Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte die Kontrolle darüber behalten, wie man auf dieses Leben blicken wird.
Als Julian Barnes erfährt, dass er eine Krankheit hat, die für ihn tödlich sein kann, aber nicht sein muss, heißt das für ihn, die Dinge zu ordnen. Was zählt im Leben, welche Lebensphase war wichtig, oder trügt die Erinnerung? Er nimmt Abschied, indem er den Anfang und das vermeintliche Ende dieses außergewöhnlichen Schriftstellerlebens erzählt - und eine fiktive Geschichte, in der auch ganz viel Julian Barnes steckt.
Eine literarische, ehrliche Bilanz, ein Blick zurück und nach vorn von Julian Barnes, dem großen englischen Romancier, der sich vielleicht mit diesem Buch vom Schreiben verabschiedet. Schließlich weiß man nie, wann genau das eigene Leben endet.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Boockpicker
Book Circle Community
5/5
18.03.2026
eBook (ePUB 3)
Erinnerung ist Identität
Es soll definitiv sein letztes Buch sein, meint Barnes und geht den Erscheinungen und Formen der Erinnerung nach. Was wäre, wenn man sich haargenau an jedes Detail seines Lebens erinnern könnte, aber auch gar nichts vergessen könnte? Und wenn man die Erinnerung wegnehmen würde, was würde dann von der Identität noch bleiben? Es ist weder Roman noch Essay noch Biografie, es sind Gedanken zum Älterwerden, zum Loslassen, aber auch zu Erlebnissen mit Freunden. Besonders geht er der Frage nach, wie er Stephen und Jean im Abstand von 40 Jahren zweimal zusammenbrachte, und sie sich dann doch trennten. Und so stellt er mit Proust fest, dass «die Erinnerungen, die sich zwei Menschen voneinander bewahren, sogar in der Liebe, nicht dieselben sind». Und er bemerkt, «dass jeder und jede von uns etwas Anderes meint, wenn wir von Liebe und Glück sprechen». Nüchtern beschreibt er sein Altern, und dass er mit seiner Krebserkrankung weiterleben und schlussendlich sterben wird. «Du darfst ruhig alt sein, aber du darfst dich nicht benehmen wie ein alter Mensch».
Eine eigenwillige Bestandsaufnahme eines erfolgreichen Schriftstellers, lesenswert.
AB
aus MUC
5/5
09.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
leise, persönlich, stark
„Abschied(e)“ ist kein Buch, das man einfach nur schnell liest und dann wieder beiseitelegt. Julian Barnes schreibt über das Älterwerden, Erinnerungen, Liebe, Krankheit und die eigene Vergänglichkeit – aber erstaunlicherweise ohne dabei schwermütig oder pathetisch zu werden.
Was mir besonders gefallen hat, ist diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und feinem Humor. Barnes schaut auf sein eigenes Leben zurück, stellt vieles infrage und zeigt gleichzeitig, dass Erinnerungen eben nicht immer so zuverlässig sind, wie wir gerne glauben möchten. Gerade diese ehrliche und manchmal auch selbstironische Art macht das Buch so besonders.
Die Sprache ist ruhig, klug und sehr präzise. Man merkt auf jeder Seite, dass hier jemand schreibt, der viel erlebt und noch mehr gelesen hat. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass Barnes dem Leser unbedingt etwas beweisen möchte.
Für mich ein sehr gelungenes, nachdenkliches Buch über das Leben und darüber, was am Ende davon bleibt. Ein Abschied, der gleichzeitig traurig, warmherzig und erstaunlich tröstlich ist.
Bewertung
aus Volketswil
5/5
24.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Abschied(e) – Ein Buch, das mich bewegt hat
Ich habe „Abschied(e)“ von Julian Barnes mit grossem Interesse gelesen und war tief berührt. Seine Sprache ist feinfühlig und einfühlsam, und er schafft es, Abschied und Verlust so ehrlich und nah zu beschreiben, dass es mich wirklich getroffen hat. Für mich ein bewegendes und klug geschriebenes Buch, das noch lange nachklingt.
Buchbesprechung
aus Bad Kissingen
5/5
20.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Literarischer Abschied eines Schriftstellers
REZENSION – Vor 15 Jahren wurde der britische Schriftsteller Julian Barnes für seinen internationalen Bestseller „Vom Ende einer Geschichte“ mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet. In dem Wissen, nun selbst das Ende seiner eigenen Lebensgeschichte erreicht zu haben, verfasste er sein letztes, stark autobiografisch geprägtes Werk „Abschied(e)“, das im Januar anlässlich seines 80. Geburtstags zeitgleich mit dem Original auf Deutsch beim Verlag Kiepenheuer & Witsch erschien.
Ausgerechnet zu Beginn der Covid-Pandemie wurde er mit einer erschreckenden Diagnose konfrontiert. „Ein Schriftsteller, im eigenen Haus unter Quarantäne gestellt, erkrankt plötzlich an Blutkrebs, während sich ringsum eine Seuche exponentiell ausbreitet. Das klingt wie ein schlechter oder doch wenig origineller Roman.“ Es ist kein Roman, den Barnes nun schrieb, sondern eine philosophische Reflexion über seine menschliche Existenz („I AM“), sein eigenes Leben und das Leben im Allgemeinen. „Meine [Krankheit] ist unheilbar, aber beherrschbar, eine ständige Begleiterin. … Unheilbar, aber beherrschbar, das klingt doch wie … das Leben selbst, nicht wahr?“ In seinem Buch sinniert er darüber, was im Leben wirklich zählt, und versucht festzuhalten, was erinnernswert bleibt, bevor die Erinnerung erlischt. „Wir wissen alle, dass Erinnerung Identität ist; nimmt man die Erinnerung weg, was bleibt dann noch?“.
Barnes' Buch ist einerseits die Geschichte einer Liebesbeziehung eines seit Studienzeiten mit ihm befreundeten Paares, Stephen und Jean. In jungen Jahren waren sie durch seine Vermittlung als Liebespaar zusammengekommen, hatten sich dann aber getrennt. Erst Jahrzehnte später kamen sie im frühen Alter wieder durch Barnes' Vermittlung erneut zusammen und heirateten. Aber auch diesmal trennten sie sich bald wieder. Es war eine Liebe mit Abschieden. Ein Abschied muss nicht zwingend endgültig sein, folgert Barnes daraus. Abschied kann gleichzeitig auch zu einer neuen Ankunft führen. Im Leben eines Menschen gibt es mehrere, verschiedene Abschiede – Abschiede von Personen, von Orten oder bestimmten Vorstellungen über andere und auch über sich selbst, die man im Laufe seines Lebens (vielleicht) ändert, ändern muss.
Andererseits ist „Abschied(e)“ auch ein Versuch des Autors, mit seinem eigenen Leben Frieden zu schließen. Es ist ein Essay im Stil eines Memoirs, verfasst im Bewusstsein des Alters und des bevorstehenden Abschieds vom Leben. Bezugnehmend auf Marcel Prousts fiktionale Autobiografie „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, in dem Proust die Vergangenheit mittels „unwillkürlicher Erinnerungen“ herausbeschwört und im Prozess des Schreibens nach der Wahrheit sucht, lässt uns Barnes an seinen Gedanken über die Unzuverlässigkeit der Erinnerung und die Vergänglichkeit der Liebe teilhaben. Was bleibt von einer verlorenen Liebe und wie verändert sich unsere Sicht im Laufe der Zeit auf die sich über Jahre wandelnde Liebe? „Abschied(e)“ ist auch ein Text über Verluste – Barnes verlor schon 2008 seine Ehefrau nach 30-jähriger Ehe –, wie wir mit ihnen umgehen und wie Verlustgefühle sich in uns festigen, in der Erinnerung doch wieder hochkommen, obwohl wir glaubten, sie längst verarbeitet und überwunden zu haben.
Wie in Barnes' anderen Werken verwischen sich auch in „Abschied(e)“ die Grenzen zwischen individueller Wahrnehmung und faktischer Realität. Bei der Lektüre sollte man sich Zeit nehmen und bereit sein, sich auf die sehr emotionalen und philosophischen Fragen einzulassen. Der Text vermittelt einerseits eine recht melancholische Atmosphäre, wie sie wohl jedem Abschied anhängt. Doch gelingt es dem lebenserfahrenen 80-Jährigen wie von ihm gewohnt, elegant und feinfühlig zu formulieren und als „fröhlicher Pessimist“ dem Ganzen eine heitere und subtil ironische Note zu geben: „Also werden mein Krebs und ich Arm in Arm dahinzuckeln, bis ich sterbe. Und das wird, jawohl, ein Tag des Sieges sein – ich habe, im Sterben, meinen Krebs umgebracht! Barnes 1, Krebs 0 – gewonnen!“
So wirkt „Abschied(e)“ trotz aller Ernsthaftigkeit und Tiefsinnigkeit wie eine lockere Plauderei mit seinen Lesern, mit der er sich von uns verabschiedet: „In jüngeren Jahren hatte ich für mich die Regel aufgestellt, jedes Buch so zu schreiben, als wäre es mein letztes. … Dies ist definitiv mein letztes Buch – mein offizieller Abgesang, mein letztes Gespräch mit Ihnen. … Dennoch, ich hoffe, unsere Beziehung hat Ihnen über die Jahre hinweg Freude gemacht. Mir auf jeden Fall. Es war mir ein Vergnügen, dass Sie da waren – ja, ich wäre nichts ohne Sie.“ Und was wären wir Leserinnen und Leser ohne seine Werke?
Jürg K.
5/5
02.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine eindrückliche Lebensgeschichte
Julian Barnes hat ein stilles, kluges und zutiefst menschliches Buch geschrieben. Er wendet sich hier seinem vielleicht intimsten Thema zu, dem eigenen Leben, seinem möglichen Ende und der Frage, wie man sich selbst erzählt. Was dieses Buch besonders macht, ist seine Mischung aus Klarheit und Verletzlichkeit. Er weiß, dass die längste Strecke hinter ihm liegt, und er begegnet dieser Erkenntnis mit einer Mischung aus Ironie, Weisheit und leiser Melancholie. Der Ausgangspunkt dieser Geschichte ist die Diagnose einer Krankheit, die tödlich sein kann, aber nicht muss. Das Lesen wird bald zur eigenen Frage was im Leben zählt, eigentlich? Welche Erinnerungen tragen? Welche trügen? Und wie erzählt man ein Leben, das man selbst gelebt hat, aber nie ganz verstanden hat? Berührt beim Lesen hat mich die Art, wie er Realität und Fiktion ineinanderfliessen lässt. Es ist ein literarischer Kunstgriff, der nicht distanziert, sondern näher heranführt. Das Buch wirkt auf mich wie ein leiser Abschiedsgruss, ohne endgültig zu sein. Barnes verabschiedet sich nicht vom Leben, sondern von der Illusion, es vollständig kontrollieren zu können. Dieses Buch bewegt, weil es verbindet Lebensbilanz, Erinnerungskunst und literarische Fiktion auf elegante Weise verbindet. Es ist ein Buch, das nicht laut sein will, sondern nachhallt. Für Leser, die Tiefe, Reflexion und menschliche Wahrhaftigkeit schätzen.
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5/5
24.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vielleicht macht die Literatur das Sterben ein klein wenig leichter
Der Klappentext trifft's perfekt: „... ein verspieltes und zugleich tiefgründiges Werk über Erinnerung, Liebe und das Endspiel eines Schriftstellers.“ Das letzte Buch des vielfach preisgekrönten, großen britischen Literaten Julian Barnes. Sehr schöne Literatur.
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