5, Florentine Joops Aquarelle und Grafiken lösen Zeit und Raum auf, gießen Gefühle in starke und zugleich leichte Bilder und geben ihrem Roman einen lebhaften Hintergrund.
Heißer Brandenburger Sommer, düstere Teiche, auftauchende Erinnerungen, die nach warmem Sand, Linden und geschmolzenem Teer duften. Zwei Heimaten, Florentine Joop erzählt von der Begegnung mit ihrer Lausemädel-Freundin hinter einem grünen Hoftor, gemeinsam erleben sie Abenteuer, aus denen eine wilde Kindheit gestrickt wird. Zwischen ihnen liegt nur ein Jahr, eine Band, die ABBA heißt, eine Kopflänge und eine innerdeutsche Grenze.
Florentine Joop nimmt ihre LeserInnen mit in Ihre Vergangenheit und erzählt darüber, wie es war, zwei Heimaten zu haben, und über die Angst, beide zu verlieren. Einer jener Romane aus den Tagen vor, während und nach der Wende, von denen es immer noch zu wenige gibt.
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Humorvolle Erzählungen vom Leben in zwei Welten, mit Ernsten Tönen
Sabrina Siebert aus Immenhausen am 05.02.2026
Bewertungsnummer: 3036842
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
In ihrem Roman erzählt Florentine auf teils humorvolle, teils ernste Weise, von ihrer Kindheit und Jugend in zwei Welten. Einerseits dem Leben im Hamburger Nobelviertel, der Eliteschule in welche sie, als unruhiges kreatives neurodivergentes Kind nicht so recht passte und andererseits von den Ferien bei ihrer Potsdamer Verwandtschaft. Hier konnte sie das wilde Kind sein das sie wirklich war, konnte von morgens bis abends mit ihrer Freundin Katja, draußen Abenteuer erleben, durch die Natur stromern, Dinge kennenlernen, die es so in der Großstadt nicht gab. Hier lernte sie auch mal mutig zu sein, neues auszuprobieren und einfach die Zeit genießen. Anfangs kommen ihre Eltern und ihre Schwester in den Erzählungen kaum vor, doch nach und nach, anfangs zwischen den Zeilen, später auch sehr deutlich, können wir als Lesende die Streitereien der Eltern wahrnehmen, die Verzweiflung der Mutter, wenn sich ihr Kind nach nur 2 Minuten wieder so schmutzig gemacht hatte, dass sie wieder umgezogen werden musste. Lesen wir, dass der Vater oft nicht da war, herumreiste oder bis in die Nacht hinein arbeitete. Dann kommt es zur Trennung der Eltern, Florentine Joop schildert sehr eindrücklich, das Gefühl nirgends wirklich hinzu gehören, das Gefühl bei keinem der Elternteile erwünscht zu sein.
Wir erfahren von den Strapazen der Grenzübergänge, wenn die Familie mal wieder die Verwandtschaft besuchte, von der Angst den Strafen und Beschimpfungen der GrenzbeamtInnen ausgesetzt zu sein. Aber auch wie sie so manche Dinge über die Grenze schmuggelten.
Spannend fand ich ihr Erleben der friedlichen Revolution und der Grenzöffnung, wie zwar die äußeren Mauern eingerissen waren, dafür aber umso mehr in den Köpfen entstanden.
Die humorvolle Erzählweise hat mich sehr bewegt, oft saß ich lesend und lachend oder schmunzelnd da. Die Eindrücklichkeit ihrer Worte hat mich tief bewegt.
Und so kann ich ganz klar sagen, dass Sommer im Heckenrosental mein erstes Lesehighlight 2026 war, und dass, ob wohl das Buch so gar nicht dem entspricht, was ich sonst zu lesen pflege.
Schöne Erzählung aus einer fast vergessenen Zeit
NalasBuchBlog am 04.02.2026
Bewertungsnummer: 3036061
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Taucht ihr auch gerne in längst vergangene Zeiten ein?
Wobei man von längst vergangen nicht unbedingt sprechen kann, da es bei der heutigen Buchvorstellung um das Thema BRD und DDR geht und wie die Autorin beide ‚Seiten‘ erlebt hat.
Gleich zu Beginn lernen wir Florentine und ihre Freundin Katja kennen und als beide das erste Mal aufeinandertreffen, werden die Unterschiede in Musik, Mode, Lebensstil und Frisur sehr deutlich beschrieben.
Auch wenn ich genau zur Wende geboren wurde, fand ich es wahnsinnig spannend, gerade diese Aspekte zu lesen, weil ich selbst einige davon noch sehr gut kenne. Sei es aus Erzählungen, von Fotos oder da ich mich selbst noch daran erinnern konnte (oder auch nicht – ABBA war mir ein Begriff, aber was ist Men Without Hats??). Aber an diese tollen Jogginganzüge oder bestimmte Geschmäcker, die es auch heute noch gibt…Waldmeister *hmmmm*
Doch auch die Themen Grenzkontrolle und die damit verbundene Angst oder das ‚Ausleben‘ der eigenen Persönlichkeit sind hier im Buch genauestens beschrieben.
Ich mochte es wirklich sehr, den beiden bei ihren Abenteuern zuzusehen – sofern man das so sagen kann. Denn ich hatte manchmal auch das Gefühl, selbst ein Teil davon zu sein und fand daher auch die Gedanken dahinter und die hervorgehobenen Unterschiede äußerst spannend.
Der dabei verwendete Schreibstil ist sehr angenehm und nicht so starr, wie bei vielen anderen Geschichten oder Zeitzeugenberichten. Denn das Buch liest sich wie eine Mischung aus Tagebucheinträgen und einer Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht.
Selbst ernstere Themen werden angesprochen, aber nicht banalisiert. Dadurch sind diese zwar präsent, werden manchmal aber auch durch ihre dezente Erwähnung oder einer Spur Humor entkräftet, sodass sie hängen bleiben, aber nicht deprimieren.
Wer also mal in diese Art von Geschichte eintauchen mag, ist bei diesem Buch wirklich sehr gut aufgehoben!
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