Der Totengräber und der Orden des Teufels
Ein neuer Fall für Leopold von Herzfeldt | Grabschändung und ein bestialischer Mord zwingen den Totengräber zu ermitteln
Ein blutiges Ritual erschüttert das vornehme Wien des Jahres 1896: Bei einer vermeintlich satanistischen Messe wurde eine junge Frau bestialisch ermordet - ihre Kehle durchgeschnitten, Zunge und Herz fehlen. Als Inspektor Leopold von Herzfeldt mit den Ermittlungen beauftragt wird, stößt er auf eine Freimaurer-Loge. Aber hat er es wirklich mit Teufelsanbetung zu tun? Der Totengräber Augustin Rothmayer, empört über eine Grabschändung auf dem Zentralfriedhof, bietet ihm seine Hilfe an. Gemeinsam mit Herzfeldts Verlobter, der scharfsinnigen Reporterin Julia Wolf, und dem aufstrebenden Nervenarzt Dr. Sigmund Freud folgen sie einer Spur, die sie in die Abgründe der Wiener Gesellschaft führt - wo hinter okkulten Ritualen und antisemitischen Geheimbünden eine Ideologie heranwächst, die Jahrzehnte später die Welt ins Verderben stürzen wird.
Oliver Pötzschs perfekt konstruierter Krimi ist für alle Leser, die unerwartetete Wendungen in überzeugender Atmosphäre suchen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bellis-Perennis
aus Wien
5/5
05.07.2026
eBook (ePUB)
Penibel recherchiert und gekonnt erzählt
In seinem 5. Fall für Inspektor Leo von Herzfeldt entführt uns Oliver Pötzsch in das Wien von 1896, in dem sich zahlreiche Verschwörungstheoriker zu okkulten Treffen verabreden. Allerdings bleibt es nicht immer beim lautstarken Geschwafel, sondern so manche Gruppe lässt den Theorien auch Taten folgen.
So wird Leo von Herzfeldt, der aktuell mit seiner Verlobten Julia, beim Begräbnis seines Vaters in Graz weilt, zurück nach Wien beordert. Der Sohn einer adeligen Familie steht unter Verdacht, bei einer gruseligen Séance, eine junge Frau getötet zu haben.
Dass er nun unverzüglich nach Wien reisen muss, um die Ermittlungen aufzunehmen, kommt ihm sogar gelegen, verlangt doch sein Bruder von ihm, die Verlobung mit Julia aufzulösen, ansonsten würde er enterbt. Das Verbrechen, das er nun aufklären soll, betrifft gleich zwei adelige Familien, nämlich jene des weiblichen Opfers und jene des augenscheinlichen Täters, die ihrerseits Verbindungen in höchste Kreise haben, sodass Moritz Stukart, Herzfeldts Vorgesetzter von mehreren Seite bedrängt wird, die Ermittlungen in die jeweils gewünschte Richtung zu lenken. Der mutmaßliche Täter kann nichts dazu sagen, denn er befindet sich in einer Art katatonischen Starre, weshalb man ihn in eine private Anstalt eingewiesen hat.
Neben den Juden geraten auch die verbotenen Freimaurer ins Visier der Ermittler, denn der Leichnam der Frau ist mit obskuren Zeichen versehen, die man den Freimaurern zuordnet.
Herzfeldt ist für den komplexen Kriminalfall fast dankbar, lenkt er ihn doch von seinen privaten Problemen ab, verschweigt er doch seiner Julia bislang das Ultimatum seines Bruders.
Julia, nunmehr Journalistin, soll ein Porträt des noch jungen und unbekannten Sigmund Freud schreiben und überredet ihn, sich des vermeintlichen Mörders anzunehmen. Die angewendete Hypnose gerät zu einem Desaster.
Zwischen all den Intrigen, die gegen Stukart und Herzfeldt geschmiedet werden und eine Abberufung beider zur Folge haben, echauffiert sich Totengräber Augustin Rothmayer über das geschändete Grab von Beethoven.
Beinahe gleichzeitig erschüttert ein Anschlag auf Vize-Bürgermeister Karl Lueger, einem eingefleischten Antisemiten, der auch im Jahre 2026 wegen seines Denkmals am Lueger-Platz noch von sich reden macht, die Stadt. Lueger ist mit seinem Antisemitismus nicht allein, denn gegen Juden wird schon seit Jahrhunderten gehetzt. Dieses Attentat wird den diversen Anarchisten, die im Vielvölkerreich ihr Unwesen treiben, zugeschrieben, die, was noch verborgen bleibt, einen weitaus größeren Anschlag planen.
Meine Meinung:
Auch in diesem 5. historischen Krimi rund um Leopold von Herzfeldt, seine Verlobte Julia und Augustin Rothmayer spielt vor dem Hintergrund einer Stadt im Umbruch. Auf der einen Seite Adel und wohlhabendes Bürgertum und auf der anderen Abertausende von Arbeiterinnen und Arbeiter, die unter unvorstellbaren Umständen ihr Leben fristen, um, zum Beispiel für die Prachtbauten an der Ringstraße in den Ziegelwerken zum Hungerlohn schuften. Oliver Pötzsch schafft es durch seinen eindringlichen Schreibstil und seiner akribischen Recherche, diese Zeit des Widerspruchs und Aufbruchs lebendig und authentisch auferstehen zu lassen.
Als Wienerin sind mir die Schauplätze und die historischen Persönlichkeiten wie eben Lueger (1844-1910) oder Freud (1856-1939) recht gut bekannt. Gut gefallen hat mir auch, dass der junge, noch unbekannte Sigmund Freud eine Rolle spielen darf. Kurz vor diesem historischen Krimi habe ich eine Biografie von Frank Tallis über Sigmund Freud gelesen, in der dessen Behandlungsmethoden aus den Tagebüchern bzw. den Patientenakten geschildert werden.
Der Anschlag auf Lueger, der eine Ähnlichkeit mit jenem auf Trump aufweist, wird sofort jener Gruppe untergeschoben, die die Masse der Bevölkerung ohnehin alles zutraut: Juden und Freimaurern. Im Hintergrund ziehen jedoch ganz andere die Fäden, um die Monarchie zu erschüttern. Geschickt flicht Oliver Pötzsch die Macht der Zeitungen ein, deren unterschiedliche Ausrichtung, die politische Meinung der Eigentümer vertritt. Krawallblätter, die mit ihren reißerischen Schlagzeilen die Menschen manipulieren, sind keine Erfindung der Neuzeit.
Ich freue mich schon auf Band Nr. 6 zumal der Cliffhanger, die eine oder andere Überraschung prophezeit.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem vielschichtigen historischen Krimi, der allen Beteiligten einiges abfordert, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Lesenswert
aus Bielefeld
4/5
22.07.2026
eBook (ePUB)
Gelungene Fortsetzung der Reihe
Oliver Pötzsch hat mit "Der Totengräber und der Orden des Teufels" eine gelungene Fortsetzung der Reihe abgeliefert, die mir wieder sehr viel Spaß gemacht hat.
Wien im Jahr 1986: Bei einem wohl satanistischen Ritual wird eine Frau auf grausamste Weise ums Leben gebracht, Da der Toten die Kehle durchgeschnitten, das Herz und die Zunge herausgetrennt wurde, stellt Leopold von Herzfeldt einen Bezug zur Freimaurer-Loge her. Zur gleichen Zeit steht der Totengräber Augustin Rothmayer auf dem Zentralfriedhof ebenfalls vor einem Rätsel: Das Grab Beethovens wurde geschändet. Die Spuren führen in die bessere Gesellschaft Wiens. Von Herzfeldt und Rothmayer werden bei ihren Ermittlungen nicht nur von Leopolds Verlobter , der Reporterin Julia Wolf, sondern auch vom Nervenarzt Sigmund Freud unterstützt.
Auch dieser Band der Totengräber-Reihe liest sich wieder gewohnt flüssig. Es ist spannend, die Ermittlungen im alten Wien zu verfolgen. Die Charaktere sind wie immer gut ausgearbeitet und sehr bildhaft beschrieben. Wir lesen von erschreckend zunehmenden Antisemitismus, die Ergebnisse sind leider bekannt. Die Handlung nimmt nach und nach Fahrt auf und ich wollte unbedingt wissen, wie sich alles auflöst. Leopold hat auch privat einige Probleme und Augustin ebenfalls. Seine Ziehtochter Anna steckt mitten in der Pubertät, damit kennt sich Augustin nun mal überhaupt nicht aus. Also ist Julias Hilfe (von Frau zu Frau) gefragt. Diese so unterschiedlichen Charaktere muss man einfach mögen, abgesehen von Leopolds Kollegen Leinkirchner, dem Judenhasser. Die Einbindung von Sigmund Freud in diesen Fall fand ich besonders gelungen, dafür kommt der Totengräber Augustin für meinen Geschmack etwas zu kurz. Trotzdem freue mich jetzt schon auf eine Fortsetzung! Auch ohne Vorkenntnisse der Personen ist der Krimi gut zu verstehen, noch besser allerdings ist es, wenn man die Vorgänger bereits kennt. Mehr über die Person Augustin Rothmayer zu wissen, schadet nicht.
Diesen Krimi kann ich auf jeden Fall weiterempfehlen! Die Ermittlungen im historischen Wien machen einfach Spaß. Ein wenig mehr Augustin, der sonst überwiegend mit dem Schreiben von sehr lehrreichen Büchern beschäftigt ist, hätte dem Krimi nicht geschadet. Sehr gute 4 Sterne für diesen neuen Fall!
Bewertung
5/5
19.07.2026
Buch (Taschenbuch)
Fesselnde und spannende Unterhaltung
Meine Meinung:
Wien 1896, es ist erschreckend, was der Totengräber Augustin Rothmayer, der Inspektor Leopold von Herzfeldt und seine Verlobte Julia Wolf alles erleben müssen. Nicht nur die Morde sind beunruhigend, auch die politische Entwicklung und Hetzerei über bestimmte Bevölkerungsgruppen. Aber auch die Familie von Leo mischt sich in die Beziehung zu Julia ein.
Es ist für alle eine riesengroße Herausforderung, der sie sich stellen müssen. Natürlich schaffen sie es, aber der Weg bis dahin ist gefährlich und sehr hart. Es gibt überraschende Wendungen, die nicht nur mich rätseln lassen. Im beruflichen Bereich gibt es für alle reichlich Aufregung. Die Drei benötigen Hilfe, wobei es hier auch Entwicklungen und Situationen gibt, mit denen niemand gerechnet hat. Zumal es sogar lebensgefährlich wird und nicht jeder gut aus der Sache rauskommt.
Der Autor hat sich wirklich einiges einfallen lassen, im Grunde sind es reichlich Fälle, die aufgeklärt werden müssen. Hinzu kommen noch private Begebenheiten, die ihnen auch zu schaffen machen. Ich bin dabei und begleite jeden einzelnen. Sehr gut hat mir gefallen, dass der Psychiater Sigmund Freud in dieser Folge eine wichtige Rolle erhalten hat. Es passte bestens ins damalige Geschehen.
Fazit:
Dem Autor ist es ein weiteres Mal hervorragend gelungen, Familien- und Alltagsleben mit beruflichem zu verknüpfen und auch einen Eindruck zu vermitteln, wie die damalige Meinung vieler Personen war und es ist noch nicht vorbei. Über fünfhundert Seiten fesselnde Unterhaltung und Spannung. Gerne gebe ich eine Leseempfehlung.
Bewertung
5/5
27.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Oliver Pötzsch, DerTotengräber und der Orden des Teufels
Da Oliver Pötzsch einer meiner Lieblingsschriftsteller ist, habe ich das Buch vorbestellt. THALIA hat mir vor einer Woche dieses wunderbare, spannende Exemplar zugestellt. Vielen Dank für diesen guten Service.
Natürlich habe ich es schon gelesen! Wieder sehr viel Spannung, für mich Faszination der Landschaftsbeschreibungen, der Charaktere und überhaupt - eine gute Wahl, wem der Schreibstil von Oliver Pötzsch zusagt. Danke auch dem genialen Schriftsteller, der sich so wunderbare Geschichten ausdenkt und man mit dem Aufschlagen des Buches in eine andere Welt eintauchen kann. Ich hoffe, es geht weiter mit dieser Serie und freue mich auf die Fortsetzung!
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2/5
05.07.2026
Buch (Taschenbuch)
Langatmig
Der Krimi ist historisch recht gut recherchiert, das war leider auch schon das wenig postive bei dem Buch für mich.
Die Charaktere sind allesamt nicht besonders sympathisch ( mit Ausnahme vom Totengräber), insbesondere Inspektor Herzfeldt ist ein versnobter, überprivilegierter, anstrengender Charakter.
Die Geschichte ist extrem langatmig, die Ermittlungen dauern ewig und die Privatmomente dazwischen nehmen zu viel Raum ein. Gegen Ende kommt zwar etwas Spannung auf, aber die Ereignisse sind unglaubwürdig überladen.
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