Am 7. Oktober 2023 beging die palästinensische Terrororganisation Hamas das schlimmste Pogrom an Juden und Jüdinnen seit der Shoa. Ob in Be’eri, Kfar Azza oder auf dem Nova Musikfestival – das offene Ziel der Hamas war die Tötung möglichst vieler Juden und Jüdinnen. Ausmaß und Grausamkeit des genozidalen Massakers stellen eine Zäsur nicht nur für Israelis, sondern, wie sich zeigen sollte, für Juden und Jüdinnen weltweit dar. Der vorliegende Band soll dazu beitragen, diese Zäsur zu verstehen. Er versammelt Essays und Analysen, die den politischen Diskurs nach dem Pogrom auf seine Fallstricke und Subtexte hin durchleuchten. Die Autoren und Autorinnen erheben Einspruch gegen den nur offenkundig gewordenen Antisemitismus und die Entsolidarisierung mit Israelis und Juden und Jüdinnen weltweit auch in großen Teilen der Linken.
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Bewertung
5/5
28.12.2024
Buch (Taschenbuch)
Sehr ergreifendes Epos
Mein Fazit:
Der 7. Oktober 2023 hat die ganze Welt erschüttert und nichts war mehr, wie es war. Der Überfall der palästinensischen Terrororganisation Hamas ist ein Meilenstein in der Weltgeschichte. Die tragischen Bilder und Berichte gingen um die Welt, machten sprachlos und man weinte Tränen. Allen voran der Überfall auf das Nova-Musikfestival, wobei das Bild von Shani Louk, der Deutsch-Israelin, auf der Ladefläche eines Jeeps lag. Ermordet und zur Schau gestellt … und noch sind viele Geiseln in den Fängen der Hamas. Keiner weiß, ob sie noch leben....
In diesem Buch liest man über die Anfänge des Überfalls, über die Tötung vieler Juden, als Gleichstellung mit dem Holocaust, was natürlich zahlenmäßig in keiner Relation dazu steht. Aber was waren die Motive für diesen feigen Mord an unschuldigen Menschen? In einem Kapitel liest man die schrecklichen Erlebnisse: mit Handgranaten in die Luft gesprengt, erschossen, lebendig verbrannt, Kindern der Kopf abgeschnitten … wie grausam können Menschen sein? Das werde ich wohl nie verstehen.
Der Schreibstil des Autors ist flüssig, nicht ganz so leicht verständlich, aber wer sich mit der Politik auskennt, für denjenigen ist es eine Bereicherung. Es ist sehr ausführlich recherchiert, mit vielen Tatsachenberichten und Hintergrundinformationen gespickt.
Lesefuchs - Bücher mit Herz
aus Bargteheide
5/5
18.03.2024
Buch (Taschenbuch)
25 Essays zu einem Thema, das unbegreiflich ist und bleibt
Klaus Bittermann hat in seinem Verlag Edition Tiamat sehr schnell auf das unfassbare Massaker in Israel am 07. Oktober 2023 reagiert und einige national und international renommierte Autorinnen und Autoren gebeten, Texte zu schreiben oder bereits woanders zum Thema veröffentliche Artikel für das Buch zur Verfügung zu stellen. Diesem Wunsch sind zahlreiche Historiker:innen, Politolog:innen, Soziolog:innen und Journalist:innen, sowie Redakteur:innen namenhafter Zeitungen gefolgt.
Herausgekommen ist eine sehr interessante Sammlung unterschiedlichster Artikel, die sich teilweise sehr theoretisch, teilweise sehr persönlich mit der Geschichte der Israelis und der Palästinenser beschäftigen, mit den Themen Postkolonialismus, deutscher Schuld, dem Antisemitismus der deutschen Linken, der überraschenden Reaktion der deutschen und amerikanischen Universitäten, der Täter-Opfer-Umkehr und einigen weiteren Thema.
Den Artikel „Vom UN-Podium in den Gaza-Tunnel“ der Autoren Thomas von der Osten-Sacken und Oliver M. Piecha fand ich besonders interessant, weil er sehr deutlich aufzeigt, dass die Palästinenser eigentlich auch Opfer sind, die von den anderen arabischen Staaten für deren Zwecke missbraucht werden. Aber irgendwie kapieren sie es anscheinend nicht und versuchen es immer wieder aus neue.
Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen, da es mir einige offene Fragen beantwortet und einiges Wissen vertieft hat. Einige Texte sind aber einfach nur erschütternd.
Nach der Lektüre habe ich mir einmal mehr die Frage gestellt, warum viele Deutsche aller politischer Couleur so anders auf Gräuel und Massaker in Israel reagieren als auf ähnliche Vorkommnisse in anderen Ländern? Warum sind immer die Israelis Schuld, bzw. noch viel problematischer, warum sind die Juden Schuld?
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5/5
07.03.2024
Buch (Taschenbuch)
Gegen Terror und Antisemitismus
Die Politikwissenschaftlerin Tania Martini (Vorstandsmitglied der Tageszeitung "die taz") gab zusammen mit dem Verleger Klaus Bittermann ("Edition Tiamat") den Sammelband "Nach dem 7. Oktober" heraus. Um es vorweg zu betonen, die Tageszeitung "die taz" wie der Verlag "Edition Tiamat" positionieren und engagieren sich als linksalternative Publikationsorgane klar und eindeutig gegen den rechten, aber auch gegen den - weitverbreiteten - linken Antisemitismus. Im Vorwort des Buches erläutern Martini und Bittermann nicht nur das Konzept des Buches und dessen Notwendigkeit, es jetzt herauszubringen, sondern präzisieren in kurzen und knappen Sätzen zentrale Begriffe, die gerade im linken Antisemitismus in polemischer Absicht missbraucht werden. Die Beiträge, die ins Buch aufgenommen wurden, sind recht unterschiedlich in dem, was sie beschreiben, aufzeigen, analysieren oder schildern, aber in allen Beiträgen zeigen sich die Autor:innen entsetzt darüber, mit welcher grausamen und sexistischen Brutalität der palästinensische Hamas-Anschlag ausgeübt wurde. Zugleich weisen die Autor:innen mit aller Deutlichkeit darauf hin, wie vor allem im linken Diskurs in einer Täter-Opfer-Umkehr alte Stereotypen des Antisemitismus aufgegriffen werden. Martini und Bittermann betonen: "Terror ist Terror. Terror ist nicht Widerstand, nicht Dekolonisation, nicht Befreiung. Jede Relativierung der Hamas ist antisemitisch (...)." In dem Buch finden sich Beiträge von Seyla Benhabib, Deborah Hartmann, Natan Sznaider, Doron Rabinovici, Eva Illouz und vielen anderen. Philipp Lenhard schreibt, dass es schwer ist, angesichts dessen, was am 7. Oktober geschah, Worte zu finden. Jedoch musste man auch mit Schrecken zur Kenntnis nehmen, dass es gerade in den Kunst- wie in den Kultur- und Sozialwissenschaftlichen, aber auch in der Philosophie zu einer Verharmlosung und Instrumentalisierung terroristischer Gewalt kam. Dieser Verharmlosung und diesem Antisemitismus stellen sich die Autoren und Autorinnen mit aller Kraft entgegen.
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