Sind wir bald da? Vom Flüchtling zum anerkannten Wissenschaftler: Vedran Dzihic ist angekommen. Doch was braucht es, um den Neubeginn zu schaffen? Wann fühlen wir uns einer Gesellschaft wirklich zugehörig?
Jänner 1993, Traiskirchen bei Wien: Hier kommt Vedran Dzihic auf seiner Flucht vor dem Bosnienkrieg an. In Österreich fühlt er sich sicher, erlebt aber auch Gleichgültigkeit und Benachteiligung. Parallel zu seinem bemerkenswerten Bildungsaufstieg machen sich in Europa Populismus und Nationalismus breit. Geflüchtete und Migrant:innen werden immer mehr zur Gefahr stilisiert.
Eindringlich beschreibt Vedran Dzihic sein persönliches Ankommen und warnt vor der grassierenden Politik der Angst und Ausgrenzung. Wie geht unsere Gesellschaft mit "Anderen" um? Was ist nötig, damit sich alle zuhause fühlen?
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Bewegende Einblicke mit kleinen Schwächen
Bewertung am 22.01.2025
Bewertungsnummer: 2392263
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Ich wurde auf dieses Buch neugierig, nachdem ich Anfang des Monats die Diskussionsveranstaltung „Migration – neu gedacht“ im Wien Museum besucht hatte. Das Buch lässt sich insgesamt gut lesen, besonders die Passagen, in denen der Autor persönliche Erfahrungen teilt, fand ich bewegend und eindringlich.
Allerdings empfand ich die zahlreichen Referenzen – etwa zu Hannah Arendt oder Michel Friedman, nur um einige zu nennen – als etwas überladen. Die Versuche, diese Theorien und Konzepte mit der eigenen Geschichte zu verknüpfen, wirkten auf mich oft gezwungen, akademisch und störten den Lesefluss.
Trotzdem hat das Buch bei mir einige Denkanstöße ausgelöst und regt zur Reflexion über Themen wie Migration, Identität und Ankommen an. Für Leser:innen, die sich intensiv mit diesen Themen auseinandersetzen möchten, könnte es eine interessante Lektüre sein, auch wenn der Stil nicht jeden überzeugen wird.
Ein Weckruf an die Gesellschaft
Bewertung am 23.09.2024
Bewertungsnummer: 2299158
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Debatte um Flucht und Integration hat sich zu einem der zentralen politischen und gesellschaftlichen Konfliktfelder unserer Zeit entwickelt. Im Spannungsfeld zwischen humanitärer Verantwortung und gesellschaftlicher Überforderung wird oft übersehen, dass dieses „Ankommen“ der Menschen weit mehr ist als der physische Akt des Grenzübertritts. Es geht um Teilhabe, Identität und das Ringen um Zugehörigkeit in einem Umfeld, das nicht selten von Unsicherheit und Misstrauen geprägt ist.
Die Frage, wie eine Gesellschaft geflüchtete Menschen aufnimmt und welche Chancen sie ihnen bietet, ist ein Spiegel ihrer inneren Verfassung. Dabei zeigt sich häufig eine Diskrepanz zwischen dem Selbstbild als offene, liberale Gesellschaft und der Realität, die von Abschottung und Ausgrenzung geprägt ist. Illegale Zurückweisungen, Zäune an den Außengrenzen und fragwürdige Deals mit Drittstaaten zeigen: Europas Kreativität liegt eher in der Abwehr als in der Integration. Diese Widersprüche werfen die Frage auf, wie ernst es Europa damit ist, das Ideal der Aufnahmegesellschaft zu leben.
-> Die vollständige Rezension unter buecherherbst.blog -> https://buecherherbst.wordpress.com/2024/09/22/herausforderungen-mit-offenheit-und-mut-meistern/#more-12469
In dieser komplexen Gemengelage setzt Vedran Džihić mit seinem Buch „Ankommen“ ein Zeichen. Der Politikwissenschaftler erzählt von seiner eigenen Flucht während des Bosnienkrieges und den Herausforderungen des Ankommens, aber darüber hinaus gelingt es ihm, die Erfahrungen vieler Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte mit der aktuellen politischen Debatte zu verknüpfen. Sein Buch ist nicht nur eine persönliche Reflexion, sondern auch ein Plädoyer für ein besseres Verständnis der Prozesse, die Flucht und Integration begleiten – und für eine Gesellschaft, die bereit ist, sich diesen Herausforderungen mit Offenheit und Mut zu stellen. Zugleich bleibt die Frage, ob die Art und Weise, wie diese Debatte geführt wird, wirklich die richtige ist.
Vedran Džihićs Buch ist ein Weckruf. Es zwingt uns, über unsere eigene Rolle in der Flüchtlingsdebatte nachzudenken. Wir stehen vor einer Wahl: Wollen wir eine Gesellschaft sein, die anzieht, die integriert, die auf den Werten von Freiheit und Inklusion aufbaut? Oder wollen wir uns weiter abschotten, in einer Illusion von Homogenität, die längst der Vergangenheit angehört? „Der Neubeginn lässt sich nicht planen, er ergibt sich“, schreibt Džihić. Er lässt sich für die Flüchtlinge nicht planen. Offen bleibt, ob die Aufnahmegesellschaft ihn planen will und ob wir diesen Neubeginn überhaupt zulassen wollen. Es ist kein Buch, das tröstet – es ist ein Buch, das herausfordert. Und genau das macht es so notwendig.
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