Der neue Roman der Bestsellerautorin über Familie, Schicksal und Verdammnis
Eniiyi wird an dem Tag geboren, an dem ihre Tante Monife begraben wird. Aufgrund der unheimlichen Ähnlichkeit mit Monife ist sich die Familie sicher: Sie ist ihre Reinkarnation. Die Frauen in Eniiyis Familie finden seit Generationen schon keinen Frieden, weil sie ihre geliebten Männer verlieren. Laut der Yorubapriesterin Mama G ist ein Fluch am Werk, der ihnen allen zum Verhängnis wird. Bleibt die Frage: Kann wenigstens Eniiyi dem Familienfluch und dem mysteriösen Schicksal, das Monife ereilt hat, entkommen? Oyinkan Braithwaite erzählt eine höchst originelle Geschichte über einen reinen Frauenhaushalt, über Dinge, die rational sind, und Dinge, die wir nicht erklären können. »Der Fluch der Falodun Frauen« ist lakonisch witzig, eindringlich und zieht uns hypnotisch in seinen Bann.
»Glänzend erzähltes Epos« Buchkultur
»Braithwaite beherrscht es, mit wenigen Worten maximale Wirkung zu erzielen.« DER SPIEGEL über »Meine Schwester, die Serienmörderin«
»Die Autorin zieht einen mit schwarzem Humor, Lakonie und Biss in den Bann.« STERN über »Meine Schwester, die Serienmörderin«
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Kann der alte Familienfluch gebrochen werden?
Eternal-Hope aus Österreich am 21.11.2025
Bewertungsnummer: 2659676
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Auf den Frauen der nigerianischen Yoruba-Familie Falodun scheint seit langem ein Fluch zu lasten: seit eine Urahnin im Kampf um einen Mann von dessen erster Frau verwünscht wurde, gibt es kein andauerndes Liebesglück mehr für die Frauen aus dieser Familie: die Männer verlassen sie früh, kommen um oder die Frauen finden erst gar keinen passenden Partner: "Für dich wird es niemals gut ausgehen. Kein Mann soll dein Haus je sein Heim nennen. Wenn einer es versucht, wird er keinen Frieden finden. Mögen deine Töchter verflucht sein. Sie werden den Männern nachstellen, aber die Männer werden ihnen wie Wasser durch die Finger rinnen. Deine Enkelinnen werden unglücklich lieben. Deine Urenkelinnen werden sich vergeblich um Anerkennung bemühen. Deine Töchter, die Töchter deiner Töchter und alle Frauen nach ihnen werden der Männer wegen leiden." (S. 37)
Das ist nun schon viele Generationen her, doch die Geschichten über das mangelnde Liebesglück der bisherigen weiblichen Ahninnen werden in der Familie weitererzählt. Nun sind moderne Zeiten angebrochen, auch in Nigeria, und insbesondere in dieser sonst eigentlich sehr aufgeklärten und wohlhabenden Oberschichtfamilie, die in einem großen Haus lebt und bei der es normal ist, dass auch Frauen eine qualitativ hochwertige und lange Ausbildung genießen und dann in anspruchsvollen Berufen arbeiten.
Der Roman wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt, die zu unterschiedlichen Zeiten spielen: Ebun ist im Jahr 2000 eine junge Frau, lebt noch im großen, alten Falodun-Familienhaus, gemeinsam mit ihrer Mutter Kemi, ihrer Tante Bunmi, ihrer Cousine Monife und ihrem Cousin, und ist schwanger. Über den Vater des Babys spricht sie nicht, sie wird eine ledige Single-Mutter werden, unterstützt von ihrer Verwandtschaft. Doch noch während Ebuns Schwangerschaft geht ihre Cousine Monife eines Nachts in tiefer Verzweiflung nach einer unglücklichen Liebe ins Meer, um sich das Leben zu nehmen. Als Ebun schließlich ihre Tochter zur Welt bringt, sind alle komplett erstaunt: das neugeborene Baby sieht exakt so aus wie die verstorbene Monife, die Cousine ihrer Mutter.
Die Mutter der Verstorbenen möchte das Kind ihrer Nichte deshalb am liebsten "Motitunde" ("Ich bin wieder da") nennen, doch Ebun setzt sich durch, will ihre Tochter davor bewahren, nur im Schatten einer Verstorbenen leben zu müssen und nennt sie "Eniiyi": "Sie hätte alles gegeben, um Mo wiederzusehen. Sie hatte Mo geliebt. Sie konnte noch immer nicht glauben, dass sie fortan ohne sie durchs Leben gehen musste. Aber ihr Kind würde nicht das Gefäß sein, das ihre Cousine nutzen konnte, um in dieses Leben zurückzukehren. Man bekam nur ein einziges Leben, und Mo hatte entschieden, was sie mit ihrem machen wollte." (S. 42)
Auch später wird die kleine Eniiyi ihrer verstorbenen Verwandten exakt ähneln, sich bewegen wie sie, sprechen wie sie, eine ähnliche Persönlichkeit zeigen,... sodass nicht nur die Frauen aus der Familie, sondern auch viele andere Menschen, die Monife gekannt haben, völlig erstaunt sind und einige meinen, sie sei die zurückgekehrte Monife. Eine schwere psychische Last, mit der das Mädchen aufwächst - nur ihre Mutter Ebun versucht, sie zu bestärken, sie selbst zu sein.
Auch Monife lernen wir aus ihrer eigenen Perspektive kennen, in den Jahren 1994 bis zu ihrem tragischen Tod im Jahr 2000. Eine sehr selbstbestimmte junge Frau, die sich ihr Leben gestaltet, nicht auf den Mund gefallen und mutig ist. Von dem alten Familienfluch hat sie gehört und doch hat sie erst einmal mit "juju", dem afrikanischen Glauben an Hexerei und Flüche, nichts am Hut und fordert sogar selbstbewusst von einer Mamalawo, einer Art Hellseherin, bei der ihre Mutter viel Geld gelassen hat, dieses zurück... und doch werden sich am Ende die Geschehnisse rund um eine tragische Liebesgeschichte mit einem jungen Igbo-Mann aus einem sehr reichen Elternhaus so zuspitzen, dass sie keinen Ausweg mehr sieht, als ins Meer zu gehen (das ist übrigens die allererste Szene des Buches, also kein Spoiler).
Eine besonders interessante Perspektive war für mich die der heranwachsenden Eniiyi, die wir sowohl als kleines Mädchen zwischen 2006 und 2012 als auch als junge Frau 2024 bis 2025 kennen lernen. Schwer lasten die tragische Familiengeschichte und die Erzählung des Fluches auf ihr, doch mutig versucht sie, sich davon zu befreien, erkennt schon als Jugendliche, dass es ihr nicht gut tut, so viel Zeit mit ihren Verwandten zu verbringen und wünscht sich, ins Internat gehen zu dürfen, was ihr auch gewährt wird. Als junge Erwachsene studiert sie und will nach ihrem Masterabschluss als genetische Beraterin arbeiten, hat also einen naturwissenschaftlichen Hintergrund. Das macht den Roman ganz besonders spannend, denn hier handelt es sich eigentlich um eine aufgeklärte und naturwissenschaftlich denkende junge Frau in der heutigen Zeit, die sich eben nicht von einem alten Familienaberglauben definieren lassen will, aber dennoch ständig von ihrer Umwelt damit konfrontiert wird, dass sie sie so sehr an die verstorbene Monife erinnert.
Ich habe mich schon lange nicht mehr so gut unterhalten gefühlt wie mit diesem Buch. Es ist sehr interessant und abwechslungsreich erzählt, alle Szenen sind relevant und es ist keine einzige Sekunde auch nur das kleinste Fünkchen Langeweile beim Lesen aufgekommen. Gleichzeitig habe ich wie nebenbei einiges über das Leben von Oberschichtfrauen im modernen Lagos/Nigeria gelernt und insbesondere das Spannungsfeld zwischen den Resten des Glaubens an alte Hexerei-Traditionen und andererseits einem modernen, aufgeklärten Leben, insbesondere bei den jüngeren Frauengenerationen, sehr interessant gefunden.
Um die Geschichte plausibel zu finden, muss man übrigens nicht unbedingt an Hexerei glauben - die meisten Geschehnisse wären auch problemlos durch die Weitergabe dysfunktionaler familiärer Muster in Bezug auf die Partnerwahl und durch die Macht selbsterfüllender Prophezeiungen (Beziehungen scheitern natürlich eher, wenn man von vornherein davon ausgeht, dass sie zum Scheitern verurteilt sein müssen) erklären.
Ich kann das Buch allen, die eine gute Unterhaltung wünschen, die gerne Familiengeschichten lesen und sich für das Nigeria der heutigen Zeit interessieren, wärmstens empfehlen.
Drei Generationen Frauen, ein Fluch und ganz viel unausgesprochene Geschichte
Bewertung am 09.02.2026
Bewertungsnummer: 3040760
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Stell dir vor, du kommst zur Welt und am selben Tag stirbt deine Tante. Und alle sind überzeugt: Du bist ihre Reinkarnation. So wächst Eniiyi auf. Sie sieht Monife zum Verwechseln ähnlich, obwohl sie sie nie kennenlernen konnte. Statt Erinnerungen hat sie nur Träume. Und Fragen: Was steckt wirklich hinter dem Fluch, der über den Frauen ihrer Familie liegt?
Seit Generationen heißt es: Kein Mann bleibt. Keine Liebe hält. Und irgendwann kehren alle Frauen zurück ins Familienanwesen.
Ich habe das Buch wirklich gern gelesen und gehört. Besonders dieser Frauenhaushalt hat mir gefallen. Drei Generationen, verbunden durch Liebe, Streit, Schweigen, Geheimnisse und den Versuch, etwas zu beenden, das größer wirkt als sie selbst. Und eigentlich geht es hier gar nicht „nur“ um Beziehungen zu Männern. Es geht um Familie. Um Weitergegebenes. Um Dinge, über die nie gesprochen wurde.
Erzählt wird aus den Perspektiven von Monife, Eniiyis Mutter Ebun und Eniiyi. Wir starten mit Monifes Tod und Eniiyis Geburt, springen dann in die Vergangenheit zurück. Dort begleiten wir Monife bei ihrer großen Liebe bis zu dem Punkt, an dem alles zerbricht. Parallel erleben wir Eniiyi als junge Frau, die versucht, ihren eigenen Weg zu finden statt sich über die Gemeinsamkeiten mit Monife zu definieren
Sehr spannend fand ich, wie gezeigt wird, wie sich Abweisung und Verletzungen über Generationen weiterziehen können. So eine Art vererbtes Trauma, das jede Frau anders verarbeitet. Manche kämpfen dagegen an. Andere fügen sich.
Dazu kommt diese leicht mystische. Immer wieder stellt sich die Frage: Ist es wirklich ein Fluch? Oder ist es längst zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung geworden?
Der Schreibstil ist locker, stellenweise richtig humorvoll, ich musste öfter schmunzeln. Es gibt hier und da kleine Längen, aber die haben mich nicht gestört, weil ich einfach gern in dieser Familiengeschichte geblieben bin.
Auch das Setting in Lagos fand ich super atmosphärisch.
Für mich ein toller Roman über
✨ Familie
✨ Geheimnisse und Schweigen
✨ Schwesternschaft, im Guten wie im Schwierigen
✨ Aberglaube vs. Realität
✨ Liebe und die Angst vor ihr
✨ Weitergegebenen Schmerz über Generationen hinweg
Meinung aus der Buchhandlung
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Schwesternschaft, Flüche und wie die wahre Liebe hier mitspielt
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Oyinka Braithwaites neuer Roman (aus dem Englischen ins Deutsche von Yasemin Dinçer) nach ihrem Bestseller "Meine Schwester, die Serienmörderin" ist eine epische Schwesterngeschichte rund um die Falodun Frauen und dem Fluch, der auf einer jeden von ihnen lastet. Braithwaites schreibt über das Schicksal, den Aberglauben und dem Verderben, real wie fiktiv und wie diese Grenzen manchmal schwinden, durchsichtig scheinen kann. Den Falodun Frauen liegt seit Generationen ein Fluch auf, der ihnen Liebesglück unerreichbar scheinen lässt - doch damit nicht genug. Als an Monifes Beerdigung dann auch noch Ebuns Kind Eniiyi zur Welt kommt, scheint die Welt Kopf zu stehen. Jeder Person die Eniiyi erblickt, sieht Monifes Ebenbild in ihr. Doch was genau hat das zu bedeuten? Ist Eniiyi keine eigene Person und ist sie dazu bestimmt, Monifes gleiche Fehler zu machen? Ich fand den Roman wahnsinnig fesselnd und sehr gut erzählt. Wir erfahren die Geschichte aus drei verschiedenen Blickwinkel - Ebuns, Monifes und Eniiyis, auch wechseln sich die Zeitstränge immer wieder und stückchenweise können wir nach und nach das volle Bild erkennen. Auch die Verbindung von einem Familienepos und den magischen Elementen des Fluchs wurde sehr gekonnt ausgearbeitet, der Ton teilweise sehr witzig - ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt. Auch können Lesende über Yoruba und Igbo wie Nigeria allgemein, was nochmals eine Kirsche auf diesem wunderbaren Roman ist.
Ich habe "Der Fluch der Falodun Fraun" abwechselnd als Hardcover Ausgabe und Audio Buch gelesen und kann dieses nur empfehlen. Besonders macht das auch die Erzählstimmt von Anja Herden, die bannend in die Geschichte leitet. Richtig toll!
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