Eine afrikanische Geschichte Afrikas
Perspektivwechsel mit Potenzial zum Standardwerk — Vom Ursprung der Menschheit bis zur Unabhängigkeit | Nominiert für das Wissenschaftsbuch des Jahres 2025
Die Geschichte Afrikas ist die Geschichte der Anfänge der menschlichen Zivilisation. Nur wenig ist über die frühe und auch die moderne Geschichte der Geburtsstätte der Menschheit bekannt. Für viele beginnt diese Geschichte sogar erst mit Ankunft der Europäer:innen. Zeinab Badawi ändert dieses Narrativ und bietet eine beeindruckende Geschichte Afrikas – aus afrikanischer Perspektive. Von alten Zivilisationen und Kriegerköniginnen bis zu Eroberung und Unabhängigkeit fängt sie die Schlüsselmomente ein und erzählt fesselnd die reiche Geschichte des großen Kontinents.
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Mal ganz ehrlich: Was wissen…
BücherändernLeben aus Alt Ruppin am 03.05.2024
Bewertungsnummer: 2912581
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Mal ganz ehrlich: Was wissen wir von Afrika ??? Glühende afrikanische Sonne, Sklaverei und Kolonialismus sind die Themen die einem wohl sofort in den Sinn kommen, wenn man an Afrika denkt. Bei Zeinab Badawi lerne ich Afrika und vor allem mich selbst völlig neu kennen. Wie sie erzählt und beschreibt ist ansteckend, ich lese fasziniert und staunend. Die Autorin macht mich sprachlos, weil sie Themen miteinander verbindet, die bisher nicht miteinander verbunden wurden und letztlich hat sie damit recht und wird plötzlich ganz aktuell. Als sie bspw. sieben Millionen Jahre zurückschaut in die menschliche Entwicklung und die ersten Menschen in Afrika verortet, beschreibt sie nicht nur die weitere Entwicklung des Menschen, sondern auch das Klima weltweit vor rund 90 000 Jahren und sie erklärt sehr genau warum es dann zum ersten Mal zur Migration kam. Der Mensch verließ Afrika und Zeinab Badawi schreibt: "Menschliche Migration ist damit alles andere als ein neues Phänomen." Die großen Themen dieses wundervoll zu lesenden Buches sind Kunst, Religion, Geschichte und Könige in Afrika. Zeinab Badawi hat sehr viele afrikanische Länder besucht, mit vielen Leuten gesprochen und man merkt ihrem Buch dies an. Diese afrikanische Geschichte ist, bei allem Faktenwissen, auch ein sehr persönliches Buch der Autorin geworden und dies tut diesem Buch sehr gut. Bis zum heutigen Tag wird Afrika unterschätzt, falsch gesehen und viele haben auch kein Interesse daran etwas zu ändern und wenn es darauf ankommt, sind wir sowieso wieder die Reichen und die Afrikaner die, die sich mal schön in die Warteschlange einreihen sollen. Wie war es damals als die Länder den Corona-Impfstoff kauften ??? Afrikanische Länder gingen oftmals leer aus. Gerade solche Geschichten zeigen das heutige Miteinander von Ländern und Kontinenten und der Leser wird, wenn er gerade diese kleine Geschichte in diesem großartigen Geschichtsbuch liest, auch das Ende dieser kleinen Geschichte lesen, es ist so typisch und wir sollten uns für unsere Politik schämen. Eine sehr gewinnbringende Lektüre, die Augen öffnet !!!
Mit heißer Nadel gestrickt - eurozentrisches Denkmuster
Bewertung am 06.08.2025
Bewertungsnummer: 2560280
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich rechne es der Autorin hoch an, dass sie versucht, afrikanische Perspektiven auf die Geschichte des Kontinents sichtbar zu machen. Doch trotz dieses wichtigen Anliegens erscheint mir das Buch in seiner Ausführung wenig gelungen. Ich habe mir die BBC-Serie noch nicht angesehen, auf der das Buch basiert, aber sie muss spannend sein. Ich selber bin absoluter Laie und lese mich gerade ein. An dieser Stelle möchte ich auf die Geschichte Afrikas von Wilfried Speitkamp bei Reclam hinweisen. Ich finde er macht vieles richtig, erzählt wesentlich, verständlich und fundiert.
Hier sind meine Kritikpunkte. (Lang, weil Mühe gegeben..:-))
1. Fehlende Struktur und Orientierung
Es fehlt ein erklärendes Vorwort, das Leser:innen auf die Komplexität der Aufgabe vorbereitet. Die Kapitelabfolge wirkt beliebig, manche Übergänge sind abrupt, andere schließen sich nahtlos aneinander an. Es ist unklar, nach welchem Prinzip das Material geordnet wurde.
2. Geografisches Ungleichgewicht
Ein Großteil des Buches konzentriert sich auf den Norden bzw. Nord-Osten Afrikas – Regionen, die bereits in anderen Publikationen präsent sind. West-, Zentral- und Südafrika werden hingegen sehr knapp abgehandelt und meistens erst während der Kolonialzeit behandelt, oft in zusammenfassenden Kapiteln, die dem Reichtum und der Komplexität der Regionen nicht gerecht werden können.
3. Stilistische Schwächen
Der Tonfall schwankt zwischen populärwissenschaftlich, erzählerisch und anekdotisch. Formulierungen wie „möglicherweise", "erzählte mir Dr. Sowieso“ verwischen die Grenze zwischen belegter Forschung und Hörensagen. Es wäre interessant von den Geschichten zu hören, aber die Vermischung und dieses lapidare Name-dropping hinterlassen den Eindruck fehlender Recherche, was ich der Autorin in keinem Fall unterstellen will. Der Stil erinnert stellenweise an einen blumigen Reisebericht, dann wieder an einen Essay oder einen Lexikoneintrag – ohne klar erkennbaren Anspruch. Eine Königsgeschichte wird an die nächste gehängt, man verliert den Überblick und den Spaß am Lesen.
4. Unentschlossenes Format
Das Buch wirkt unfertig, fast wie „mit heißer Nadel gestrickt“. Es bleibt unklar, ob es ein Sachbuch, ein Nachschlagewerk, ein Essay oder eine persönliche Reportage sein will.
5. Reproduktion eines eurozentrischen Deutungsmusters
Und nun kommt der vielleicht gewichtigste Vorwurf. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass, obwohl das Buch antritt, afrikanische Geschichte aus afrikanischer Sicht zu erzählen, es in einer Denkstruktur verhaftet bleibt, die lange Zeit die Geschichtsschreibung über Afrika geprägt hat: Kulturen werden vor allem dann ausführlich behandelt, wenn sie staatliche Strukturen oder Schriftkultur aufweisen – also jenen Systemen ähneln, die dem europäischen Modell entsprechen. Gesellschaften mit anderen Organisationsformen (z. B. segmentäre Ordnungen, mündliche Traditionen, nicht-hierarchische Strukturen) kommen nur am Rand vor. So entsteht eine Schieflage: Der Versuch, Afrika aufzuwerten, reproduziert letztlich ein altes Wertungssystem – nur mit umgekehrtem Vorzeichen.
Die Geschichte des afrikanisches Kontinents wurde in der westlichen Geschichtsschreibung lange nur als Randnotiz wahrgenommen. Die Zeit vor der Kolonisation galt als geschichtslos. Diese Sichtweise ändert sich glücklicherweise, zwar langsam aber doch. Zeinab Badawi hat den Kontinent mehr als sieben Jahre lang bereist und viele Gespräche geführt, ihr Buch konzentriert sich auf die vorkoloniale Phase der afrikanischen Geschichte und erzählt diese aus afrikanischer Perspektive. Eine vollständige Darstellung wäre illusorisch, mehr als eine Mammutaufgabe, aber darum geht es hier auch nicht. Die Autorin zeigt die immense Vielseitigkeit Afrikas, in manchen Punkten kann man anderer Meinung sein, andere Themen oder Aspekte ausführlicher behandelt wünschen, das ist wohl unvermeidlich. Insgesamt ist es ein lebendig geschriebenes Buch, ein faszinierendes Panorama eines noch immer zu wenig bekannten und im öffentlichen Bewusstsein zu wenig präsenten Kontinents. (Siehe auch: Reybrouck, Kongo)
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