind Momente des Einverständnisses, die sie in den Begegnungen findet, die sie dabei macht. Momente der Bekräftigung in einem Leben, das sich oft am Rand der Erschöpfung bewegt. Wieder zu Hause berichtet sie von diesen Reisen, und Anton hört ihr zu und zeigt Iris seinerseits die Fotos, die er als Künstler mit schadhaften Kameras macht. Ihre Beziehung zu Anton (wie zu anderen Männern) gründet auf Abmachungen. Sie teilen vieles, auch die Lust am sexuellen Spiel mit Gewalt und Unterwerfung. Während sich Iris‘ Fantasie an der Geschichte der Hexenprozesse zu entzünden beginnt, drängen Erinnerungen aus ihrer Kindheit immer stärker an die Oberfläche. Bis schließlich ihr Arrangement mit Anton eine tiefe Erschütterung erfährt.
Kundinnen und Kunden meinen
2.7/5.0
Jürg K.
4/5
19.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Begehren und Macht
Man liest hier ein Buch, das nicht laut wird, aber tief eindringt. Iris lebt in einer Welt, die sie selbst erschafft und zugleich kaum erträgt. Reisen, Begegnungen, Momente des Einverständnisses, die wie kleine Inseln im Meer der Erschöpfung treiben. Wieder zu Hause berichtet sie von diesen Reisen, und Anton hört ihr zu und zeigt Iris seinerseits die Fotos, die er als Künstler mit schadhaften Kameras macht. Wunderbar geschildert wird die Beziehung zu Anton. Sie ist kein romantischer Zufluchtsort, sondern ein Arrangement, ein Gefüge aus Regeln, Rollen, Macht. Aber unter dieser Oberfläche lauert etwas Dunkles, etwas, das Iris’ Fantasie nährt und zugleich bedroht. Die Hexenprozesse, die sie zu faszinieren beginnen, wirken wie ein Spiegel. Frauen, deren Stimmen verdreht wurden, deren Körper kontrolliert wurden, deren Geschichten ausgelöscht wurden. Man spürt, wie Iris sich darin wiederfindet und wie gefährlich diese Identifikation werden kann. Die Kindheitserinnerungen, die sich immer stärker vordrängen, haben mich besonders erschüttert. Laura Freudenthaler schreibt diese inneren Brüche mit einer Präzision, die fast körperlich spürbar ist. Dies ist ein Roman über Selbstverlust und Selbstbehauptung, über Begehren und Macht, über die Frage, wie viel von uns wirklich uns selbst gehört. Ein Buch, das nicht erklärt, sondern offenlegt. Und das lange nachhallt, wie ein Schmerz, der zugleich Erkenntnis ist. Sehr empfehlenswert.
MarieOn
3/5
19.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schwer zugänglich
Iris erzählt Anton von ihren Reisen. Wen sie getroffen hat, welche Eindrücke Menschen und Orte bei ihr hinterlassen haben. Sie ist Schriftstellerin und stellt ihre vielfach übersetzten Bücher europaweit vor. Anton erstellt kunstvolle Fotografien, immer mit defekten Kameras. Auf den Fotos findet sich ein Riss, der sich durch das Motiv zieht, andere sind überbelichtet. Er bereitet sich auf eine große Ausstellung vor. Iris und Anton sind ein unkonventionelles Paar. Ihre körperlichen Spielarten geben der offenen Beziehung die nötige Würze. Iris findet Spaß an der Unterwerfung, Anton am Führen. Trotz der, manchmal langen, Entfernung verbindet sie das gegenseitige Interesse. Iris interessiert sich für Hexenprozesse, sie stellt regelrechte Forschungen an. Die Art der Vorgehensweisen der Gewalt interessiert sie ebenso wie die Logik der Inquisition: „Geht die in den Fluss geworfene, an Armen und Beinen gefesselte Frau unter, ist sie unschuldig, schwimmt sie oben, ist sie besessen“.
Fazit: Ich mache es kurz!
Die vielfach ausgezeichnete Autorin mehrerer Bücher hat mich überfordert. Obwohl ich mich bis zum Ende durch die Erzählung gezwungen habe, blieb mir der Sinn verborgen. Ich glaube, es geht um Intimität, die echte Nähe, die mich den anderen erkennen lässt, der sich mir vertrauensvoll und selbstsicher zeigen mag. Die echte Nähe, die ich selbst zulasse, weil ich mich dem anderen vertrauensvoll hingeben kann. Bei Iris und Anton gibt es an einer Stelle einen Riss, der eine Distanz hereinlässt und dann ist nichts mehr, wie es scheint. Ein Unwohlsein stellt sich ein. Der Blick schärft sich und deckt unschöne Flecken auf. Der andere bemerkt das und fühlt sich nicht mehr so frei, in seinem sich zeigen und geht ebenfalls auf Distanz. So weit, so gut, wenn es so wäre, wie ich es interpretiere, könnte das eine feine Erzählung sein. Allerdings wurde meine Lesefreude getrübt, weil ich mir den Text hart erarbeiten musste. Die Autorin schreibt ohne Punkt und Absatz. Zeichen für wörtliche Rede gibt es nicht. In einem Rutsch sitzt Iris neben Anton am Tisch und erzählt, dann sitzt sie im Zug nach Posemuckel und spricht mit einer Freundin oder auch nicht? Denn sie hat ja gar kein Mobiltelefon. Vielleicht ist hier ein expressionistisches literarisches Kunstwerk entstanden, das ich nicht erkennen kann, weil mir die Erfahrung und damit der Zugang fehlt. Und so bin ich fast traurig, dass ich das Buch nun nach meiner Prämisse bewerten muss, denn schreiben kann Laura Freudenthaler definitiv.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
1/5
18.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Buch leider abgebrochen: Unzugänglich und verwirrend
Inhaltlich hatte mich der Klappentext des Romans “Iris” von Laura Freudenthaler eigentlich direkt angesprochen. Im Nachhinein wäre es jedoch hilfreicher gewesen, ich hätte vorher eine Leseprobe dazu anschauen können – denn unerwartet ist dies eines der wenigen Bücher, die ich leider abbrechen musste.
Nach etwa einem Drittel des Buches hatte ich immer noch keine Ahnung, was die Autorin mir damit sagen möchte.
Der Schreibstil ist für mich leider absolut unzugänglich, verwirrende und endlos lange Sätze.
Ich konnte inhaltlich überhaupt nichts damit anfangen. Das passiert selten, bei diesem Buch ist es leider der Fall.
Dennoch vielen Dank an den Jung und Jung Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!
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5/5
08.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was für ein Buch!
Laura Freudenthalers Buch "Iris" hat mich vollkommen umgeworfen, in der besten Art und Weise. Alleine Freudenthalers Anwendung von Sprache, die vollkommene Flüssigkeit, in der die Geschichte förmlich zerfließt, kein Punkt nur Komma und weiter zum nächsten Kapitel. Lesenden wird der Roman in Szenen geschildert und für mich offenbarte sich ein völlig neues Leseerlebnis. Richtig toll, spannend, fesselnd! Zu Beginn war ich noch etwas skeptisch und musste immer wieder zu vorigen Zeilen zurück aber nach und nach bin ich eingetaucht und wollte nur mehr weiter, weiter, weiter schwimmen.
In "Iris" erzählt die Schriftstellerin Iris von ihrem Leben, ihren Reisen, Freund*innen, Liebehaber*innen und lebt all dieses in vollen Zügen aus. Die Emotionen werden unverschönt niedergeschrieben, Iris lebt ihre Lust in all ihren Farben aus, beinahe alle Charaktere fand ich eher ziemlich unsympathisch, doch das tat dem Buch absolut nichts an, womit für mich oft klar ist, das ist ein Buch, welches ich nicht mehr missen möchte. Auch der fliesende Miteinbezug der europäischen Hexenprozesse gelingt nahtlos und liest sich so stimmig in die Geschichte ein.
Es wird angegeben, dass Freudenthaler sich hiermit in den feministischen Kanon neben Jelinek, Bachmann und Co. einordnet und ich kann dieses genau so unterzeichnen.
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