Unsere bürgerliche Gesellschaft ist einem Zangenangriff auf die Normalität ausgesetzt - nämlich einmal durch die "Wokeness" der Kulturrevolutionäre und zum andern durch den Alarmismus der politisch-medialen Elite. Die Wokeness stellt das Verhältnis von normal und pathologisch auf den Kopf. Der Alarmismus stellt das Verhältnis von normal und extrem auf den Kopf.
Das, was früher als Neurose betrachtet wurde, soll jetzt als selbstbestimmter Lebensentwurf anerkannt werden. So ist ein kulturelles Klima absoluter Toleranz entstanden, die sich aber als absolute Intoleranz gegenüber den traditionellen Lebensformen äußert. Damit wird der Normalität der Krieg erklärt.
Genauso pervertiert ist das Verhältnis von Normalität und Ausnahmezustand in der Welt von Medien und Politik. Hier herrscht ein Alarmismus, der überall nur Katastrophen sieht. Das ist der gemeinsame Nenner von Sensationsjournalismus, Gefälligkeitswissenschaft und einer Politik der Angst, wie wir sie in der Corona-Zeit kennengelernt haben.
Es gibt heute aber Anzeichen dafür, dass nach der politischen Generation der Weltverbesserer wieder eine skeptische Generation kommt, die mit dem woken Spuk aufräumt. Das nährt die Hoffnung auf eine Rückkehr aus den moralischen Exzessen und dem nihilistischen Selbstzweifel des Westens zur moralischen Normalität, die sich von selbst versteht.
Im Augenblick sehen viele nur die Zeichen der Dekadenz, aber am Ende wird die Wokeness die Provokation gewesen sein, die zu einer Wiedergeburt der Bürgerlichkeit geführt hat.
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Es gäbe aus diesem treffend…
LichtundSchatten am 25.06.2025
Bewertungsnummer: 2945909
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Es gäbe aus diesem treffend und sprachlich brillant formulierten Buch eine Menge an Sätzen, die man hervorheben und erinnern kann, ja muss. An erster Stelle steht für mich dieser: „Moralisierung ist eine Dienstleistung für Inkompetente.“ Prof. Bolz betont, dass mit diesem cleveren Schachzug der Politik auch Ahnungslose an der Diskussion teilnehmen können. In schönstem Leergehalt passt dazu ein aktuelles Statement eines Schauspielers namens B. Mädel: „Viele Leute haben schnell eine Meinung, aber leider wenig Haltung. Wenn die Leute mehr Haltung hätten und diese auch kundtun würden, wäre schon mal viel geholfen.“ Selten habe ich die aktuellen Probleme besser auf diesen einen Punkt formuliert vorgefunden, den man nur noch mit Kopfschütteln begleiten kann. Sofern Probleme verschwiegen und notwendige Maßnahmen verweigert werden, holt sich die Politik das Droh- und Angstmachszenario der Moral. Damit lassen sich Menschen bzw. die Bevölkerung einfach steuern und auf bestimme Ziele hin ausrichten. Der Kampf gegen Rechts wird aus dieser Ecke gesteuert und auf eine oppositionelle Partei hin ausgerichtet. Die Angst vor einer 33er Wiederkehr folgt dem oben beschriebenen Schema und lähmt jegliche Auseinandersetzung mit Sachthemen. Aber in der heutigen Politik sollen die Probleme nicht durchdacht, sondern gefühlt werden. Das erreicht man am einfachsten durch die Moralisierung eines Problems. So wächst eine Politik ohne Botschaft, in der wichtiger ist wie jemand etwas sagt als was er vermitteln möchte. Professor Bolz skizziert den aktuellen Zustand deutscher Befindlichkeiten aus unterschiedlichen Blickwinkeln und stellt dem gegenüber jene Verhaltensweisen, die eigentlich normal wären, die aber aus politischen Gründen inzwischen als krankhaft denunziert werden. Dazu gehört insbesondere die klassische Familie, in der die Mutter zu Hause bleibt und den Kindern eine emotionale Basis bietet. Dass der Zwang zur Quote hier nicht nur segensreich wirkte und z.B. Kita-Kinder nicht die beste Erziehung erhalten, man braucht nur wenige Klicks, um das zu erfahren. Das Buch beschreibt den Kern des Normalen einer Familie, der über Jahrhunderte funktionierte, heute aber durch Dekonstruktivisten und egalitäre Feministinnen unter Beschuss steht. Normal wäre, dass in der Demokratie hart über Entscheidungen gestritten wird. Was erleben wir stattdessen: den Drang zur Einheitsmeinung, die durch Politiker und Medien gemeinsam abgesichert und dem Untertan verlaut-bart werden. Alternativlos ist in diesem Zusammenhang ein oft gehörtes Wort, dessen Spitze inzwischen über endlose Diskussionssendungen als eine Art Polit-Simulation vor-exerziert wird. Selber denken? Unnötig, das machen Rundfunk und Fernsehen, sie ordnen ein, kauen vor und geben mit Scheindiskussionen allen Politikern der Mitte die notwendigen Plattformen. Was dort gesagt wird, hat man vorher aus Befragungen des Wahlvolkes herausgefunden, eine Art Herrschaft der Demoskopen. Besonders interessant für mich war das Kapitel über die sozialen Medien, wo Professor Bolz auf X mit seinen kurzen Aphorismen höchst präsent ist. Ich lese dort regelmäßig und nutze seine und viele anderen Gedanken als Korrektur zu Mainstream-Medien der Mitte, die einem oft Angst einjagen und moralische LeidSätze verkünden. Soziale Medien haben als Korrektiv und Schlauheit der Vielen die Vorgaben durch bisherige, klassische Medien unter Beschuss genommen. Jeder kann mit KI und klugen Fragen alle Informationen sofort gegen-cheken und auf ihren Sinngehalt überprüfen. Umso heftiger entwickeln aktuell staatliche Stellen sog. Fakten-Checker, die die vorgegebene, richtige Einheitsmeinung absichern sollen. Dieser Kampf hat vor einigen Jahren schon begonnen und er wird in den nächsten Jahren mit härtesten Bandagen geführt. Vor allem Politiker sollten dieses Buch lesen, die Politiker der Mitte, von den Linken bis zur CDU. Ihre Dominanz steht durch die Klugheit der Vielen unter Beschuss, sie werden z.B durch X unter-lüftet und bloß gestellt, und zwar in Sekundenschnelle. Der Wokeismus in seiner seichten, heuchelnden Gerechtigkeitsdimension von bunter, offener Toleranz stand in Amerika schon vor einigen Jahren unter Beschuss. Nach dem Buch „Ein falsches Wort, Wie eine neue linke Ideologie aus Amerika unsere Meinungsfreiheit bedroht“ (René Pfister) war mir klar, dass Amerika an die Republikaner fällt und auch bei uns diese Probleme virulent werden. Das Buch von Professor Bolz erfasst alle aktuellen Probleme und zeigt, warum linke Ideologen von gestern sind und warum wir alle uns nach Normalität sehnen bzw. wie diese eigentlich zu leben wäre. Der moderne Wokeismus hat sich wie ein seichter Nebel über diese Normalität gelegt, wird aber bald von vielen Menschen und selber denkenden Menschen weggefegt. Als Ergänzung bzw. stark aktivierendes Buch in die gleiche Richtung empfehle ich dieses Werk von Dr. Wolfgang Herles: „Mehr Anarchie, die Herrschaften.“
Meinung aus der Buchhandlung
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Teils sehr philosophisch durchleuchtet Norbert Bolz in diesem Buch die Gründe, warum die bürgerliche Mitte und die bisherige, vom gesunden Menschenverstand betitelte Normalität, in der heutigen Zeit zunehmend von neuen Ideologien einer lautstarken Minderheit an den politisch rechten Rand gedrängt wird. Der Autor plädiert in teils recht komplexen Gedankengängen für mehr Mut zum Selbstdenken, um eine Rückkehr zur Normalität zu ermöglichen. Wenn auch teils recht "schwer" zu lesen, ist das Buch thematisch bis zur letzten Seite "on point" und damit eine klare Leseempfehlung meinerseits.
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