Die Erzählerin in diesem Roman ist müde - von der Arbeitswelt, ihren absurden Ritualen und entfremdenden Herausforderungen. Gebeutelt von den nie enden wollenden Anforderungen des, na ja: Kapitalismus, wünscht sie sich einen Job, bei dem sie möglichst wenig investieren muss, also am liebsten sehr wenig denken. Allerdings entwickeln auch die abseitigsten Anstellungen ihre Tücken - von Läden, die wie von Zauberhand vom Erdboden verschwinden, über mysteriösen Sekten, zu einem Landschaftspark, der von einem Geist heimgesucht scheint. Fast könnte man meinen, das System ist das Problem ...
Ein abgründiger Roman über die Tücken des modernen Alltags - lustig, surreal, hellsichtig und manchmal ganz schön beunruhigend.
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In dieser Welt gibt es keinen leichten Job
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 04.01.2026
Bewertungsnummer: 2691631
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Die namenlose Protagonistin in Kikuko Tsumuras Roman funktioniert. Jahrelang hat sie in einem fordernden Beruf gearbeitet, bis ihr Körper und ihr Inneres nicht mehr mitspielen. Danach hangelt sie sich von einem befristeten Job zum nächsten: fünf Tätigkeiten, fünf Arbeitswelten, fünf Versuche, irgendwo anzukommen – oder zumindest nicht weiter zu zerbrechen.
Jedes Kapitel öffnet einen eigenen Mikrokosmos. Tsumura macht sichtbar, wie Verantwortung, Zugehörigkeit, Autonomie und Fremdbestimmung ineinandergreifen. Die Tätigkeiten wirken banal oder absurd, doch gerade darin liegt ihre Kraft: Sie zeigen, wie stark Arbeit Wahrnehmung prägt – und wie schnell man beginnt, an sich selbst zu zweifeln, wenn sich Routinen, Regeln oder Erwartungen unmerklich verschieben.
Auffällig ist das ständige Funktionieren müssen. Entscheidungen entstehen selten aus Überzeugung, sondern aus Erschöpfung. Selbst bei einfachen, fast meditativen Arbeiten bleibt eine innere Alarmbereitschaft – als könne jederzeit etwas kippen. Psychische Überlastung, Zweifel an der eigenen Wahrnehmung und das Gefühl des Verlorengehens speisen sich aus Beobachtungen, Gedanken und kleinen Irritationen des Alltags. Was ist real, was Einbildung? Liegt das Problem in der Umgebung oder in einem selbst? Die Autorin verweigert einfache Antworten und entfaltet gerade dadurch ihre Wirkung. Auch gesellschaftlich lässt sich der Text lesen: als Porträt einer Arbeitswelt, in der Sicherheit brüchig ist, Menschen austauschbar erscheinen und selbst gut ausgebildete Personen jederzeit aus der Bahn geraten können. Sichtbar wird, wie dünn die Trennlinie ist zwischen „noch funktionieren“ und „nicht mehr können“.
Der deutsche Titel wirkt fast irreführend. Er suggeriert Rückzug oder Alltagsflucht. Der japanische Originaltitel – sinngemäß In dieser Welt gibt es keinen leichten Job – trifft den Kern des Romans deutlich präziser. Denn dies ist keine Geschichte vom Ausstieg, sondern vom Ausharren, Weitergehen und der Frage, wie man nach einem Bruch wieder einen Platz findet.
Stilistisch verlangt der Roman Aufmerksamkeit: Die teils sehr langen, verschachtelten Sätze können den Lesefluss bremsen – was zur inneren Anspannung der Protagonistin passt, aber nicht immer leicht zu lesen ist.
Am Ende bleibt ein nachhaltiger Eindruck. Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen ist kein lauter Roman, aber ein eindringlicher. Er benennt etwas, das viele kennen, aber selten aussprechen: dass man sich verirren kann – im Leben wie im Arbeiten – und dass es oft schon viel bedeutet, das überhaupt zu erkennen.
„Es spielt keine Rolle, was man macht, passieren kann alles, und überall. Das Einzige, was man tun kann, ist alles zu geben und das Beste zu hoffen.“ (S. 302)
Ein leises Buch über das Wiederfinden – und das Innehalten im Alltag
Sarah am 05.11.2025
Bewertungsnummer: 2646175
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
"Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist eines dieser stillen Bücher, die sich unauffällig ins Herz schleichen und dort lange nachklingen.
Kikuko Tsumura erzählt ruhig, klug und feinfühlig von einer jungen Frau, die nach einem Burnout versucht durch verschiedene, oft ungewöhnliche Jobs, wieder ins Leben zurückzufinden.
Jedes Kapitel wirkt wie eine kleine, in sich geschlossene Kurzgeschichte, und doch entsteht daraus ein sanft fließender Roman über Selbstfindung, Menschlichkeit und die Kunst, wieder Vertrauen ins Leben zu fassen.
Besonders mochte ich Tsumuras Schreibweise: ruhig, präzise, manchmal fast meditativ. Sie beschreibt Alltägliches mit solcher Aufmerksamkeit, dass selbst kleinste Gesten Bedeutung bekommen. Zwischen Melancholie und Hoffnung erzählt sie von den kleinen Momenten, die uns heilen – von Begegnungen, die uns verändern, auch wenn sie flüchtig sind. Besonders schön fand ich die Figur von Frau Eriguchi, die für die Erzählerin jemand ist, der hilft, ohne es zu merken.
Gleichzeitig gelingt es der Autorin, über das Persönliche hinaus einen Blick auf die moderne japanische Arbeitswelt zu werfen: auf Leistungsdruck, Entfremdung und die Schwierigkeit, in einer Gesellschaft, die Arbeit mit Identität gleichsetzt, gesund zu bleiben. Trotzdem bleibt das Buch nie schwer oder zynisch – im Gegenteil, es wirkt tröstlich und warm, fast wie ein freundlicher Blick auf die eigene Verletzlichkeit.
Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen ist ein zartes, kluges und wunderbar unaufgeregtes Buch über Selbstfürsorge und Neubeginn. Es erinnert daran, dass Heilung manchmal im Unspektakulären liegt – und dass es völlig in Ordnung ist, einfach mal dazusitzen und Yakisoba zu essen.
Meinung aus der Buchhandlung
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"Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist ein leiser, kluger Roman über Erschöpfung, Arbeit und die Suche nach einem erträglichen Platz im Leben. Die namenlose Erzählerin tastet sich nach einem Burnout durch verschiedene, scheinbar einfache Jobs – und stellt dabei fest, dass selbst das Anspruchslose seine eigenen Abgründe birgt.
Kikuko Tsumura erzählt ruhig und unaufgeregt, mit feinem Humor und einem Hauch Surrealität, der dem Alltag etwas Unheimliches verleiht. Besonders gelungen ist der Blick auf Entfremdung und Leistungsdruck in der modernen Arbeitswelt, ohne je laut oder belehrend zu werden. Nicht jeder Abschnitt entfaltet die gleiche Wirkung, doch insgesamt ist es ein tröstliches, nachdenklich stimmendes Buch, das lange nachhallt – wie eine warme Mahlzeit an einem müden Tag.
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