London, 1883. Der sechzehnjährige Silas Bell ist trans und würde sich lieber seine violetten Augen ausreißen, als eine gehorsame Speaker-Ehefrau zu werden. Doch es spielt keine Rolle, dass er ein Junge ist und nicht das Mädchen, das die Welt unbedingt in ihm sehen will. Nach einem gescheiterten Versuch, einer arrangierten Ehe zu entkommen, wird bei Silas die Schleierkrankheit diagnostiziert - eine mysteriöse Krankheit, die violettäugige Frauen in den Wahnsinn treibt - und er wird in das Braxton-Sanatorium verfrachtet. Als die Geister vermisster Schüler Silas um Hilfe bitten, beschließt er, in Braxtons Inneres vorzudringen und der Welt dessen Eingeweide zu zeigen - vorausgesetzt, die Schule wird ihn nicht vorher zerstören.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Rina
aus Mannheim
5/5
03.12.2025
eBook (ePUB 3)
Feminismus, Grausamkeit und starke Charaktere
Silas Bell versucht, sich den Fangen der Speaker-Gesellschaft und einer arrangierten Ehe zu entziehen - doch er scheitert. Nach der Diagnose der Schleierkrankheit landet er in einem Sanatorium, das ihn wieder auf den richtigen Weg bringen soll. Dort trifft er auf andere Mädchen, die genauso gefangen sind wie er. Silas ist jedoch trans und will einfach nur ein selbstbestimmtes Leben führen.
Die Einrichtung ist ein Ort aus Manipulation, Gewalt und Kontrolle. Die Mädchen sollen zu gehorsamen Ehefrauen geformt werden - natürlich nur „zu ihrem Besten". Die Ironie erklärt sich von selbst. Das Setting wirkt stark feministisch und greift Motive des viktorianischen Zeitalters auf, in dem Frauen, queere Menschen und viele Minderheiten oft unsichtbar gemacht oder krankgeredet wurden.
Beim Lesen war ich häufig wütend und habe intensiv mit Silas mitgefühlt. Andrew Joseph White schreibt unglaublich komplexe Figuren, deren Handeln selten eindeutig gut oder böse ist. Viele Mädchen versuchen hier einfach nur zu überleben, und genau diese Nuancen mochte ich besonders.
Der Roman ließ sich sehr flüssig lesen. Da der Fokus auf den Figuren und der Besserungsanstalt liegt, bleibt die Fantasywelt etwas im Hintergrund - trotzdem fand ich die Schleierkrankheit und die Geisterelemente spannend umgesetzt.
The Spirit Bares Its Teeth ist mein zweites Buch von Andrew Joseph White. Hell Followed With Us war ein echtes Jahreshighlight für mich, und dieses Buch steht dem in nichts nach. Es hat mich zwar emotional nicht ganz so stark gepackt wie Hell Followed With Us, aber es war trotzdem großartig.
Cha
aus Baden-Baden
5/5
26.11.2025
eBook (ePUB 3)
Grandios
Das war echt krass (gut), ich glaube bisher habe ich nie etwas vergleichbares gelesen. Es geht um Silas, er ist trans und soll verheiratet werden. Als er versucht, der arrangierten Ehe zu entgehen, wird bei ihm die Schleierkrankheit diagnostiziert (die natürlich keine Krankheit ist, sondern der Versuch des viktorianischen Londons ihn in seine Rolle zu pressen, in die er nicht möchte). Um diese "Krankheit" zu heilen, kommt er in ein Sanatorium, in dem er auf verschiedenste Frauen, die nicht in das gesellschaftliche Bild passen und Geister trifft.
Diese Geschichte hat mich so umgehauen, die Figuren waren richtig toll ausgearbeitet, ich habe einige sehr liebgewonnen, die zwischenmenschlichen Beziehungen waren sehr vielseitig und der teilweise entstehende Zusammenhalt war so toll. Die Horror-Aspekte haben perfekt zum Setting und der Geschichte gepasst und alles sehr gut untermalt.
Wirklich ein Buch, dass mich überraschenderweise total überzeugt hat.
Sonjalein1985
5/5
18.11.2025
eBook (ePUB 3)
Violette Augen und dunkle Geheimnisse
Inhalt: London, 1883: In der Welt des 16-jährigen Silas Bell herrschen die Männer der Royal Speaker Society mit harter Hand. Violettäugige Frauen gelten einzig als Gebärende zukünftiger Speaker – jener Auserwählten, die mit Geistern kommunizieren können. Doch Silas ist trans, und niemand will den Jungen sehen, der in einer künftigen Speaker-Ehefrau gefangen ist.
Als sein Versuch scheitert, einer arrangierten Ehe zu entkommen, erhält er die Diagnose Schleierkrankheit – eine angebliche Störung, die violettäugige Frauen in den Wahnsinn treiben soll. Daraufhin wird Silas in das Braxton-Sanatorium eingewiesen, wo strenge Regeln und fragwürdige Behandlungen den Alltag bestimmen.
Schon bald bitten ihn die Geister verschwundener Schülerinnen um Hilfe. Silas beginnt zu ermitteln – und ahnt nicht, dass seine Nachforschungen ihn selbst in tödliche Gefahr bringen könnten.
Meinung: „The Spirit Bares Its Teeth: Der Tod besiegt alles“ von Andrew Joseph White ist ein atmosphärisch dichtes, unheimliches und oft erschreckendes Werk, das von der ersten Seite an fesselt. Im Mittelpunkt steht der 16-jährige Silas Bell, der davon träumt, Chirurg zu werden und über einen scharfen, analytischen Verstand verfügt. Doch gefangen im Körper eines Mädchens scheint ihm jeder Weg zu seinen Träumen verschlossen. Die Erwartungen seiner Eltern und die gesellschaftlichen Zwänge lasten schwer auf ihm – und selbst sein geliebter Bruder George, zu dem er immer aufgeblickt hat, scheint ihn nach seiner Heirat im Stich zu lassen.
Silas ist ein zutiefst ängstlicher, zugleich aber vorsichtiger und kluger Junge, der sein umfangreiches medizinisches Wissen stets nutzt, um rational zu handeln und anderen freundlich zu begegnen.
Im Braxton-Sanatorium trifft er auf den brutalen Direktor Captain Erneste Forrester und dessen fügsame Ehefrau, die zugleich als Lehrerin auftritt. Dort begegnet Silas einer Vielzahl unterschiedlicher Mädchen, die – alle mit violetten Augen – zu gehorsamen zukünftigen Ehefrauen geformt werden sollen. Die ruhige Isabelle, mit der er schnell Freundschaft schließt, oder die zickige Mary, die ihm das Leben schwer macht, verleihen der Geschichte zusätzliche Dynamik.
Besonders hervorstechend ist jedoch Daphne: klug, warmherzig, mitfühlend – und der einzige Mensch, bei dem Silas vollkommen er selbst sein kann. Die Beziehung zwischen den beiden ist berührend und gehört für mich zu den schönsten Aspekten des Buches.
Die Handlung ist spannend, emotionale Härten und unheimliche Momente sind zahlreich. Einige Szenen sind brutal oder blutig, was die Grausamkeit des Systems und den Horror der Situation beklemmend greifbar macht. Umso erleichterter war ich, dass die moralischen Vorstellungen der Speaker in unserer heutigen Kultur keine Entsprechung mehr haben.
Insgesamt hat mich das Buch hervorragend unterhalten. Es ist düster, packend und durchzogen von wichtigen Themen wie Identität, Unterdrückung und Selbstbestimmung.
Fazit: Dieses Buch ist ein beklemmender, zugleich bewegender Horrorroman, der historische Atmosphäre mit queerer Thematik und gesellschaftlicher Kritik verbindet. Ein intensives Leseerlebnis für Fans düsterer Geschichten – jedoch nichts für Zartbesaitete.
hapedah
4/5
03.12.2025
eBook (ePUB 3)
Spannend und düster, mit…
Spannend und düster, mit nahezu brutaler Detailgenauigkeit London 1883 Seit vor etwa sechzig Jahren der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und dem Reich der Geister dünner geworden ist, werden Kinder mit violetten Augen geboren, die die Gabe besitzen, mit Geistern in Kontakt zu treten. Der sechzehnjährige Silas Bell ist eines dieser Kinder, doch er ist trans und wird von seinen Mitmenschen als Frau gelesen - die in der Gesellschaft der Speaker (eine Art Loge von Geisterkundigen) als psychisch labil betrachtet werden. Nur Männern ist die Arbeit als Medium gestattet, der Wert violettäugiger Frauen besteht in dieser Gesellschaft lediglich darin, Nachwuchs zu produzieren. Auch Silas soll schnellstmöglich verheiratet und geschwängert werden, nach einem Versuch, diesem Zwang zu entkommen, wird er in das Braxton-Sanatorium eingewiesen, da er angeblich an der Schleierkrankheit leidet. Hier offenbart sich ihm nicht nur die Grausamkeit des Systems, er wird auch von den Geistern vermisster Patientinnen um Hilfe gebeten. "The Spirit Bares Its Teeth" von Andrew Joseph White ist eine düstere Fantasy-Geschichte, die mit nahezu brutaler Detailgenauigkeit erzählt wird. Bereits seit seiner Kindheit träumt Silas davon, Chirurg zu werden, seine diesbezüglichen praktischen Übungen und auch die eine oder andere Hilfe, die er im Lauf der Handlung an verschiedenen Menschen leistet, sind äußerst plastisch beschrieben, für dieses Leseerlebnis sollte man starke Nerven (und einen starken Magen) haben. Der Autor schreibt zu Beginn einen Brief an seine Leser, den man als Triggerwarnung ansehen und unbedingt beachten sollte. Dennoch hat mich das Buch schnell fasziniert und durchgehend gefesselt - das letzte Drittel hat mich sogar einige Stunden Nachtschlaf gekostet, weil ich es bis zum Schluss nicht mehr zur Seite legen konnte. Mit Silas habe ich von Anfang an mit gefühlt, von klein auf war er in den Augen seiner Eltern "falsch" und sie haben im Lauf der Jahre eine Vielzahl von Hauslehrern engagiert, die ihn zu einer brave Tochter und zukünftigen Ehefrau umerziehen sollten. Wer sich für Geschichte interessiert, der weiß, dass dieses Verhalten im viktorianischen Zeitalter üblich war, der Autor streift nur einen kleinen Teil der Grausamkeiten, der damals Menschen, die nicht ins gesellschaftliche Raster passten, angetan wurde. Zusammen mit dem Fantasyaspekt entwickelt sich daraus ein Buch, das mich zwar wütend und traurig gemacht aber dennoch tief in seinen Bann gezogen hat, mein Mutterherz blutete dabei für Silas, Daphne und die Mädchen in Braxton. Dieses Leseerlebnis wird sicherlich noch eine Weile in mir nachhallen und obwohl ich den Roman durchaus empfehle, rate ich zu einer Leseprobe vor dem Kauf. Fazit: Der Klappentext lässt nur wenig davon ahnen, welcher Horror die Leser erwartet, das Leid, das Silas und den Schülerinnen in Braxton zugefügt wird, hat mich emotional erschüttert. Dennoch war ich von der Geschichte sehr gefesselt und empfehle das Buch (unter Beachtung der Triggerwarnung, siehe "Ein Brief des Autors") gern weiter.
hapedah
4/5
03.12.2025
eBook (ePUB 3)
Spannend und düster, mit nahezu brutaler Detailgenauigkeit
London 1883 Seit vor etwa sechzig Jahren der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und dem Reich der Geister dünner geworden ist, werden Kinder mit violetten Augen geboren, die die Gabe besitzen, mit Geistern in Kontakt zu treten. Der sechzehnjährige Silas Bell ist eines dieser Kinder, doch er ist trans und wird von seinen Mitmenschen als Frau gelesen - die in der Gesellschaft der Speaker (eine Art Loge von Geisterkundigen) als psychisch labil betrachtet werden. Nur Männern ist die Arbeit als Medium gestattet, der Wert violettäugiger Frauen besteht in dieser Gesellschaft lediglich darin, Nachwuchs zu produzieren. Auch Silas soll schnellstmöglich verheiratet und geschwängert werden, nach einem Versuch, diesem Zwang zu entkommen, wird er in das Braxton-Sanatorium eingewiesen, da er angeblich an der Schleierkrankheit leidet. Hier offenbart sich ihm nicht nur die Grausamkeit des Systems, er wird auch von den Geistern vermisster Patientinnen um Hilfe gebeten.
"The Spirit Bares Its Teeth" von Andrew Joseph White ist eine düstere Fantasy-Geschichte, die mit nahezu brutaler Detailgenauigkeit erzählt wird. Bereits seit seiner Kindheit träumt Silas davon, Chirurg zu werden, seine diesbezüglichen praktischen Übungen und auch die eine oder andere Hilfe, die er im Lauf der Handlung an verschiedenen Menschen leistet, sind äußerst plastisch beschrieben, für dieses Leseerlebnis sollte man starke Nerven (und einen starken Magen) haben. Der Autor schreibt zu Beginn einen Brief an seine Leser, den man als Triggerwarnung ansehen und unbedingt beachten sollte. Dennoch hat mich das Buch schnell fasziniert und durchgehend gefesselt - das letzte Drittel hat mich sogar einige Stunden Nachtschlaf gekostet, weil ich es bis zum Schluss nicht mehr zur Seite legen konnte.
Mit Silas habe ich von Anfang an mit gefühlt, von klein auf war er in den Augen seiner Eltern "falsch" und sie haben im Lauf der Jahre eine Vielzahl von Hauslehrern engagiert, die ihn zu einer brave Tochter und zukünftigen Ehefrau umerziehen sollten. Wer sich für Geschichte interessiert, der weiß, dass dieses Verhalten im viktorianischen Zeitalter üblich war, der Autor streift nur einen kleinen Teil der Grausamkeiten, der damals Menschen, die nicht ins gesellschaftliche Raster passten, angetan wurde. Zusammen mit dem Fantasyaspekt entwickelt sich daraus ein Buch, das mich zwar wütend und traurig gemacht aber dennoch tief in seinen Bann gezogen hat, mein Mutterherz blutete dabei für Silas, Daphne und die Mädchen in Braxton. Dieses Leseerlebnis wird sicherlich noch eine Weile in mir nachhallen und obwohl ich den Roman durchaus empfehle, rate ich zu einer Leseprobe vor dem Kauf.
Fazit: Der Klappentext lässt nur wenig davon ahnen, welcher Horror die Leser erwartet, das Leid, das Silas und den Schülerinnen in Braxton zugefügt wird, hat mich emotional erschüttert. Dennoch war ich von der Geschichte sehr gefesselt und empfehle das Buch (unter Beachtung der Triggerwarnung, siehe "Ein Brief des Autors") gern weiter.
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