Eine große heimliche Liebe. Und die Macht der Fantasie.
Im weiß-blauen Tramwagen, der als Wanderbücherei durch München fährt, lernen Vera und Hans sich kennen - und verlieben sich. Aber als »Halbjüdin« muss Vera jetzt, 1937, alles daransetzen, nicht aufzufallen. Das gilt auch für den Sozialisten Hans. Die beiden verstecken verschlüsselte Botschaften füreinander in den Büchern verfemter Autoren. Thomas Mann, Kästner, Tucholsky: als Leihbücher werden sie für Vera und Hans zum heimlichen Überlebensmittel. Bis Hans nicht mehr in die Wanderbücherei kommt... Heute: In einem alten Tramwagen stößt die Restauratorin Sophie auf verblichene Ausleihkarten - und entdeckt den geheimen Code einer großen Liebe.
Lesen als Überlebensmittel: eine Feier der Bücher und der Zivilcourage.
Kundinnen und Kunden meinen
3.3/5.0
Bewertung
4/5
10.05.2026
eBook (ePUB 3)
Altes in neuem Gewand
Ich fand die Idee des Buches- die Trambahn, die Wanderbücherei und der intellektuelle Aufstand- einfach richtig cool. Und so wichtig, vor allem in Zeiten wie heute, wo sich einige Fehler der Vergangenheit zu wiederholen scheinen
Ich fands auch cool, dass alles rund um die Trambahn selbst auf Fakten beruht. Der Gedanke, dass es diesen Zufluchtsort für Bücherliebende wirklich gab, es einfach ergreifend
Ich fand die zwei Zeitstränge toll miteinander verwoben und fand auch die Übergänge sehr passend gesetzt. Die Geschichte wird nicht stringend erzählt, sondern springt hin und her- die Erinnerungsfetzen, die plötzlich ans Licht treten.
Man bekommt einen guten Eindruck von der Stimmung und dem Leben während der Kriegsjahre, ohne dass es sich ganz in den Vordergrund stellt.
Die Liebesgeschichte zwischen Vera und Hans fand ich gleichwohl schön wie tragisch. Ihre heimlichen Treffen und die versteckten Botschaften habe ich mit Spannung verfolgt und so gehofft, dass es ein Happy End für die beiden geben würde. Fands so nervenaufreibend, dass man bis zum Schluss eigentlich nicht wusste, was aus ihnen wurde.
Hab direkt auch Lust bekommen ein paar der verbotenen Bücher aus dem Buch zu lesen. Kästners Werke kenne ich eigentlich komplett, aber es werden ja auch noch ein paar andere genannt, was mich neugierig gemacht hat.
Für mich ein sehr gelungenes Buch. Es geht nicht allzu tief, muss es aber auch gar nicht. Es ist eine schöne Geschichte, in der man ein bisschen vergangen Zeiten nachhängen kann und die einem vor Augen führt, was niemals wieder geschehen darf. Trotzdem ist der Ton hoffnungsvoll, aufmüpfig und macht stolz, dass das gute in den Menschen nie ganz erlöschen wird.
wiechmann8052
aus Belm
3/5
23.04.2026
eBook (ePUB 3)
Unvergessliche Geschichten
München 1937. Es gibt eine fahrende Leihbibliothek ein Tramwagen mit einer Bibliothekarin die unterm Ausleihtresen verbotene Bücher stapelt. Erich Kästner, Thomas Mann, Kurt Tucholsky und andere. Bücher die wir auch heute noch gern lesen, die zu der Zeit verboten und verbrannt wurden. Lustige Romane wie der Kleine Grenzverkehr oder Liebesgeschichten wie Schloss Gripsholm, einfach nur deshalb weil die Autoren dem Regime kritisch gegenüber standen. Hier leihen sich auch Hans und Vera diese Bücher aus. Sie verlieben sich. Eine gefährliche Liebe in diesen Zeiten Hans ist Sozialist und Vera ist Halbjüdin. Die Frau hinter dem Tresen ist also dreifach gefährdet, hilft den beiden aber nicht nur zu guten Büchern sondern auch den Kontakt aufrecht zu erhalten. Dieses ist der Hauptteil des Romans, der andere Strang erzählt die Restaurierung dieses Wagens für das Museum. Sophie hat die Verantwortung und Fabien übernimmt die Dokumentation, dabei finden sie die heimlichen Notizen der Liebenden und recherchieren dazu.
Ein tolles Thema, die Liebe zu Büchern die in allen Zeiten gut sind, weil sie Mut machen, weil sie einem mit in eine andere Welt nehmen.
Ich hatte nur meine Schwierigkeiten mit der Umsetzung, Die grauenhafte Zeit, die Angst, die Gefahr ging in einem Stil unter der wie naive Malerei wirkt. Alles orginalgetreu aber durch Formulierungen, Worte wie Psst oder Gesten wie den Finger vor dem Mund alles kam verharmlost bei mir an. Es war bunt und leicht, die Gefahr schwebte, wenn überhaupt wie leichter Dunst im Hintergrund.
Der Gegenwartsteil war dagegen sehr farblos die beiden Protagonisten agierten für mich hölzern und blieben blass.
Renas Wortwelt
3/5
12.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die immer gleiche Geschichte – immer wieder berührend
Wenn Zwei sich nicht lieben dürfen, ist das immer eine tragische Geschichte. Und wenn die Politik, die Geschicke Schuld sind am Drama der Liebenden, dann ergibt das stets reichlich Stoff für zu Herzen gehende Romane.
Thomas Montasser, dessen Romane um einen ratsuchenden Bundeskanzler oder um geschäftstüchtige Nonnen ich wirklich liebte, erzählt nun in seinem neuen Buch die Geschichte von Vera und Hans. Hans, Arbeiter bei der Bahn, ist Sozialist, Vera (die eigentlich ganz anders heißt) Halbjüdin, keine guten Voraussetzungen für eine glückliche Verbindung im Jahr 1937.
Die beiden lernen sich durch die titelgebenden Wanderbücherei kennen, die eigentlich eher eine fahrende Bücherei ist, nämlich in einem Trambahnwagen in München. Die zuständige Bibliothekarin versorgt Hans und dann auch Vera mit „verbotenen“ Büchern, die sie unter falschem Titel im Register führt. Das Pärchen nutzt diese Bücher schließlich für geheime Botschaften. Doch so sehr sie sich lieben, das Leben und der Krieg treibt sie erst einmal auseinander.
Soweit der eine, in der Vergangenheit spielende Handlungsstrang. Der jedoch bedauerlicherweise nicht stringent und chronologisch erzählt wird. Sondern der Autor springt auf diversen Zeitebenen hin und her, so dass man nicht nur verwirrt ist, sondern auch Dinge vorweggenommen werden, die ein paar Seiten weiter dann noch gar nicht geschehen sind.
Daneben gibt es eine weitere Erzählebene in der Gegenwart (ein in letzter Zeit leider gehäuft verwendetes Stilmittel, dessen Nutzen sich mir nicht immer erschließt), die Geschichte von der Restauratorin Sophie, die den damals verwendeten Tramwagen für eine Ausstellung wiederherstellen soll. An ihrer Seite der Filmemacher Fabian, der ihre Arbeiten verfolgen soll. (Man ahnt schon von der ersten Seite an, wohin das führen wird.) Sophie findet in alten Unterlagen Hinweise auf die Geschichte von Vera und Hans und versucht nun, durch Recherche und Gespräche mit überlebenden Zeitzeugen mehr darüber herauszufinden.
Dieses erwähnte Hin und Her zwischen der Vergangenheit und dem Heute, die irritierenden Zeitsprünge zwischen Anfang der dreißiger Jahre, 1937, 1942 und dann wieder 1935 und so fort, hat mir das Lesevergnügen einigermaßen verdorben. Immer, wenn man gerade in die laufende Handlung hineingefunden hat, springt es auf eine andere Zeitebene oder einen ganz anderen Handlungsstrang.
Dazu ist die Geschichte rund um Sophie eher uninteressant, das, was sie herausfindet bei ihren Befragungen von Nachkommen z.B. der damaligen Bibliothekarin, hätte man auch durchaus im vergangenen Erzählstrang berichten können. Meiner Meinung nach hätte dies mehr Empathie geweckt, mehr erlaubt, sich in die Figuren hineinzufühlen und in die Geschichte tiefer einzutauchen.
So konnte mich diesmal der Roman nicht gänzlich überzeugen, trotz der durchaus interessanten Ausgangslage.
Thomas Montasser - Die Wanderbücherei
Fischer, April 2026
Gebundene Ausgabe, 267 Seiten, 22,00 €
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