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Percival Everett

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Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

Gesprochen von

Jona Mues

Spieldauer

7 Stunden und 57 Minuten

Abo-Fähigkeit

Ja

Erscheinungsdatum

10.09.2025

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

75

Verlag

Audiolino

Sprache

Deutsch

EAN

4069828881570

Beschreibung

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Ja

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10.09.2025

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1 Sterne

Die produktive Leere: Spionage, Satire und Sinnsuche

Dominik Alexander am 02.02.2026

Bewertungsnummer: 3033315

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Percival Everetts Roman Dr. No lässt sich vordergründig als literarische Travestie des klassischen Spionageromans lesen, doch diese Beschreibung greift zu kurz. Hinter der grellen Oberfläche aus Bond-Anspielungen, grotesken Superschurken und absurder Handlung entfaltet Everett ein komplexes Nachdenken über Bedeutung, Macht und Leere – ästhetisch verspielt, philosophisch ambitioniert und soziologisch hellwach. Im Zentrum steht Wala Kitu, Mathematiker an der Brown University und Spezialist für das „Nichts“. Bereits diese Ausgangskonstellation markiert den Grundton des Romans: Identität, Wissen und gesellschaftliche Zuschreibungen werden nicht als stabile Größen verstanden, sondern als fragile Konstruktionen. Das „Nichts“ fungiert dabei weniger als bloßes Gimmick denn als erkenntnistheoretische Chiffre. Everett greift damit eine lange philosophische Tradition auf – von der Ontologie bis zur Existenzphilosophie –, ohne je in reine Theorieprosa zu kippen. Vielmehr werden abstrakte Fragen in narrative Bewegung übersetzt: Was besitzt Wert? Wer definiert Bedeutung? Und welche Gewalt geht von dem Anspruch aus, das Nichts kontrollieren zu wollen? Die Figur des milliardenschweren Antagonisten John Milton Bradley Sill verkörpert diese Hybris in zugespitzter Form. Sein Wunsch, das „Nichts“ aus Fort Knox zu entwenden, wirkt absurd, verweist aber auf reale Machtfantasien spätkapitalistischer Eliten, die selbst Leere noch zu verwerten versuchen. Everett verbindet diese Kapitalismuskritik mit einer präzisen Beobachtung politischer und gesellschaftlicher Verwerfungen: Rassismus, autoritäre Tendenzen, Verschwörungsdenken und die Erosion demokratischer Normen sind keine Randmotive, sondern strukturell in die Handlung eingelassen. Formal arbeitet der Roman mit einem bewusst hybriden Stil. Umgangssprachliche Dialoge stehen neben mathematischen und philosophischen Exkursen, Wortspiele neben existenziellen Fragen. Diese stilistische Uneinheitlichkeit ist kein Mangel, sondern Programm: Sie spiegelt eine Welt, in der Diskurse unverbunden nebeneinanderstehen und Sinn permanent neu ausgehandelt werden muss. Auch die satirische Überzeichnung der Figuren – etwa in der Persiflage des Bond-Girls oder der Geheimagenten – dient weniger dem Klamauk als der Demontage kultureller Klischees, insbesondere jener, die Geschlecht, Intelligenz und Macht betreffen. Gerade hier zeigt sich Everetts soziologische Sensibilität. Sexismus erscheint nicht nur als individuelles Fehlverhalten, sondern als strukturelles Phänomen, ebenso wie Alltagsrassismus, der in scheinbar beiläufigen Szenen sichtbar wird. Zugleich erlaubt sich der Roman Momente unerwarteter Empathie, etwa in der Darstellung neurodiverser Wahrnehmungen und vorsichtiger emotionaler Annäherungen. Dr. No ist damit weit mehr als eine intelligente Parodie. Der Roman fordert seine Leser heraus, Bedeutungen nicht als gegeben hinzunehmen, sondern als instabile Resultate von Macht, Sprache und Perspektive zu begreifen. Everett gelingt ein seltenes Kunststück: Er unterhält mit Witz und Absurdität und zwingt zugleich zur ernsthaften Reflexion. Gerade in dieser produktiven Spannung liegt die nachhaltige Wirkung des Romans.

Die produktive Leere: Spionage, Satire und Sinnsuche

Dominik Alexander am 02.02.2026
Bewertungsnummer: 3033315
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Percival Everetts Roman Dr. No lässt sich vordergründig als literarische Travestie des klassischen Spionageromans lesen, doch diese Beschreibung greift zu kurz. Hinter der grellen Oberfläche aus Bond-Anspielungen, grotesken Superschurken und absurder Handlung entfaltet Everett ein komplexes Nachdenken über Bedeutung, Macht und Leere – ästhetisch verspielt, philosophisch ambitioniert und soziologisch hellwach. Im Zentrum steht Wala Kitu, Mathematiker an der Brown University und Spezialist für das „Nichts“. Bereits diese Ausgangskonstellation markiert den Grundton des Romans: Identität, Wissen und gesellschaftliche Zuschreibungen werden nicht als stabile Größen verstanden, sondern als fragile Konstruktionen. Das „Nichts“ fungiert dabei weniger als bloßes Gimmick denn als erkenntnistheoretische Chiffre. Everett greift damit eine lange philosophische Tradition auf – von der Ontologie bis zur Existenzphilosophie –, ohne je in reine Theorieprosa zu kippen. Vielmehr werden abstrakte Fragen in narrative Bewegung übersetzt: Was besitzt Wert? Wer definiert Bedeutung? Und welche Gewalt geht von dem Anspruch aus, das Nichts kontrollieren zu wollen? Die Figur des milliardenschweren Antagonisten John Milton Bradley Sill verkörpert diese Hybris in zugespitzter Form. Sein Wunsch, das „Nichts“ aus Fort Knox zu entwenden, wirkt absurd, verweist aber auf reale Machtfantasien spätkapitalistischer Eliten, die selbst Leere noch zu verwerten versuchen. Everett verbindet diese Kapitalismuskritik mit einer präzisen Beobachtung politischer und gesellschaftlicher Verwerfungen: Rassismus, autoritäre Tendenzen, Verschwörungsdenken und die Erosion demokratischer Normen sind keine Randmotive, sondern strukturell in die Handlung eingelassen. Formal arbeitet der Roman mit einem bewusst hybriden Stil. Umgangssprachliche Dialoge stehen neben mathematischen und philosophischen Exkursen, Wortspiele neben existenziellen Fragen. Diese stilistische Uneinheitlichkeit ist kein Mangel, sondern Programm: Sie spiegelt eine Welt, in der Diskurse unverbunden nebeneinanderstehen und Sinn permanent neu ausgehandelt werden muss. Auch die satirische Überzeichnung der Figuren – etwa in der Persiflage des Bond-Girls oder der Geheimagenten – dient weniger dem Klamauk als der Demontage kultureller Klischees, insbesondere jener, die Geschlecht, Intelligenz und Macht betreffen. Gerade hier zeigt sich Everetts soziologische Sensibilität. Sexismus erscheint nicht nur als individuelles Fehlverhalten, sondern als strukturelles Phänomen, ebenso wie Alltagsrassismus, der in scheinbar beiläufigen Szenen sichtbar wird. Zugleich erlaubt sich der Roman Momente unerwarteter Empathie, etwa in der Darstellung neurodiverser Wahrnehmungen und vorsichtiger emotionaler Annäherungen. Dr. No ist damit weit mehr als eine intelligente Parodie. Der Roman fordert seine Leser heraus, Bedeutungen nicht als gegeben hinzunehmen, sondern als instabile Resultate von Macht, Sprache und Perspektive zu begreifen. Everett gelingt ein seltenes Kunststück: Er unterhält mit Witz und Absurdität und zwingt zugleich zur ernsthaften Reflexion. Gerade in dieser produktiven Spannung liegt die nachhaltige Wirkung des Romans.

Schurkenstück

Bewertung am 14.01.2026

Bewertungsnummer: 2980354

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Percival Everetts Dr. No ist ein Roman, der sich jeder Erwartung mit genüsslicher Boshaftigkeit entzieht. Im Zentrum steht der Mathematiker Wala Kitu, der von einer geheimnisvollen staatlichen Organisation rekrutiert wird, weil deren Anführer, ein exzentrischer Milliardär das Nichts stellen will. Was wie ein Spionagethriller beginnt, kippt rasch in eine absurde Farce aus Entführungen, Geheimagentenpersiflage und philosophischen Gedankenspielen. Die Figuren wirken wie aus einem schrägen Paralleluniversum gefallen: überzeichnet, widersprüchlich, oft grotesk – und gerade deshalb verblüffend lebendig. Everett zeichnet sie mit einer Skurrilität, die nie bloß Selbstzweck ist, sondern Macht, Wissen und akademische Eitelkeiten seziert. Percival Everett ist ein ungemein witziger Roman gelungen, der auf hohem Niveau boxt.

Schurkenstück

Bewertung am 14.01.2026
Bewertungsnummer: 2980354
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Percival Everetts Dr. No ist ein Roman, der sich jeder Erwartung mit genüsslicher Boshaftigkeit entzieht. Im Zentrum steht der Mathematiker Wala Kitu, der von einer geheimnisvollen staatlichen Organisation rekrutiert wird, weil deren Anführer, ein exzentrischer Milliardär das Nichts stellen will. Was wie ein Spionagethriller beginnt, kippt rasch in eine absurde Farce aus Entführungen, Geheimagentenpersiflage und philosophischen Gedankenspielen. Die Figuren wirken wie aus einem schrägen Paralleluniversum gefallen: überzeichnet, widersprüchlich, oft grotesk – und gerade deshalb verblüffend lebendig. Everett zeichnet sie mit einer Skurrilität, die nie bloß Selbstzweck ist, sondern Macht, Wissen und akademische Eitelkeiten seziert. Percival Everett ist ein ungemein witziger Roman gelungen, der auf hohem Niveau boxt.

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Lukas Bärwald

Thalia St. Pölten

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4/5

Es geht um nichts

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich bin kein großer James Bond-Fan. Zwar war ich für Golden Eye sogar gleich zwei Mal im Kino, ansonsten kann man aber die tatsächlich vollständig gesehenen Filme leicht an einer Hand abzählen. Daher war mir zwar klar, dass der Titel auf einen berühmten Teil und Bösewicht der Reihe anspielt, ansonsten bin ich aber ohne weiteres Vorwissen durch den Roman gegangen. Und so liest sich das Buch des Pulitzer-prämierten Percival Everett als schrulliger Agenten & Abenteuer-Roman rund um einen nicht minder kauzigen Mathematikprofessor mit Asperger-Syndrom, spezialisiert auf das rechnerische wie philosophische Konzept des Nichts. Jener Wala Kitu wird von Selfmade Milliardär John Sill angeheuert, um ihm bei der Erfüllung seines Traumes zu unterstützen: Durch einen Einbruch in Fort Knox zum weltweit gefürchteten Erzschurken aufzusteigen. Denn dort im zentralen Tresorraum sollen nicht (nur) die gesammelten Goldreserven der USA zu finden sein, sondern noch etwas viel wertvolleres – das Nichts. Im Verlauf der Geschichte werden Teile der Biografie der beiden schwarzen Hauptfiguren zwar stückweise aufgedeckt und ihre Motivationen zumindest etwas besser nachvollziehbar, ansonsten wirken aber speziell die Handlungen des Antagonisten größtenteils wahllos und beliebig, von schurkischem Filmwahnsinn angetrieben. Und vielleicht ist das ja auch genau die Idee des Autors: das kaum verständliche und massiv egozentrische Agieren sehr realer Milliardäre aus der US-amerikanischen Gesellschaft einen satirischen Spiegel vorzuhalten. Das Leitmotiv des Romanes ist nichts. Und genau so, wie sich dieser Satz liest, spielt Everett mit der Doppeldeutigkeit des Begriffs, denn am Ende des Tages geht es beim Gegen- und Miteinander der verschiedenen skurrilen Figuren dieses Buches um genau das, nichts. Alle streben nichts an, der Protagonist wird angeheuert, um nichts zu erklären und nichts zu stehlen. Nichts wird geschehen, nichts gibt dem Leben einen Sinn. Man könnte „Dr No“ vermutlich leicht Oberflächlichkeit vorwerfen, denn die Charaktere entwickeln wenig Tiefe und die Geschehnisse kommen durchaus in Haudraufmanier daher – eben ganz ähnlich wie in der filmischen Vorlage. Doch abseits der ersten Blickes wird hier mit Mitteln der Unterhaltungsindustrie von der aktuelle Lage in den Vereinigten Staaten erzählt, von Geld, Macht und Willkür.
  • Lukas Bärwald
  • Buchhändler/-in

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4/5

Es geht um nichts

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich bin kein großer James Bond-Fan. Zwar war ich für Golden Eye sogar gleich zwei Mal im Kino, ansonsten kann man aber die tatsächlich vollständig gesehenen Filme leicht an einer Hand abzählen. Daher war mir zwar klar, dass der Titel auf einen berühmten Teil und Bösewicht der Reihe anspielt, ansonsten bin ich aber ohne weiteres Vorwissen durch den Roman gegangen. Und so liest sich das Buch des Pulitzer-prämierten Percival Everett als schrulliger Agenten & Abenteuer-Roman rund um einen nicht minder kauzigen Mathematikprofessor mit Asperger-Syndrom, spezialisiert auf das rechnerische wie philosophische Konzept des Nichts. Jener Wala Kitu wird von Selfmade Milliardär John Sill angeheuert, um ihm bei der Erfüllung seines Traumes zu unterstützen: Durch einen Einbruch in Fort Knox zum weltweit gefürchteten Erzschurken aufzusteigen. Denn dort im zentralen Tresorraum sollen nicht (nur) die gesammelten Goldreserven der USA zu finden sein, sondern noch etwas viel wertvolleres – das Nichts. Im Verlauf der Geschichte werden Teile der Biografie der beiden schwarzen Hauptfiguren zwar stückweise aufgedeckt und ihre Motivationen zumindest etwas besser nachvollziehbar, ansonsten wirken aber speziell die Handlungen des Antagonisten größtenteils wahllos und beliebig, von schurkischem Filmwahnsinn angetrieben. Und vielleicht ist das ja auch genau die Idee des Autors: das kaum verständliche und massiv egozentrische Agieren sehr realer Milliardäre aus der US-amerikanischen Gesellschaft einen satirischen Spiegel vorzuhalten. Das Leitmotiv des Romanes ist nichts. Und genau so, wie sich dieser Satz liest, spielt Everett mit der Doppeldeutigkeit des Begriffs, denn am Ende des Tages geht es beim Gegen- und Miteinander der verschiedenen skurrilen Figuren dieses Buches um genau das, nichts. Alle streben nichts an, der Protagonist wird angeheuert, um nichts zu erklären und nichts zu stehlen. Nichts wird geschehen, nichts gibt dem Leben einen Sinn. Man könnte „Dr No“ vermutlich leicht Oberflächlichkeit vorwerfen, denn die Charaktere entwickeln wenig Tiefe und die Geschehnisse kommen durchaus in Haudraufmanier daher – eben ganz ähnlich wie in der filmischen Vorlage. Doch abseits der ersten Blickes wird hier mit Mitteln der Unterhaltungsindustrie von der aktuelle Lage in den Vereinigten Staaten erzählt, von Geld, Macht und Willkür.

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