Auf riskanten Wegen verhalf der junge Wiener Anwalt Willy Perl Tausenden Jüdinnen und Juden aus Zentral- und Osteuropa Ende der 1930er Jahre zu einem neuen Leben. Per Zug durch den Balkan, mit Raddampfern über die Donau, auf klapprigen Frachtern durch das Schwarze Meer und Mittelmeer ermöglichte er mithilfe griechischer Schmuggler ihre Flucht vor den Nationalsozialisten ins damals britische Mandatsgebiet Palästina. Dabei legte er - selbst Jude und zwischenzeitlich durch Gestapo und SS verhaftet - beispiellose Chuzpe an den Tag. Perls Einfallsreichtum, gepaart mit planerischem Geschick, rettet Tausende Jüdinnen und Juden vor dem Holocaust.
Der Historiker Robert Lackner zeichnet diese dramatischen Jahre in Perls Leben eindrücklich nach und beleuchtet damit ein bewegendes Kapitel Zeitgeschichte.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Philiene
aus Süsel
3/5
25.09.2024
eBook (ePUB 3)
Interessant aber etwas trocken
Mir ist durchaus klar das dieses Buch ein Sachbuch ist und kein Roman. In dem geht es in erster Linie geht es um Fakten und historische Details. In diesem hier ist Willy Perl derjenige um den es sich handelt. Ein junger Anwalt der in der Zeit des Nationalsozialismus großartiges geleistet hat. Obwohl ich schon sehr viel über diese Zeit gelesen habe, habe ich von ihm noch nie gehört und war sehr gespannt auf dieses Buch.
Fachlich war es hervorragend. Die historischen Fakten und Begebenheiten war perfekt recherchiert und wiedergegeben. Nur hatte ich mehr das Gefühl in einer trockenen Aufzählung zu sein , als in einer Biographie. Mir fehlte einfach der Bezug zu Willy Perl. Ich mag es einfach wenn in Biographien die Person um die es geht lebendig und menschlich dargestellt wird, das war hier leider nicht so.
Trotzdem ein interessantes Buch über einen wichtigen Menschen.
Bewertung
5/5
09.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannende Geschichte
Ein sehr interessantes Buch über eine mir bislang nicht bekannte Figur, hat mir gut gefallen. Über diese Transporte, die Perl organisiert hat, liest oder hört man sonst wenig. Ausgezeichnet recherchiert.
Gertie G.
aus Wien
5/5
30.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mut in Zeiten des Terrors
Robert Lackner, Historiker und Projektleiter im Ludwig-Boltzmann-Institut in Graz. Als er für sein Buch „Camp Ritchie und seine Österreicher“ in verschiedenen Archiven recherchiert, entdeckt er den Namen des Wiener Rechtsanwaltes Willy Perl (1906-1998), der einer dieser Ritchie-Boys ist. Doch was er weiter über Willy Perl findet, ist erstaunlich und wird in diesem Buch der breiten Öffentlichkeit dargestellt.
Wer ist er nun dieser Willy Perl, den bislang kaum jemand kennt?
Willy Perl, ist als Sohn des Textilkaufmanns Rudolf Perl 1906 in Prag geboren, er studiert in Wien Jura und schließt sich der Ivria, einer jüdischen Selbstschutzorganisation an, da Wien als Hochburg der Deutschnationen gilt. Während seines Gerichtsjahres in der Wiener Leopoldstadt lernt er einige Mitglieder des Zionismus kennen. Diese Kontakte werden ihm dann später für sein doch sehr gewagtes Unternehmen nützen, dem eine unangenehme Begegnung mit dem damals noch unbedeutenden SS-Mann Adolf Eichmann und seiner Pistole vorangeht (S. 8).
Ab 1936 beginnt die illegale Einwanderung zunächst in kleinen Gruppen nach Palästina, das britisches Mandatsgebiet ist und nur wenige, ausgewählte Juden ins Land lässt. Wenig später organisiert Willy Perl Geld zur Auswanderung von vornehmlich jüdischen Geldgebern. Dass dann ausgerechnet das Deutsche Finanzministerium Devisen bereitstellt, um den verfolgten Juden eine Ausreise zu finanzieren, ist wohl ein kleiner Treppenwitz der Geschichte.
Doch die Schwierigkeiten beginnen erst: Visa, Schiffe sowie Verpflegung müssen beschafft werden. Dann kommen stehen wesentlich mehr Personen im Hafen als ausgemacht. Wen zurücklassen? Wen mitnehmen? Werden die Schiffe von den Briten aufgebracht? Müssen sie wieder umkehren oder können sie doch ihre Passagiere abliefern?
Das eine oder andere Mal wied Willy Perl von den Menschenschmugglern um das im Voraus bezahlte Geld gebracht.
Nachdem das „Unternehmen“ letztlich viel Erfolg hat und Willy Perl Tausende Juden retten kann, treten natürlich Konkurrenten und Neider aus den eigenen Reihen auf. Anstatt gemeinsam an einem Strang zu ziehen, wird Perl ausgebootet. Zwar wird die von ihm aufgebaute Organisation von anderen fortgeführt. Doch wegen interner Querelen verpasst man die große Chance noch mehr jüdische Flüchtlinge zu retten.
Letztlich wird Willy Perl 1940 in Griechenland von der Gestapo verhaftet. Es gelingt ihm über Portugal nach Mozambik zu fliehen, wo er 1941 ein Visum nach Amerika erhält.
Nach dem Angriff auf Peral Harbour im Dezember 1941 tritt er in die US-Army ein und kehrt als „Ritchie Boy“ nach Europa zurück. Bei einem nicht autorisierten Ausflug nach Wien 1945 trifft er auf sein Frau Lore, die das KZ Ravensbrück überlebt hat wieder.
Erst sehr viel später, kurz vor seinem Tod werden Willy Perls Verdienste um die Rettung verfolgter Juden gewürdigt.
Meine Meinung:
Robert Lackner ist hier eine fesselnde Hommage an einem fast Vergessenen gelungen. Er arbeitet mit diesem Buch die wirklich bewegenden Jahre Perls von 1937 bis 1940 auf.
Die Zahlen, Daten und Fakten sind, wie es sich für einen Historiker gehört, penibel recherchiert! Ich finde ja die Chuzpe mit der Willy Perl sein Unternehmen startet sehr beeindruckend!
Dass Willy Perl für seinen Mut in den Zeiten des Terrors von den eigenen Leuten angefeindet worden ist, ist wirklich beschämend. Die Rolle diverser anderer jüdischer Fluchthelfer wäre noch zu hinterfragen und vermutlich Thema für ein anderes Buch. Aber, wie heißt es so schön? Neid musst du dir verdienen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Buch, das diese dramatischen Jahre in Will Perls Leben eindrücklich beschreibt und ein wichtiges Stück Zeitgeschichte ist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
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