Oldenburg, 1914: Luise reist nach Estland, wo die adelige Wilhelmine einen jungen deutschbaltischen Baron heiraten soll. Nicht wissend, dass es sich um den Zukünftigen ihrer Herrin handelt, trifft Luise auf Julius und verliebt sich in ihn. Die beiden Frauen fassen einen verwegenen Plan, aber ihr Glück steht auf Messers Schneide, denn schon bald bricht der Erste Weltkrieg aus.
Estland, 1989: Bislang hat sich Merike stets ihrem tyrannischen Großvater gefügt, doch jetzt schließt sie sich gegen seinen Willen nicht nur der Unabhängigkeitsbewegung an, sondern kommt auch hinter streng gehütete Geheimnisse der Familie - und entdeckt ihre deutschen Wurzeln.
Vor der wildromantischen Kulisse Estlands beschreiten drei Frauen neue Wege auf der Suche nach Freiheit und Liebe
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Hermione
5/5
22.04.2022
Buch (Taschenbuch)
Wahnsinnig atmosphärisch geschrieben und gut recherchiert
Estland – 1914 und 1989:
Während Luise mit ihrer Dienstherrin Wilhelmine nach Estland reist, weil diese dort einen adeligen Gutsbesitzer heiraten soll, lernt sie Julius kennen und lieben – und ahnt nicht, dass dieser ausgerechnet Wilhelmines Auserwählter ist.
Merike schließt sich einer Protestgruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen an, die für ein freies Estland mit eigener Identität und die Unabhängigkeit von der UdSSR kämpfen. Gleichzeitig versucht sie zu ergründen, welche Geheimnisse aus der Vergangenheit ihre Familie, allen voran ihr Opa, vor ihr zu verbergen versuchen.
Meine Meinung:
Ich hatte schon den ersten Teil dieser kleinen In Estland spielenden Reihe der Autorin sehr gerne gelesen und hatte mich daher auch sehr auf dieses Buch gefreut. Meine Erwartungen wurden auch dieses Mal nicht enttäuscht, sondern eher noch übererfüllt.
Von der ersten Seite an war ich wieder ganz begeistert von der auf zwei zeitlichen Ebenen spielenden Geschichte. Durch die liebevoll und sympathisch gezeichneten Personen war ich gleich mitten in der Handlung.
Sowohl Merike als auch Luise und Wilhelmine sind tolle starke Figuren, die das Herz auf dem rechten Fleck haben und die Geschichte tragen. Als Leserin leidet und fiebert man daher sehr intensiv mit ihnen mit.
Dank der extrem atmosphärischen Erzählweise und der sehr fundierten Recherche, die man überall zwischen den Zeilen merkt, hat mich das Buch über die gesamte Strecke sehr gut erreicht. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie sich die handelnden Personen zu der Zeit in den jeweiligen Situationen gefühlt haben. Außerdem habe ich wieder sehr viel über Estland und die Geschichte dieses tollen Landes, die so eng mit der deutschen Geschichte verknüpft ist, gelernt. Auch Bezüge zu aktuellen Ereignissen sind – leider – nicht von der Hand zu weisen!
Gerade die Zeit vor und während des Ausbruchs des ersten Weltkriegs und 1989 kurz vor der Wende sind meines Erachtens sehr gut und vielversprechend gewählte Zeitspannen, so dass man sehr tief eintauchen konnte und immer weiterlesen wollte, um zu sehen, wie es den Figuren ergeht.
Darüber hinaus war ich aufgrund der Nähe zu den warmherzig angelegten Personen auch emotional sehr berührt und bewegt, weil die Geschichte sehr gefühlvoll erzählt ist. Gerade die vielen Familiengeheimnisse in Merikes Umfeld machen die Geschichte zu etwas ganz Besonderem und Persönlichem.
Das Buch ist total tiefgründig und wird mich sicherlich noch lange beschäftigen.
Fazit:
Wieder ein gelungener historischer Roman der wundervollen Autorin – fundiert recherchiert, fesselnd und bewegend erzählt und tiefgründig emotional. Das Lesen war ein besonderer Genuss.
Lesefee23.05
aus Stepenitztal
5/5
17.04.2022
Buch (Taschenbuch)
Zwänge „Zwang hat noch selten…
Zwänge „Zwang hat noch selten dazu geführt, Menschen zu motivieren.“ „Die Birken der Freiheit“ ist ein historischer Roman von Christine Kabus. Er erschien im Februar 2022 im Aufbau Verlag und ist der zweite Band der Estland-Saga der Autorin. Die Bücher können aber unabhängig voneinander gelesen werden. 1914: Luise reist als Zofe der adligen Wilhelmine von Deutschland nach Estland. Wilhelmine soll in Estland ihren seit langem versprochenen Ehemann heiraten, doch die Liebe verläuft nicht immer nach Plan und so kommt alles anders als gedacht und auch der drohende erste Weltkrieg vereinfacht die Lage nicht… 1989: Merike hat schon immer das Gefühl, dass sie im kommunistischen System deutlich mehr unter Beobachtung steht als andere. Warum? Das kann sie sich auch nicht recht erklären, aber nach der unbedachten Aussage ihres Vorarbeiters, keimt in ihr immer mehr der Verdacht auf, dass ihre Familie ein Geheimnis verbirgt…! Der Roman von Christine Kabus beschäftigt sich historisch mit der Unabhängigkeit Estlands. Das Land wurde im Laufe der Geschichte zweimal eigenständig, beide Zeitebenen werden im Roman dargestellt. Die Zugehörigkeit zu Russland sowie der Kampf um die estländische Identität sind dabei derzeit so aktuell, wie die Autorin es sich beim Schreiben des Romans sicherlich kaum vorstellen konnte. Ich begann das Buch wenige Tage nach dem Kriegsanfang in der Ukraine und hatte an manchen Stellen durchaus unangenehme Gefühle, da ich immer wieder an die aktuelle Situation erinnert wurde und ich nicht ganz in die fiktive Geschichte abtauchen konnte. Entsprechend schwer fiel mir daher leider auch das Lesen, was dazu führte, dass ich zunächst sehr schwer in den Roman hineinkam. Die Handlung dreht sich dabei allerdings keinesfalls hauptsächlich um die „erzwungene Russifizierung“ Estlands, sondern vielmehr um die Familiengeschichten von Luise und Merike. Die historischen Ereignisse fügen sich gut in die fiktive Handlung ein und runden diese ab. Die Geschichte spielt dabei auf zwei Zeitebenen und wechselt entsprechend zwischen den Figuren. Die Kapitel sind dabei stets mit Jahres- und Ortsangaben versehen, sodass man nicht durcheinanderkommt. Beide Zeiten haben mir dabei sehr gut gefallen, der Schreibstil ist flüssig und leicht, die Figuren authentisch und sympathisch. Ich hatte tatsächlich keine wirkliche Lieblingsfigur und habe sowohl mit Luise als auch mit Merike mitgefiebert. Jede der beiden Frauen kämpft auf ihre Weise für ihre Zukunft und muss dabei so einigen Widerständen trotzen. Während Luise zunächst hauptsächlich mit gesellschaftlichen Zwängen kämpft, hat Merike es hauptsächlich mit den Widrigkeiten des kommunistischen Systems zu tun. Die Hintergründe werden hier in beiden Zeitebenen brillant dargestellt und wiedergegeben. Die Verbindung von Luise und Merike habe ich bis zum Romanende kaum erahnen können und war schließlich sehr überrascht über die eingebauten Wendungen. Schneller erkannt hatte ich hingegen die Verbindung zum ersten Band der Buchreihe. Ich freue mich, hier eine Verknüpfung herstellen zu können, diese ist aber so minimal, dass man die Bücher definitiv unabhängig voneinander lesen kann! Gefallen hat mir im Roman außerdem sehr, dass Gefühle und Hoffnungen gut und authentisch transportiert werden. Ich habe sehr mit den Figuren gelitten und zum Beispiel lange gehofft, der erste Weltkrieg möge ausbleiben, obwohl mir ja klar war, dass dies nicht geschehen würde… Sehr gemocht habe ich zudem die Entwicklung Merikes. Diese wirkt zunächst wie eine junge Frau, die unbedingt ins kommunistische System passen möchte und darauf bedacht ist, bloß nicht anzuecken oder aufzufallen, kurzum ist sie eher schüchtern und zurückhaltend. Im Laufe der Geschichte jedoch erkennt sie, was es mit ihrer Familiengeschichte auf sich hat und traut sich schließlich, ihre eigenen Wünsche durchzusetzen und auch mal entgegen dem Willen anderer zu handeln oder zu ihrer Meinung zu stehen. Mein Fazit: Insgesamt schreibt Christine
tinstamp
aus Hürm
5/5
15.03.2022
Buch (Taschenbuch)
Die Wege der Freiheit
"Die Birken der Freiheit" von Christine Kabus ist eigentlich Band 2 der großen Estlandreihe, jedoch beginnt er zeitlich noch vor dem ersten Band "Die Zeit der Birken". Das hat mich etwas verwirrt, aber im Großen und Ganzen ist es egal, welches Buch man zuerst liest. Beide sind in sich abgeschlossen und hängen lose durch die Familien zusammen.
Auch diesmal ist der Roman wieder in zwei Zeitebenen aufgeteilt und erzählt zwei eigenständige Geschichten. Die beiden Jahre, in denen wir Luise und Merike begleiten, sind voller Umbrüche und Veränderungen: 1914, der Beginn des Ersten Weltkrieges und 1989, der Fall des Eisernen Vorhanges.
1914. Louise tritt ihren neuen Job als Zofe bei der deutschen Adeligen Wilhelmine von Rahden an. Sie soll die junge Frau nach Livland begleiten, wo sie mit einem deutschbaltischen Baron verheiratet werden soll. Die beiden jungen Frauen werden sehr schnell zu Freundinnen, denn Wilhelmine kümmert sich nicht um etwaige Standesdünkel. Außerdem möchte sie viel lieber Medizin studieren, statt zu heiraten. Die beiden Frauen zögern die Reise etwas hinaus, um Land und Leute kennenzulernen - doch schlussendlich müssen sie den angekündigten Besuch wahrnehmen. Als sie auf dem Gut eintreffen, passiert etwas Unerwartetes....
1989. Merike darf eine Pionier Freizeit leiten, bei der sie Lenja kennenlernt. Die junge Punkerin setzt sich für die Freiheit von Estland ein, das seit 1940 zu Russland gehört und kein eigenständiger Staat mehr ist. Zu dieser Zeit ist der politische Umschwung bereits erkennbar und der Widerstand gegen Russland wächst immer mehr. Merike, die sich bisher dem Regime untergeordnet hat, wird mehr und mehr von Lenja beeinflusst. Und auch zuhause will sie nicht mehr nach der Pfeife ihres Großvaters tanzen, der die ganze Familie tyrannisiert. Sie schließt sich der Unabhängigkeitsbewegung an und kommt einem Familiengeheimnis auf die Spur....
Die interessanten und bildhaften Beschreibungen der Landschaften und der Städte, durch die Luise und Wilhelmine von Reval aus, dem heutigen Tallinn, reisten, haben Bilder im Kopf erzeugt. Vorallem aber auch, weil ich selbst schon in Tallinn war und die wunderschöne Altstadt kennengelernt habe. Christine Kabus erzählt uns einiges Wissenswertes über die Geschichte Estlands und den Baltischen Staaten. Die politischen Umwälzungen sind auf jeder Seite intensiv zu spüren und ich musste sehr oft an die aktuelle Lage in der Ukraine denken.
Die handelnden Figuren sind sehr lebendig gezeichnet und mit vielen Facetten ausgestattet. Beide bzw. alle drei Frauen haben mir sehr gut gefallen: Luise, Wilhelmine und Merike. Jede von ihnen erstarkt in ihrer Rolle, wobei Merike in meinen Augen die größte Wandlung durchmacht. Von der jungen Frau, die sich zu Beginn völlig unterordnet, bleibt am Ende nur mehr wenig übrig.
Meistens bevorzuge ich den Handlungsstrang aus der Vergangenheit, doch diesmal las ich in beiden Zeitebenen gleich gerne. Auf den letzten Seiten überschlagen sich dann die Ereignisse und die letzten Geheimnisse werden gelüftet. Ich finde es sehr schade, dass der Verlag an keinem dritten Band interessiert ist. Ich wäre sehr gerne wieder nach Estland gereist.
Schreibstil:
Christine Kabus schreibt teilweise sehr detailreich, aber auch wunderbar flüssig. Ganz besonders liebe ich aber ihre bildhaften Beschreibungen der Landschaft, wie auch die Einbettung politischer und historischer Begebenheiten zu dieser Zeit.
Am Anfang des Buches gibt es eine Karte von Estland aus dem Jahre 1914 und von 1989.
Fazit:
Ein wunderbarer Roman, der die wechselhafte Geschichte Estlands, verbunden mit einer fiktiven Handlung verknüpft und spannend erzählt wird. Eine sehr informative Lektüre, die schöne Unterhaltung bietet und die ich gerne empfehle. Man kann diesen zweiten Teil auch unabhängig von "Die Zeit der Birken" lesen.
Borkum
aus Kierspe
5/5
04.03.2022
Buch (Taschenbuch)
Beeindruckend und berührend
Nachdem mir schon der Vorgängerband „Die Zeit der Birken“ sehr gut gefallen hat, war ich nun auf die Fortsetzung sehr gespannt.
Auch in diesem historischen Roman bringt uns Christine Kabus Land und Leute Estlands zu unterschiedlichen Zeiten näher. Ich muss gestehen, dass ich zu der wechselvollen Geschichte dieses faszinierenden Landes fast nichts weiß. Daher fand ich die Informationen, die die Autorin in ihre Geschichte gekonnt eingebracht hat, sehr interessant.
Im Frühjahr 1914 reist Luise als Zofe von Wilhelmine von Oldenburg nach Estland. Wilhelmine soll dort den deutschbaltischen Baron Julius heiraten. Wilhelmine jedoch hat ganz andere Pläne und erstmal dem strengen Regiment der Eltern und dem engen Korsett der Konventionen entkommen, weiß sie auch ihre Chance zu nutzen. Aber auch für Luise hält der Aufenthalt in Estland eine Überraschung bereit und stellt ihr bisheriges Leben völlig auf den Kopf.
Im zweiten Strang befinden wir uns im Jahr 1989 und Estland befindet sich unter russischer Herrschaft. Wir lernen Merike kennen, sowohl ihr Leben als auch das ihrer Familie werden von dem despotischen Großvater bestimmt. Zu Beginn ist Merike ein gehorsames Mädchen, das keinerlei Anordnung hinterfragt. Allerdings macht sie nach und nach eine große Entwicklung durch und setzt sich am Ende für die Freiheit ihres Landes ein.
Die Autorin hat drei starke Frauen auf der Suche nach Freiheit und ihrem persönlichen Glück geschaffen, wobei der Fokus mehr auf Luise und Merike liegt. Alle drei Charaktere waren mir sympathische, auch wenn ich zu Beginn Merike etwas skeptisch gegenüberstand.
Ich mag den flüssigen und spannenden Schreibstil von Christine Kabus sehr. Besonders gefallen haben mir die landschaftlichen Beschreibungen, die mein Kopfkino in Gang gesetzt haben. Daran und aufgrund der vielen geschichtlichen Informationen merkt man die intensive Recherche. Hilfreich fand ich die Landkarten von Estland und Lettland von 1914 und 1989.
Mich hat der Roman teilweise gerade aufgrund der derzeitigen Geschehnisse in Europa sehr berührt. Ein toller historischer Roman, den ich gerne weiterempfehlen werde.
Ameland
aus Kierspe
5/5
04.03.2022
Buch (Taschenbuch)
Beeindruckend und berührend…
Beeindruckend und berührend Nachdem mir schon der Vorgängerband „Die Zeit der Birken“ sehr gut gefallen hat, war ich nun auf die Fortsetzung sehr gespannt. Auch in diesem historischen Roman bringt uns Christine Kabus Land und Leute Estlands zu unterschiedlichen Zeiten näher. Ich muss gestehen, dass ich zu der wechselvollen Geschichte dieses faszinierenden Landes fast nichts weiß. Daher fand ich die Informationen, die die Autorin in ihre Geschichte gekonnt eingebracht hat, sehr interessant. Im Frühjahr 1914 reist Luise als Zofe von Wilhelmine von Oldenburg nach Estland. Wilhelmine soll dort den deutschbaltischen Baron Julius heiraten. Wilhelmine jedoch hat ganz andere Pläne und erstmal dem strengen Regiment der Eltern und dem engen Korsett der Konventionen entkommen, weiß sie auch ihre Chance zu nutzen. Aber auch für Luise hält der Aufenthalt in Estland eine Überraschung bereit und stellt ihr bisheriges Leben völlig auf den Kopf. Im zweiten Strang befinden wir uns im Jahr 1989 und Estland befindet sich unter russischer Herrschaft. Wir lernen Merike kennen, sowohl ihr Leben als auch das ihrer Familie werden von dem despotischen Großvater bestimmt. Zu Beginn ist Merike ein gehorsames Mädchen, das keinerlei Anordnung hinterfragt. Allerdings macht sie nach und nach eine große Entwicklung durch und setzt sich am Ende für die Freiheit ihres Landes ein. Die Autorin hat drei starke Frauen auf der Suche nach Freiheit und ihrem persönlichen Glück geschaffen, wobei der Fokus mehr auf Luise und Merike liegt. Alle drei Charaktere waren mir sympathische, auch wenn ich zu Beginn Merike etwas skeptisch gegenüberstand. Ich mag den flüssigen und spannenden Schreibstil von Christine Kabus sehr. Besonders gefallen haben mir die landschaftlichen Beschreibungen, die mein Kopfkino in Gang gesetzt haben. Daran und aufgrund der vielen geschichtlichen Informationen merkt man die intensive Recherche. Hilfreich fand ich die Landkarten von Estland und Lettland von 1914 und 1989. Mich hat der Roman teilweise gerade aufgrund der derzeitigen Geschehnisse in Europa sehr berührt. Ein toller historischer Roman, den ich gerne weiterempfehlen werde.
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