Ich vermisse niemanden. Und ich brauche auch niemanden.
Die neunundzwanzigjährige Akiko lebt als Single und in selbstgewählter Einsamkeit in Tokio. Eines Abends begegnet sie zufällig Kento wieder, ihrer ersten Liebe aus Schulzeiten. Kento führt ein zurückgezogenes Leben als ein Hikikomori, der sich nur nachts auf die Straße traut. Gleichzeitig entdeckt Akiko im Nachlass ihrer Mutter eine Lebenslüge, die all ihre Gewissheiten infrage stellt. Sie muss sich eingestehen, dass sie nicht weiß, wer sie ist. Mit Kentos Hilfe begibt sich Akiko auf eine Reise zu ihrer eigenen Geschichte, die ihr Leben in unverhoffte Bahnen lenkt und sie zu den Fragen führt, die sie sich bisher nicht zu stellen wagte: Wie will ich leben? Und habe ich den Mut, jemanden zu lieben?
Ungekürzte Lesung mit Leonie Landa
2 MP3-CDs, 9h 12min
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
09.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Stilles Erwachen
Ein japanisches Sprichwort besagt: „Der Nagel, der hervorsteht, wird eingeschlagen.“ Aus Angst, aufzufallen oder sich angreifbar zu machen, hat sich Akiko jahrelang in eine Rolle gefügt, die sie nahezu unsichtbar macht: ein unauffälliger Job, eine zurückgenommene Art, ein Leben wie hinter Milchglas, in dem sie aus Vorsicht kaum Raum für sich selbst – ihre Wünsche und Träume – beansprucht. Doch eine solche Fassade zu tragen, kostet Kraft.
Zufällig trifft sie ihren ehemaligen Klassenkameraden Kento wieder. Als Hikikomori hat er den gegenteiligen Weg gewählt und sich radikal aus der Gesellschaft zurückgezogen. Doch in seinem selbstgewählten Schutzraum bleibt er wenigstens authentisch: Er verstellt sich nicht, spielt keine Rolle, beugt sich keinen Erwartungen und fordert nichts ein. Diese ungekünstelte Wahrhaftigkeit wirkt auf Akiko wie ein Kontrastmittel. Plötzlich erkennt sie die Masken überall – bei Kollegen, Freunden, Fremden im Zug und sogar bei ihrer Mutter. Und mit jeder dieser Erkenntnisse wird ihr klarer, wie einsam sie in ihrer eigenen Rolle geworden ist und wie sehr sie sich nach einem echten, selbstbestimmten Leben sehnt. Die Begegnung mit Kento wird zum Katalysator: Er inspiriert sie, mutiger zu werden und sich wieder Raum zu nehmen.
Der Roman zeigt typische Feinheiten japanischer Alltagskultur – höfliche Distanzen, indirekte Kommunikation, das Pflichtgefühl im Berufsleben –, ohne sie je explizit zu thematisieren. Für Leser:innen, die zum ersten Mal japanische Literatur lesen, können manche Verhaltensweisen ungewohnt wirken, fügen sich hier aber stimmig in die Figurenwelt ein. Psychologisch überzeugt die Geschichte vor allem durch ihre Kerndynamik: Akiko und Kento, die auf unterschiedlichen Wegen verschwunden sind – sie in der Masse, er in der Abgeschiedenheit – und die erst durch ihre Begegnung begreifen, wie sehr Erwartungen, alte Verletzungen und falsch verstandene Rücksichtnahme das eigene Leben einengen können. Ihre Annäherung wächst in kleinen, behutsamen Momenten und wirkt gerade deshalb so wahrhaftig.
„Aber vielleicht ist es nicht nur die Frage, wie gut wir uns kennen, die entscheidet, ob wir uns einem anderen Menschen nah und verbunden fühlen oder nicht. Vielleicht genügen bei manchen nur wenige Augenblicke, um ein Gefühl der Seelenverwandtschaft zu erzeugen. Ein Lächeln. Ein Schweigen im richtigen Moment. Ein Blick, ein Satz, der uns dort erreicht, wo sonst niemand hinkommt.“ (aus Akikos stilles Glück, Jan-Philipp Sendker)
Akikos stilles Glück von Jan-Philipp Sendker ist ein zarter, zugleich eindringlicher Roman über zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise aus der Welt verschwunden sind – und darüber, wie heilsam es sein kann, endlich gesehen zu werden. Die Verbindung zwischen Akiko und Kento bleibt dabei wohltuend frei von Kitsch. Statt großer Liebesgesten entfaltet sich eine stille Vertrautheit, die mehr über Nähe sagt als jede Romanze. Am Ende wirkt das Buch wie eine sanfte Reflexion darüber, wie Beziehungen, Kultur und innere Blockaden uns prägen — und wie leise Glück entstehen kann, wenn man beginnt, sich selbst wieder zuzuwenden.
Bewertung
aus Einsiedeln
5/5
26.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Faszinataion der Einsamkeit
Ein spannender, feinfühliger Roman über Einsamkeit, Stille und Gelassenheit. Einfühlsam und spannend, wie sich die als Single lebende Akiko und der Hikikomori Kento annähern. Die Geschichte zeigt, wie wenig es brauchen kann, um sein Leben neu auszurichten, vorausgesetzt die dazu notwendigen Impulse kommen von der richtigen Person. Angereichert wird die Geschichte mit wunderschönen Haikus, wie:
Die ganze lange Nacht
Das Geräusch des Wassers sagt,
was ich denke.
Danke Jan-Philipp Sendker für ein weiteres, wunderschönes Buch!
Bewertung
5/5
10.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Roman über Einsamkeit & den bewussten Rückzug aus der Gesellschaft
Sogenannte Hikikomori - Menschen, die sich aus der Gesellschaft zurückziehen und ein Leben allein vorziehen - sind in Japan mittlerweile keine Seltenheit mehr.
Jan-Phillip Sendker erzählt in seinem Roman, wie sich die junge Japanerin Akiko, auf die Suche nach ihrer Herkunft begibt und dabei einem alten Klassenkameraden wiederbegegnet, der sich für ein Leben als Hikikomori entschieden hat.
Trotz der ruhigen Erzählweise, spricht der Roman ein sehr ernstes Thema an, wodurch der Leser einen interessanten Einblick in die japanische Gesellschaft und den sozialen Rückzug, der dort mittlerweile zum Alltag gehört, erhält.
Doch der Roman regt auch zum Nachdenken darüber an, ob dieses Phänomen nicht schon längst auch bei uns zum Problem geworden ist.
Bewertung
5/5
17.03.2025
eBook (ePUB)
So zart und doch voller Sprachgewalt
Der neue Roman von Jan-Philipp Sendker ist auf eine wunderbare Art und Weise leise. So, wie man es schon von „Das Herzenhören“ von ihm kennt, überrascht Sendker seine Leser*innen auch in seinem neuen Roman mit einer Tiefe und Aussagekraft, die es in sich hat. Die Leser*innen tauchen in die japanische Kultur ein und gehen einen lebensverändernden Weg mit Akiko, der zwar irgendwo leise vonstattengeht, dadurch aber nichts von seiner Kraft verliert. Denn genau darin liegt die Faszination an Sendkers Bücher. Die Lebensweise des Hikikomori Kento fand ich unglaublich spannend. Wie er zu einem Hikikomori geworden ist und wie sein Kontakt zu Akiko, mit ihrer ganz anderen Lebensweise, sie beide verändert hat.
Bewertung
aus St.Pölten
5/5
13.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfühlsames Buch über die japanische Kultur
Besonders eindrucksvoll ist Sendkers Fähigkeit, komplexe Themen wie Zurückhaltung, Pflichten und die Suche nach Glück ohne Pathos darzustellen. Akiko, die Hauptfigur, steht dabei für den stillen, inneren Kampf zwischen Tradition und Moderne. Sendkers fundierte Recherchen und tiefes Verständnis für Japan schaffen eine ruhige, aber dennoch intensive Erzählung, die den Leser auf eine nachdenkliche Reise mitnimmt. Akikos Stilles Glück ist eine feinfühlige Reflexion über Beziehungen, Kultur und die leisen Wege zum Glück – ein Buch, das berührt und zum Nachdenken anregt.
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3/5
08.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gedankenwelt
Es passiert viel und auch wieder nichts. Wir lernen die Welt von Akiko und Kento einen Hikikomori kennen. Sie trauert noch und er versucht sich von Enttäuschungen zu erholen.
Durch die Gespräche oder Stille zwischen Kento und Akiko verändern sich ihre Gedankenwelten.
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3/5
17.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwei Außenseiter in den Weiten Tokios
Von außen betrachtet führt Akiko ein Bilderbuch-Leben: sie hat einen soliden Job, eine eigene Wohnung, einen keinen Freundeskreis und keine finanziellen Sorgen. Gut, den Mann fürs Leben hat sie noch nicht gefunden, aber sie ist ja auch noch jung. Wobei - möchte sie den richtigen Mann überhaupt finden? Ist ihr eintöniger Job wirklich erfüllend? Und mag, geschweige denn kennt sie sich überhaupt?
Ein ehemaliger Schulkollege, der sich von der Welt zurückgezogen hat, fragt sie eines Tages diese so gehaltvolle Frage: Magst du dich? Und in Akiko beginnt es zu brodeln.
An und für sich steckt sehr viel Potenzial in dieser Geschichte rund um zwei verlorene Seelen, die sich in einer sie überfordernden Welt ein wenig Halt geben.
Immer wieder blitzen diese stillen Momente auf, fühlt man das Ungesagte zwischen den Zeilen - in diesen Momenten ist Sendkers neuester Roman ein Genuss.
Aber dann gibt es auch die anderen Stellen, jene, wo man das Gefühl hat, der Zaunpfahl möchte einen regelrecht erschlagen. Wo die allseits bekannten Kalendersprüche hervorgeholt werden um Komplexes in leicht Verdauliches zu verwandeln. Viele gewichtige Themen werden angesprochen, bleiben aber meist an der Oberfläche haften, Tiefgang findet man leider seltener als erhofft.
Mitnichten ein schlechtes Buch, aber eben leider auch nicht die berührende Geschichte, die ich mir erhofft hatte.
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2/5
17.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Nicht ganz überzeugend
Die Geschichte fließt stellenweise nur sehr zähflüssig dahin und wirkt ein wenig ermüdend. Einige Passagen wirken stimmungsvoll und nachdenklich, aber nicht tiefsinnig genug um restlos zu überzeugen. Ich hatte den Eindruck eine schlechtere Kopie von japanischer Literatur zu lesen. 2, 5 ⭐
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