Der preisgekrönte Roman einer der spannendsten jungen Autorinnen Japans. - »Sie werden besessen sein.« Leila Slimani Die Frau im lila Rock scheint in ihrer eigenen Welt zu leben und bewegt sich traumwandlerisch durch überfüllte Straßen, ohne von ihrer Umwelt Notiz zu nehmen. Sie ist eine alleinstehende Frau. Sie lebt in einer kleinen, heruntergekommenen Wohnung und ist knapp bei Kasse. Sie sitzt jeden Nachmittag auf derselben Parkbank. Sie kauft jeden Tag ein Sahnetörtchen, das sie im Park verzehrt. Aber sie wird beobachtet. Die Frau in der gelben Strickjacke ist unbemerkt immer dort, wo die Frau im lila Rock sich aufhält. Doch sie ist keine Stalkerin - es ist viel komplizierter!
Über zwei Leben, die auf unheimliche Weise miteinander verflochten sind.
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Eine, die schaut
Bewertung (Mitglied der Book Circle Community) am 07.12.2025
Bewertungsnummer: 2672233
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Dieser kurze, leise Roman hat mich überrascht. Er wirkt zunächst unscheinbar, fast alltäglich, und entfaltet doch eine enorme Tiefe. Imamura erzählt mit zarter Genauigkeit von einer Frau, die scheinbar unbeachtet am Rand der Gesellschaft lebt – und von einer anderen, die sie beobachtet.
Die Erzählerin, die Frau in der gelben Strickjacke, verfolgt die Frau im lila Rock mit beinahe manischer Aufmerksamkeit. Sie notiert Uhrzeiten, Wege, Gespräche, beobachtet jede Geste. Zunächst scheint sie nur eine stille Zeugin zu sein – eine Nachbarin, vielleicht eine Kollegin. Doch nach und nach wird klar, dass sie mehr tut: Sie beeinflusst das Leben der anderen, lenkt sie unbemerkt zu einer Arbeitsstelle im Reinigungsdienst eines Luxushotels und versucht, ihr näherzukommen.
Dabei ist sie keine klassische Stalkerin. Ihre Besessenheit hat etwas Tragisches, fast Rührendes. Man spürt, dass sie die Frau im lila Rock bewundert, vielleicht sogar liebt, aber unfähig ist, eine echte Beziehung zu ihr aufzubauen. Selbst als die beiden schließlich gemeinsam arbeiten, bleibt sie unsichtbar. Und als über die Frau im lila Rock abfällig geredet und getuschelt wird, schweigt sie – ein Moment, der schmerzt, weil man spürt, dass Nähe allein nicht genügt, um Mut hervorzubringen.
Natsuko Imamura zeigt mit feinem, unaufgeregtem Stil, wie Einsamkeit und Beobachtung ineinander übergehen. Hinter der ruhigen Sprache liegt eine scharfe Gesellschaftskritik: Sie zeigt, wie Menschen im Japan der Gegenwart durch das Raster fallen – prekäre Jobs, kein soziales Netz, stille Verzweiflung.
Natsuko Imamura schließt ihre Geschichte nicht ab – sie lässt sie auslaufen, offen, unaufgelöst. Wie das Leben jener, die unbeachtet bleiben.
Ein zarter, beklemmender Roman, still und dennoch beunruhigend. Einzig schade: Er ist zu kurz. Ich hätte gerne weitergelesen – nicht, weil etwas fehlt, sondern weil Imamura so fein und präzise schreibt, dass man in dieser merkwürdigen, traurigen Welt gerne noch etwas länger verweilen möchte.
Weitere Rezensionen auf Deutsch findest du auf meinem Goodreads- und LovelyBooks-Profil.
Innovativ!
Novalie aus Graz am 21.02.2025
Bewertungsnummer: 2419078
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Eine Frau im lila Rock lebt ihr Leben in ihrer eigenen Welt. Sie sitzt immer auf derselben Parkbank, isst dasselbe Gebäck und nimmt ihre Umgebung kaum wahr. Sie hat ihre Struktur und ihre Vorhersehbarkeit. Doch etwas wird sich ändern. Denn die Frau im lila Rock wird von der Frau in der gelben Strickjacke beobachtet, die unbemerkt in ihrer Nähe ist.
Die Autorin ist Japanerin, wodurch die Geschichte mir einen neuen kulturellen Hintergrund geboten hat.
Die Geschichte war komplett anders, als ich es erwartet habe. Zwei schemenhafte Charaktere, die eher analysiert, als kennengelernt werden, treffen aufeinander, oder aneinander vorbei. Die Motive ihrer Handlungen, oder den Zweck, den sie verfolgen war für mich lange unvorhersehbar.
Die beobachtende Erzählperspektive hat eine sehr erwartungsvolle Stimmung erschaffen, die ich in dieser Art noch nie gelesen habe.
Ich konnte das Buch nicht zur Seite legen und habe es in einem Rutsch, ohne Pause, durchgelesen. Als ich das Buch fertiggelesen hatte, musste ich erst noch eine Weile darüber nachdenken, ob ich die Geschichte mochte.
Mein Fazit: Spannende Idee, innovativer Aufbau, schöner Sprachstil, aber man braucht Zeit, um die Geschichte wirken zu lassen.
Meinung aus der Buchhandlung
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Eine ungewöhnliche Erzählung aus der beobachteten Perspektive, die sich nach und nach in ein spannendes Drama verwandelt. Einzigartige Erzählweise, schonungslos mit exquisiter Ironie gepaart.
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