Ein diffuses Unbehagen ist es, das den Lehrer Lorenz Urbach mehr und mehr befällt, eine politische Unzufriedenheit, eine Überforderung, ein Überdruss. Plötzlich bricht eine ungekannte Aggression aus ihm heraus, er gerät in eine Schlägerei und verliert den Boden unter den Füßen. Als Berichte über ein blutrünstiges Tier auftauchen, das in den Alpen sein Unwesen zu treiben scheint, werden in Lorenz alte Erinnerungen wach. Die Medien spekulieren – ist es ein Wolf? Oder vielleicht doch ein Mensch? – und Lorenz denkt an seine Jugendfreundin Theresa, die Außenseiterin, die Aussteigerin, die immer schon Gewaltbereite … Er bricht zu einer einsamen Wanderung in die Berge auf, setzt sich den Naturgewalten aus – auf der Suche nach dem „Ungeheuer“ da draußen und dem Ursprung der Gewalt in sich.
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
Bewertung
3/5
30.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr schönes Buch! Der banale Schluß entäuscht aber! Schade!
Warum 3 Sterne? Für 95% des Buches hätte ich gerne 5 Sterne vergeben. Sehr gut geschrieben, aus dem Leben gegriffen und immer wieder gute Identifikationsmöglichkeiten. Wunderbare Schilderungen der herrlichen, schroffen, oft unheimlichen und lebensfeindlich wirkenden Gebirgslandschaft, hier des Karwendelgebirges (passend das Bild des Umschlags!), mit realen Ortsbezeichnungen und manch fiktiven Distanzen und Steigen. Man dringt dabei immer tiefer in das Unheimliche und Unbehagliche ein, spannend packend und schön zu lesen. Die eine oder andere im realen Leben kaum vorstellbare Episode tut dem noch keinen Abbruch. Und natürlich wunderbar auch die Beziehungs- und Liebesgeschichte zu Theresa, im Rückblick, längst vergangen, und doch immer präsent, der eigentliche Anlaß für die anspruchsvolle Wanderung durch das unheimliche Karwendelgebirge.
Dann aber, auf den letzten Seiten (Achtung, das geht nicht ohne Spoiler!) kommt die große Enttäuschung! Dafür 1 Stern, also insgesamt 3. Es wird nichts aufgeklärt, nicht einmal der sowieso höchst unrealistische grauenvolle Tod (Mord?) eines harmlosen Bergläufers, mit abgetrennten Gliedmaßen. Nichts! Auch das tote, zerfetzte Rind - ist halt so. Und Theresa, quasi die 2. Hauptfigur des Romans, ist kein Thema mehr. Klar, in seiner psychischen Ausnahmesituation hat sich der Lehrer Lorenz Urbach irgendetwas zusammengereimt, was so nicht sein kann, in seinem Wahn auf der Suche nach Theresa, dennoch handelt er zumeist einigermaßen überlegt und vernünftig. Und die Toten (Rind, Bergläufer) gibt es tatsächlich. Und auf den allerletzten Seiten die Auflösung - nein, nicht der Rätsel, die bleiben! Es geht offenbar um etwas ganz anderes! Dazu das ganze schöne Buch, aber der banale Schluß enttäuscht sehr: während er im Kaffeehaus auf seine geliebte Tochter wartet, neues Unbehagen, und das gleich doppelt: zuerst glotzt ihn wer von einem Plakat an, "überdimensional" die, ach ja, "Volkskanzlerfratze". Und drei Burschenschaftler kommen, gut gelaunt, ein Bier zu trinken. Und weil er im Gebirge eine Gruppe eher wüster Jäger beobachtet hatte, die eine Gemse "ermorden" (keine schöne Szene), wird noch schnell eine ideelle Querverbindung zu diesen hergestellt. DAS ist es also, was uns der Autor mitteilen will?!? Vermutlich ja!
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5/5
25.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Es war wirr, was Lorenz dem Förster aufs Band gesprochen hatte … Er wüsste etwas über das Wesen, das alle suchten, aber das wäre schwer zu erklären.“
„Es war wirr, was Lorenz dem Förster aufs Band gesprochen hatte … Er wüsste etwas über das Wesen, das alle suchten, aber das wäre schwer zu erklären.“
Das Dasein des Wiener Lehrers Lorenz Urbach ist von einer Lebenskrise, einem tiefen Unbehagen, von beruflichen und privaten Problemen bestimmt. Als er von mysteriösen Vorgängen in den Tiroler Alpen erfährt, vermutet er seine rebellische Jugendfreundin Theresa hinter den Ereignissen. Er bricht in die Tiroler Bergabgeschiedenheit auf um Theresa vermeintlich zu Hilfe zu kommen. Interessante Literatur vom österreichischen Dramatiker und Autor Thomas Arzt.
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5/5
18.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Unbehagen
„Mehr passiert unter Menschen, als alleine im Wald.“ (S.130) Der Lehrer Lorenz Urban macht sich auf die Reise zu einer nicht aufgearbeiteten Vergangenheit, zu einer Jugendliebe, die ihn nicht loslässt, und verzweifelt an einer Gegenwart, die ihn hilflos macht - ein Mann im Ausnahmezustand bricht auf in die Tiroler Alpen, um die „Bestie“ zu finden, er setzt sich erbarmungslosen Naturgewalten und dort vorherrschender Brutalität aus, stürzt tief in seine eigenen dunklen Abgründe. Ein bildgewaltiges Buch, eine schmerzhafte Erinnerung an die Natur, Licht und Dunkelheit, ein Spiegelbild der menschlichen Seele…eine aussparende Sprache, lückenhaft, zum Glück nicht alles aussprechende Figuren, torkelnd und taumelnd, fiebernd, scheiternd, nicht verkitscht. Und natürlich die große Frage, was Literatur eigentlich soll - für mich wurde es hier beantwortet.
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