Drei Jahrhunderte, ein mächtiges, friedliebendes Geschöpf und die Lebenswege der Menschen, die von ihm angezogen sind. Iida Turpeinen erzählt in 'Das Wesen des Lebens' ausgehend von der ausgestorbenen Stellerschen Seekuh von obsessiven Sammlern und rastlosen Wissenschaftlern, von begeisterten Naturschützern und den Frauen, die an Naturerforschungen immer schon beteiligt waren. Sie zeigt, wie wir Menschen vom unbedingten Begehren nach Erkenntnis angetrieben werden - und wie wir dafür die unwiderrufliche Zerstörung der Natur in Kauf nehmen. Ob auf Großer Nordischer Expedition in der Beringsee im 18. Jahrhundert, 100 Jahre später in der russisch-amerikanischen Kompanie in Nowo-Archangelsk in Alaska oder Mitte des 20. Jahrhunderts auf den Vogelinseln vor Helsinki: Turpeinen lässt uns mit ihrer berührenden Erzählkunst unsere Welt und das Wunder des Lebens mit neuen Augen sehen und verstehen, wie alles mit allem verbunden ist.
'Dieses Buch werden Sie bewegt und mit angehaltenem Atem lesen.' Helsingin Sanomat
Aus dem Finnischen übersetzt von Maximilian Murmann
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Test-LR
4/5
28.11.2024
eBook (ePUB 3)
Entdeckung, Erforschung, Ausrottung und dem Respekt vor dem Leben
Cover:
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Das Titelbild fällt aufgrund seiner zurückhaltenden Farben nicht so sehr ins Auge. Aber dafür ist die Stellersche Seekuh im Vordergrund ein Eyecatcher. Im Hintergrund sieht man Fragmente anderer Tiere sowie Motive aus der alten Seefahrt. Insgesamt hat mich dieses Mosaik unterschiedlicher Bilder neugierig gemacht und passt zu diesem historischen Roman.
Mein Eindruck:
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"Alle diese Schätze der Natur, die in ihren drei Reichen enthalten sind, die der höchste Werkmeister so künstlich bauet, sich vermehren lässt und so sorgfältig unterhält, scheinen bloß um des Menschen willen geschaffen zu sein. Zu seinem Nutzen kann alles, wo nicht unmittelbar, doch mittelbar verwendet werden; andere Geschöpfe aber haben diesen Vorteil nicht. Der Mensch bezwingt durch seine Vernunft die unbändigsten Tiere, verfolgt und fängt die schnellsten Geschöpfe; ja, er kann sogar diejenigen erlangen, welche sich in den Grund des Meeres verbergen. Linnaeus, Oeconomica Naturae, 1749"
Seit langem strebt die Menschheit danach, die Erde zu erkunden und zu erforschen, um allmählich ihre Kontrolle zu erlangen. Mithilfe des Beispiels der ausgerotteten Stellerschen Seekuh schildert dieser Roman, was Menschen dazu bewegt hat und weiterhin antreibt, die Natur zu erforschen. Er verdeutlicht die Auswirkungen der Habgier und Kurzsichtigkeit des Menschen auf seine Umgebung und wie er sich dabei selbst Schaden zufügt. Aber er beschreibt auch, dass es Menschen gibt, die diesen Prozess bewusst wahrnehmen und sich daher für den Erhalt der Natur einsetzen.
Der Roman beginnt mit der zweiten und letzten Kamtschatka-Expedition von Vitus Bering, bei der der anwesende Naturwissenschaftler Georg Wilhelm Steller die "Stellersche Seekuh" entdeckt. Die Exkursion, ihre Strapazen, aber auch die teils kontroversen Ansichten von Seemännern und dem Naturforscher werden ausführlich beschrieben. Die Handlung wird ausschließlich in der dritten Person erzählt, ohne jegliche Dialoge oder direkte Rede. Dadurch bekommt die Erzählung einen sehr ruhigen, aber eindringlichen Ton. Dieser beschreibende Stil hat mir sehr gut gefallen. Dadurch entsteht eine authentische Atmosphäre, die es dem Leser ermöglicht, tief in die Handlung einzutauchen.
Erstaunt war ich über den Umfang des Buches, denn die Geschichte endet nicht bei der Entdeckung der Seekuh, sondern dieser Anlass wird verwendet, um einen roten Faden hin zu weiteren Forschern zu spinnen. Das Seekuh-Skelett verbindet mehrere Ereignisse, wobei beim Streifzug durch die weitere Historie auch seltene und ausgestorbene andere Tierarten thematisiert werden.
Bei den Schilderungen wird immer wieder ein kritischer Unterton spürbar, der nachdenklich macht.
"Es wird heftig diskutiert. Eine Entscheidung wird nicht getroffen, und John Grönvall verlässt die Versammlung verwirrt. Es stimmt, dass auch er sein Gewehr angesetzt und das Herz eines Auerhahns mit Schrot durchschlagen hat. Er ist auf eine Fichte geklettert und hat das Nest eines Wintergoldhähnchens geleert, aber seine Motive sind rein. Das Töten des Vogels und das Sammeln des Eis erfolgten aus wissenschaftlichem Interesse, aus künstlerischem Ehrgeiz, im Herzen nichts als Liebe für Vögel. All die endlosen Stunden, die er ihnen gewidmet hat – kann es sein, dass sie eine ins Gewand der Liebe gehüllte Tücke sind, dass er beschädigt hat, was er retten möchte? John findet in seinem Bett keine Ruhe und geht dahin, wo sein Verstand ruht." (S. 206-207)
Am Ende findet man ein Dankeswort an alle ausgestorbenen Tiere, was für mich die Sache rund gemacht hat.
Mein einziger Kritikpunkt: Gelegentlich empfand ich die ausführliche Darstellung der Lebensgeschichten der Forscher etwas zu ausufernd. Einige Aspekte des alltäglichen Lebens und der zwischenmenschlichen Beziehungen hätten für mich nicht so ausführlich dargestellt werden müssen.
Ich habe dieses spannende Buch genossen, viel über Tiere, Naturwissenschaft und ihre Historie gelernt und es mit einem nachdenklichen Blick auf uns Menschen geschlossen.
Fazit:
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Eindringlicher und fesselnder Roman: Unser Forscherverhalten gepaart mit Gier und Herrschaftsbestreben, das uns gleichzeitig selbst schädigt
meerblick
4/5
30.08.2024
eBook (ePUB 3)
Leben in seiner Vielfalt
Iida Turpeinen ist mit ihrem Roman 'Das Wesen des Lebens' auf eher unkonventionellen Pfaden der Schriftstellerkunst unterwegs. Ihre Sprache ist fast poetisch und klar, dennoch eher knappgehalten, wenig ausschmückend. Die Handlungsstränge fließen kaum ineinander, erfordern Achtsamkeit, Konzentration beim Lesen. Der Inhalt begeistert und lässt Freiräume für jegliche Gedankenvielfalt.
Wissenschaftlich fundiert berichtet die Autorin von der Entstehung des Lebens auf der Erde und schließlich darüber wie der Mensch seine Befriedigung im Entdeckerdrang findet, dabei Zerstörung und Ausrottung von Lebewesen in Kauf nimmt. Im Mittelpunkt der Geschichten stehen Forscher und Entdecker, die in der Beringsee, in Nowo-Archangelsk und schließlich in Helsinki zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert wirkten und ihre Spuren auf unserem Planeten hinterlassen haben.
Für begeisterte Leser wissenschaftlicher Erkenntnisse verpackt in belletristischer Form ist dieses Buch eine Fundgrude der besonderen Art.
Magnolia
4/5
24.08.2024
eBook (ePUB 3)
Vom Artensterben
Iida Turpeinen nimmt ihre Leser mit auf eine Reise, die 1741 mit dem deutschen Arzt und Naturforscher Georg Wilhelm Steller ihren Anfang nimmt. Seine Expedition führt ihn ins Nordmeer, dort entdeckt er die gigantische, urzeitliche Seekuh, die danach bald ausgerottet war. Anhand des später gefundenen Skeletts dieser Stellerschen Seekuh führt die Autorin über mehrere Jahrhunderte vor Augen, wie der Mensch die Natur beherrscht.
Der Roman bietet ein Füllhorn an Wissen über die Artenvielfalt und deren sterben. Er führt vom Nordmeer nach Alaska, das damals russisch war. Dort begegnen wir dem finnischen Gouverneur Johan Hampus Furuhjelm, der nach dem Skelett suchen lässt und sind später dann in Helsinki bei Professor Alexander von Normann, der es schließlich erwirbt, um schlussendlich im Naturkundemuseum der Stadt zu sein, wo es seinen endgültigen Platz findet.
Dieser interessante, sehr informative Teil wird durch die Protagonisten lebendig. Der Mensch handelt eigennützig, er jagt die Tiere nicht nur der Nahrung wegen, auch die Felle und alles, war verwertbar ist, haben es ihm angetan und das, ohne auf die Erhaltung der Arten zu achten. Die Danksagung zum Schluss macht dies nur zu deutlich, gilt der Dank doch den Arten, die während des Schreibens dieses Buches ausgestorben sind. Fische, tropische Froscharten, unzählige Milbenarten, Beuteltiere und Fledermäuse, auch ein Wildschwein – es waren 374 Lebewesen, die während der sieben Jahre, in denen „Das Wesen des Lebens“ Gestalt annahm, für immer verschwunden sind.
Den Schreibstil habe ich zeitweise als etwas zu sperrig empfunden, die hier agierenden Personen waren eher so, als ob man sie aus der Ferne betrachtet, eher nüchtern beschrieben. Und doch möchte ich das Buch nicht missen, es bleibt im Gedächtnis und sollte gelesen werden.
Bewertung
4/5
03.08.2024
eBook (ePUB 3)
Der Mensch ist das Tier
Als Rezensionsexemplar durfte ich das Wesen des Lebens von Iida Turpeinen lesen. Ein wirklich außergewöhnliches Werk.
Die Autorin nimmt die Leserschaft mit auf eine Reise durch drei Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte. Wir sind dabei als die Stellersche Seekuh auf der Beringinsel entdeckt wird, ihre Überreste nach Sankt Petersburg gelangen und alle ihre Verwandten und Nachkommen ausgerottet werden.
Wir reisen nach Alaska, wo die Entdecker der Welt sich die Eingeborenen zu eigen machen und auch dort das Leben der einheimischen Tiere nehmen, bis nicht mehr viele übrig sind. Doch auch die Seekuh folgt uns dorthin.
In Helsinki begleiten wir einen Naturforscher und seine Assistentin dabei, wie sie Spinnen katalogisieren. Bis sie eines Tages das Skelett einer Stellerschen Seekuh vor sich haben.
Und zum Schluss lernen wir weitere uns heute unbekannte Tiere kennen, die wie die Stellersche Seekuh schon vor langer Zeit durch unsere Vorfahren ausgerottet wurden. Doch das Artensterben ist nicht Vergangenheit sondern allgegenwärting.
Ich finde den Inhalt des Buches sehr sehr interessant, doch leider ist es teilweise sehr ermüdend und anstrengend zu lesen.
Lianne
4/5
23.07.2024
eBook (ePUB 3)
Das Aussterben von Arten
Im Museum ist sie ein gern gesehenes Exponat, die Stellersche Seekuh. Das riesige Tier, ist lange ausgestorben. Nicht, weil die Welt sich verändert hat und Evolution besser angepasste Arten hervorgebracht hat, nein, sie wurde nicht wiederholbares Opfer des größten und habgierigsten Raubtieres. Dem Menschen.
Thematisch ist es ein sehr wichtiges Buch und es geht auch um mehr als das Artensterben, die Gefahren eines Lebens auf einer Expedition, die Zeit der Entdecker und den Umgang mit Frauen in der Wissenschaft vor gar nicht allzulanger Zeit. Doch die stärkste Botschaft ist eben jene: wie unbedacht der Mensch mit der Natur und der Arterhaltung umging (und teilweise noch umgeht, auch wenn nun das Bewusstsein und auch die Verantwortung beim Eingreifen in die Natur vorhanden ist) und dadurch zum aussterben von Arten sorgte.
Der Schreibstil war für mich befremdlich (vielleicht liegt es auch an der Übersetzung oder dem Mix aus Fakten und Fiktion) und es hat lange gedauert, mich da hineinzufinden, daher war es für mich kein fesselndes Leseerlebnis. Dennoch empfehle ich dieses Buch, denn das Thema ist zu wichtig, um nicht drüber zu reden.
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5/5
18.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Für Fans von Nature Writing und alle, die es werden wollen
Eigentlich ein Buch, das eine historische Abenteuerreise verspricht, trotzdem saß ich da und habe wiedermal die gesamte menschliche Existenz hinterfragt. Der Aufbau des Romans ist absolut fantastisch; die Autorin spannt einen Bogen über drei Jahrhunderte hinweg. Wir folgen verschiedenen Figuren bis ins Helsinki des 19. Jahrhunderts, deren Geschichten alle durch ein einziges Skelett einer Riesenseekuh miteinander verbunden sind. Der Schreibstil und die Tonalität haben eine besonders poetische Kraft. Die Autorin beschreibt die Natur so lebendig, dass man das Salz förmlich auf den Lippen schmeckt, nur um uns im nächsten Moment vor Augen zu führen, wie diese Schönheit durch Profitgier bedroht und zerstört wird. Das Wesen des Lebens ist ein melancholischer, bildgewaltiger und tiefgründiger Blick in den Abgrund unserer eigenen Spezies. Ein Buch, das man auch Wochen später noch nicht vergessen hat. .
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5/5
01.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfach toll!
Was für eine wunderbare, aber auch traurige Geschichte! Es ist eine gelungene Mischung aus Sachbuch und Roman über längst ausgestorbene Arten, Jäger, Sammler, Naturforschung, Seefahrt und die Frauenrolle in der Wissenschaft. Nicht zuletzt geht es auch um das Wesen der Menschen und darum, was unser Wissensdurst und unser Handeln anrichten können. Ich bin begeistert.
Alles was lebt muss einmal sterben, aber erst wenn es ausstirbt, ist es für immer verloren.
Im Fokus dieses Buches steht die "Stellersche Seekuh". Eine Spezies, die wenige Jahrzehnte nach ihrer erstmaligen Entdeckung durch den menschen ausgerottet wurde. Turpeinen erzählt verschiedene Geschichten der letzten Jahrhunderte, die sich um die Welt, den Menschen und dessen Einfluss auf das Artensterben drehen.
Eine Liebeserklärung an die Wissenschaft, die Forschung und allem voran, an die Natur.
Spannung ist hier eher zweitrangig, dafür gibt es extrem viel zu lernen`, ohne dass es eintönig wird.
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