Nie kann Doris Dörrie der Versuchung widerstehen, von einer Reise etwas mitzubringen: eine Origami-Schnecke aus Japan, eine Ringer-Maske aus Mexiko, die Figur einer Reisgöttin aus Bali, Boxerstiefel aus New York oder Borotalco, ein Wundermittel gegen Flecken aus Italien. Nützliches, Krimskrams, exotische Lebensmittel, Zauberutensilien und kitschige Staubfänger. In der Begegnung mit den Dingen erzählt Doris Dörrie auf ihre unverwechselbar persönliche Art vom Leben, Schreiben und Reisen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Alrik Gerlach
aus NordWestMecklenburg
4/5
02.10.2025
Buch (Taschenbuch)
Mit Doris Dörrie im Souvenir-Karussell
Mit Doris Dörrie zu verreisen ist ungefähr so, als würde man mit einer leicht chaotischen, aber unglaublich charmanten Tante im Flohmarkt verloren gehen – und plötzlich mit einer Plastikschildkröte, einem Curry-Pulver in Tütchen und einer völlig überflüssigen, aber magisch bedeutungsvollen Figur im Rucksack wieder auftauchen. In „Die Reisgöttin“ sammelt sie Dinge, die auf den ersten Blick wie Krempel wirken, aber beim genaueren Hinsehen plötzlich Geschichten freisetzen. Ein Origami-Tierchen wird zur Tür in eine Erinnerung, ein Fleckenpulver zum Zaubermittel gegen das Unaussprechliche, und eine Reisgöttin? Nun ja, die steht halt da und grinst – und schon steckt man mitten in Dörries Kopfkino.
Die Texte sind wie Souvenirs selbst: manchmal glänzend, manchmal schief, manchmal ein bisschen kitschig – aber fast immer überraschend. Klar, nicht jede Anekdote ist ein Volltreffer, und ab und zu dachte ich mir: „Okay, das hätte man auch in einem Satz erledigen können.“ Aber dann haut sie wieder einen Gedanken raus, der sich zwischen Leber und Zwerchfell festkrallt. Und das schafft nicht jede.
Was mir gefällt: Dörrie nimmt sich selbst nicht so ernst. Sie erzählt, als würde sie neben dir im Flugzeug sitzen und statt über Turbulenzen lieber über eine lächerlich hässliche Maske aus Mexiko philosophieren. Das macht das Buch herrlich unprätentiös. Aber man muss schon Lust auf diese Art von „Souvenirs in Buchform“ haben – wer hier eine klassische Reiseliteratur mit Fakten und Landeskunde sucht, wird enttäuscht.
Unterm Strich: vier Sterne. Kein literarischer Himalaya, aber definitiv eine charmante Reisebegleitung fürs Sofa. Wer gern zwischen Schmunzeln, Augenrollen und echtem Staunen pendelt, ist hier goldrichtig.
S. L.
aus Berlin
5/5
24.05.2024
eBook (ePUB)
Momentsplitter
Gedanken über Kleinigkeiten, wunderbar illustriert mit den genau beschriebenen Objekten (Fotos).
Betrachtungen über nebensächlich Wichtiges, Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben, Eindrücke über Alltagsdinge. In einprägsamer Sprache verfasst, angenehm zu lesen. Doris Dörrie beobachtet aufmerksam, widmet ihre Aufmerksamkeit Banalem, aber auch Ungewöhnlichem. Das Motto: gehe mit offenen Augen durchs Leben, schätze den Moment, freue dich an Schönem, entdecke das Interessante in scheinbar Unscheinbarem. Ihre vielfältigen Reisemitbringsel sind originell, teilweise skurril, jedes hat seine einzigartige Geschichte. Gern mit feinem Humor beschickt.
S.
aus Berlin
5/5
24.05.2024
eBook (ePUB)
Momentsplitter Gedanken über…
Momentsplitter Gedanken über Kleinigkeiten, wunderbar illustriert mit den genau beschriebenen Objekten (Fotos). Betrachtungen über nebensächlich Wichtiges, Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben, Eindrücke über Alltagsdinge. In einprägsamer Sprache verfasst, angenehm zu lesen. Doris Dörrie beobachtet aufmerksam, widmet ihre Aufmerksamkeit Banalem, aber auch Ungewöhnlichem. Das Motto: gehe mit offenen Augen durchs Leben, schätze den Moment, freue dich an Schönem, entdecke das Interessante in scheinbar Unscheinbarem. Ihre vielfältigen Reisemitbringsel sind originell, teilweise skurril, jedes hat seine einzigartige Geschichte. Gern mit feinem Humor beschickt.
Kaffeeelse
Thalia Book Circle Community
4/5
09.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einblicke
Doris Dörrie wirft hier sehr interessante und empathisch-kluge Blicke auf das Leben, Doris Dörrie verzaubert nicht nur mit ihren Filmen, nein, dies gelingt ihr mühelos in ihrem Buch „Die Reisgöttin“. Schön, warm und erhellend blickt die Autorin und Regisseurin hier auf das Leben, auf ihre Reisen. Denn sie hat einen Tic, sie muss immer etwas mitbringen. Ein schöner Tic, denn so umgibt sie sich mit Erinnerungen. Sehr schöne Erinnerungen. So ohne Banalität. Denn Doris Dörrie blickt interessant auf ihre Umgebung, auf das Fremde, lässt damit die Leserschaft ebenso interessant und träumerisch auf das Andere schauen. Lässt dabei ein eigenes Sinnieren zu und ermöglicht dieses Sinnieren ebenso der Leserschaft. Leicht plätschern diese Anekdoten an der Leserschaft vorbei, aber sie sind alles andere als leicht und plätschernd. Sie ermöglichen Einblicke in andere Welten, in anderes Denken und sie ermöglicht auch sehr persönliche Einblicke. Einblicke, die die Autorin sofort sympathisch machen. Erinnern diese Einblicke doch an die eigenen Blicke, Empfindungen, Ecken und Tics. Und ebenso ermöglichen diese Anekdoten Einblicke in andere Welten, in anderes Denken, Anekdoten, die andere Wichtigkeiten zeigen. Es sind Einblicke, die unsere hektische Welt kurz zum Stillstand bringen und vielleicht, so der Leser will und kann, auch gewisse Veränderungen bewirken. Denn das Schöne ist wichtig, es ist nicht die Angst und das Böse, was uns bewegen sollten, sondern das Schöne. Denn diese Reise hier auf Erden ist endlich und Doris Dörrie scheint um die Wichtigkeit des Schönen zu wissen, der in anderen Kulturen doch gefrönt wird. Anmerkung an uns alle.
Mit diesem Buch hier bin ich auf die Tapir-Reihe von Diogenes aufmerksam geworden. Eine Reihe, die sich mit unserer Menschlichkeit befasst, uns zum Nachdenken bringen soll, uns an das Schöne in uns erinnern soll, eine Reihe, die einen großen Nachhall in mir findet. Denn unsere westliche Welt verliert meines Erachtens nach den Anschluss zu unseren Wurzeln und Tapir ermöglicht ein Sinnieren darüber. Eine wunderschöne Idee. Bitte mehr davon.
Bewertung
Book Circle Community
4/5
01.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Mensch entscheidet bei allem mit
“Gut miteinander zu sein ist schön.” Das steht auf dem Teller, den Doris Dörrie einmal aus Japan mitgebracht hat. Aber das wusste sie nicht, als sie ihn in einem japanischen 1-Euro-Laden entdeckte und einfach mitnehmen musste. Sie war mit Elmar Wepper und Hannelore Elsner für den Dreh von Kirschblüten - Hanami dort und schleppte ihn durch halb Japan bis nach Hause. Dort erfuhr sie dann von der Bedeutung der Inschrift und “… mit einem Mal füllte sich mein Alltagsteller mit einer besonderen, grossen Geschichte … mit den Erinnerungen an den Tag, an dem Elmar Wepper und Hannelore Elsner vorm Fuji tanzten und uns alle glücklich machten.”
Viele kurze, kaum 2 Seiten lange Texte versammeln sich in diesem Büchlein, das ich so gern zu Hand genommen habe und bei dem ich mich geradezu dazu zwingen musste, nur eine … höchstens zwei … der Geschichten zu lesen. Und diese dann nachhallen zu lassen. Jede Geschichte für sich ist ein ganz besonderes Kleinod, das ein bisschen Langsamkeit und Achtsamkeit in unsere schnelllebige Welt bringt. Dazu passt auch diese ganz besondere Edition von Diogenes Tapir. In den Tapir-Büchern finden sich ausserdem Postkarten mit Sprüchen. Auch das eine sehr schöne Idee. Bei mir war es: “Der Mensch entscheidet bei allem mit.” Wohl wahr. Und dessen sollten wir uns immer bewusst sein.
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