»Ein wunderbares, tiefgründiges Buch über das Leben im Kibbuz.« Haaretz
Yael Neeman wird 1960 in dem Kibbuz geboren, den ihre aus Ungarn geflohenen Eltern 1946 mitbegründeten. Eine goldene Kindheit, die Hände klebrig von Pinienharz und Feigenmilch. Die Arbeit auf den Feldern, das Herzstück des Kibbuz. Die Kibbuzversammlungen wie ein Stummfilm. Das Gefühl, eine neue Welt aufzubauen. Daran zu scheitern. Der Tag, an dem es zur Trennung kommt. - Yael Neeman erzählt in der ersten Person Plural, denn ihre Geschichte ist zugleich die einer ganzen Generation. »Eine ergreifende Erinnerung an den verlorenen israelischen Idealismus.« Financial Times
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Wichtiges & lesenswertes Buch
Carina Fellner aus Baden bei Wien am 29.11.2025
Bewertungsnummer: 2665456
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch hat mir eine Welt eröffnet, von der ich vorher nicht wusste, das sie je existiert hatte. Yael Neeman schreibt aus der Wir-Perspektive über eine Kindheit im israelischen Kibbuz Yechiam. Die deutsche Übersetzung von Lucia Engelbrecht trägt die Nuancen gut, die Sätze sind klar und ruhig übersetzt.
Der Kibbuz Yechiam ist nicht nur Schauplatz, sondern vor allem Erfahrung: Felder, Pinien, Feigen, Staub und Hitze. Die Natur ist immer präsent, wird von der Autorin aber nicht romantisiert. Sie ist der Rahmen, in dem eine Gemeinschaft versucht, ein völlig neues Leben zu bauen.
Der Kibbuz organisiert dabei alles. Ein Studium etwa ist keine Privatentscheidung: Ob und was jemand studiert, richtet sich nach dem Bedarf der Gemeinschaft. Essen außerhalb der festen Zeiten ist nicht erlaubt. Kleidung und Schuhe stellt der Kibbuz, private Dinge gibt es nicht. Der Tag ist durchgetaktet: Schlafen, lernen, spielen, arbeiten, alles zu seiner Zeit. In der Schule gibt es keine Prüfungen und keine Noten.
Gleichaltrige schlafen in Kinderhäusern, nicht bei den Eltern. Babys werden von der Familie getrennt, später besuchen die Kinder ihre Eltern jeden Abend genau für eine Stunde und fünfzig Minuten. Freundschaftsnetze entstehen in der Altersgruppe, Hierarchien sollen sich gar nicht erst bilden. Es ist eine sozialistische Erziehung, in der das Ich der Gemeinschaft weicht.
Neeman zeigt sowohl die Zuversicht, die am Anfang steht, als auch die Risse, die sich mit der Zeit bilden. Plena, in denen alles verhandelt wird, wirken aus Kinderaugen wie ein Stummfilm. Und dann ist da noch der Glaube, eine neue Welt zu schaffen, und das Scheitern, das sich in den Alltag schleicht. Die Wir-Stimme passt dazu, denn sie schafft Nähe zur Gruppe und hält gleichzeitig eine kleine Distanz zum Einzelnen.
Mich hat die Genauigkeit beeindruckt, mit der Regeln und Rituale beschrieben werden. Gleichzeitig bleibt das Buch tiefgründig, weil es spüren lässt, wie es war, im Kibbuz Yechiam groß zu werden. Für mich wirkte das Buch sogar noch stärker, als ich erwartet hatte. Es wirkte sehr echt und gleichzeitig sehr fern von dem, wie viele von uns Familie und Erziehung kennen, und gerade deshalb so wichtig und lesenswert.
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