Eine große heimliche Liebe. Und die Macht der Fantasie.
Im weiß-blauen Tramwagen, der als Wanderbücherei durch München fährt, lernen Vera und Hans sich kennen – und verlieben sich. Aber als »Halbjüdin« muss Vera jetzt, 1937, alles daransetzen, nicht aufzufallen. Das gilt auch für den Sozialisten Hans. Die beiden verstecken verschlüsselte Botschaften füreinander in den Büchern verfemter Autoren. Thomas Mann, Kästner, Tucholsky: als Leihbücher werden sie für Vera und Hans zum heimlichen Überlebensmittel. Bis Hans nicht mehr in die Wanderbücherei kommt…
Heute: In einem alten Tramwagen stößt die Restauratorin Sophie auf verblichene Ausleihkarten – und entdeckt den geheimen Code einer großen Liebe.
Lesen als Überlebensmittel: eine Feier der Bücher und der Zivilcourage.
Kundinnen und Kunden meinen
3.3/5.0
3 Bewertungen
5 Sterne
(0)
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Die immer gleiche Geschichte – immer wieder berührend
Renas Wortwelt am 12.06.2026
Bewertungsnummer: 3165901
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn Zwei sich nicht lieben dürfen, ist das immer eine tragische Geschichte. Und wenn die Politik, die Geschicke Schuld sind am Drama der Liebenden, dann ergibt das stets reichlich Stoff für zu Herzen gehende Romane.
Thomas Montasser, dessen Romane um einen ratsuchenden Bundeskanzler oder um geschäftstüchtige Nonnen ich wirklich liebte, erzählt nun in seinem neuen Buch die Geschichte von Vera und Hans. Hans, Arbeiter bei der Bahn, ist Sozialist, Vera (die eigentlich ganz anders heißt) Halbjüdin, keine guten Voraussetzungen für eine glückliche Verbindung im Jahr 1937.
Die beiden lernen sich durch die titelgebenden Wanderbücherei kennen, die eigentlich eher eine fahrende Bücherei ist, nämlich in einem Trambahnwagen in München. Die zuständige Bibliothekarin versorgt Hans und dann auch Vera mit „verbotenen“ Büchern, die sie unter falschem Titel im Register führt. Das Pärchen nutzt diese Bücher schließlich für geheime Botschaften. Doch so sehr sie sich lieben, das Leben und der Krieg treibt sie erst einmal auseinander.
Soweit der eine, in der Vergangenheit spielende Handlungsstrang. Der jedoch bedauerlicherweise nicht stringent und chronologisch erzählt wird. Sondern der Autor springt auf diversen Zeitebenen hin und her, so dass man nicht nur verwirrt ist, sondern auch Dinge vorweggenommen werden, die ein paar Seiten weiter dann noch gar nicht geschehen sind.
Daneben gibt es eine weitere Erzählebene in der Gegenwart (ein in letzter Zeit leider gehäuft verwendetes Stilmittel, dessen Nutzen sich mir nicht immer erschließt), die Geschichte von der Restauratorin Sophie, die den damals verwendeten Tramwagen für eine Ausstellung wiederherstellen soll. An ihrer Seite der Filmemacher Fabian, der ihre Arbeiten verfolgen soll. (Man ahnt schon von der ersten Seite an, wohin das führen wird.) Sophie findet in alten Unterlagen Hinweise auf die Geschichte von Vera und Hans und versucht nun, durch Recherche und Gespräche mit überlebenden Zeitzeugen mehr darüber herauszufinden.
Dieses erwähnte Hin und Her zwischen der Vergangenheit und dem Heute, die irritierenden Zeitsprünge zwischen Anfang der dreißiger Jahre, 1937, 1942 und dann wieder 1935 und so fort, hat mir das Lesevergnügen einigermaßen verdorben. Immer, wenn man gerade in die laufende Handlung hineingefunden hat, springt es auf eine andere Zeitebene oder einen ganz anderen Handlungsstrang.
Dazu ist die Geschichte rund um Sophie eher uninteressant, das, was sie herausfindet bei ihren Befragungen von Nachkommen z.B. der damaligen Bibliothekarin, hätte man auch durchaus im vergangenen Erzählstrang berichten können. Meiner Meinung nach hätte dies mehr Empathie geweckt, mehr erlaubt, sich in die Figuren hineinzufühlen und in die Geschichte tiefer einzutauchen.
So konnte mich diesmal der Roman nicht gänzlich überzeugen, trotz der durchaus interessanten Ausgangslage.
Thomas Montasser - Die Wanderbücherei
Fischer, April 2026
Gebundene Ausgabe, 267 Seiten, 22,00 €
Altes in neuem Gewand
Bewertung am 10.05.2026
Bewertungsnummer: 3134207
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Ich fand die Idee des Buches- die Trambahn, die Wanderbücherei und der intellektuelle Aufstand- einfach richtig cool. Und so wichtig, vor allem in Zeiten wie heute, wo sich einige Fehler der Vergangenheit zu wiederholen scheinen
Ich fands auch cool, dass alles rund um die Trambahn selbst auf Fakten beruht. Der Gedanke, dass es diesen Zufluchtsort für Bücherliebende wirklich gab, es einfach ergreifend
Ich fand die zwei Zeitstränge toll miteinander verwoben und fand auch die Übergänge sehr passend gesetzt. Die Geschichte wird nicht stringend erzählt, sondern springt hin und her- die Erinnerungsfetzen, die plötzlich ans Licht treten.
Man bekommt einen guten Eindruck von der Stimmung und dem Leben während der Kriegsjahre, ohne dass es sich ganz in den Vordergrund stellt.
Die Liebesgeschichte zwischen Vera und Hans fand ich gleichwohl schön wie tragisch. Ihre heimlichen Treffen und die versteckten Botschaften habe ich mit Spannung verfolgt und so gehofft, dass es ein Happy End für die beiden geben würde. Fands so nervenaufreibend, dass man bis zum Schluss eigentlich nicht wusste, was aus ihnen wurde.
Hab direkt auch Lust bekommen ein paar der verbotenen Bücher aus dem Buch zu lesen. Kästners Werke kenne ich eigentlich komplett, aber es werden ja auch noch ein paar andere genannt, was mich neugierig gemacht hat.
Für mich ein sehr gelungenes Buch. Es geht nicht allzu tief, muss es aber auch gar nicht. Es ist eine schöne Geschichte, in der man ein bisschen vergangen Zeiten nachhängen kann und die einem vor Augen führt, was niemals wieder geschehen darf. Trotzdem ist der Ton hoffnungsvoll, aufmüpfig und macht stolz, dass das gute in den Menschen nie ganz erlöschen wird.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.