Nominiert für den Phantastikpreis der Stadt Wetzlar 2026 (Longlist)Ebria ist eine Insel – fern unserer Zeit und doch erschreckend nah. Als ein toter Wal, begraben unter Plastikmüll, an die Küste von Ipane gespült wird, nehmen sich die Bewohner:innen nur, was sie brauchen – nie mehr, als ihnen zusteht. Sie leben im Gleichgewicht mit der Natur und in einer Gesellschaft, die Gier und Herrschaft hinter sich gelassen hat, wohlwissend, wie fragil dieses Gleichgewicht ist.Lahea, Tochter der Dorfvorsteherin, soll bald selbst dieses Amt übernehmen. Wie es das Abkommen verlangt, verlässt sie ihr Zuhause, ihre Tochter und ihre beiden Partner und bricht zu einer Reise über Ebria auf. Was als Erkundung beginnt, wird schnell zur Konfrontation: mit verdrängten Wahrheiten, mit Rissen im Fundament des Miteinanders – und mit einem Übergriff, der sie an die Grenzen von Macht und Ohnmacht bringt.Denn tief in den Höhlen wächst eine Bewegung, die alles infrage stellt, wofür Ebria steht. Als Lahea deren Spuren folgt, gerät sie in einen Sog aus Verrat, Rebellion und gefährlicher Sehnsucht nach alter Macht. Sie muss entscheiden, wie viel sie zu riskieren bereit ist: für Freiheit, für Gemeinschaft und für sich selbst.Mit eindringlicher Sprache erzählt Lisa-Viktoria Niederberger in ihrem ersten Roman von einer Welt zwischen archaischem Tun und fortschrittlicher Vision, von einer Gesellschaft zwischen Fürsorge und Verrat – und davon, wie weit eine Gemeinschaft gehen darf, wenn sie der Gewalt standhalten will, ohne selbst gewalttätig zu werden.Das Porträt einer Gesellschaft, die alles anders machen will und an ihren Widersprüchen wächst. Feministische Perspektiven, ökologische Fragen und solidarische Lebensentwürfe – eindrucksvoll, visionär und poetisch erzählt.Für Leser:innen, die mehr wollen: Fürsorge, Zusammenhalt und neue Familienformen statt alter Rollenbilder.TROPES:HopepunkDark family secretHigh stakesSecret societyBi+ and queer representationQuestionable utopiaReluctant heroine
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Eternal-Hope
aus Österreich
5/5
24.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Interessante feministische Utopie/Dystopie
"Lahea" ist das Romandebüt der österreichischen Autorin Lisa-Viktoria Niederberger, die davor unter anderem schon ein persönliches Sachbuch zum Thema "Dunkelheit" verfasst hat. Es ist ein außergewöhnliches Buch, wie ich in dieser Form noch keines gelesen habe.
Die Autorin nimmt uns mit in eine ganz neue Welt, die Insel Ebria, in einer nahen Zukunft, in der mutige Pionierinnen versuchen, in einer plastikverseuchten und ausgebeuteten Welt eine ganz neue Gemeinschaft aufzubauen: eine ohne Konkurrenz und Hierarchien, mit einem friedlichen und freundlichen Miteinander, Verbrauch von möglichst wenig Ressourcen und menschliche Begegnungen auf Augenhöhe, ohne Statusunterschiede zwischen Berufen oder gesellschaftlichen Milieus. Die Alten erinnern sich noch an die Zeit, bevor sie mit dem Schiff auf die Insel gezogen sind, während die Jüngeren schon dort geboren sind und kein anderes System mehr kennen.
Geld gibt es nicht, die Ressourcen, z.B. Mahlzeiten, werden von zentralen Stellen nach Bedarf verteilt, die Mitglieder arbeiten den größten Teil ihrer Zeit in selbst gewählten Berufen, dazu übernehmen aber auch alle im Wechsel die eher unbeliebten, aber für die Gemeinschaft wichtigen Aufgaben wie Abwaschen oder Reinigungstätigkeiten.
Es ist ein sehr einfaches Leben mit geringer Mobilität: die Distanzen zwischen den verschiedenen Inselorten werden zu Fuß zurück gelegt, Autos gibt es nicht, nur Lastenträger für alte oder beeinträchtigte Menschen, die sich nicht mehr selbst weiterbewegen können. Für das tägliche Leben gibt es das, was auf der Insel angebaut werden kann und das, was das Meer anschwemmt sowie alle Rohstoffe, die aus dem Schiff ausgebaut werden konnten, mit dem ursprünglich vor einigen Jahrzehnten die Insel angesteuert wurde. Die Welt außerhalb Ebrias scheint es noch zu geben, davon zeugen immer wieder angeschwemmte Funde von Sportschuhen, Plastiktüten und vielem mehr, aber man weiß nicht viel über sie und es ist auch nicht erwünscht, die Insel zu verlassen, um den Rest der Welt zu erkunden.
Es gibt Frauen, Männer und Variani (Menschen, die sich keinem der beiden anderen Geschlechter eindeutig zuordnen oder sich anders identifizieren, als das ihnen ursprünglich zugeschriebene Geschlecht) und diese leben in frei gewählten Familienkonstrukten miteinander oder auch alleine. Die titelgebende Protagonistin Lahea, eine junge Frau und die Tochter der bisherigen Dorfvorsteherin ihres Heimatortes, lebt beispielsweise in einem Dreierkonstrukt mit zwei Männern, die außerdem miteinander eine homosexuelle Beziehung unterhalten, und das Dreiergespann hat auch eine kleine Tochter, um die sich alle drei kümmern.
Freie Sexualität, sowohl in den gewählten Beziehungen, als auch mit anderen Bekanntschaften oder im Rahmen des Besuches von Badehäusern, spielt eine große Rolle und wird detailreich beschrieben. Jugendliche wählen selbst einen neuen Namen und legen im Rahmen des Erwachsenwerdens ihren von den Eltern gewählten "Kindernamen" ab und in vielen Bereichen wird Rücksicht auf speziell weibliche Bedürfnisse genommen, beispielsweise gibt es unterschiedliche Zusätze zur allgemeinen Nahrung je nach individueller Zyklusphase.
Regiert wird die Insel von einem ausschließlich weiblichen Ältestenrat in der Hauptstadt, der sich aus ehemaligen Dorfvorsteherinnen zusammensetzt. Vor einiger Zeit soll es einen Aufstand gegeben haben, der niedergeschlagen wurde und über den man nicht wirklich viel weiß. Es wird versucht, allen Menschen zu vermitteln, dass diese Gesellschaftsform die beste, friedlichste und freundlichste von allen sei und keine Nachteile habe.
Und tatsächlich ist einiges von dem, was momentan in feministischen Kreisen als Utopie diskutiert wird, hier real umgesetzt, siehe zum Beispiel dieses Zitat:
"Außerdem mag Enian die Alten, liebt ihre Geschichten. Wenn sie von damals erzählen, kann er es fast nicht glauben. Dass früher alles selbst getan werden musste, putzen, kochen, auf die Kinder aufpassen, sie erziehen, lieben, ihnen Sicherheit geben. Jede Familie für sich allein. Dass es verpönt war, wenig zu arbeiten, und gleichzeitig alle erschöpft waren. Dass Arbeit wichtiger war als Gesundheit, Gemeinschaft, Kreativität. Vieles hat sich verändert, seit sie auf der Insel sind. Die größte Veränderung ist vielleicht ihre Einsicht, dass es für die Aufrechterhaltung der Versorgung und der zentralen Abläufe gar nicht notwendig ist, den ganzen Tag zu schuften. Dass das, was getan werden muss, in ein paar Stunden erledigt ist, und danach noch viel Zeit übrig bleibt für die Dinge, die wirklich wichtig sind." (S. 38/39)
Doch heißt das, dass wirklich alle glücklich und zufrieden sind? Was passiert mit den Bedürfnissen und Wünschen, etwa nach stärkerer individueller Unterscheidbarkeit, dem Wunsch nach einem Leistungsprinzip und damit verbunden nach Geld und sozialen Unterschieden, nach Abenteuern usw., die in dieser Gesellschaftsform kaum gelebt werden können? Was ist mit jenen, die meinen, in Ebria benachteiligt und zu wenig berücksichtigt zu werden? Die wiederum diese Utopie für eine Dystopie halten und von einer ganz neuen, oder auch alten, Utopie träumen? Werden die Männer es dauerhaft akzeptieren, politisch keine Macht mehr zu haben? Und was ist mit jenen Männern, mit denen niemand eine partnerschaftliche und/oder sexuelle Beziehung haben möchte? Und ist dieser Rat aus älteren Frauen die beste aller möglichen Regierungsformen? Wer findet das und wer nicht? Wissen die Menschen in Ebria alles, was es zu wissen gibt und was sie wissen sollten?
Die Autorin nimmt sich ausführlich Zeit dafür, ihre Welt vorzustellen. Das hier ist eben keine typische Dystopie, die stark handlungsgetrieben schnell viel Spannung aufbaut. Stattdessen lernen wir, durchaus gut passend zu so einer feministischen Welt, erst einmal Lahea und ihre Lebenswelt gut kennen und begleiten sie auf eine Reise durch die Insel. Die bestehenden sozialen Spannungen deuten sich erst einmal langsam an und es dauert lange, bis es zu einer Eskalation kommt, auch das ein durchaus realistisches Szenario.
Insgesamt ist es ein Buch, das in eine sehr interessante neue Welt entführt und klug und reflektiert deren Sonnen- und Schattenseiten aufzeigt. Dabei wird deutlich, wie wichtig es ist, Utopien nicht zu einseitig zu gestalten, sondern nach Möglichkeit die Interessen und Wünsche aller miteinzubeziehen und Mechanismen einzubauen, die es möglich machen, sich frühzeitig einzubringen und Änderungswünsche zu äußern, ohne dafür gleich eine Revolution starten zu müssen. Die hier gezeichnete Utopie/Dystopie ist eine feministisch-sozialistischer Prägung, zeigt dabei auch die verschiedenen damit verbundenen Vor- und Nachteile auf und regt insgesamt zum Reflektieren über verschiedene Gesellschaftsformen und die darunter liegenden Werte an.
Ich empfehle das Buch insbesondere jenen, die sich für Feminismus, Sozialismus vs. Kapitalismus und verschiedene Gesellschaftsformen interessieren. Unterhaltsam liest sich der Roman durchaus auch, wenn man bereit ist, tief in die vorgestellte neue Welt einzutauchen und sich kein schnelles Erzähltempo erhofft. Für mich ist es jedenfalls ein besonderes Buch, das sehr zum differenzierten Nachdenken anregt und noch lange nachwirken wirkt.
Bewertung
5/5
15.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Utopie mit Rissen
Dieser Roman überzeugt vor allem durch seine kluge und faszinierende Grundidee: eine Gesellschaft, die versucht, Gleichheit und ein Leben im Einklang mit der Natur zu verwirklichen – und dabei dennoch an ihre eigenen Grenzen stößt. Gerade dieser Widerspruch macht die Geschichte besonders spannend und aktuell.
Die Charaktere sind vielschichtig angelegt und gewinnen zusätzlich an Tiefe durch die wechselnden Perspektiven. Dass die Handlung immer wieder aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt wird, sorgt dafür, dass man die Entwicklungen differenziert wahrnimmt und sich gut in die Figuren hineinversetzen kann.
Besonders interessant ist der Gedanke, dass selbst in einer Welt, die bewusst mit alten Machtstrukturen brechen will, neue Ungleichheiten entstehen können. Die Bevorzugung von Frauen wirkt dabei wie ein verständlicher Reflex auf vergangene Unterdrückung – zeigt aber gleichzeitig, wie schwierig es ist, echte Gleichberechtigung zu schaffen.
Der Schreibstil ist flüssig und ermöglicht einen leichten Zugang, während die emotionalen Momente durchaus Wirkung entfalten. Gerade zu Beginn trifft es einen, wenn die scheinbar heile Welt erste Risse bekommt – auch wenn man insgeheim weiß, dass genau das passieren muss, damit die Geschichte sich entfalten kann.
Insgesamt ein durchdachter, vielschichtiger Roman, der gesellschaftliche Fragen spannend verpackt und zum Nachdenken anregt.
Eva
5/5
06.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine mutige und visionäre Utopie
Wie sieht sie aus, die ideale Gesellschaft? Braucht sie Regeln, eine Regierung, Normen für das Zusammenleben?
Ich schlage das Buch auf und finde mich an der Küste der Insel Ebria wieder, in einer undefinierten Zukunft. Die Bewohner*innen leben im Einklang mit der Natur, sie nehmen das, was sie brauchen. Die Gesellschaft hat Macht, Ansprüche, Gier und alte Genderdefinitionen hinter sich gelassen. Das Gleichgewicht ist jedoch zerbrechlich, und so wacht der Ältestenrat über Recht und neue Traditionen.
Doch ist hier nicht schon ein Widerspruch in sich? Eine Gesellschaft, die alte Gesetze hinter sich lässt, erschafft neue Regeln? Lahea ist die Tochter der Dorfvorsteherin und bricht als Initiationsritus zu einer Reise über die Insel auf. Sie soll die unterschiedlichen Gemeinschaften kennenlernen.
Doch schnell wird aus der Wanderung eine Konfrontation. Sie wird die wohlgehüteten Geheimnisse über die neue Gesellschaftsform erfahren, und begreifen, welchen Ursprung die feministische Form des Zusammenlebens hat. Dramatische Risse tun sich auf, denn sie trifft auf eine Bewegung, die die Revolution anzettelt. Wie fortschrittlich also ist Laheas Welt?
Lahea sieht sich unbequemen Fragen gegenüber, die nach einer Lösung verlangen. Es sind die gleichen Fragen, die jede Gesellschaft im Kern erschüttern. Dürfen diejenigen, die Frieden predigen, Gewalt mit Gewalt beantworten? Wie halten solidarische Lebensentwürfe dem Entwicklungsbedürfnis von Individuen entstand? Wie zukunftsfähig ist eine rein ökologische Lebensform?
Wie kann Fürsorge aussehen, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und nicht an allgemeingültigen Annahmen? Wie funktioniert Konfliktlösung? Und was ist Freiheit innerhalb der Gemeinschaft?
Lisa-Viktoria Niederberger ist ein bahnbrechender, wegweisender Roman gelungen. In beeindruckend abwechslungsreicher Sprache zeichnet sie eine große Kulisse mit willensstarken Charakteren. Die Sprache ist mal hart und kompromisslos, dann wieder elegisch, zart und wogend. Intelligent und wortgewandt lässt sie uns mitdenken und philosophieren, hinterfragen und mitfiebern. Gibt es eine Lösung?
Dieses Buch muss in die Welt!
Majo C.
aus Wien
5/5
03.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dystopie in der Utopie
Eine Insel zum Neuanfangen. Ein Ort, an dem wir alles richtig machen, uns nicht blenden lassen von den zuvor aufgestellten gesellschaftlichen Regeln. Eine Gemeinschaft, in der man sein kann, wie man ist, lieben kann, wen man will, in der man einander respektiert. Niemand muss mehr Vollzeit arbeiten, es gibt keine reichen Menschen mehr, alles ist gut. Bis es das eben nicht mehr ist. In der nahen Zukunft baut sich eine Gruppe Menschen in einer vom Klimawandel und Kapitalismus zerfressenen Welt eine Utopie auf einer kleinen Insel auf und lebt mit neuen Gesetzen und einem rein von Frauen besetzten Ältestenrat, der über alles Wichtige abstimmt. Wir begleiten Lahea, die Tochter einer Dorfvorsteherin, auf ihrem Weg zur Zeremonie um siezur nächsten Dorfvorsteherin zu küren. Doch auf dem Weg begegnet ihr das erste Mal in ihrem Leben, das sie geschützt auf der utopischen Insel verbracht hat, ein Mensch, der böse Absichten hat. Ein Mensch, der nach Macht strebt, nach mehr Besitz und auch nach dem Besitz von und der Macht über andere Menschen. Einer, der Grenzen anderer mutwillig übertritt und das System, dem sie auf der Insel folgen, kippen will. Nun liegt es an Lahea die Insel und ihre Bewohnenden davor zu retten alten Verhaltensmustern zu verfallen, vor welchen ihre Vorfahren sie auf dieser Insel schützen wollten.
Niederberger hat uns eine Welt erschaffen, in der für alle Platz ist, ganz gleich welche Fähigkeiten, Körper oder Gender sie haben. Ein schönes Gedankenexperiment, das sich sogleich selbst in Frage stellt; wie stabil ist so eine Struktur? Kann man das Böse aus Menschen rauskriegen, indem man es ihnen nie beibringt? Natürlich haben auch die „Guten“ in dieser Geschichte dunkle Geheimnisse und zuletzt entdeckt Lahea sogar ein gut gehütetes Familiengeheimnis, das alles auf den Kopf stellt. Durch und durch packend, spannend zu lesen und eine schöne Welt um sich hineinzuträumen, zumindest bis zu dem Punkt an dem die Stimmung auf der Insel kippt.
Was ich nicht verraten werde; wird es Lahea schaffen die Fehler der mächtigen Frauen vor ihr auszubügeln und die Inselbewohnenden zu retten ohne Gewalt anzuwenden? Wie soll eine einzelne Frau das schaffen? Pflichtlektüre für alle Fans von Mareike Fallwickl und Fiona Sironic.
Lust_auf_literatur
4/5
29.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lahea
Fantasy-Romane und ich haben eine weit zurückreichende Vergangenheit. Sie waren mir in meiner Jungend ein vielbesuchter Zufluchtsort. Heute greife ich allerdings nur sehr, sehr selten zu Romanen, die nicht in unserer Welt spielen.
Als ich dann auf den ersten Seiten von “Lahea” die Karte der Insel Ebria entdeckt hatte, wie es oft bei Fantasy-Romanen zur Orientierung üblich ist, war ich mir nicht sicher, ob der Roman überhaupt etwas für mich ist.
Aber überraschenderweise hatte ich mit dem Romandebüt der Schriftstellerin und Kulturwissenschaftlerin Lisa-Viktoria Niederberger eine richtig gute Zeit.
Niederberger entwirft auf der abgelegenen Insel Ebria ein feministisches Utopia. Die von Frauen geführte und gelenkte Gemeinschaft lebt in Friede und Harmonie auf mehrere Städte verteilt auf der Insel. Ressourcen sind ausreichend vorhanden, da die Insel reich an Nahrung und Baumaterial ist, und angespültes Treibgut aus der übrigen Welt ergänzt die Bestände.
Es gibt keine Ehe oder Besitzansprüche, freie Liebe und polyamore Beziehungen werden zwischen allen Geschlechtern gelebt. Alle leben im Einklang mit der Natur und sich selbst, der Kapitalismus und patriarchale Denkmuster scheinen überwunden.
Ich würde sagen, die Beschreibungen des Lebens auf der Insel lesen sich wie ein wokes Paradies, in dem ich auch gern leben würde.
Die titelgebende Protagonistin Lahea ist eine junge Frau und Mutter und soll bald das Amt der Dorfvorsteherin übernehmen. Sie begibt sich dafür auf eine Reise in die Hauptstadt, um anschließend alle Städte und Regionen der Insel kennenzulernen.
Natürlich (!!) ist nicht alles so nice, wie es auf den ersten Blick scheint, denn eine dunkle, längst überwunden geglaubte, toxisch maskuline Bedrohung baut sich auf…oder anders gesagt …Incels are coming!
Mir hat an dem Roman vor allem das fantasievolle und detailreich ausgestalte Worldbuilding von Ebria gefallen, das tendenziell vielleicht etwas zu utopisch, aber in sich sehr stimmig ist. Es hat mir viel Freude gemacht, die Schauplätze der Handlung auf der Landkarte zu verfolgen und mit Lahea auf ihre Heldinnenreise zu gehen.
Die Figuren sind liebevoll angelegt und einwandfrei moralisch orientiert (bis auf die Bösen versteht sich).
Niederberger greift in ihrem Roman aktuelle feministische Diskurse auf und denkt sie weiter. Sie zeigt sehr deutlich auf, dass eine lebenswerte Gesellschaft nur im Miteinander entstehen kann und immer wieder neu diskutiert und justiert werden muss.
Wie oft bei Fantasy Romanen kommt für mich auch in „Lahea“ das Ende nach dem sorgfältigen Aufbau und der Hinführung etwas zu kurz und zu wohlfeil. Aber der Weg dahin hat mich sehr gut unterhalten und aus der Realität entführt.
Eine willkommene Auszeit, die ich allen empfehle, die einem kleinen fantastischen Abenteuer nicht abgeneigt sind.
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5/5
25.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Feministische Utopie als politische Umsetzung einer Öko-Gesellschaft?
Wieviel individuelle Freiheit muss zugunsten der gemeinschaftlichen Stabilität aufgegeben werden?
Aktuelle Themen wie Solidarität, Care-Ökonomie, Post-Kapitalismus, Antidiskriminierung und Klimagerechtigkeit prägen diesen ambitionierten feministisch-ökologischen Debütroman, der es in sich hat. Mit sprachlicher Wucht stellt die Autorin keine naive Wohlfühl-Utopie dar, sondern rückt die schmerzhaften moralischen und politischen Konflikte einer neuen Weltordnung ins Zentrum.
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4/5
24.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die beste aller möglichen Welten oder Ahabs weisser Wal?
Lisa-Viktoria Niederberger erschafft eine vorzeigbare Version des Terminus „Idylle“ und bringt diese im Laufe der Erzählung, wie ein Kartenhaus im Wind, mit Vorsatz ins Wanken. Immer wieder schwenkt sie das Scheinwerferlicht auf moralische Defizite der Menschheit und bietet mögliche Alternativen zum heutigen Miteinander. In moderne und geistreiche literarische Tracht gehüllt und mit hollywoodreifen Actionszenen gewürzt, bringt dieser utopisch/dystopische und feministische Inselroman willkommene Abwechslung auf die belletristische Speisekarte Österreichs.
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