Lüneburg um 1300. Die junge Agnes leidet unter den Machtspielen ihres Vaters, des Fürsten Otto, der entschlossen ist, seine Tochter an einen Adeligen zu verheiraten. Doch Agnes' Liebe gilt der Wissenschaft: Begeistert studiert sie Werke der Naturkunde und Geografie. Sie erstellt Skizzen für eine eigene Darstellung der Welt, eine Karte, in die ihr gesamtes Wissen einfließen soll. Bei ihrer Recherche begegnet sie dem jungen Krämer Liudger, der ihre Leidenschaft teilt und in den sie sich verliebt. Sie plant, mit ihm davonzulaufen, den Standeszwängen zu entfliehen und endlich etwas von der Welt zu sehen, als ihr Vater hinter die Affäre kommt und sie zur Buße für den Rest ihrer Tage ins Heidekloster Ebstorf schickt. Agnes ist verzweifelt, bis sie den großen Wissensschatz des Klosters entdeckt: die Bibliothek. Während ihr Traum zu reisen in unerreichbare Ferne rückt, wächst die Entschlossenheit, ihre Karte fertigzustellen. Ein prunkvolles Dokument, das die Welt als großes Ganzes abbildet - eine Karte, die in die Geschichte eingehen könnte. Wenn es Agnes gelingt, sie zu vollenden ...
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toller historischer Schmöker!
Bewertung aus Oberursel am 11.05.2026
Bewertungsnummer: 3135126
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ein historischer Schmöker, fette 626 Seiten dick, und eine weibliche Heldin? Ich musste zugreifen!
Und gleich vorab: es hat sich gelohnt. Wow, was für ein cooles Buch! Ich habe es in einigen wenigen Tagen und schlaflosen Nächten durchgelesen, es hat mich komplett abgeholt und gefesselt. War einfach mal wieder eine richtig gut erzählte und historisch gut recherchierte Geschichte mit Protagonisten, die ich mir genauso vorstellen konnte. Großes Kino sozusagen.
In der Langversion: Wir starten im Jahr 1291, und wir sind auf der Lüneburg. Die Heldin des Romans ist Agnes, die Tochter des Herzogs, also ein Mädel aus hochwohlgeborenem Hause. Und als eine solche wird sie erzogen, als eine solche soll sie auch strategisch gut verheiratet werden. Allerdings ist Agnes ein sehr wissensdurstiges Mädchen, und ihre Liebe gilt, wie der Klappentext auch schon sagt, eher den Wissenschaften, speziell der Geographie. Selbstverständlich wird sie auch gebildet erzogen – ihr Wissensdurst wird also auch durchaus im Rahmen gefördert; und Agnes’ träumt davon, eine ausführliche Karte der Welt zu erstellen. Diese Weltkarte ist auch so der rote Faden, an dem sich der Roman entlang zieht, denn im Laufe von vielen Jahren und Geschehnissen soll es Agnes tatsächlich auch gelingen, ein solches Meisterwerk nicht nur zu erträumen, sondern auch wahr werden zu lassen (ich denke, das ist soweit klar, wenn man den Klappentext gelesen hat – das sehe ich jetzt nicht als spoilern). Ja, Agnes ist speziell, und das merkt auch ihr Vater, der strenge Welfenherzog relativ zeitnah, denn mit dem Verheiraten wird das nix: der ihr zugedachte politisch Verbündete junge Adlige ist - salopp ausgedrückt – nicht ihr Typ und außerdem verliebt sich Agnes anderweitig :-)
Der Papa tobt, die Tochter sieht sich im Kloster wieder.
Soweit, so gut – oder so schlecht, denn Agnes tut sich anfangs schwer in der Verbannung – bis sie die Klosterbibliothek entdeckt und dort ungeahnte Schätze entdeckt. Und neue Freundschaften schließt.
Ja, im Prinzip haben wir hier eigentlich die Geschichte der besagten Weltkarte, einer mittelalterlichen mappa mundis, und zwar nicht irgendeiner Karte, sondern „der“ mappa mundis; der großen ausführlichen Karte des Kloster Ebstorfs, die so ziemlich alle bis dahin gekannten Dimensionen gesprengt hat. Leider ist diese Karte im zweiten Weltkrieg zerstört worden, aber Reproduktionen davon sind im Kloster noch heute zu sehen, und der Autor hat eine fiktive Entstehungsgeschichte dieses Meisterwerkes in Form dieses historischen Romans geschaffen. Ziemlich cooler Kunstgriff; wir sind als Leser eigentlich immer bei Agnes, ihrem geheimen Liebstem Liudger, ihren Mitschwestern, und den vielen anderen Charakteren, die im Laufe des Romans auftreten, und verfolgen aber, wie im Laufe der Zeit die mappa mundis entsteht, die das gesamte damalige Weltwissen darstellen sollte.
Agnes soll viele Höhen und Tiefen erleben: und auch das ist Programm. Das Rad der Welt dreht sich. Das Rad der Glücksgöttin Fortuna ist unaufhörlich in Bewegung. Mal ist man oben, mal drückt das Schicksal einen nach unten und das Glück scheint weg….aber eines ist sicher, und das ist die Veränderung, und dass sich das Rad immer weiter und immer wieder dreht.
Ja, mich hat wie gesagt das Buch begeistert. Flüssig geschrieben, tolle authentische Charaktere, sehr bildlich geschrieben, ich war sehr gut unterhalten.
Ich hätte hier echt gerne mehr Bilder von der Weltkarte drin gehabt; wir haben hier tatsächlich ein paar dünn gedruckte Ausschnitte drin, aber hm, schade, dass man keine größeren Bilder einfügen konnte (okay, das würde den (preislichen?) Rahmen eines Taschenbuches sprengen, aber ich war jetzt ständig neugierig. Im Anhang hat der Autor ein paar Quellenangaben angegeben, zumindest auf Wikipedia sollte man sich das Werk mal angucken :-) , schon sehr faszinierend.
Generell gibt es noch ein mehrseitiges Glossar und ein interessantes Nachwort, welches zu lesen sich lohnt; der Autor ist Historiker und weiß, wovon er schreibt – und er kann begeistern!
Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter! Mal ein völlig anderes Sujet, eingepackt in eine Abenteuer – und Lovestory, und nebenbei bekommt man noch eine Menge historisches Wissen über das Leben im 13. und 14. Jahrhundert mit.
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